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Samstag, 1. Dezember 2007

Union passt das PISA-Wetter nicht, also soll neuer Wettermann her

Netzeitung.de berichtet:

Bundesbildungsministerin Annette Schavan hat sich am Freitag der Kritik ihrer Unionskollegen angeschlossen. [...] Auch der niedersächsische Kultusminister Bernd Busemann (CDU) forderte Schleicher am Freitag zum Rücktritt auf und sprach sich dafür aus, auf längere Sicht aus der PISA-Studie auszusteigen. (Quelle: Netzeitung.de)


Könnte es sein, dass die Unions-Kultusminister und Frau Schavan, "Bildungs"- Ministerin, auch den Rücktritt von "Tagesthemen-Strömungsfilm"-Präsentatoren (sprich vom "Wettermann") fordern würden, wenn ihnen das präsentierte Wetter nicht passt?

Für wie bescheuert halten uns die Unionskultusminister und Frau Schavan eigentlich?

Da entsprechen die Ergebnisse aus der PISA-Studie also nicht den Wünschen und deshalb droht man aus dem PISA-Test auszusteigen? Das ist so lächerlich, dass man es kaum mit Worten beschreiben kann.

Und was soll dann geschehen? Will man dann die Schulleistungen sicherheitshalber nicht mehr wissenschaftlich evaluieren? Damit die Politiker wieder freies Feld haben für ihre Propaganda? Oder möchte man einen neuen, wissenschaftlichen Test? Da muss die Frage erlaubt sein: Warum? Gibt es wissenschaftlich etwas derartig auszusetzen am PISA-Test, dass seine Ergebnisse unglaubwürdig sind? Da würde ich aber gerne mal die Argumente hören von diesen Bildungsfritzen der Union.

Die Gründe für das Unbehagen der Union liegen wohl darin, dass PISA ein internationaler Vergleichstest ist. Und da die Verbesserung des Bildungssystems eine Sache von vermutlich eher Jahrzehnten als Jahren ist und die Union sich doch so gerne schon vor den nächsten Landtagswahlen als die "Bildungs-Partei" darstellen will, will man vermutlich schlicht diesen lästigen PISA-Test loswerden und ihn ersetzen durch einen rein nationalen Evaluationstest. Da ist Deutschland dann immer Spitze und die bayerischen Schulen am spitzesten und das lästige Skandinavien mit seinem guten Schulsystem führt nicht mehr zu unerwünschten Irritationen.

Mal sehen, wie das jetzt weiter geht und bei welchen anderen Themen und Fachgebieten die Union dann bald die Abschaffung wissenschaftlicher Expertise vorantreibt. Mit den Deutschen und ihren Medien kann man es ja anscheinend machen, ohne dass es auffällt.

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Freitag, 30. November 2007

Sind PISA-Testergebnisse pure Ideologie?

Tests wie beispielsweise der PISA-Test zur Erfassung des Lernerfolges bei Schülern sind hochkomplexe Produkte. Sie werden in mehreren Stufen nach international anerkannten, wissenschaftlichen Kriterien konstruiert. Das Gebiet der "Testkonstruktion" ist ein eigenständiger Forschungsbereich innerhalb der Sozialwissenschaften wie beispielsweise der Psychologie.

Solch ein Test, ob nun der PISA-Test oder einer der bekannten IQ-Tests (beispielsweise der Hamburg-Wechsler-IQ-Test), ist ein wissenschaftlich austariertes Messinstrument. Sozialwissenschaftler haben das Problem, dass es für das, was sie messen wollen (also beispielsweise Lernerfolg oder Intelligenz), keine physikalischen Messapparaturen wie Thermometer, Barometer, Hydrometer und dergleichen gibt. Sozialwissenschaftler müssen sich deshalb ihre Messapparate selber bauen. Und genau diese Fragenkataloge oder Leistungs- oder Wissenstests sind die Messapparate der Sozialwissenschaftler.

Genau wie ein Thermometer oder Barometer geeicht werden muss, so muss bei den sozialwissenschaftlichen Tests sichergestellt sein, dass sie genau sind. "Genau" heißt in diesem Fall, dass sie tatsächlich das messen, was sie messen sollen und dass sie zuverlässig messen, also nicht mal in einer Situation empfindlicher als Messinstrument reagieren und in anderen Situationen nicht "anschlagen". Wenn ein Thermometer also statt der Temperatur den Luftdruck messen würde, wäre das schlecht. Außerdem wäre es schlecht, wenn ein Thermometer in Deutschland genauer funktionieren würde als in Frankreich. Bezogen auf sozialwissenschaftliche Tests heißt das beispielsweise, dass bei einem IQ-Test erfasst werden soll, wie schnell jemand denken kann und nicht, welches Vorwissen er mitbringt, wieviel jemand weiß. Die PISA-Tests hingegen wollen messen, wieviel jemand lernen konnte. Der PISA-Test interessiert sich also im Gegensatz zu einem IQ-Test für das Wissen, das jemand erlernt hat. Wenn ein IQ-Test oder ein PISA-Test nun in einem Land genauer messen würde als in einem anderen Land, dann wäre das schlecht. Auch wenn ein IQ-Test oder ein PISA-Test gestern etwas anderes messen würden als heute, wäre das schlecht. Genauso wie es schlecht wäre, wenn ein Thermometer heute die Temperatur korrekt anzeigt, morgen jedoch nicht mehr. Man könnte in diesem Fall die Temperaturmessungen nicht mehr über mehrere Tage miteinander vergleichen und könnte keine Aussagen darüber treffen, ob sich beispielsweise die Durchschnittstemperatur in den letzten Wochen erhöht hat oder nicht.

Sozialwissenschaftliche Tests sind also Messinstrumente. Anders jedoch als Messinstrumente, die physikalische Eigenschaften messen, ist ihre Konstruktion weitaus komplizierter.

So werden beispielsweise die einzelnen Items eines Tests mit statistischen Methoden daraufhin überprüft, ob sie alle unterschiedliche Aspekte des abzufragenden Themas messen. Man möchte ja beispielsweise beim PISA-Test nicht das Wissen in Geschichte dutzendmal in mehreren Items abfragen, mathematisches Wissen jedoch nur in einer Aufgabe oder einem Item. Außerdem müssen die Fragen verständlich sein und beim PISA-Test müssen die Frage-Items oder Leistungstests so konstruiert sein und so vielfältig sein, dass man mit ihnen auch die unterschiedlichen Ausprägungen des Wissens und des Lernerfolges messen kann. Es nutzt nichts, wenn man am Ende vorwiegend Kinder hat, die entweder alle Aufgaben lösen konnten (weil sie zu einfach waren) oder gar keine Aufgaben lösen konnten (weil sie zu schwierig waren).

Sozialwissenschaftliche Tests unterlaufen aus diesen Gründen eine Reihe von Vortests, in denen man Teile des Gesamttestes ausprobiert an Testpersonen, um die Fragen und Items und Leistungstests anschließend weiter zu justieren und den Test zu verändern.

Es ist außerdem nicht unüblich, als "fertig" bezeichnete Tests doch noch einmal Jahre später zu korrigieren und feinzujustieren, um bessere Messergebnisse zu bekommen.

Wird bei einer solchen nachträglichen Justierung jedoch der Test noch einmal erheblich verändert, entsteht das Problem, dass seine Testergebnisse eventuell nicht mehr vergleichbar sind mit den Testergebnissen der Test-Vorgängerversion.

Und genau dies scheint bei dem heutigen PISA-Test der Fall zu sein. So stellt es jedenfalls der OECD-Pisa-Koordinator Andreas Schleicher dar und jeder Sozialwissenschaftler wird seine Ausführungen als logisch und glaubwürdig betrachten.

So wird plötzlich aus einer scheinbaren Verbesserungen der Leistungen der deutschen Schüler beim aktuellen PISA-Test, eine eventuelle, noch nicht sicher nachweisbare Verbesserung der Leistung. Denn um solch eine Verbesserung wissenschaftlich gesichert nachweisen zu können, müsste die jetzige Version des PISA-Tests erst noch mehrmals angewendet werden.

Die Unions-Kultusminister jedoch sehen in den Äußerungen von Andreas Schleicher, dass also die scheinbare Verbesserung der Leistung deutscher Schüler nicht so sicher ist wie das zunächst aussieht, pure Politik und ideologische Befangenheit. So als wolle Schleicher den deutschen Kindern und dem deutschen Schulsystem keinen Erfolg gönnen. Die Unions-Kultusminister fordern gar deshalb den Rücktritt von Andreas Schleicher, wie Tagesschau.de berichtet.

Die Rücktrittsforderung der Unions-Kultusminister gegenüber Schleicher wirkt extrem lächerlich, wenn man sich etwas mit dem Problemfeld der "Testkonstruktion" auskennt. Die Unions-Kultusminister sollten sich vielleicht zunächst etwas schlauer machen, bevor sie mit unhaltbaren Anschuldigungen um sich werfen.

Sonst könnten noch Rücktrittsforderungen in ganz anderer Richtung laut werden.

Aber ich glaube eh, dass die Kultusminister ihre Rücktrittsforderungen nicht ernst meinen. Aber sie sind natürlich prächtig geeignet, um damit abzulenken von den Schwächen des deutschen Schulsystems, für die sie die politische Verantwortung tragen. Und dieses Ablenkungsmanöver wird funktioniern. Weil die deutschen Medien keine Kraft haben, um sich mit den Hintergründen eines PISA-Tests zu beschäftigen und diese dem Publikum zu erklären, befürchte ich.

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Donnerstag, 22. November 2007

Gefährliche Sesamstraße: Augen zu bei Keksen und Griesgrämigkeit!

Diese Meldung "machte meinen Tag", wie man so auf eingedeutschtem Englisch sagt:

Nach Ansicht der US-Produzenten der «Sesamstraße» sollten Eltern ihren Kindern bei frühen Ausgaben der Kult-Sendung besser die Augen zuhalten. Vor allem dann, wenn Oskar und das Krümelmonster zu sehr pöbeln und krümeln. Deshalb sollen DVDs aus den frühen Zeiten mit einem Warnhinweis versehen werden, die besagen, dass die Shows für kleine Kinder nicht geeignet seien, teilte Produzentin Carol-Lynn Parente der «New York Times» mit. (Quelle: Netzeitung.de)


Oskar sei zu griesgrämig und das ständige Keksefressen vom Krümelmonster biete ernährungspädagogisch ein schlechtes Vorbild.

Das ist so lächerlich...

Dass die Sesamstraße (vor allem die in den 70iger Jahren in den USA produzierten Teile der Sesamstraße) durch die komischen und hintersinnigen Sketche mit Ernie, Bert, Kermit, Krümelmonster und Schlemihl das eigene Denken bei Kindern befördern, kann ich mir gut vorstellen.

Oskar aus der SesamstraßeOskar (im Original "Oscar the grouch") flog schon früh aus der Sesamstraße raus. Was ich als Kind damals sehr bedauerte. Seine Griesgrämigkeit empfand ich als enorm liebenswert und sie machte ihn einzigartig. Oskar hatte zu allem immer eine andere Meinung und nahm keine Rücksicht darauf, ob er damit eventuell aneckt. Oskar war somit einer der ersten Blogger. Diese Unabhängigkeit veredelte seine Person. Die Mülltonne nahm man nicht mehr wahr. Es kommt eben auf den Inhalt an, nicht auf das Äußere.

Als Kind ist man ja alles andere als unabhängig. Wesen, die einem vorleben, dass es möglich ist, unabhängig zu sein, faszinieren Kinder deshalb automatisch. Darauf beruht auch ein großer Teil des Erfolges der Geschichten von Astrid Lindgren. Die meisten ihrer Figuren zeichnen sich ja durch eine große Unabhängigkeit aus: Pippi Langstrumpfs übermenschliche Kräfte und ihre Fähigkeit, ohne Eltern leben zu können, Michel aus Lönneberga mit seinem Mut und seiner Gewitztheit, Karlsson auf dem Dach mit seiner Fähigkeit zu fliegen und seiner absoluten Störrigkeit.

Eigenständiges Denken hat immer etwas mit dem Überschreiten von Grenzen, mit Auflehnung und Nicht-Brav-Sein zu tun. Und das ist gut so. Und Kinder werden immer nach einem Weg suchen, einem Druck nach Anpassung auszuweichen. Bei Erwachsenen sieht das dann schon anders aus. Wie man an dem heutigen, oben dokumentierten, kriecherischen Verhalten der US-Produzenten der Sesamstraße erkennen kann.

Copyright-Hinweis: Urheber des obigen Fotos ist Ben Schumin. Das Bild unterliegt der "GNU Free Documentation License", Version 1.2 oder höher.

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Samstag, 20. Oktober 2007

Donnerstag, 11. Oktober 2007

Die Befürworter von mehr Überwachung handeln unmoralisch

Wenn Gesetze verabschiedet werden, geht es letzten Endes immer darum, mit ihnen das menschliche Verhalten zu lenken und zu steuern. Beispielsweise will man Anreize erzeugen, umweltfreundliche Autos zu kaufen, indem man sie steuerlich begünstigt. Hinter dieser Annahme steckt eine ganz bestimmte, implizite Theorie darüber, wie Menschen funktionieren. In diesem Fall geht man stillschweigend davon aus, dass Menschen sich ökonomisch rational verhalten, also immer die Alternative mehrerer Handlungsmöglichkeiten wählen, die für sie ökonomisch am sinnvollsten ist - hier das umweltfreundliche Auto, sofern der Steuervorteil insgesamt tatsächlich einen finanziellen Vorteil verspricht.

In der Psychologie jedoch ist diese implizite Annahme, dass Menschen sich immer ökonomisch rational verhalten (Menschen also ein "homo oeconomicus" seien), umstritten! Das erstaunt viele Nicht-Psychologen (vor allem aber neoliberale Wirtschaftsheinis) oftmals. Und doch kennt jeder eigene Beispiele, in denen er nicht einem klar zu benennenden finanziellem Vorteil folgt, sondern seine Entscheidungen von ganz anderen Überlegungen bestimmt werden. (Es sprengt jetzt leider meine Zeit, hier näher auf alternative psychologische Modelle dazu, was Menschen in ihrem Handeln bestimmt oder bestimmen könnte, einzugehen. Deswegen hoffe ich, dass an dieser Stelle der Hinweis auf das eigene Erleben als Argument dafür ausreicht, dass die Theorie vom "homo oeconomicus" als einzig mögliche Erklärung menschlichen Verhaltens nicht überzeugend ist.)

Die Mehrheit der Gesetze versucht jedoch nicht durch das Setzen von positiven Anreizen menschliches Verhalten zu steuern, sondern durch die Androhung von Strafen. Auch hier steckt wieder die Annahme dahinter, dass Menschen so rational seien, sich Strafen entziehen zu wollen. Und auch hier kann jeder sich Beispiele und Situationen einfallen lassen, in denen er selbst eventuell trotz Strafandrohung die verbotene Handlung ausführen würde.

Ein wichtiges Kriterium, das bestimmt, ob man verbotene Handlungen nicht ausführt, ist die Frage, ob man beobachtet wird, also Gefahr läuft, beispielsweise bei einem Ladendiebstahl geschnappt zu werden. Gibt es weitere Kriterien, die die Entscheidung beeinflussen könnten, einen Ladendiebstahl zu begehen oder nicht zu begehen? Der Verfechter einer Theorie vom Menschen als "homo oeconomicus" würde jetzt sagen: Nein! Sobald sich jemand unbeobachtet fühlt, das Risiko entdeckt zu werden gering genug ist, greift man zu und stiehlt. Denn das wäre aus Sicht des einzelnen Menschen ökonomisch das sinnvollste Verhalten.

Die eigene Erfahrung und Forschungsergebnisse der Psychologie legen jedoch nahe, dass diese Sicht auf den Menschen als "homo oeconomicus" zu kurz greift. Der größte Teil der Menschheit läuft eben nicht durch die Gegend und stiehlt bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Läden leer.

Die Tatsache, ob man beobachtet wird oder nicht, die Tatsache also, ob man tatsächlich eine Strafe zu erwarten hat oder nicht, ist nur eine von möglichen Kriterien, die unser Verhalten bestimmen.

Erwachsene Menschen mit normaler Sozialisation haben übergeordnete moralische Konzepte entwickelt, Werte, die sie lenken in ihrem Handeln. Verbote werden dann nicht mehr in erster Linien danach beurteilt und befolgt, ob sie Strafen nach sich ziehen und wenn ja mit welcher Wahrscheinlichkeit, sondern vor allem werden Vorschriften und Gesetze danach beurteilt, ob sie übergeordneten Wert- und Moralvorschriften entsprechen. So kann beispielsweise ein Gesetz, das zwar in Übereinstimmung mit den eigenen moralischen Werten Ladendiebstahl verbietet, aber als Strafe für Ladendiebstahl in jedem Fall beispielsweise auch beim ersten Vergehen bereits eine langjährige Gefängnisstrafe vorsieht, als unmoralisch bewertet werden. Noch unmoralischer könnte es bewertet werden, wenn beispielsweise nur der Diebstahl von Waren einer bestimmten Art eklatant bestraft würde, der von anderen Gegenständen jedoch weniger stark. Oder wenn bestimmte Personen weniger schlimme Strafen bekommen würden. Andererseits kann es genauso sein, dass es als unmoralisch empfunden wird, wenn alle Menschen gleich stark bestraft werden. Die Auseinandersetzungen und Diskussionen über die besonderen Strafvorschriften im Jugendstrafrecht zeigen, dass darum gekämpft wird, Gesetze zu haben, die übergeordneten Moralvorschriften entsprechen.

Die Legitimität solcher Gesetze würde also in Frage gestellt werden, wenn sie diesen übergeordneten Moralvorschriften nicht ensprechen. Es spielt also bei der Beurteilung von Gesetzen nicht nur eine Rolle, ob sie einen selbst irgendwie betreffen oder nicht, ob man also geschnappt werden könnte oder nicht, sondern auch, ob sie moralisch gerechtfertigt sind. Sind sie das nicht, ist zu erwarten, dass viele Menschen solche Gesetze "innerlich" ablehnen, vielleicht sogar bewusst gegen die Gesetze verstoßen - als Ausdruck des Protestes. Oder dass sie sich eben nur dann an diese unmoralischen Gesetze halten, so lange sie Strafe konkret fürchten müssen, aber dann tatsächlich bei der nächsten, unbeobachteten Gelegenheit auf dieses unmoralische Gesetz "pfeifen".

Menschen haben also eine Moral. Und befindet sich diese im Widerspruch zu bestehenden Gesetzen, dann werden Menschen sich trotz Strafandrohung mit höherer Wahrscheinlichkeit eher nach ihrer eigenen Moral richten als nach dem, was in den Gesetzen vorgschrieben ist.

Der Gesetzgeber kann darauf auf drei verschieden Arten reagieren: 1.) Er erhöht den Strafdruck, beispielsweise indem er die Strafandrohungen erhöht oder die Wahrscheinlichkeit des Eintreffens einer Strafe erhöht durch umfassendere Überwachung. 2.) Er schwenkt auf die moralischen Vorstellungen der Bürger ein und übernimmt sie und ändert die Gesetze dementsprechend. 3.) Er versucht die Bürger zu erziehen und ihre Moral zu verändern.

Wir haben also festgestellt: Menschen richten sich eher nach dem, was sie als moralisch richtig empfinden als schlicht nach dem, was verboten ist oder nicht verboten ist. Gesetze scheinen also dann am wirksamsten zu sein, wenn sie die bestehende Moral unterstützen und nicht, wenn sie ihr widersprechen.

Und jetzt erst komme ich zu dem Punkt, auf den ich hinaus wollte:

Dass Menschen eine Moral haben (wie auch immer die inhaltlich ausgestaltet sein mag) zeigt, dass Moral für Menschen wichtig ist. Eine Moral zu haben sagt nämlich: Ich richte mich freiwillig nach bestimmten Handlungs- und Wertmaßstäben, die ich selbständig als richtig oder falsch erkannt habe. Eine Moral für sich entwickelt zu haben und ihr zu folgen, drückt aus, dass man ein freies, autonomes Wesen ist. Nach dem Motto: Ja, ich richte mich nach den Regeln der Gesellschaft, aber ich tue dies freiwillig, weil ich sie als gut und richtig erkannt habe. Für den eigenen Selbstwert ist es wichtig, wahrzunehmen oder zumindest zu glauben, dass man autonom handelt.

Insofern greifen Gesetzesvorhaben, die eine immer stärkere Überwachung des Einzelnen mit sich bringen, genau dieses Selbstbild vieler Menschen, sich freiwillig und selbstbestimmt für das Gute zu entscheiden - und nicht nur weil man insgeheim beobachtet wird und in jedem Fall Strafe zu erwarten hat - an. Wird man beständig beobachtet oder in relevant hohem Maße beobachtet, kann niemand mehr vor sich selbst in überzeugender Weise behaupten, freiwillig und selbstbestimmt zu handeln.

Umfassende Überwachung greift somit den Wunsch des Menschen an, sich als selbstbestimmt und Herr über sein eigenes Leben wahrzunehmen.

Das Menschenbild der Befürworter einer immer umfangreicheren Überwachung als Mittel gegen Kriminalität greift zu kurz, gefährlich zu kurz, denn sie übersehen die eigentliche Triebfeder, die Menschen zu einem sozialen und nicht zu einem asozialen Wesen macht: Die Moral.

Moralisch handelnde Menschen wissen das. Und sie wissen, dass sie ebenso - um das Selbstwertgefühl des Gegenüber nicht zu verletzen - davon ausgehen müssen, dass der Andere ihnen gegenüber eine Moral besitzt, nach der er sich auch dann richtet, wenn er gerade nicht beobachtet und überwacht wird. Diese Einstellung dem Anderen gegenüber nennt man Vertrauen, Vertrauen in ihn und Vertrauen in seine persönliche Integrität.

Eine vom Staat verfolgte Agenda, dass Verbrechensprävention eine immer umfassendere Überwachung aller Bürger nötig mache, untergräbt diesen Grundstein menschlichen, moralischen Zusammenlebens und untergräbt das Vertrauen der Menschen zueinander und erst recht gegenüber dem Staat.

Ein aktueller Artikel bei Zeit.de stellt diesen letzten Punkt hervorragend dar: Überwachung macht unsicher.

Freitag, 24. August 2007

Die Angst des Fernsehens vor den Computerspielen

(Via Das Alte Europa; sorry, ich muss doch drauf eingehen...) Huch, da issa wieder, der halbjährliche Panikruf des Fernsehens im Angesicht seines größten Konkurrenten beim Kampf um die Aufmerksamkeit des Publikums. Die Computerspielmesse in Leipzig boomt und das Fernsehen kriegt das Zittern. Da muss gegengesteuert werden. Und wie immer dabei, Kriminologe Christian Pfeiffer. Platz der Aufführung des hysterischen Theaterstücks darf auch dieses Mal wieder die berühmt, berüchtigte ZDF-Sendung "Frontal 21" sein, in der Pfeiffer letzten Dienstag wie folgt zitiert wurde:

In Verbindung mit anderen Belastungsfaktoren - prügelndes Elternhaus, mobbende Mitschüler, dass man Außenseiter wird, dass man nicht selbstbewusst mitten im Leben steht - bedeuten Computerspiele das Aufzeigen einer Handlungsalternative, die einem sonst gar nicht in den Sinn käme. Man wird durch das aktive Spielen ein Stück näher gerückt an selber Gewalt aktiv Einsetzen. (Quelle: ZDF.de)


Verstehe ich das richtig, dass ein prügelndes Elternhaus und mobbende Mitschüler nicht ausreichen, um das Opfer zu motivieren, eventuell zurückzuschlagen? Bedarf es für diesen Schritt erst noch eines Computerspiels? Käme ein solcherart gequältes Kind tatsächlich erst durch ein Computerspiel darauf, eventuell selbst aggressiv zu werden? Na, wie gut, dass man die Computerspiele einfach verbieten kann. Dann richten prügelnde Elternhäuser und mobbende Mitschüler ja keinen Schaden mehr an. Denn der größte Schaden wäre wohl, wenn das Opfer anfangen würde, sich zu wehren. Oder wie?

Auch auf den Gedanken, dass es zwar Menschen gibt, die Computerspiele dazu nutzen, um vor Problemen zu fliehen, dass aber im Umkehrschluss damit nicht gesagt ist, dass jeder Computerspieler Probleme hat, - auch auf diesen Gedanken kommt Frontal 21 nicht. Wäre wohl auch etwas zu viel verlangt.

Aber Frontal 21 hat noch einen Pfeil im Köcher, und zwar die kritischen Anmerkungen von Schulpsychologe und Medienforscher Dr. Werner Hopf:

Der Schulpsychologe und Medienforscher Dr. Werner Hopf, der an der Studie mitarbeitete, erläutert: "Die Jugendlichen vor allem im Kindesalter, im Grundschulalter, geben an, dass sie beim Anschauen von Horrorfilmen, dass sie später beim Spielen von Computergewaltspielen wie 'Doom' oder 'Half-life' starke Hassgefühle erleben. Und diese starken Hassgefühle werden über die Jahre hinweg konditioniert, festgefügt als eine Charaktereigenschaft, eine Haltung, die die Jugendlichen weiter in ihrem Verhalten prägt". (Quelle: ZDF.de)


Gegen diese Aussagen von Hopf ist nichts einzuwenden. Die Politiker und manche Medienfuzzis jedoch übersehen dabei, dass Hopf hier von jungen Kindern spricht. Und die sollten und dürfen auch heute schon nicht diese Computerspiele spielen, die Hopf da nennt. Aber würde man diese Tatsache herausstellen, bliebe den Politikern ja nur noch übrig, sich um die wirklichen Ursachen von Problemen von Kindern und Jugendlichen zu kümmern, statt die gesetzlichen Regelungen rund um Computerspiele zu verschärfen und das als Lösung aller Probleme zu verkaufen.

Und wie nennt man diese Art der Berichterstattung über Computerspiele? Richtig. Propaganda.

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Freitag, 17. August 2007

Besserer Mensch durch gesperrte Handy-Schnittstellen

Manchmal erscheinen einem die deutschen Medien wie alte Damen, die schon etwas dement beim täglichen Kaffeekränzchen die Welt sich so zurechtlegen, wie sie sie von ihrem Tischchen im Café aus meinen wahrnehmen und verstehen zu können.

Dieses Gefühl der eklatanten Unzulänglichkeit bei der Berichterstattung tritt bei deutschen Medienkonsumenten vor allem auf bei Themen, die irgendwie mit "Technik" zu tun haben, gar mit "Kommunikationstechnik". Dann wird es richtig grausam. Dann werden in deutschen Medien oftmals Behauptungen aufgestellt, die eher darauf schließen lassen, dass auch ein wenig Hochprozentiges im Kaffee war.

So behauptet die Frankfurter Rundschau/DPA frech in Bezug auf neue Sperrmöglichkeiten der Übertragungsschnittstellen (Bluetooth und Infrarot) bei Handys (die Meldung wird wie üblich bei der Frankfurter Rundschau in wohl einigen Tagen online gelöscht worden sein):

Mit den Schnittstellen zum kostenlosen Tausch von Inhalten tauchte auch das Phänomen des "Happy Slapping" auf. (Quelle)


Und unwidersprochen wird weiter berichtet:

"Da besteht schon die Gefahr, dass jemand verprügelt wird, nur weil es die technische Möglichkeit gibt, das zu verbreiten", räumt der Mobilfunk-Chef ein. (Quelle)


Ach wirklich? Die Schnittstellen bei Handys sind also die Ursache für Übergriffe von Jugendlichen auf wehrlose Opfer ("Happy Slapping")? Erstaunlich, dass das die Frankfurter Rundschau/DPA einfach so weiß. Woher nur? Irgendwo muss es geheime Studien geben, von denen nur sie und kein Sozialwissenschaftler sonst auf der Welt weiß. Mysteriös!

Die besondere Vorgehensweise, Gewalt auf Video aufzunehmen, mag durch Handy-Cams begünstigt werden. Aber dass Jugendliche überhaupt auf den Gedanken kommen, gewaltsam gegen Opfer vorzugehen, wird wohl kaum alleine durch das Vorhandensein einer Handy-Cam ausgelöst werden. Wie müsste man sich ansonsten dann die jugendliche Gewalt vor Erfindung von Handy-Cams erklären?

Viel wahrscheinlicher ist wohl, dass vorhandene Gewalttendenzen und Gewaltwünsche durch Handy-Cams nur eine besondere Form annehmen. Vielleicht verringern Handy-Cams sogar weitere körperliche Übergriffe auf das Opfer, da die Gewalttat ja auf Video gebannt ist und die Gewalttäter sie so jederzeit wieder vergegenwärtigen können? Es könnte natürlich genauso sein, dass die Jugendlichen, die eh gewaltbereit sind, zusätzliche Motivation erhalten, weitere Opfer zu suchen. Dann würden wenige Jugendliche mehr Gewalttaten begehen, jedoch nicht insgesamt die Anzahl gewaltbereiter Jugendlicher größer werden. Wer weiß?

Aber jeder ist ja sein eigener Psychologie- und Pädagogik-Experte. Was braucht man da Fachleute und Studien? Hat nicht jeder schon erfahren, wie eine anwesende Kamera die Situation und das Verhalten verändert? Na, eben. Also wird aus friedlichen Jugendlichen logischerweise allein durch Handy-Cams und Übertragungsmöglichkeiten der Videos gewalttätige Jugendliche. Wirklich völlig logisch. Zumindest anscheinend für leicht angesäuselte Journalisten.

Ich vermute hinter der Sperre dieser Datenübertragungs-Schnittstellen durch Handy-Anbieter eher kommerzielle Interessen der Netzbetreiber. So können die Jugendlichen bei Sperrung dieser Schnittstellen auch keine Klingeltöne oder Logos oder harmlose sonstige Bilder mehr kostenlos an den Netzbetreibern vorbei auf ihre Handys kopieren und müssen nun dieses Zeug wie möglicherweise irgendwelche selbstgedrehte Videos durch kostenpflichtige MMS aufs Handy übertragen.

Aber liebe Medien, da müsst ihr noch einiges mehr an Propaganda der Netzbetreiber und Unions-Politiker raushauen, bis die Eltern diesen Quatsch glauben. So doof sind die nämlich nicht, um diesen Kommerz-Trick nicht zu durchschauen. Denn Eltern sind, was Technik (und Kindererziehung) betrifft, weitaus intelligenter als so manche einsamen, lebensfremden, alten Journalisten-Zausel hinter ihren mechanischen Schreibmaschinen, die die Jugend auf Schulhöfen nur betrachten als eine Meute von gewalttätigen, pornosüchtigen, gefährlichen Subjekten, die mittels Verboten und Überwachungsmaßnahmen im Zaum gehalten werden muss. Bis diese Subjekte dann logischerweise 18 Jahre alt sind und über Nacht wie durch Zauberhand zu vertrauenswürdigen, disziplinierten Erwachsenen werden und keinerlei Verbote und Sperren mehr benötigen.

Das Prinzip des Erwerbs von Medienkompetenz als pädagogische Aufgabe ist aber auch viel zu schwierig zu verstehen für manche/viele Journalisten und auch - sieht man sich die Kommentare zu der neuen Handy-Sperrmöglichkeit von Seiten der Schulvertreter an - für die meisten Lehrer. Verbote und Überwachung besitzen in Deutschland hohes Ansehen. Andere Völker glauben daran, dass Schamanentänze den Wind veranlassen, Regen herbeizubringen. Deutsche glauben daran, dass jedes Problem durch ein Verbot, Sperren und Zensur aus der Welt geschafft werden kann. So hat eben jedes Völkchen seine Marotten.

Nachtrag: Auch Mario Sixtus echauffiert sich über die unkritische Weiterverbreitung der PR der Handyhersteller und Netzbetreiber in dieser Sache durch Journalisten: Vodafone macht Übertragung von Gewaltvideos kostenpflichtig.

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Donnerstag, 25. Januar 2007

Einfache Unternehmensberater-Konzepte in Sozialarbeit können tödlich sein

Normalerweise vermeide ich Weblog-Einträge, die nur eine Leseempfehlung für einen Online-Artikel zum Inhalt haben. Dazu ist mein Del.icio.us-Archiv da. Wer auf der Suche nach interessanten Artikeln ist, wird da fündig.

Weblog-Einträge hier sollen immer eigenen, zusätzlichen Senf von mir enthalten.

Aber das Eingangsstatement des Zeugen Teerstegen (heute Oberregierungsrat, damals Mitarbeiter im Sozialressort der Stadt Bremen) vor dem Bremer Untersuchungsausschuss zum Tod von Kevin ist so aussagekräftig, so bemerkenswert und so erhellend, dass ich es nicht einfach nur in meinem Del.icio.us-Archiv verlinken wollte: Sozialarbeit à la Roland Berger (NachDenkSeiten.de)

Teerstegen dekonstruiert dort die ganze furchtbare Denkweise von Unternehmensberatern, wenn diese auf soziale Einrichtungen übertragen wird. Ziel bei dieser Denkweise ist immer das Geldsparen durch effizientere Strukturen. Damit das in Bremen bei der Neustrukturierung der sozialen Aufgaben der Stadt nicht allzu offensichtlich wurde, hat man noch umstrittene, einseitige psychologische Theorien dem Mix als Rechtfertigung hinzugefügt. Insgesamt entstand so eine Organisationsstruktur, die einer schablonenhaften Theorie entsprach, aber eben nicht den Anforderungen der Realität. Die Folge: Überarbeitete Mitarbeiter, Sozialarbeit unter dem Diktum des Sparens und schließlich der Tod von Kevin.

Man kann nur hoffen, dass die Erfahrungen in Bremen zum Anlass werden, ähnlich falsche Neuausrichtungen sozialer Behördenarbeit in Deutschland zu revidieren. Dazu bräuchte es aber ein gänzlich anderes Denken in Deutschland. Weg von einem Denken, dass der Staat sich heraushalten solle, dass nur billige Sozialarbeit gute Sozialarbeit sei und dass die Konzepte von Unternehmensberatern für die verschiedensten Aufgabenfelder bedingungslos und immer fruchtbar und sinnvoll seien.

Da aber einfache Antworten sexy sind und die komplexe Realität meist verwirrend und verstörend ist und da die deutschen Medien vor allem einfache Antworten und einfache Realitäten lieben (sie erleichtern die unbeliebte und zu teure Recherche), werden die Wahrheiten von Teerstegen kaum Gehör finden.

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Samstag, 6. Januar 2007

Ich möchte nicht Kind in Deutschland sein

Zu der gerade in den dritten Programmen gezeigten Dokumentation "Rythm Is It!" (WDR: 06.01.2007, 11:40 Uhr, BR: 14.01.2007, 12:15 Uhr) empfehle ich eine Kritik bei Filmzentrale.com: Soziales Wohlfühlkino:

Drei Monate, von den ersten Proben bis zum großen Abend der Aufführung, hat das Team um Thomas Grube und Enrique Sánchez Lansch 250 Schüler (25 Nationen) aus 5 fünf Berliner Grund- und Hauptschulen begleitet. [...] Was und wie viel das Projekt in der Breite und auf Dauer gebracht hat, bleibt fraglich; nach der Uraufführung endet die Dokumentation im Freudentaumel. Dass ein Großteil der Schülerschaft mit geringer Qualifikation, aber überhöhter Erwartungshaltung seinen Platz in einer täglich komplexer werdenden Berufswelt finden muss, wird in einem Projekt, in dem jeder alles schaffen kann, souverän übergangen. Von realistischer Zukunftserwartung keine Spur. (Quelle)


Dennoch könnte ein Blick in die Dokumentation lohnen. Einfach, um kurz mal in die Gesichter der Kinder zu blicken, die am Anfang der Dokumentation im Hintergrund gezeigt werden - bevor dann die Erfolgsgeschichten einiger Kinder die Story der Dokumentation dominieren. Denn bereits allein diese Gesichter erzählen - so kurz sie auch nur zu sehen sind - eine andere Geschichte als die, die die Dokumentation anschließend fabriziert.

Wenn Lehrer nicht solch einen Stress hätten, müssten sie Weblogs schreiben. Gerade Lehrer von Schulen in sozialen Brennpunkten. Um mitzuteilen, welchen Ängsten und welcher Chancenlosigkeit viele ihrer Schüler ausgesetzt sind. Um mitzuhelfen, die Werte in der deutschen Gesellschaft wieder zurecht zu rücken. Damit der Mensch wieder im Mittelpunkt der Politik steht und die menschenverachtende Pop-Religion des Neoliberalismus zurückgedrängt wird. Davon würden alle profitieren, nicht nur verhärmte Kinder in sozialen Brennpunkten.

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Donnerstag, 30. November 2006

Expertenstreit um Killerspiele?

Wer hat denn nun Recht? Sind Computerspiele schädlich? Gibt es einen Streit zwischen Experten zu dem Thema oder nicht?

Ich habe mir einmal die Diskussion zum Thema angesehen und komme zu folgendem Schluss:

Computerspiele können schädlich sein. Einen Streit zwischen Experten gibt es eigentlich nicht. Was nicht ausschließt, dass es immer einige Forscher gibt, die frech in der Öffentlichkeit auftreten und einige Forschungsergebnisse in ihrer Bedeutung überschätzen. Wenn also zum Beispiel manche Hirnforscher mutig behaupten, dass eine kurzfristige Veränderung des Blutflusses in manchen Hirnregionen während des Computerspielens ein klarer Hinweis dafür sei, dass der betroffene Mensch Moral- und Wertvorstellungen dauerhaft ändern würde und nach genug Zeit am Computer bereitwilliger auch längerfristig aggressiv gegen Mitmenschen auftreten würde. Für solch eine Behauptung gibt es kaum wissenschaftlich fundierte Hinweise. Die in Computertomographen gemessenen Veränderungen der Arbeitsweise des Gehirns beim Computerspielen belegen nur, dass das Gehirn arbeitet. Würde sich da im Gehirn nichts verändern während des Spielens am Computer, wäre es tot. Insofern erstaunen mich solche Forschungsergebnisse überhaupt nicht, obwohl dieser Welt.de-Artikel natürlich brutal suggerieren will, dass die zitierten Forschungsergebnisse langfristige Folgen von Computerspielen aufzeigen würden. Der Artikel ist in seiner Machart also ein Angriff auf die Wahrheit. Aber lassen wir das. Es gibt ja tatsächlich Hirnforscher, die behaupten, dass das Gehirn längerfristig durch Computerspiele verändert wird. Meist beschränkt sich diese Vermutung darauf, dass motorische und sensorische Fähigkeiten trainiert würden. Einige wenige Hirnforscher gehen weiter und behaupten, dass Computerspiele Gehirne so umformen könnten, dass die Spieler eine Gefahr für die Gesellschaft werden könnten (dazu unten mehr). Da Hirnforscher schöne bunte Bilder von Magnetresonanztomographen vorlegen können und diese Maschinen auf Laien sehr beeindruckend aussehen, erlangen solche gewagten Thesen über längerfristige Auswirkungen von Computerspielen auf die Gehirnstruktur häufig große Aufmerksamkeit in den Medien. Magnetresonanztomographen sind jedoch keine Allwissenheits-Maschinen. Die bunten Bilder bedürfen extrem der Interpretation und zeigen für sich genommen erst einmal gar nichts. Bei der Auswertung hängt es also stark davon ab, von welchen Theorien man ausgeht.

Frage 1: Sind Computerspiele also nun schädlich?
Ja, sie können schädlich sein. Besonders, wenn jüngere Kinder ihre Freizeit vor allem nur mit Computerspielen füllen. Dabei kommt es weniger auf die Art der Computerspiele an als auf die Einseitigkeit der Beschäftigung. In diesem Sinne wäre jedoch wahrscheinlich ein übermäßiger Fernsehkonsum ähnlich schädlich, wenn nicht sogar schädlicher. Das, was hier also Schaden verursachen kann, ist die Einseitigkeit. Die Ursache für einseitige Freizeitbeschäftigung liegt weniger bei den Computerspielen an sich, sondern vielleicht an mangelnden Alternativen. Hat das Kind Freunde? Gibt es alternative Spiel- und Sportangebote? Kümmern sich die Eltern um das Kind oder ist den Eltern die Selbstbeschäftigung des Kindes mit Computerspielen willkommen, da sie sich so um das Kind nicht zu kümmern brauchen? Computerspiele können also schädlich sein. So wie jede einseitige Beschäftigung schädlich sein kann. Wer als Kind jeden Tag sieben Stunden lang Fußball spielt, tut sich auch nichts Gutes an. Genauso wie Fußball können Computerspiele jedoch auch förderlich sein. Schon alleine deswegen, weil Computerspiele wahnsinnig unterschiedlich sind. Wer also sagt, dass Computerspiele schädlich sind, muss auch sagen, dass Fußballspielen schädlich ist.

Frage 2: Sind Killerspiele schädlich?
Bleiben wir ruhig mal bei dem umstrittenen Ausdruck "Killerspiele" und verstehen darunter einmal alle Spiele, die virtuelle Gewalt zeigen und zudem Reaktionsschnelligkeit des Spielers erfordern. Die Antwort kann dann lauten: Ja, Killerspiele können schädlich sein. Grund Nummer eins: Siehe Antwort zu Frage 1. Zweiter Grund: Es gibt kurzfristige Auswirkungen. Der Adrenalin- und Testosteronspiegel steigt. Direkt nach dem Killerspiel ist der Spieler aufgeregter und weniger einfühlsam. Außerdem behindern solche aufregenden Tätigkeiten das Setzenlassen von zuvor Gelerntem. Wer also vor dem Killerspiel Vokabeln gelernt hat, wird sie weniger leicht behalten, als wenn er sich nach dem Lernen einer ruhigeren Tätigkeit hingibt. Dritter Grund: Die Moralentwicklung junger Kinder ist noch nicht abgeschlossen. Es könnte sein, dass Computerspiele, in denen exzessives, virtuelles Töten gezeigt wird, Auswirkungen haben auf die Moralvorstellungen solcher Kinder. Deshalb sind solche Spiele ja auch für Kinder bereits heute verboten. Vierter Grund: Manche Hirnforscher meinen, dass das Rumgeklicke am Computer auch bei älteren Menschen im Gehirn langfristig Strukturen verändert und auf diese Weise Verhaltensweisen, die der Spieler am Bildschirm ausübt, trainiert und zweitens diese Verhaltensweisen dann im realen Leben zur Gefahr werden könnten. Wer demnach gut darin ist, mit seiner Computermaus Menschenabbilder auf dem Bildschirm zu treffen, der sei auch gut darin, mit einer realen Waffe in der realen 3D-Umwelt Menschen skrupellos abzuschießen. Hier verbergen sich zwei Behauptungen: Einerseits finde ein Lernen motorischer Fähigkeiten statt, die auf die reale Welt übertragbar sei. Das Mausgeklicke helfe beim Umgang mit einem realen Gewehr. Fragwürdig, wie ich finde. Andererseits könne unser Gehirn nicht wirklich unterscheiden zwischen virtueller und realer Welt. Das virtuelle Töten sei somit auch ein Lerneffekt, der sich beim Verhalten in der realen Welt bemerkbar mache. Auch in realen Situationen würde die Verhaltensweise des Tötens durch diesen Lerneffekt begünstigt. Folge: Leute, die Killerspiele spielen, seien angeblich allgemein bereiter dazu, zu töten. Aus diesem Grund würde die US-Armee auch Computerspiele im Training einsetzen.

Problem: Wissenschaftlich gibt es für diese Aussage kaum Belege. Zumindest keine solchen Belege, die ein solches Durchgreifen des Staates rechtfertigen könnte, wie es zum Beispiel ein Herstellungsverbot bestimmter Computerspiele und das Unterwerfen einer Kultur- und Wirtschaftsbranche unter das Diktat staatlicher Zensur sein würde. Auch wenn zum Beispiel Hirnforscher Manfred Spitzer behauptet, dass Menschen den Wirkungen von Killerspielen hilflos ausgeliefert seien und deshalb eigentlich verboten gehören (Dradio.de: Hirnforscher fordert Extra-Steuer auf "Killerspiele", MP3-Datei des Interviews). Spitzer vermengt in seiner Argumentation jedoch die zweifelsfrei nachgewiesene Wirkung von Medien allgemein (zum Beispiel die Wirkung von Werbung etc.) mit der spezifischen, angenommenen Wirkung, dass Menschen, die Killerspiele spielen, allgemein und langfristig gefährlicher und aggressiver seien. Spitzer zieht aus der Tatsache, dass Menschen in der Lage sind zu lernen, den Schluss, dass Menschen im Grunde genommen total fremdbestimmt seien, dass sie abhängig seien von dem, was auf ihr Gehirn einwirkt. Der Medienpädagogik spricht er dabei jeglichen Sinn ab. Die Interpretation der Welt spielt für Spitzer keine Rolle. Was zähle seien die Reize, die im Gehirn ankommen. Spitzer hat somit ein extrem positivistisches Weltbild: Der Reiz von außen ist alles. Auswahleffekte, dass Menschen also sich gezielt bestimmten Reizen aussetzen oder Reize meiden, sieht er anscheinend nicht. Außerdem ist Spitzer der Meinung, dass man Amokläufe nicht vorhersagen könne. Sie würden einfach so passieren. Er bezeichnet somit zum Beispiel Psychologen, die mit Hilfe des Phänomens des "Leaking" Amokläufer im Vorhinein zu erkennen versuchen (Welt.de: Wie Amokäufer psychologisch erkannt werden können") indirekt eigentlich als Scharlatane. Spitzer gehört also jener kleinen Fraktion von extremen Hirnforschern an, die dem Menschen jeglichen freien Willen absprechen - auf Grundlage eines zweifelhaften Experimentes übrigens, dessen Aussagen inzwischen auch ganz anders interpretiert werden. Warum allerdings bei den Massen an Menschen, die sich täglich diesen "Killerspielen" aussetzen, bislang so wenig passiert ist, kann Spitzer nicht erklären.

Weiter also zum Thema "Killerspiele". Dass die US-Armee Computerspiele einsetzt, hat auch ganz andere Gründe. Zum Beispiel als Werbung oder zum taktischen Training. Und selbst wenn die Vermutung stimmt, dass ein Killerspieler bereitwilliger den Abzug ziehen würde: Er müsste ja erst einmal einen realen Abzug in der Hand halten. Da wäre die Frage interessanter, wie dieser Abzug in seine Hand gelangt ist? Warum hat er eine Waffe in der Hand? Was hat ihn dazu veranlasst, eine Waffe in die Hand zu nehmen? Bleibt man streng bei der Argumentationskette mancher Hirnforscher, können sie diese Frage nicht beantworten, denn in Computerspielen wird nicht die Beschaffung von Waffen trainiert, sondern korrektes und schnelles Zielen und Treffen. Im Computerspiel hat man die Waffe immer schon in der Hand. Wenn also Killerspiele das Töten tatsächlich trainieren, dann nur den letzten Schritt vor dem Ziehen des Abzugs. Alles, was davor passiert ist, bleibt ausgeblendet. Vielleicht wäre unter diesem Gesichtspunkt also ein Verbot des Spielens von Killerspielen sinnvoll - und zwar für Polizisten, damit die nicht zu schnell den Abzug ziehen.

Die Argumentation mancher Hirnforscher greift also zu kurz, wenn sie versuchen jenseits von motorischen Lerneffekten mit den bunten Bildern aus dem Magnetresonanztomographen gesellschaftliche Phänomene erklären zu wollen. Mehr zu diesem Aspekt erfährt man zum Beispiel auch in diesem absolut lesenswerten Interview mit dem amerikanischen Schriftsteller Richard Powers bei Welt.de: Bücher sind genauso gefährlich wie Videospiele. Weitere Stimmen von Experten findet man in den von mir unter "Medien kontern Killerspiel-Verbotsrufe" verlinkten Artikeln.

Psychiater Prof. Lothar AdlerFrage 3: Verursachen Killerspiele Amokläufe?
Wohl kaum. Erhellendes dazu weiß der Psychiater Professor Lothar Adler zu berichten, der sich lange Zeit mit dem Phänomen "Amoklauf" beschäftigt hat. Die TV-Sendung "Kulturzeit" von 3Sat interviewte ihn und erläutert seine Forschungsergebnisse: Ausgetickt und durchgeknall - Gibt es eine psychologische Erklärung für das Phänomen "Amoklauf"? Kurze Antwort auf diese Frage: Ja, die gibt es. Und Computerspiele spielen da keine Rolle.

Jeder möge sich nun selbst ausrechnen, ob es sinnvoll ist, eine ganze Kultursparte wie Computerspiele staatlicher Zensur zu unterwerfen und den Zugang zu manchen dieser Kulturgüter sogar staatlicherseits mündigen, erwachsenen Bürgern zu verbieten. Für Menschen, die täglich mit Waffen zu tun haben, könnte jedoch - so sich die Vermutungen mancher Hirnforscher über mögliche langfristige, motorische Lerneffekte durch Computerspielen bestätigen - ein Verbot des Umgangs mit Killerspielen sinnvoll sein. Für Kinder sind sie längst verboten. Und würde in Computerspielen eine allgemeine Verherrlichung von Gewalt stattfinden, so gibt es dazu auch heute bereits ein Verbot.

Update: Ein Artikel der ZEIT versucht jetzt auch mal wieder etwas Verwirrung zu stiften und stellt weitere Studien von Psychologen vor, die angeblich beweisen, dass Killerspiele allgemein für jeden gefährlich seien: Killerspiele schaden doch.

Leider ist es wie so häufig bei diesen Artikeln, dass die Aussagen der Psychologen vom Journalisten falsch verstanden werden und überschätzt werden in ihrer Tragweite. So kann zum Beispiel die Aussage, dass "sowohl aggressives Verhalten, aggressive Gedanken und Gefühle bei Nutzern gewalttätiger Spiele begünstigt werden" vieles bedeuten. Etwas Ähnliches passiert auch nach dem Anschauen eines Action-Kinofilms. Zielt man wieder auf die langfristigen Folgen ab, muss man wieder genauer fragen, wie alt denn die untersuchten Probanden waren. Waren es Kinder und Jugendliche ist eh davon abzuraten, dass sie stundenlang Killerspiele spielen.
"Außerdem ließ man Menschen im Labor spielen. Eine Gruppe spielte gewalttätige, die andere gewaltfreie Spiele. Nachher verglichen die Psychologen, wie schnell aggressive Gedanken abgerufen wurden und wie stark gewalttätige Gefühle vorhanden waren" berichtet der Artikel weiter. Wieder geht es hier um kurzfristige Verhaltensänderungen. Kein Widerspruch zu dem bisher hier Gesagten.
"Die Ergebnisse der Befragung der Jugendlichen legte nahe, dass je mehr Gewaltspiele ein Jugendlicher über Monate und Jahre hinweg spielte, desto eher in bestimmten Situationen auch aggressiv handelte. Das ließ sich noch Jahre später nachweisen" geht der Artikel weiter. Auch keine neue Erkenntnis. Zu erklären ist dies damit, dass gewaltbereite Personen auch eher aggressiver anmutende Spiele spielen. Sie suchen sich diese Spiele gezielt aus. Was nicht heißt, dass alle, die aggressiv anmutende Spiele spielen, von diesem Aspekt der Spiele - nur von diesem Aspekt - angezogen wurden. Aber wenn eine Gruppe von Menschen gezielt von diesem Aspekt angezogen wird, "verfälscht" das die Statistik. Ein Beispiel: Man nehme einmal an, viele Menschen würden Erdbeeren lieben. Wegen ihres Geschmacks. Nun gibt es aber auch noch eine kleinere Gruppe von Menschen, die Erdbeeren vor allem wegen ihrer roten Farbe lieben. Wenn man anschließend der Frage nachgehen würde, ob Erdbeer-Essen eventuell dazu führt, dass man die Farbe "Rot" liebt, würde man beim Blick auf die Statistik erstaunt feststellen, dass dem wohl so sein müsse. Die Frage von Ursache und Wirkung kann so nicht beantwortet werden, dass die Computerspiele Schuld an aggressivem Verhalten sind. Das gleiche gilt auch für die weiteren Ergebnisdetails, die der Artikel darstellt. Auswahleffekte spielen hier eine große Rolle. Computerspiele haben (besonders für junge Kinder) negative Effekte, sicherlich (siehe oben). Hinzu kommt, dass sie für bestimmte Menschen, die eh schon Probleme haben (Kontaktschwierigkeiten, aggressive Fantasien, verwahrloste Kinder mit einem Mangel an alternativen Freizeitbeschäftigungen etc.) besonders attraktiv sind. Auch die von ZEIT.de vorgestellte Studie sagt also trotz des missverständlichen Artikel-Titels nichts anderes als andere Studien zu dem Thema.

Was ich damit sagen will: Nein, es gibt keinen Expertenstreit über die Wirkungsweise von "Killerspielen". Es gibt nur Journalisten, die die Ergebnisse teilweise einseitig darstellen. Der unbedarfte Leser meint dann, dass die Experten sich überhaupt nicht einig wären über die Wirkungsweise von Computerspielen. Die Folge ist, dass Psychologen und Pädagogen mit ihren Aussagen als beliebig und nicht ernst zu nehmen wahrgenommen werden. Die unsaubere Arbeit mancher Journalisten schadet dem Ansehen dieser beiden Wissenschaften.

Update 2: Anja Habermehl hat bei Medienrauschen.de einige konkurrierende psychologische Theorien zur möglichen Wirkungsweise von Medien auf Erleben und Verhalten aufgezählt: Medien und Gewalt. Dankenswerter Weise unterfüttert sie die Ausführungen auch mit einigen Links zu wissenschaftlichen Texten. Anders als der von mir schon früher verlinkte Artikel in der Süddeutschen Zeitung (Mörderische Medien - Was sagt die Wissenschaft?), der bereits vor einiger Zeit verschiedene psychologische Theorien zum Thema auflistete, enthält sich Anja Habermehl einer abschließenden Bewertung der Theorien. Die Süddeutsche Zeitung kommt zum Schluss, dass heute allgemein die verallgemeinerte, erweiterte sozial-kognitive Lerntheorie nach Bandura als anerkannt gilt. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Forschungsergebnisse, auf die sich andere Theorien stützen, zu integrieren vermag. Die Wirkungen von Medien auf das menschliche Verhalten sind im Detail noch unklar, das stimmt. Was aber auch stimmt, ist, dass die Psychologie - gerade wegen der Theorienvielfalt zum Thema - klar nachweisen kann, dass es keinen eindeutigen Wirkungszusammenhang zwischen Gewalt in Medien und real gezeigter Gewalt gegenüber anderen Menschen gibt. Auch hier wieder möchte ich also den Schluss ziehen, dass es keinen Expertenstreit gibt hinsichtlich der Frage, ob "Killerspiele" automatisch zu Gewalt führen. Und das war das, was ich in diesem Weblog-Eintrag darstellen wollte.

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Samstag, 25. November 2006

Erzeugt Demokratie Feigheit?

Wolfgang Sofsky in KulturzeitDie Sendung "Kulturzeit" von 3Sat interviewte den Soziologen und Autor Wolfgang Sofsky: Aus Angst wie gelähmt - Der Soziologe Wolfgang Sofsky kritisiert die Feigheit der Deutschen (3Sat.de: Kulturzeit)

Sofsky beschreibt Feigheit als gesellschaftliches Phänomen, als Hemmschuh unserer Entwicklung. Für ihn ist Feigheit "ein Zustand tiefster Unfreiheit. Sie liefert den Menschen der Angst aus. Wer die Courage diffamiert, rechtfertigt das Zwangsgehäuse der Angst". (Kulturzeit über Sofsky)
Sofsky meint außerdem, dass über Deutschland die Feigheit wie ein Mehltau liege und alle gesellschaftlichen Bereiche negativ beeinflusse: Außenpolitik, Militärpolitik, Sozialpolitik, es beträfe die Wissenschaften und auch die Verwaltung.

Man spürt: Der Mann hat doch irgendwie Recht, oder?

Vielleicht!

Seinen Satz, dass Feigheit Zeichen der Unfreiheit ist, sollte man sich an die Wand nageln, so kurz und treffend ist er. Feigheit ist somit nicht etwas, was man moralisch entrüstet mit Aufforderungen wie "Sei doch nicht so feige, du Schwein!" bekämpfen kann. Das wäre so, als ob man einem Gefangenen zurufen würde: "Du Stubenhocker! Geh doch endlich mal an die frische Luft!".

Die weitergehende Aussage und Analyse jedoch, dass es in Deutschland hakt, dass an vielen Stellen alles schwerfällig läuft, dass der Schutz von Werten durch die Politik nur allzuoft nicht im ausreichenden Maße umgesetzt wird, ist so richtig wie bekannt. Aber liegt es wirklich an einer allgemeinen Feigheit, dass dem so ist? Wenn ja: Woher stammt dann diese Feigheit, woher stammt also die erlebte Unfreiheit der Menschen? Das wäre für mich die spannende Frage, denn daraus eröffnen sich womöglich Lösungen.

Sofsky scheint die Feigheit als gottgegeben hinzunehmen. Zumindest aber als unabänderlich. So konstatiert er, dass die Demokratie die Feigheit unmöglich eindämmen könne, denn in der Demokratie müssten die Politiker tun, was das Volk will und das Volk sei nunmal feige. Punkt.

Zumindest braucht man also von Sofsky keine Ruckrede à la Küchenpsychologe Roman Herzog zu erwarten. Das ist schon mal was. Aber worauf will Sofsky hinaus? Argumentiert er etwa gegen die Demokratie? Ich hoffe und denke nicht. Er lässt die Frage, woher die Feigheit genau kommt und wie man sie bekämpfen könnte, wohl offen. Zumindest dem Bericht von Kulturzeit nach.

Mich interessiert aber, wie man gegen diese Feigheit angehen kann. Hier eine Idee dazu:

Feigheit ist das Gegenteil von Verantwortungsgefühl. Verantwortungsgefühl kann aber nur entstehen, wenn man Verantwortung zugestanden bekommt. Das ist eine ganz klare Erkenntnis, die jeder Pädagoge und Psychologe bestätigen wird. Es ist zwar nicht zwingend so, dass jeder, der Verantwortung hat, auch mit Verantwortungsgefühl gesegnet ist, aber ohne Verantwortung kann es kein Verantwortungsgefühl geben.

Könnte es also sein, dass die Feigheit der Deutschen in einem fehlenden Verantwortungsgefühl gegenüber der Gesellschaft beruht? Und könnte es also sein, dass diese Feigheit bekämpft werden könnte, wenn man dem Volk mehr direkte Einflussmöglichkeiten bei politischen Entscheidungen zugestehen würde? Wer weiß, dass er Einfluss hat, nutzt ihn auch. Wer weiß und erlebt, dass er mit z.B. Volksabstimmungen auf Bundesebene die Politik stark beeinflussen kann, der wird anfangen, sich Gedanken zu machen über Problemlösungen, richtige Strategien, der wird Politikern und Experten zuhören, der wird auch anschließend möglicherweise unbequeme Entscheidungen mittragen, weil er im vorherigen Prozess des Auseinandersetzens mit den Alternativen erkannt haben könnte, dass die schmerzhafte Lösung immer noch die beste ist.

Heute ist der politische Einfluss der Bürger in Deutschland stark begrenzt. Z.B. im Vergleich zur Schweiz. Ich fordere also schlicht mehr direkte Demokratie. Sie würde das Verantwortungsgefühl wecken. Die Leute würden einen Machtzuwachs spüren. Machtzuwachs ist auch mit Lust verbunden. Das schafft Motivation sich politisch zu informieren, teilzunehmen und Verantwortung zu übernehmen. Die "deutsche Quengelei" (Sibylle Berg in einem lesenswerten Interview in der Netzeitung), dass die da oben es endlich mal machen sollen, würde abnehmen.

Die Leute, die argumentieren, dass die Deutschen für mehr direkte Demokratie nicht reif seien, hören sich für mich wie die alten Herren an der Spitze Chinas oder die Machthaber im Kreml an, die auch behaupten, dass ihr Volk nicht reif sei für eine "ungelenkte" Demokratie. Lachhaft.

Wolfgang Sofsky ist und bleibt ein interessanter und hörens- und lesenswerter Beschreiber dessen, was ist. Z.B. hinsichtlich seiner genauen Beschreibung der unterschiedlichen Typen von Gewalt. Über Sofskys Buch "Zeiten des Schreckens. Amok, Terror, Krieg" findet sich z.B. eine aussagekräftige Rezension bei Ultimo-Bielefeld.de im Netz: Handgreifliche Nähe - Wolfgang Sofksy erklärt, warum wir die Gewalt lieben.
Aber es bräuchte eine verstärkte Diskussion darüber, ob es nicht wirklich jenseits dämlicher "Ruck-Reden" Mittel und Wege gibt, den "Mehltau" über der deutschen Gesellschaft zu beseitigen. Den Anschub dieser Diskussion darf man allerdings nicht von den Politikern, den Medien oder gar von der Wirtschaft erwarten. Diese sind daran interessiert, die bestehenden Verhältnisse so zu belassen wie sie sind. Einfach deshalb, weil Veränderungen mögliche Machtverluste für sei einleiten könnten. Ein Bluff erster Klasse waren in dem Zusammenhang - als Schlussbemerkung an dieser Stelle - natürlich die zahlreichen von den Arbeitgeberverbänden gesteuerten verdeckten Lobby-Organisationen, die als "Reformbewegungen" auftraten. Allen voran die "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft". Es gehört schon Chuzpe dazu, sich als gesellschaftlicher Reformer aufzuspielen, ohne wirklich die Interessen der Gesellschaft als ganzes im Auge zu haben. Es wird noch lange dauern, bis das Wort "Reform" nicht mehr missverstanden wird als Aufruf zum Machtzuwachs für die Wirtschaft.

Erzeugt Demokratie also Feigheit? Nein! Feigheit ist - wie Sofsky selbst sagt - Produkt der Unfreiheit. Da Demokratie jedoch (theoretisch) Freiheit erzeugen sollte, ist sie Mittel gegen die Feigheit und nicht Wegbereiter für eine Herrschaft der Feigheit.

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Dienstag, 21. November 2006

Medien kontern Killerspiel-Verbotsrufe

Es scheint so, dass die Politiker-Clique, die die tragischen Ereignisse in Emsdetten zur eigenen Profilierung verwenden möchte, zumindest in einigen Medien auf aufklärerischen Gegenwind stößt. Die populistische Forderung nach einem Verbot sogenannter "Killerspiele" (Welt.de: Amoklauf: Innenminister will Killerspiele per Gesetz verbieten) zieht jenseits von Bild-"Zeitung" und Co. anscheinend nicht mehr so stark.

Hier einige Artikel, die heute erschienen und sich entweder explizit kritisch mit der Verbotsforderung auseinandersetzen oder die Meinung von Experten denen der Politiker entgegenstellen:

  • Tagesschau.de: "Schule kann die Hölle sein". Ein Interview mit einem Kriminalpsychologen.
  • Ein kritischer Kommentar bei Welt.de: Die unnützen Reflexe überforderter Politiker.
  • Zeit.de mit einem lesenswerten Interview mit einem Pädagogen: "Wir haben die falschen Lehrer". Trotz des Titels wird im Interview längst nicht einseitig die Schuld den Lehrern zugeschoben.
  • Selbst Süddeutsche.de, wo in der Vergangenheit oft haarsträubende Artikel zur Gefahr von Computerspielen oder Computern im Allgemeinen (Computersucht!)erschienen, widmet sich dem Thema dieses Mal streng wissenschaftlich. Vorgestellt werden kurz sämtliche Theorien der Psychologie bezüglich des Einflusses von Medien auf das menschliche Verhalten und Erleben. Keine Bange, der Artikel versucht sich so kurz und verständlich wie möglich zu fassen. Mein Kompliment!: Mörderische Medien - Was sagt die Wissenschaft?
  • Und noch ein Artikel von Süddeutsche.de, in dem Thomas von Treichel von den World Cyber Games kurz etwas über das Computerspiel "Counter-Strike" erzählt (Counter-Strike steht bei den Killerspiel-Verbots-Politikern ganz oben auf der Liste): "Counter-Strike ist nicht realitätsnah"
Soweit heutige Artikel zum Thema. Das hervorragende Weblog "d-frag.de" hatte jedoch schon vor Kurzem einen klasse Artikel geschrieben zum Thema "Killerspiele" und den Verbotsforderungen. Anlass war ein extrem schlecht recherchierter, sehr tendenziöser Beitrag im ZDF-TV-Magazin "Aspekte": Wie Kinder Spaß am Morden finden.

Hier noch einige aussagekräftige Zitate aus den oben verlinkten Artikeln:

Uwe Schünemann (CDU) will mit einer Bundesratsinitiative ein Verbot von Killerspielen erreichen. Ziel sei ein Herstellungs- sowie ein Verbreitungsverbot, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Ein Herstellungsverbot sei zwar schwer umsetzbar, da der Großteil der Baller-Spiele im Ausland programmiert werde.
(Welt.de: Amoklauf: Innenminister will Killerspiele per Gesetz verbieten)

Herstellungsverbot heißt also, dass auch den erwachsenen, mündigen Bürgern der Zugang zu derartigen Computerspielen verwehrt werden soll. Ungeachtet der bestehenden Gesetze, die bereits jetzt z.B. die Verherrlichung von Gewalt unter Strafe stellen, soll laut Schünemann eine staatlich kontrollierte Institution die Zensur von Kulturprodukten ausüben.

Schule kann die Hölle sein. Sie ist ein wichtiger Lebensabschnitt, für den man sein ganzes Leben verantwortlich machen kann. Für Versagen und natürlich auch für Glück. Es ist ein Ort in einer wichtigen Zeit, in der man sich täglich auseinandersetzen muss mit Aggression, Kränkung, Lob, Tadel und auch Mobbing. Man steckt in dieser Zeit unheimlich viel ein, das man auch als Menschenrechtsverletzung bezeichnen könnte.
(Tagesschau.de: "Schule kann die Hölle sein")

Der Ruf nach dem Jugendschutzgesetz bedeutet auch, dass schnell eine schnelle Lösung herbeigesehnt wird, statt sich Gedanken über den Umgang mit den Kindern zu machen.
(Welt.de: Die unnützen Reflexe überforderter Politiker)

Wir machen in zweifacher Hinsicht Druck auf die Kinder und Jugendlichen, und insbesondere die deutsche Schulkultur sondert Kinder mit bürokratischer Kälte aus. Das darf man nicht. Meine jüngste Tochter ist in der vierten Klasse, und da sagen die Kinder schon untereinander: Mit dir spiel ich nicht mehr, du kommst nur auf die Hauptschule. Wir nehmen vielen Jugendlichen den Rest von Zukunftsglauben und damit auch die Grundlage jeder Motivation
(Zeit.de: "Wir haben die falschen Lehrer")

Die Erfahrung und Beobachtung von Gewalt hat, insbesondere nach der weithin akzeptierten Lerntheorie von Bandura, vermutlich eine Wirkung, besonders auf junge Menschen. Und diese Wirkung kann negativ sein. Doch niemand, so sind sich die meisten Wissenschaftler einig, wird allein durch den Konsum von Mediengewalt zum Kriminellen oder gar zum Mörder. Hier spielen andere Faktoren eine wichtigere Rolle, die sich auf die Entwicklung eines Kindes auswirken - beispielsweise reale Gewalt im familiären Umfeld.
(Süddeutsche.de: Mörderische Medien - Was sagt die Wissenschaft?)

Computerspiele sind Werkzeuge zur Kommunikation, nicht zur Feindschaft. Analogien für Counter-Strike liegen eher bei den klassischen Brettspielen als in der Realität.
(Süddeutsche.de: "Counter-Strike ist nicht realitätsnah")

Egal, ob das Gespielte Kinder oder Jugendliche wirklich in ihrer charakterlichen Entwicklung beeinträchtigen könnte. Vom Markt gehört, was Verbrechen zeigt. Um sich der Wirkung auf das Publikum ganz sicher zu sein, flechte man das Wort "vergewaltigt" irgendwo ein. Denn im Gegensatz zu den anderen Beispielen, bei denen der Zweck im Rahmen einer Roman-, Film- oder Spielehandlung schon mal die Mittel heiligt, schließlich hat selbst Robin Hood die Reichen beraubt, um den Armen zu geben, schließlich hat James Bond die Welt mehr als einmal gerettet, indem er den Erzbösewicht tötete, sind Vergewaltigungen durch und durch verabscheuungswürdig. Niemand will einen Vergewaltiger spielen. Und deshalb gibt es, soweit mir bekannt ist, auch keine Spiele, in denen man das könnte [...].
(D-frag.de: Wie Kinder Spaß am Morden finden)

Die Forderung eines Verbotes von Killerspielen hat für mich also folgende Schieflagen:
  • Der noch harmloseste Aspekt ist, dass Computerspiele häufig auf "Killerspiele" reduziert werden. Eine ganze Kulturgattung wird hier schnell geächtet.
  • "Killerspiele" sind häufig gar keine Killerspiele, sondern strategisch, taktische Spiele in etwas martialischerem Gewand.
  • Computerspiele oder Medien verursachen keine Gewalt, können aber die Gewaltbereitschaft erhöhen, sofern der Jugendliche bereits Opfer realer Gewaltstrukturen wurde.
  • Das Schreien nach einem Verbot von Killerspielen lenkt ab von der Beschäftigung mit den wahren Ursachen, nämlich den realen Gewaltstrukturen in Schule und Gesellschaft. Die Schule in ihrer Art so zu ändern, dass sie unterstützend für Schüler und Eltern auftritt und nicht aussortierend und vernichtend, erfordert jedoch vorsichtige und komplizierte Lösungen, die außerdem teuer sind. Das scheint den Killerspiel-Politikern zu aufwändig zu sein.
Gut, dass die Medien anfangen, die Pseudolösungen von Wiefelspütz, Bosbach, Schünemann und Schönbohm zu hinterfragen. Die genannten Politiker fangen an, sich bei dem Thema zu blamieren statt zu profilieren. So soll es sein.

Update: (Via Netzpolitik.org) Auch Spiegel.de bringt jetzt einen ausführlichen Artikel, der den Thesen der Killerspiel-Politiker widerspricht: Egoshooter-Debatte: Rohrkrepierer gegen Ballerspiele

Update 2: Wann schafft die TAZ sich endlich mal 'nen RSS-Feed an? Aber Netzpolitik.org hat aufgepasst. Hier drei weitere Artikel zum Thema. Von der TAZ:Update 3: ZDF.de mit einem ganz brauchbaren Artikel, der zu beschreiben versucht, wie diese angeblich so hoch gefährlichen "Killerspiele" eigentlich im Detail auf dem Bildschirm aussehen und was sie dem Spieler bieten. Beschrieben werden Doom und Counterstrike: Killerspiele - Die üblichen Verdächtigen.

Montag, 20. November 2006

Amoklauf: Wunderbare Gelegenheit für Wiefelspütz, sich in Szene zu setzen

Es ist geradezu eine Verhöhnung der Opfer, wenn nun der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Dieter Wiefelspütz, als Reaktion auf den heutigen Amoklauf in Emsdetten (WDR.de: Schießerei in einer Realschule in Emsdetten) die Ursache des Problems in lächerlichen Computerspielen sieht: Wiefelspütz fordert Verbot von Killerspielen (Netzeitung.de).

Er gibt dabei jedoch selbst zu, dass nicht jeder, der Computerspiele spielt, "automatisch zum Massenmörder wird". Die logische Schlussfolgerung aus dieser Einsicht zieht er jedoch nicht: Nämlich nach den eigentlichen Ursachen von jugendlichen Amokläufen zu suchen, beziehungsweise suchen zu lassen. Seine anschließenden, relativierenden Aussagen (er verwahre sich "gegen blitzschnelle Erklärungsmuster" etc.) wären gar nicht nötig gewesen, wenn er dieses billige Erklärungsmuster nicht selbst erst wieder ins Gespräch gebracht hätte. Für wie dumm hält er eigentlich die Bürger?

Seriöse Politik sieht für mich anders aus. Verantwortungsbewusste Politiker spielen sich nicht auf Kosten eines tragischen Medienereignisses in den Vordergrund mit unausgegorenen Vorschlägen. Seriöse Politik sieht für mich so aus, dass man in solchen Fällen zunächst Experten fragt, in diesem Fall also wohl Pädagogen und Psychologen. Dass man sich erst schlau macht, statt sein eigenes Unwissen in Form von vulgärer Küchenpsychologie den Journalisten als Agenda aufzutischen.

Kurz gesagt: Millionen Menschen spielen Counterstrike. Wieviele Amokläufe gibt es? Die Grünen kritisieren dementsprechend, dass Computerspiele immer so schnell als wohlfeile Erklärung solcher Tragödien herangezogen werden:

Bettin und Gehring kritisierten, Computerspiele würden immer dann als Sündenbock herangezogen, wenn die Bildungs- und Jugendhilfepolitik der Länder ihr eigenes Versagen kaschieren wolle. Die Wissenschaft habe bisher keine einfache Verbindung zwischen dem Konsum von Killerspielen und kriminellen Handlungen bestätigen können.
(Abacho.de: Grüne lehnen Verbot von Killerspielen ab)

Dass manche Computerspiele sicherlich nicht in die Hände von Kindern gehören, ist keine Frage. Daraus jedoch die Schlussfolgerung zu ziehen, dass sie Ursache solcher Gewalttaten sind, drückt letzendlich trotz aller abwiegelnden, nachgeschobenen Äußerungen von Wiefelspütz aus, dass Wiefelspütz die wahren Ursachen solcher Gewalttaten eben doch nicht wirklich interessieren. Das heißt, dass ihn auch nicht wirklich interessieren kann, ob so etwas wieder passiert. Wenn das also keine Verhöhnung der traumatisierten Opfer ist...