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Freitag, 17. April 2009

Kein zwangsweises Google-Analytics mehr bei Blogspot.com?

Wie ich soeben zufällig feststelle, scheint Google neuerdings das Spionage-Skript "Google-Analytics" nicht mehr automatisch und zwangsweise in die Weblogs bei Blogspot.com zu integrieren (Blogspot.com gehört zu Google). Das ist sehr gut. Eventuell hat die Deaktivierung von Google-Analytics bei Blogspot.com damit zu tun, dass Nutzern von Blogspot.com neuerdings die Aktivierung von Werbung (AdSense) in ihren Weblogs angeboten wird.

Ich werde einige Tage lang beobachten, ob es tatsächlich dabei bleibt, dass Google-Analytics nicht mehr zwangsweise eingebunden wird in Weblogs hier bei Blogspot.com. Wenn Google-Analytics tatsächlich draußen bleibt, würde ich wohl auch wieder anfangen, mein Weblog "Schieflage" mit neuen Inhalten zu füllen.

Dienstag, 8. Juli 2008

Fuck you, Google Analytics!

Google hat offenbar still und heimlich bei allen Weblogs, die bei Blogspot (Blogspot/Blogger.com gehört zu Google) gehostet werden, den Tracking-Dienst "Google Analytics" aktiviert, wie ich gerade feststelle. Jeder Internetsurfer, der zum Beispiel die Firefox-Erweiterung "NoScript" installiert hat, kann dies selbst überprüfen. Er wird beim NoScript-Button sehen, dass jetzt hier im Weblog auch Google-Analytics im Hintergrund als Skript läuft (oder versucht zu laufen, sofern man Google-Analytics mittels NoScript blockiert, was ratsam ist).

Bislang konnten Blogger bei Googles Blogservice Blogspot/Blogger.com selbst entscheiden, ob sie Google-Analytics in ihrem Weblog aktivieren wollten. Ich hatte immer die Finger von Google-Analytics gelassen und seit längerer Zeit auch kein anderes Statistik-Skript anderer Anbieter mehr hier im Weblog eingebunden. Ganz bewusst aus Datenschutzgründen, zum Schutz meiner Weblog-Leser. Zwar war mir klar, dass Blogspot/Blogger.com wohl auf ihren Servern die IP-Adressen der vielen Weblog-Leser der bei Blogspot/Blogger.com gehosteten Weblogs speichern und auswerten würden. Aber der Einsatz von Google-Analytics ist noch einmal eine weit schlimmere Datenschutzverletzung. Denn bei Google-Analytics ist die Schnüffelei noch einmal ein paar Nummern größer als wenn "nur" bei Blogspot/Blogger.com IP-Adressen und andere Daten der Weblogleser gesammelt und ausgewertet werden. Denn Google-Analytics gleicht die Daten von Internetsurfern über viele ganz unterschiedlichste Websites weltweit ab und erzeugt so einen viel größeren Überwachungsraum, der den Datenschutz der Internetsurfer meiner Meinung nach immens gefährdert.

Wie gesagt: Ich hatte das Angebot von Google, in dem Weblog hier Google-Analytics zu aktivieren, nie angenommen. Hier ein Screenshot (draufklicken für größere Ansicht), gerade aufgenommen, bei dem man sieht, dass bei meinem Google-Account "solon.ebrief (at) gmail.com", unter dem ich auch dieses Weblog hier betreibe, Google-Analytics weiterhin offiziell deaktiviert ist (ich mich also erst für den Service noch registrieren müsste, ein SignUp durchführen müsste):

Screenshot der Google-Analytics-SignUp-Page

Google-Analytics ist trotzdem aktiv geschaltet im Weblog, obwohl ich es nicht aktiviert habe und auch nicht auf die von Google-Analyctis erzeugten Weblog-Statistiken zugreifen kann. Es kann schon einige Wochen lang aktiv sein.

Da fragt man sich: Warum aktiviert Google dieses Google-Analytics-Statistik-Skript, wenn der Nutzer, also ich als Weblog-"Besitzer" gar nicht zugreifen kann auf die tollen Statistiken, die Google-Analytics angeblich bieten soll.

Dass Google trotzdem Google-Analytics aktiv geschaltet hat, obwohl ich als Weblog-"Besitzer" es gar nicht aktiviert habe und auch keinen Zugang zu den von Google-Analytics erzeugten Statistiken habe, zeigt, dass es Google mit Google-Analytics mitnichten darum geht, Website-Betreibern oder Weblog-Besitzern völlig selbstlos (man ist ja als Google.com angeblich "der Gute") ein tolles Analyse-Tool kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Google-Analytics ist vielmehr eine Art Trojanisches Pferd. Jeder Website-Betreiber, der Google-Analytics einsetzt, setzt damit seine Website-Besucher einem hohen Datenmissbrauchs-Risiko aus. Google war mit dem Anpreisen von Google-Analytics bei Website-Betreibern weltweit äußerst erfolgreich. So läuft Google-Analytics nun auf Millionen von unterschiedlichsten Websites weltweit. Google-Analytics speichert dabei zentral bei Google millionenfach und dauerhaft die Zugriffe der Website-Besucher unterschiedlichster Websites weltweit und kann so Internetsurfer über viele Webseiten (und falls der Internetsurfer nicht die Cookies im Browser löscht) auch über mehrere Tage oder Monate oder gar Jahre verfolgen.

Wegen dieser Praxis wird Google-Deutschland just gerade vom schleswig-holsteinischen Datenschützer Thilo Weichert kritisch befragt, wie Heise.de berichtet.

Es ist extrem entlarvend für Google, dass Google nun Google-Analytics heimlich, still und leise einfach auf den Weblogs bei Blogspot/Blogger.com aktiviert hat. Ohne die Weblog-Besitzer darüber zu informieren. Ohne dass die Weblog-Besitzer davon irgendeinen Vorteil hätten, denn auf die Statistiken, die Google-Analytics erzeugt, haben die Weblog-Besitzer - so sie sich nicht nachträglich doch noch bei Google-Analytics anmelden - ja keinen Zugriff.

Warum also hat Google Google-Analytics aktiviert hier bei den Weblogs von Blogspot/Blogger.com, wenn der Blogbesitzer davon doch gar keinen Vorteil hat? Weil Google Werbung in den Blogs einblendet und so mit Google-Analytics erfasst, wieviele Leute auf die Werbebanner in den bei Blogspot/Blogger.com gehosteten Blogs klicken? Nein. Das kann es nicht sein, denn in meinem Weblog habe ich keine von Google gehostete Werbung (Adsense) oder ähnliche Banner.

Fazit: Es geht Google mit Google-Analytics offensichtlich ganz gezielt und vor allem um die Erstellung von übergreifenden Surfprofilen der Internetsurfer, um das Ausforschen von Surfgewohnheiten, um den gläsernen Surfer. Eine anderer Erklärung fällt mir nicht ein.

Bislang konnte ich die Nutzung von Blogspot.com/Blogger.com noch mit meinem Gewissen vereinbaren, weil ich hier alle Skripte als Weblog-Besitzer abschalten konnte (bis auf zwei Skripte, die jedoch nur der Anzeige, dem Layout der Archiv-Links dienten), weil keine Werbebanner eingeblendet wurden (die auch als Datensammelmaschine missbraucht werden können) und weil Besucher beispielsweise ohne aktiviertes Javascript (und somit mit aktiviertem Tor-Proxy) kommentieren konnten und die Anti-Spam-Funktion (die "Captchas") von Google bislang erfolgreich Spam draußen hielt, ohne dass ich jeden Kommentar erst manuell freischalten musste. Jetzt jedoch, mit diesem heimlichen Aktivieren der Google-Analytics-Funktion durch Google, hört für mich der Spaß auf.

Ich und meine Blogs ziehen um zu einem anderen Bloghoster. Wohin, schreibe ich noch später im nächsten (und letzten) Weblog-Eintrag, sobald ich ein neues virtuelles Zuhause gefunden habe.

Meine Weblogs bei Google bleiben jedoch mit allen Einträgen online, aber ich werde sie nicht mehr weiter aktualisieren.

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Googles Street View noch von der Panoramafreiheit gedeckt?

(Via Ravenhorst) Das Weblog "Knowledge Brings Fear" stolperte auf den Straßen Berlins über die Autos von Googles Street View Project. Google fotografiert zur Zeit die Straßen, Hausfassaden und Vorgärten in Berlin. Google möchte diese Fotografien verwenden, um den Kartendienst von Google (Google Maps) aufzuhübschen. Bei Google Maps kann man jetzt schon für Straßenkarten in den USA sich direkt die fotografierte Ansicht der Straßenzüge anschauen.

Anders als der unbedarfte Laie annehmen könnte, engagiert Google zum Schießen der Fotos nicht etwa ein Heer von Fotografen, die zu Fuß die Straßen entlang laufen. Nein, Google hat sich stattdessen etwas Besonderes zusammen gebaut: Googles Fotografen sind nicht zu Fuß unterwegs, sondern mit Autos. Besonderen Autos. Sehr auffälligen Dingern, die die Passanten an Fahrzeuge aus einem Science-Fiction-Film erinnern.

Der Science-Fiction-Look der Google-Autos wird hervorgerufen durch ein ziemlich monströses Ding auf dem Autodach: Ein Gestänge und auf diesem, anscheinend mehrere Meter über dem Boden, deutlich über der Kopfhöhe eines Passanten, eine recht große Kamera mit allerlei Sensoren. Diese Kameras schießen nun wohl automatisch Fotos, während der Google-Angestellte mit einem solchen Auto die Straßen entlang fährt.

Das oben erwähnte Weblog "Knowledge Brings Fear" konnte ein paar Fotos dieser Google-Apparatur schießen.

Was ich mich an dieser Stelle frage: Ist dieses Vorgehen von Google noch gedeckt von der sogenannten "Panoramafreiheit" (Wikipedia-Eintrag)? Die Panoramafreiheit besagt, dass jeder auf öffentlich zugänglichen Wegen Fotos von Hausfassaden, Gärten, dauerhaft installierten Skulpturen und so weiter machen darf, so lange er zum Fotografieren keinerlei besondere Hilfsmittel verwendet, um mit diesen Hilfsmitteln einen Standpunkt zum Fotografieren einzunehmen, den er ohne Hilfsmittel nicht erreichen würde. So erlischt die Panoramafreiheit wohl schon dann, wenn ein Fotograf zum Beispiel eine Leiter aufstellt - er braucht dabei noch nicht einmal mit der Leiter zu versuchen ein Hindernis überblicken zu wollen. Erst recht erlischt die Panoramafreiheit beispielsweise beim Einsatz eines Hubschraubers.

Und wie sieht das nun mit den sich offensichtlich mehrere Meter über dem Boden befindlichen Kameras auf den Autodächern von Google aus? Mir als juristischem Laien erscheint es fraglich, dass Googles Vorgehen noch von der Panoramafreiheit gedeckt ist. Vielleicht sollten also die Leute, die bemerken, dass Google mit dieser Gerätschaft Aufnahmen ihrer Häuser macht, schnellstens vor Gericht ziehen, um diesen Wahnsinn Googles zu stoppen, zumindest aber diesem Vorgehen von Google so viele Steine wie möglich in den Weg zu legen? Sollten zum Beispiel nicht Vermieter das rechtliche Vehikel "Panoramafreiheit" nutzen, um so die Privatsphäre ihrer Kunden, also ihrer Mieter, zu schützen? Sollte man hier nicht eventuell Kontakt aufnehmen zu Hausverwaltungen und Wohnungsbaugesellschaften? Wenn man die Hauseigentümer überzeugen könnte, dass Googles Street View niemandem nutzt, sondern nur Schaden anrichtet, könnte Google sein Projekt, Deutschlands Innenstädte möglichst lückenlos abzufotografieren, schnell vergessen.

Die Allgemeinheit wäre in diesem Fall also ironischerweise einmal den Beschützern privater Urheberrechte dankbar.

Nachtrag: BR-Online.de bringt auch einen Bericht über die aktuell durch Berlin, München und weitere deutsche Städte fahrenden Autos von Google. Im Bericht finden sich weitere interessante Fotos der Aufbauten auf den Dächern der "Google-Autos".

Wenn diese riesigen Aufbauten auf den Autos vor Gerichten tatsächlich als vereinbar mit der "Panoramafreiheit" beurteilt werden, ziehe ich demnächst mit Zwei-Meter-Klappleiter durch die Vorstädte und fotografiere mal aus Spaß über die Hecken alle Gärten. So käme ich auch mal wieder an die frische Luft und irgendjemand würde mir für diese Aufnahemn, schön sortiert nach Adressen, bestimmt einiges an Geld bieten.

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Montag, 26. Mai 2008

Zeig mir die Fassade deines Hauses und ich sag dir, wer du bist

Wohnanschriften verraten bekanntlich nicht nur, wo jemand wohnt, sondern in begrenztem Maße auch wie jemand wohnt, also ob luxuriös oder eher bescheiden beispielsweise. Der Blick aus dem Weltall von oben auf das Haus oder den Mietwohnungskomplex sagt darüber natürlich noch mehr aus. Möglich ist dies spätestens seitdem Google die Satellitenbilder kostenlos jedem im Internet via Google-Earth oder Google-Maps zur Verfügung stellt.

Trotzdem blieb ein aus dem Weltall betrachtetes Dach häufig nur ein Dach. Ob Dach von einem Millionärsbungalow, das aus dem Weltall vielleicht sogar klein und unbedeutend aussieht, oder Dach eines in den 50iger Jahren gebauten Mehrfamilienhauses, das von der Seite aus betrachtet eher schäbig aussehen mag.

Aber Google wäre nicht Google, wenn es diese Informationslücke nicht erkannt hätte und nun "Abhilfe" schaffen will, wie Focus.de berichtet. Nun will Google auch - wie bereits in den USA - die Straßenansichten aller Häuser in Deutschland fotografieren und - das ist das Entscheidende - in die Datenzugriffsmaske "Google-Maps" eingliedern. Dann wird bald jeder Einbrecher und jeder Kreditgeber endlich ausführlich sehen können, wie jemand wirklich wohnt: Einfach die Adressdaten bei Google-Maps eingeben und sich die Häuserfassaden, die geschnittenen (oder fehlenden) Hecken ansehen und zählen wieviele Autos (und welche Autos) vor dem Haus stehen. Vielleicht sogar ein Wohnmobil? Hat der Besitzer eine Garage? Einen Kamin mitsamt Holzvorrat? Oder deutet der bröckelnde Anstrich des Hauses darauf, dass hier eher ärmliche Verhältnisse herrschen? Liegen Kinderspielsachen vorm Haus? Oder sind über oder durch die Hecken und Zäune Kinderspielgeräte zu erkennen? Sind die Bewohner eher Anhänger eines alternativen Lebensstils oder zeigt der zentimentergenau eingepflegte Vorgarten, dass es eher Spießer sind?

Das Problematische ist nicht, dass Häuserfronten seit jeher Informationen über die Haus- oder Wohnungsbesitzer Auskunft geben, sondern dass nun bald jeder mit einem Klick weltweit auf diese Informationen zugreifen kann.

Die Wohnanschrift wird so gleichzeitig zu einem Ausweis des eigenen Geschmacks, der eigenen Lebensverhältnisse (Kinder oder keine Kinder?) und noch detaillierter als bisher schon zu einer kaum mehr zu versteckenden Offenbarung des eigenen Wohlstandes oder Nicht-Wohlstandes.

Eine Maßnahme könnte sein, in den kommenden Monaten seine Hausfassade in Ordnung zu bringen (oder - falls man Millionär ist und dies nicht jeder weltweit wissen soll - sie gezielt in Unordnung zu bringen), bevor die Google-Autos mit den Kameras anrücken.

Eine andere Maßnahme könnte sein, noch sparsamer als bisher schon mit seinen Adressdaten umzugehen. Soll heißen: kein Online-Einkauf mehr und nur noch Barzahlungen. Beispielsweise.

Weitere Ideen?

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Mittwoch, 9. April 2008

Neues Gesetz mit Nebenwirkungen - Warum IP-Adresssammler bald Musikverlage gründen werden

Viele Anbieter von Webseiten oder Dienstleistungen via Internet speichern bekanntlich die IP-Adressen ihrer Besucher und Nutzer. Beispielsweise Google (Blogspot.com gehört auch zu Google). Aber auch viele private Website-Betreiber speichern leider immer noch die IP-Adressen ihrer Besucher.

IP-Adressen verraten, aus welcher Region oder Stadt der IP-Adressenbesitzer kommt und wie lange er wo unterwegs war. Ein Dienstleister wie Google könnte theoretisch Surfer mittels der IP-Adressen über viele Webseiten und Websites hinweg verfolgen. Google jedoch käme beispielsweise theoretisch auch an die IP-Adresse von Surfern, die überhaupt nicht Google nutzen. Denn Google verkauft Werbebanner. Und viele Websites binden diese Werbebanner wiederum in ihre Webseiten ein. Jeder Surfer, der Werbung sieht, hat somit eventuell, ohne es zu merken, auch dem Anbieter des Werbebanners (beispielsweise Google) seine aktuelle IP-Adresse mitgeteilt. Ob aktuell von Werbebanner-Anbietern tatsächlich IP-Adressen von Surfern längerfristig gespeichert werden, ist mir unbekannt.

Wäre ich Google (oder ein anderer großer Suchmaschinenbetreiber oder Werbebanner-Anbieter) würde ich demnächst zusätzlich zu den vielen Unternehmungen noch in ein völlig neues Geschäftsfeld einsteigen: Musik. Denn ein Musikverlag könnte bald in Deutschland der Schlüssel sein, der Türöffner sein, um diese vielen gespeicherten IP-Adressen mit den realen Personendaten, also den Namen der Surfer, zu verbinden.

Union und SPD wollen nämlich übermorgen ein Gesetz beschließen, nach dem die Musikindustrie direkt einen Richter bitten kann, dass Internet-Provider die Adressdaten von Kunden rausrücken müssen, die in Tauschbörsen Urheberrechtsverletzungen begangen haben. So wäre für die Musikindustrie nicht mehr der Umweg über die Staatsanwaltschaften nötig, die bislang erst immer ein Strafverfahren eröffnen mussten, im Zuge dessen die Musikindustrie dann eventuell an die Adressdaten der Urheberrechtsverletzer kam. Golem.de berichtet über das neue Gesetz.

Mit den nach dem neuen Gesetz leichter zugänglichen Adressdaten der Websurfer ließen sich also schneller Schadensersatzansprüche gegenüber den Urheberrechtsverletzern durchsetzen. Dafür mag man ja eventuell sogar noch Verständnis aufbringen. Richtig problematisch wird dieser relativ einfache Zugang der Musikindustrie zu diesen Daten jedoch, wenn diese Daten, also wer wann mit welcher IP im Internet surfte, in die Hände von Leuten gelangen, die eine riesige Datenbank haben, in der für einen langen Zeitraum genauestens aufgezeichnet ist, welche IP-Adressen welche Internetseiten besuchten. Könnten Besitzer umfangreicher IP-Datenbanken diese IP-Adressen mit vollständigen Personendaten verbinden, wäre das der Traum professioneller Datensammler und der Albtraum für die Verbraucher.

Dieses zusätzliche Datenschutz-Risiko gehen Verletzer von Urheberrechten also demnächst in Deutschland ein. Ob dieses allgemein größere Risiko der "Raubkopierer" Opfer von Datenschutzverletzungen zu werden sich dann jedoch mildernd auf die gegen sie erhobenen Schadensersatzansprüche auswirkt, wage ich zu bezweifeln.

Ein unredlich handelnder Musikverlag könnte natürlich auch versuchen, gleich ganze IP-Adressbereiche vor einem Richter fälschlicherweise als angebliche "Raubkopierer" anzukreiden, nur um so an noch umfassendere Datensätze zu kommen.

Mal sehen, wie lange es also dauert bis zur Gründung von "Google Records". Der Name wäre zudem schön zweideutig. Womit ich natürlich nicht behaupten will, dass Google dann tatsächlich solcherart in Erfahrung gebrachte Personendaten illegal weiterverwenden würde.

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Mittwoch, 12. März 2008

Wie man die eigene Privatsphäre beim Surfen schützen kann

Es folgt ein Artikel, der als kleine Hilfe für neue und unerfahrenere Internetnutzer gedacht ist. Erfahrene Anwender dürfen diesen Weblog-Eintrag ruhig ignorieren.

Anlass dieses Artikels ist für mich die Meldung, dass Google nun also den Werbebanner-Anbieter "DoubleClick" aufkaufen darf. Die EU hat grünes Licht gegeben, wie beispielsweise Zeit.de berichtet.

Zeit.de schildert, welche Folgen dies für die Privatsphäre aller Internetnutzer hat. In einem Satz ausgedrückt: Surft man auf eine Webseite, die Werbebanner eingebunden hat, so wird die eigene IP-Adresse auch an den Anbieter dieser Werbebanner weitergeschickt. Das war schon immer so. Durch den Zusammenschluss von Google und DoubleClick entsteht jedoch potenziell eine sehr große Datenbank, in der aufgezeichnet wird, welche Webseiten sich Internetnutzer alles anschauen.

Der Banner-Anbieter ist hierbei nicht die Firma, für die geworben wird. Ein Werbebanner von "BMW" wird also nicht von Servern des Automobilherstellers geladen. Nein, Werbebanner werden häufig von spezialisierten Werbebanner-Vermarktern zentral geladen. Ruft man also die Webseite "Nachrichtenseite.irgendwas" auf, und enthält diese Nachrichtenseite Werbebanner, so werden diese Werbebanner nicht von "Nachrichtenseite.irgendwas" geladen, sondern beispielsweise von "ad.doubleclick.net", dem zentralen Server des Werbebanner-Anbieters DoubleClick. Wer also beispielsweise oben verlinkten Zeit.de-Artikel aufruft und dort Werbebanner sieht, der hat mit seinem Besuch auf Zeit.de zugleich dem Werbebanner-Anbieter DoubleClick unwissentlich mitgeteilt, dass man den Zeit.de-Artikel gelesen hat. Wechselt man nun auf eine andere Nachrichtenseite und hat diese Seite auch Werbebanner von DoubleClick eingebunden, so erkennt DoubleClick wieder, dass Sie sich diese Nachrichtenseite ansehen und dass Sie die gleiche Person sind, die sich zuvor den Zeit.de-Artikel angeschaut hat. DoubleClick verfolgt Sie anhand Ihrer IP-Adresse und anhand von Cookies. Cookies sind kleine Info-Schnippchen, die Ihr Browser automatisch im Hintergrund von DoubleClick annimmt und speichert und an DoubleClick zurücksendet, wenn Sie beispielsweise eine neue Webseite aufrufen.

Google und DoubleClick konnten bislang schon häufig über viele Webseiten hinweg nachverfolgen, welche Webseiten die Surfer sich anschauen. DoubleClick über ihre auf vielen unterschiedlichsten Webseiten eingebundenen Werbebanner. Google über Statistik-Skripte, die viele unterschiedliche Website-Betreiber auf ihren Webseiten einsetzen. Nun könnten also die Datenbanken von Google und DoubleClick wegen der genehmigten Übernahme von DoubleClick durch Google zusammengeführt werden und der einzelne Surfer würde dann so über noch mehr und noch unterschiedlichere Webseiten besser und detaillierter verfolgt werden.

Jeder Internetsurfer kann jedoch mit relativ einfachen Mitteln Maßnahmen gegen dieses Ausschnüffeln durch Google und Werbebanner treffen. Hier einige Tipps dazu:

  • Um der Gefahr, die von Werbebannern für Ihre Privatsphäre ausgeht, zu entgehen, können Sie besondere Werbebanner-Blockierer einsetzen. Verwenden Sie den Browser "Firefox", so empfiehlt sich die Installation des kostenlosen Firefox-Add-Ons "AdBlock Plus".
  • Ich gehe jedoch einen anderen Weg, um der Aufzeichnung meines Surfverhaltens zu entgehen: Ich verwende zum normalen Surfen inzwischen beinahe immer "Tor". Mit "Tor" verbindet man sich quasi nicht direkt mit einer Webseite, die man ansurft, sondern man macht zuvor mehrere "Sprünge" über verschiedene Tor-Server. So weiß der Website-Betreiber, dessen Webseite man aufruft, nicht, wer da eigentlich seine Webseite aufruft. Das heißt: Die eigene IP-Adresse wird beim Surfen über das Tor-Netz verschleiert. Auch der eigene Provider weiß nicht, welche Webseiten man ansurft. Komfortabel zu bedienen ist "Tor" mittels der grafischen Oberfläche "Vidalia". Verwendet man außerdem "Privoxy", so werden zusätzlich die Werbebanner auf Webseiten geblockt. Tor, Vidalia und Privoxy kann man komfortabel als ein Paket bei der Electronic Frontier Foundation kostenlos herunterladen. Mit im Paket ist außerdem ein Firefox-Add-On namens "Torbutton", mit dessen Hilfe man in Firefox die Benutzung von Tor schnell ein- und anschalten kann.
    Zum Benutzen von Tor geht man also wie folgt vor: Die Software "Privoxy" lässt man am besten immer im Hintergrund laufen. Privoxy ist technisch gesehen ein Proxy-Server, der auf dem eigenen Rechner läuft. Anschließend startet man Vidalia. Vidalia liefert eine komfortable grafische Oberfläche zur Bedienung und Einstellung von Tor. Vidalia startet dann automatisch im Hintergrund den eigentlichen Tor-Prozess. Das kann etwas dauern. Tor muss nämlich erst Kontakt aufnehmen zum Tor-Netzwerk, also zu Tor-Servern. Über Vidalia kann man sich beispielsweise diese Tor-Knoten ansehen, indem man auf "Netzwerk betrachten" klickt. Vidalia zeigt außerdem an, wann Tor erfolgreich gestartet ist, also Kontakt zu Tor-Servern aufgenommen hat. Nun kann man in Firefox den Torbutton aktivieren. Torbutton zeigt in Firefox rechts unten ein Feld mit der Beschriftung "Tor Disabled" (Tor deaktiviert) oder "Tor Enabled" (Tor aktiviert) an - man klickt darauf, um Tor so für Firefox nutzbar zu machen (enabled) oder die Nutzung von Firefox über Tor wieder zu deaktivieren (disabled). Wird "Tor Enabled" angezeigt, läuft der Datenverkehr von Firefox zunächst über Privoxy und dann über Tor und das Tor-Netzwerk und man surft anonym.
  • Vergessen Sie nicht spätestens bei jedem Neustart von Firefox, am besten jedoch ruhig mehrmals beim Surfen, die Cookies zu löschen. Trotz AdBlocker, NoScript (mehr dazu weiter unten) und Tor speichern Webseiten Cookies in Ihrem Browser und können Sie so wiedererkennen oder gar über mehrere Webseiten hinweg Ihr Surfverhalten aufzeichnen. Man kann die Annahme von Cookies im Browser auch ganz abstellen oder manuell einstellen, welche Websites Cookies setzen dürfen. Oftmals sind Cookies jedoch nötig, um Webseiten korrekt nutzen zu können. Jede Webseite, auf der man sich anmelden muss oder auf der man Einstellungen vornehmen kann, benötigt beispielsweise Cookies. Wer nicht manuell Cookies löschen möchte: In den Einstellungen von Firefox kann man festlegen, dass Firefox beim Beenden automatisch alle Cookies löschen soll. Außerdem gibt es zur Cookie-Verwaltung natürlich auch kostenlose Add-Ons für Firefox. Da ich jedoch zur Cookie-Verwaltung kein extra Add-On verwende, möchte ich hier auch keines empfehlen. Sie werden sicherlich fündig auf der zentralen Add-On-Sammelseite von Firefox.
  • Wenn Sie Firefox verwenden, sollten Sie jedoch ein bestimmtes Add-On unbedingt installieren - und zwar: "NoScript". NoScript unterbindet bei jeder Webseite zunächst einmal alle auf der Webseite aktiven Skripte und Plug-Ins (JavaScript, Java, Flash). Es ergibt keinen Sinn, beispielsweise über das Tor-Netzwerk im Internet zu surfen, wenn man im Browser JavaScript oder Java oder Plug-Ins wie "Flash" aktiviert hat, weil diese aktiven Internetinhalte dann doch direkt - am Tor-Netz vorbei - Kontakt aufnehmen mit der angesurften Website und Ihre durch die Nutzung von Tor gewonnene Anonymität so wieder zunichte machen. Gute Webseiten funktionieren auch ohne aktive Skripte und Plug-Ins. Wenn man jedoch merkt, dass die Webseite mit den ausgeschalteten Skripten nicht richtig funktioniert, kann man wahlweise im Einzelfall auf das kleine "NoScript"-Symbol rechts unten im Firefox-Browser klicken und auswählen, ob man der Webseite temporär (das heißt für die jeweilige Browser-Sitzung) oder dauerhaft erlauben will, Skripte auszuführen. Sinn ergibt der Einsatz von NoScript allerdings nur, wenn man nur ganz wenigen Webseiten dauerhaft erlaubt, Skripte auszuführen. Denn mittels vieler Skripte ist es möglich - ähnlich wie mit den Werbebannern - Ihr Surfverhalten über viele Webseiten hinweg zu protokollieren. So verwenden viele Website-Betreiber beispielsweise Skripte von "Google-Analytics". Google-Analytics liefert dem Website-Betreiber Daten über seine Besucher. Außerdem speichert Google diese Daten zentral. NoScript verhindert, dass die Skripte von "Google-Analytics" Ihren Besuch auf der Webseite registrieren. NoScript zeigt bei jeder Webseite an, von welchen Domains alles Skripte auf der jeweils anzuzeigenden Webseite eingebunden werden. Man kann mit NoScript manuell auswählen, von welcher Domain Skripte geladen werden sollen. Eine Webseite will nämlich oftmals von mehreren, unterschiedlichen Domains Skripte nachladen. Im Zweifelsfall muss man mehreren Domains temporär erlauben, Skripte zu laden und auszuführen, damit die anzuzeigende Webseite korrekt mit allen aktiven Elementen angezeigt wird. Bei in Webseiten eingebundenen Flash-Filmen ersetzt NoScript das Flash-Element mit einem Platzhalter direkt auf der Webseite. Hier reicht es oft aus, einfach auf den Platzhalter zu klicken, um das einzelne Flash-Element, beispielsweise einen Film, nachzuladen. Nochmals der Hinweis: Haben Sie JavaScript, Java oder Flash und ähnliche aktive Seiteninhalte aktiviert, so surfen Sie nicht mehr anonym. Aktivieren Sie diese aktiven Seiteninhalte jedoch nur temporär, so sind Sie zumindest nur im Rahmen einer einzelnen Browser-Sitzung eventuell über mehrere Websites hinweg verfolgbar.
  • Zum anonymen Abrufen von E-mails (also so, dass der Mailprovider meine IP-Adresse nicht kennt) nutze ich inzwischen auch einen Mailprovider, der eine anonyme Einrichtung von Mailkonten ermöglicht (beispielsweise Gmail/Google-Mail) und Tor. Haben Sie also bereits das oben erwähnte Paket aus "Tor/Vidalia/Privoxy" installiert, können Sie beispielsweise auch für den kostenlosen Mail-Client "Thunderbird" zusätzlich noch das kostenlose Thunderbird-Add-On "Torbutton" installieren und dann E-mails auch via Tor-Netz abholen und abschicken. Dabei sollten Sie jedoch unbedingt einen Mailprovider verwenden, der das E-mail-Passwort zum Abholen und zum Versenden von E-mails verschlüsselt überträgt. In den Einstellungen von Thunderbird sollten sie bei diesen Postfächern bei den "Server-Einstellungen" "SSL" auswählen und bei den SMTP-Einstellungen ebenfalls "SSL" oder "TLS". Welche Verschlüsselungsart Ihr Mailprovider verwendet, müssen Sie im Zweifelsfall erfragen. Gmail/Google-Mail verwendet "SSL" zum Abholen von E-mails (also "SSL" auswählen bei den "Server-Einstellungen" in Thunderbird) und "TLS" zum Verschicken von E-mails (also bei den SMTP-Einstellungen von Thunderbird "TLS" auswählen) von E-mails. Bietet Ihr Mailprovider keine Möglichkeit zum verschlüsselten Übermitteln des E-mail-Postfach-Passwortes an, sollten Sie ernsthaft überlegen, einen anderen Mailprovider zu suchen. Auf jeden Fall sollten Sie niemals Mails über das Tor-Netzwerk abrufen oder verschicken, wenn Ihr Passwort nicht verschlüsselt übertragen wird. Denn das Tor-Netz verschleiert zwar im Internet Ihre Herkunft, ist aber selbst nicht sicher. Jeder Betreiber eines Tor-Knotens kann den Datenverkehr, der über seinen Knoten läuft, abhören. Das trifft aber letztlich auch auf das normale Internet zu. Insofern sollte man zum Abholen und Abschicken von E-mails immer die Passwörter verschlüsselt übertragen.
  • Neben diesen technischen Vorkehrungen sollte man sich außerdem angewöhnen, im Internet bei Anbietern irgendwelcher kostenlosen Dienstleistungen möglichst keine persönlichen Daten, wie beispielsweise E-mail-Adressen, zu hinterlassen. Hinterlassen Sie nämlich bei unterschiedlichen Anbietern beispielsweise die gleiche E-mail-Adresse, werden Sie dadurch ebenfalls "verfolgbar". Wenn Sie also beispielsweise bei Ebay und Skype die gleiche E-mail-Adresse angeben, so kann Ebay und Skype (theoretisch) einmal anhand Ihrer Ebay-Daten sehen, wer Sie sind und anhand Ihrer Skype-Kontakte sehen, mit wem Sie so alles wie häufig, wann und wie lange Kontakt haben. Denn Ebay und Skype gehören zur selben Firma. Häufig ist für Sie als Nutzer also nicht sichtbar, wer mit wem welche Daten austauscht. Zum Ebay-Skype-Verbund gehört beispielsweise auch noch der Internetbezahldienst "PayPal". Es gibt im Internet viele solcher Diensteanbieter-Netzwerke. So kann es häufig vorkommen, dass Sie einerseits Dienstleistungen dieser Anbieter nutzen, bei denen Sie Ihre Identität offen legen müssen, beispielsweise, weil Geldtransaktionen im Spiel sind (Ebay, PayPal etc.). Dass Sie andererseits aber auch kostenlose Angebote dieser Diensteanbieter nutzen, bei denen Sie nicht unbedingt Ihre persönlichen Daten preisgeben müssten (beispielsweise zur Nutzung der Chat- oder reinen Internettelefoniefunktion von Skype). Die Maxime muss also sein: Da, wo man nicht unbedingt seine Identität preisgeben muss, sollte man dies auch nicht tun.
  • Legen Sie sich im Internet verschiedene Identitäten zu, die sie getrennt nutzen. Nutzen Sie beispielsweise zum Besuch oder zur Beteiligung in einem Internet-Forum eine andere E-mail-Adresse und Identität als auf Ihrer Homepage. Verwalten Sie Ihre Identitäten notfalls, indem Sie sich notieren, auf welchen Internetseiten sie welche Daten über sich hinterlegt haben. In solch einer Notiz-Datei könnten Sie auch beispielsweise die Passwörter notieren, die Sie für unterschiedliche Internetdienste oder Internetangebote nutzen. Dies ist eine besserere Lösung, als beispielsweise bei vielen Diensten Passwörter zu verwenden, die Sie sich leicht merken können (und die deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit auch von anderen geknackt werden können) oder gar immer das gleiche Passwort zu verwenden. Natürlich ist es keine schlechte Idee, diese Notiz-Datei dann auf der eigenen Festplatte zu verschlüsseln und vorsichtig mit dieser wertvollen Datei umzugehen.
  • Geben Sie bei Internetdiensten, wo der Anbieter Daten über Sie wissen will, so wenig Daten wie möglich an, möglicherweise auch ruhig falsche oder erfundene Daten. Werden Sie nach einer E-mail-Adresse gefragt, an die beispielsweise nichts weiter als eine Bestätigungsmail mit einem Aktivierungslink gesandt werden soll, können Sie dazu auch sogenannte "Wegwerf-Mailadressen" verwenden. Das sollten Sie natürlich nur tun, wenn Sie auf weiteren Mailverkehr mit dem Diensteanbieter verzichten können und der Diensteanbieter keine sonstigen wichtigen Daten über Sie gespeichert hat. Der Gebrauch von Wegwerf-Mailadressen ist nämlich mit einem Risiko verbunden. Die üblichen Anbieter von Wegwerf-Mailadressen schützen nämlich diese Einmal-E-mail-Postfächer nicht vor dem Zugriff Dritter. Nutzen Sie also Wegwerf-Mailadressen nur, wenn es keine Folgen hat, wenn andere Einblick in dieses Einmal-Postfach bekommen. Ein typischer Anbieter von Wegwerf-Mail-Adressen ist beispielsweise Wasteland.RFC822.org. Bei Wasteland kann man ohne Anmeldung einfach einen Namen für sein E-mail-Postfach wählen, beispielsweise aschvwl@wasteland.rfc822.org. Zum Abrufen der dort eingetroffenen E-mails gibt man einfach aschvwl in das Eingabefenster bei Wasteland ein und kann die eingegangenen E-mails lesen. Jeder, der den Namen des Postfaches, also "aschvwl" kennt, kann also so auch den Posteingang sehen!

Damit die oben genannten Ratschläge einmal konkreter anschaulich werden in ihrer kombinierten Wirkungsweise, schildere ich mal, wie ich sie selbst anwende: Ich nutze zum Bloggen hier eine extra E-mail-Adresse (steht oben rechts im Blog unter "Kontakt"), die ich sonst nirgendwo im Internet verwende. Man kann sich zudem anonym bei Gmail/Google-Mail anmelden. Macht man dies zudem via Tor, kennt Google auch nicht die IP-Adresse von mir. Der Nachteil von Gmail/Google-Mail ist allerdings, dass Google alle E-mails mitliest, die man via Gmail empfängt oder versendet. Deshalb sollte man Gmail nur zum Empfang und Versenden von verschlüsselten E-mails nutzen. Wie das mit dem Verschlüsseln von E-mail geht, kann man beispielsweise bei Kai Raven nachlesen. Die Bedienung dieses Weblogs hier bewerkstellige ich zudem auch via Tor und bei abgeschaltetem JavaScript (nur bei der Einrichtung des Weblogs - Layout etc. - muss JavaScript leider aktiviert sein. Wer hier maximale Privatsphäre will, sollte das Layout seines Weblogs also beispielsweise in einem Internetcafé einrichten.).

Fazit: Man kann Google-Dienste nutzen, ohne sich "nackig" zu machen für Google. Schöner wäre es natürlich, wenn Google auf die Speicherung persönlicher Daten verzichten würde. Vielleicht findet sich ja bald jemand, der Google wegen dieser vermutlich in Deutschland illegalen Speicherwut vor Gericht zerrt. Aber auch bei einer öffentlichen Verlautbarung Googles, dass sie nichts speichern, hätte man als Nutzer kaum eine Möglichkeit, den Wahrheitsgehalt dieser Aussage zu überprüfen. Die große Verbreitung von Werbebannern auf vielen Internetseiten (hier drohen auch bald vermutlich juristische Auseinandersetzung mit den Anbietern und Nutzern solcher Werbebanner) und vor allem jetzt der oben erwähnte Zusammenschluss von Google und DoubleClick macht zudem den Einsatz von Tor und NoScript, oder zumindest von NoScript und einem Werbebanner-Blocker, immer nötiger und sinnvoller, auch wenn man keine Dienste von Google nutzt.

Die geringen Kosten für das Speichern digitaler Daten und die Möglichkeit, riesige Datenberge innerhalb von Sekunden mittels dafür spezialisierter Software zu durchforsten nach aussagekräftigen Mustern, macht es für Google und Co. attraktiv, jedes Datenfitzelchen aufzuzeichnen, das Sie als Internetnutzer hinterlassen. Wenn Sie als Internetnutzer dann irgendwo auf einer Webseite einmal Ihren Klarnamen oder Adressangaben (einschließlich E-mail-Adresse) hinterlassen und nichts gegen die oben dargestellte Verfolgung Ihres Surfverhaltens tun, ist Ihre Privatsphäre massiv verletzt.

Noch eine Anmerkung: Die Speicherwut privater Anbieter ist unschön. Ich finde es jedoch unpassend, sie gleichzusetzen mit beispielsweise staatlicher Speicherwut oder staatlichen Zugriffsmöglichkeiten. Gegen die Speicherwut privater Anbieter kann man sich als Verbraucher nämlich besser zur Wehr setzen als gegen staatliche Übergriffe auf die Privatsphäre - und sei es, dass man bestimmte Dienste privater Anbieter schlicht und einfach nicht nutzt. Staatliche Behörden haben jedoch die Möglichkeit, Zugriff zu nehmen auf die bei Google und Co. gespeicherten Daten. Staatliche Behörden können dann diese Daten leicht in Verbindung bringen mit Ihrer tatsächlichen Identität, indem sie die bei Google und Co. gespeicherten IP-Adressen zu Ihrem Provider tragen und vom Provider mitgeteilt bekommen, welche reale Person sich hinter diesen IP-Adressen verbirgt. Wenn also zwar Google und Co. nicht ohne weiteres herausfinden können, wer Sie sind, so könnten staatliche Stellen jedoch theoretisch Ihr ganzes Surfverhalten offenlegen. Die beschlossene Vorratsdatenspeicherung macht es möglich, dass die Polizei und die Geheimdienste dank der allgegenwärtigen Speicherung von IP-Adressen durch Google und durch viele andere Internetdiensteanbieter und dank der Daten Ihres Providers, noch nach sechs Monaten ziemlich genau nachvollziehen könnten, welche Internetseiten Sie sich in den letzten sechs Monaten alles angeschaut haben. Auch wenn die Daten Ihres Providers in falsche Hände geraten und diese falschen Hände ebenfalls Zugriff auf die Daten von Google und Co. hätten, wäre der "Daten-GAU" da. Natürlich wäre dies ein krimineller Datenklau und auch das gerade beschriebene Vorgehen von Geheimdiensten und Polizei wäre kaum grundgesetzkonform, aber die Erfahrung lehrt, dass Dinge passieren, obwohl sie verboten sind. Also heißt es, sich zu schützen.

Noch Fragen offen oder Kritik oder Ergänzungen? Dann einfach einen Kommentar hinterlassen.
Die Nutzung der Kommentarfunktion hier bei "Blogspot" ist übrigens auch ohne eingeschaltetes Javascript möglich. Und anonym (ohne Anmeldung) kommentieren kann man auch. Wenn Sie zudem das oben erwähnte Vidalia/Tor/Privoxy-Paket einsetzen, bleibt auch Ihre IP gegenüber Blogspot/Google verborgen.

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Freitag, 26. Oktober 2007

Kurzes Lebenszeichen

Google hat die "Google-Wichtigkeit" vieler bekannter deutscher Webseiten heruntergestuft. Solche Seiten wie Zeit.de und so weiter tauchen nun unter Umständen nicht mehr ganz weit oben in den Suchergebnissen bei Google auf. "Page Rank" nennt sich das, was Google da gesenkt hat für die betroffenen Webseiten. Heruntergestuft in dieser Google-Aufmerksamkeitshierarchie wurden Zeit.de, Telepolis.de, Golem.de und viele andere, weil sie sich bezahlen ließen für das Verlinken von weniger bekannten Webseiten und so aus Sicht von Google das Page-Rank-Konzept Googles unterlaufen haben.

Und ja, ich bin auch betroffen. Zuvor hatte ich bekanntlich einen Page Rank von 1024 und lag damit total einsam an der Spitze. Weltweit. Und nun habe ich nur noch einen Page Rank von 3. Und das nur, weil ich einmal, ein einziges Mal auf das BKA verlinkt habe. Das mochte Google gar nicht. Vor allem, weil die BKA-Seite in Wirklichkeit gar keine Informationen enthält, sondern nur ein getarntes Ermittlungsinstrument ist. Jeder Besucher der BKA-Homepage wird nämlich erst einmal vom BKA genauestens durchleuchtet. Und das Durchleuchten ist ja schon Googles Geschäft. Und Konkurrenz mag Google gar nicht. ;-)

Kommt also nicht wieder vor, Google. Versprochen. So, und nun gebt mir meinen Page Rank von 1024 wieder!

Ach, Moment, ich bekomme gerade eine Meldung von meinem "Senior Chief of Technology and Engineering" (SCoTE, Rufname "Scotty"), dass die 1024 die Zugriffszahlen seien von den 8 Besuchern, die hier täglich einmal in den letzten 128 Tagen vorbeigeschaut haben. Also hatte ich gar keinen 1024er Page Rank. Mist. Morgen bringe ich mich um.

Ja, ne, was ich eigentlich sagen wollte: Zur Zeit mache ich etwas Pause beim Bloggen. "Blog-Chillen" könnte man das nennen. Kein richtiger Urlaub. Sondern nur mal drei Blog-Schreib-Gänge niedriger geschaltet. Ist vielleicht morgen schon wieder vorbei. Oder auch nicht. Ich muss ja keine Links verkaufen.

Dienstag, 2. Oktober 2007

Urteil: Speicherung von IP-Adressen in Deutschland gänzlich verboten?

Daten-Speicherung.de stellt ein hochinteressantes Urteil vor, das gerade rechtskräftig geworden ist: Vorratsspeicherung von Kommunikationsspuren verboten.

Das Urteil wurde genau zur richtigen Zeit rechtskräftig.

Gestern und vorgestern hatte ich noch geschrieben über die unglaubliche Verletzung der Privatsphäre, die das BKA den Besuchern seiner BKA-Website antat. Es erschien mir als eindeutig illegal, dass das BKA sich bei Internetzugangsprovidern wie beispielsweise der Telekom die Namen und Adressdaten besorgte von allen BKA-Website-Besuchern eines gewissen Zeitraumes.

Nicht illegal erschien es mir, dass das BKA, wie so viele andere Websites im Internet auch, zunächst nur die IP-Nummern der Website-Besucher (also ohne Name und Anschrift der Nutzer) speicherte. Da lag ich falsch! Selbst diese IP-Adressen-Speicherung ist laut des oben erwähnten Gerichtsurteils sogar illegal!

Das Urteil bezieht sich auf eine Klage eines Internetnutzers gegen das Bundesjustizministerium. Das Gericht untersagte dem Bundesjustizministerium Nutzerdaten über das Ende des jeweiligen Nutzungsvorgangs hinaus dauerhaft zu speichern. Insbesondere IP-Adressen dürfen laut Urteil nicht gespeichert werden, selbst wenn sie an sich noch keine eindeutige Identifizierung der Nutzer ermöglichen. Es reicht als Grund für das Verbot der Speicherung von IP-Adressen aus, dass Dritte (beispielsweise die Internetzugangsprovider) mit diesen Daten die Identität des Nutzers feststellen können. Weil also die IP-Daten unter Mithilfe von Dritten dazu führen, dass Personen als solche identifiziert werden, sind die IP-Daten auch an sich schon Personendaten.

Wow. So eng hatte ich das bisher noch gar nicht gesehen. Aber es stimmt natürlich! Ich sah das Hauptproblem bislang eher darin, dass die Internetzugangsprovider diese Daten speichern. Aber die Darlegung des Gerichts ist glasklar und logisch.

Wenn ich das richtig verstehe, dann könnte das Urteil Ungemach für deutsche Website-Betreiber bedeuten, die irgendwo IP-Adressen ihrer Besucher länger speichern als dies für den Aufruf der Webseite an sich nötig ist. Das heißt, dass IP-Adressen auch nicht mehr zu statistischen Zwecken gespeichert werden dürfen. Der Einsatz so mancher Analyse-Software (Google-Analytics beispielsweise?) dürfte damit illegal werden für deutsche Website-Anbieter. Auch die Speicherung von IP-Adressen durch Auslieferer von Werbebannern, die so versuchen das Nutzerverhalten über mehrere Webseiten hinweg zu erfassen und die Auslieferung der Werbebanner abzustimmen auf den jeweiligen Nutzer (und sei es nur, dass verhindert werden soll, dass dem Nutzer immer das gleiche Banner gezeigt wird), dürfte damit als eindeutig illegal gekennzeichnet worden sein.

Oder?

Ich habe daraufhin den Teil des Weblogs, der IP-Adressen kurzfristig speicherte und der als einziger hier unter meiner direkten Kontrolle steht, nämlich der kostenlose Counter von StatCounter.com, aus dem Weblog entfernt. StatCounter legte zwar nur eine 100kb große Log-Datei an, die durch neue Besucher immer wieder neu gefüllt und überschrieben wurde, aber selbst dies ist nach oben erwähntem Urteil illegal. Ich weiß zwar nicht, ob ich als privater Blogger tatsächlich von dieser gesetzlichen Regelung betroffen bin, aber ich befolge die Regelung alleine schon deshalb, weil ich sie sinnvoll finde. Die IP-Adressen haben mich eh nie interessiert, nur woher Besucher kamen, fand ich interessant. Aber auch darauf kann ich verzichten. Leute, die mich verlinken, können ja kurz einen Kommentar unter dem Weblog-Eintrag hinterlassen, den sie verlinken, wenn sie möchten, dass ich erfahre, dass sie mich verlinken.

Bleibt nur das Problem, dass mein Weblog bei Blogspot.com gehostet ist. Und Blogspot.com gehört zur Datenkrake namens Google. Ich bin mir leider ziemlich sicher, dass Blogspot.com die IP-Adressen aller Weblog-Leser speichert. Diese Speicherung unterliegt aber nur insofern meiner Kontrolle, dass ich das Bloggen hier bei Blogspot.com dann halt gänzlich beenden könnte. Ich habe auch keine Informationen darüber, was Blogspot.com/Google tatsächlich speichert.

Keine befriedigende Situation also.

Was wäre also nötig? Es wäre ein deutscher Bloghoster nötig, der glaubwürdig versichert, keinerlei IP-Adressen von Weblog-Besuchern zu speichern und es den Bloggern selbst ermöglicht, unter Pseudonym zu bloggen. Kennt jemand so einen Weblog-Hoster, der glaubhaft keine IP-Adressen speichert? Außerdem wären natürlich einfache Statistiktools schön, die ohne IP-Adressen zu speichern funktionieren. Die Umrechnung einer IP-Adresse in einen Hash-Wert und die weitere Verwendung dieses nicht wieder reversiv in eine IP-Adresse umwandelbaren Zahlenwertes wäre vielleicht eine mögliche Lösung. Auf bereits existierende Softwarelösungen beispielsweise für Foren oder selbstgehostete Weblogs verweist die Initiative "WirSpeichernNicht.de.

Ein Weblog ohne IP-Adressen-Speicherung wäre momentan wohl nur realisierbar, indem man einen eigenen Server aufsetzt und bei der Server-Software "Apache" die Protokollierung von IP-Adressen abschaltet und anschließend keinerlei Software und Skripte einsetzt, die irgendwo IP-Adressen speichern. Kein geringer Aufwand.

Ich hoffe, meine Besucher können es mir nachsehen, dass ich deshalb zunächst einmal weiter hier bei Blogspot.com blogge - trotz der bestehenden Unsicherheit darüber, was Blogspot.com wie lange an Daten speichert.

Es wäre zu begrüßen, wenn das Urteil große Veränderungen in der Internetbranche in Deutschland bewirkt. Wäre es nicht großartig, wenn Google.de nicht nur fleißig vermeintlich jugendgefährdende Seiten oder Bilder in Deutschland zensiert, sondern sich auch auf anderen Gebieten an deutsche Gesetze halten würde und ab sofort aufhören würde die IP-Adressen seiner Nutzer länger als nötig zu speichern?

Das Urteil des Gerichts beruft sich übrigens auch ausdrücklich auf das Grundgesetz. Ein weiterer, deutlicher Hinweis, dass auch die geplante Vorratsdatenspeicherung wohl kaum zu vereinbaren ist mit der Verfassung.

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Mittwoch, 12. September 2007

Antwort von Google: Deutsches Recht zwinge zur Zensur

Vor ein paar Tagen war mir aufgefallen, dass bei der deutschen Version der Google-Bildersuche unter Google.de die Filterung von Bildern nicht mehr vollständig deaktiviert werden kann. Das heißt, dass Nutzer der deutschen Google-Bildersuche nur noch gefilterte Ergebnisse zu Gesicht bekommen. Was wie dabei gefiltert wird und in welchem Umfang, bleibt unklar.

Ich hatte dazu folgende E-mail an Google geschrieben:

Ich habe soeben festgestellt, dass Sie anscheinend auch dann Ergebnisse der Bildersuche bei Google.de filtern, auch wenn bei "Safe Search" die Option "Keine Filterung" aktiviert wurde. Sie führen als Grund unter anderem den Jugendschutz an.

Auf Grundlage welches Gesetzes sehen Sie sich gezwungen, auf diese Art und Weise alle Bildersuchergebnisse in Deutschland zu filtern, also Deutschen keine ungefilterte Bildersuche mehr zu ermöglichen?

Haben Sie die Befürchtung, in Deutschland als "Mitstörer" belangt zu werden, wenn sie ungefilterte, also unzensierte Suchergebnisse präsentieren würden?

Sehen Sie ihren Bildersuchfilter als gerichtsfestes Mittel an, um einer Mitstörerhaftung zu entgehen?

Werden auch bei der Textsuche Jugendschutzfilter angewendet oder ist dies geplant?

Sieht Google die Dauerfilterung der Bildersuchergebnisse als Service für die Kunden an? Wenn ja, wie möchten Sie mit diesem Service Kunden zufrieden stellen, die ihre in Artikel 1 und Artikel 5 des deutschen Grundgesetzes festgeschriebenen Rechte auf Informationelle Selbstbestimmung und Meinungsfreiheit wahrnehmen möchten? Befürchten Sie nicht, mit der Dauerfilterung der Bildersuchergebnisse Kunden zu vergraulen?


Ich erhielt heute folgende Antwort von Google:

Googles Richtlinien untersagen es uns Suchresultate zu zensieren. Es ist jedoch möglich, dass wir dies dennoch tun müssen, um lokalen Gesetzen, Vorschriften oder Richtlinien zu entsprechen. Falls Suchresultate aus diesen Gründen entfernt werden, zeigen wir einen entsprechenden Hinweis in unseren Suchergebnissen an, wie auf http://images.google.de/advanced_image_search?hl=de&safe=off.


So kurz die Antwort ist, so vielsagend ist sie. Sie bedeudet schlicht, dass Googles Bilderfilter angeblich keine Maßnahme ist, die Google von sich aus initiiert hat. Google ist also der festen Überzeugung, dass man deutsche Internetnutzer allesamt als minderjährig ansehen und behandeln muss nach deutschen Gesetzen. Offen bleibt, wie Google zu dieser Überzeugung gelangte. Ob dies schlicht ihre eigene Gesetzesauslegung ist, ob Google Abmahnungen und einstweilige Verfügungen bekommen hat oder ob es gar Gerichtsverfahren zu dieser Frage gegeben hat?

Wie auch immer. Die Filterung des Internets auf Suchmaschinenebene ist ein gewaltiger Eingriff in die Meinungsfreiheit. Hier wird nichts auf den Index gesetzt, sondern aus jedem Index gestrichen und somit gänzlich unauffindbar. Das ist etwas völlig anderes als wenn manche Bücher oder Filme aus Jugendschutzgründen nicht mehr öffentlich beworben werden dürfen.

Es muss meiner Meinung nach unbedingt aufgeklärt werden, ob diese Google-Zensur tatsächlich deutschem Recht entspricht oder ob hier entweder Google oder die Bundesprüfstelle nicht weit übers Ziel hinaus schießen. Vor allem, wenn man sich anschaut, dass die derzeit von Google realisierten Filtermöglichkeiten eben auch keinen wirklichen Jugendschutz darstellen und auch Inhalte gefiltert werden, die allem Anschein nach nicht jugendgefährdend sind.

Noch können Deutsche ausweichen auf die nicht-deutschen Angebote von Google. Aber keiner kann sagen, wie lange dies noch möglich ist oder wie lange auch diese Angebote noch unzensiert sind.

Mal sehen wie sich in der nächsten Zeit die Zensurbemühungen in Deutschland weiter ausbreiten. Interessant ist dabei, dass dies kaum ein Thema in unseren Medien ist.

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Dienstag, 22. Mai 2007

Google lädt Nutzer zu Usability-Tests ein

Blogspot/Blogger.com - wo dieses Weblog hier beheimatet ist - gehört zu Google. Beim Schreiben von Weblog-Einträgen bekommt man als Nutzer von Blogspot auch ein sogenanntes "Dashboard" zu sehen, wo es hin und wieder Neuigkeiten über den Service von Blogger/Blogspot oder Google zu lesen gibt. Heute fand sich die allgemeine Einladung an alle Blogger/Blogspot-Nutzer, gegen Geld bei Google-Nutzertests mitzumachen. Usability-Untersuchungen neuer Google-Produkte also. Mal wieder eine Gelegenheit für mich, kurz etwas über Usability zu schreiben und die böse Politik für einen Artikel außen vor zu lassen. :-)

Usability heißt: Gebrauchstauglichkeit, Benutzerfreundlichkeit, Bedienbarkeit... Und eines wird daraus deutlich: Google nimmt das Thema Usability ernst. Ich behaupte, dass ein großer Teil des Erfolges von Google genau darauf beruht. Und Google sind die Erkenntnisse aus solchen Studien auch einiges Wert: Pro Test, der circa eine bis anderthalb Stunden dauern soll, zahlen sie Teilnehmern 75$ (ohne Anfahrtskosten allerdings). Um am Test teilzunehmen, ist keinerlei besondere Vorbildung nötig. Ein Untersuchungsleiter von Google setzt sich dann mit der Testperson zusammen und testet mit dieser einen Person intensiv Prototypen neuer Google-Dienste oder Anwendungen. Sehr personalintensiv also! Daneben gibt es noch andere Tests, wohl auch Online-Umfragen oder das von einem Google-Mitarbeiter per Telefon angeleitete Bedienen eines Prototyps via Internet und so weiter. Die bei manchen so beliebten "Eyetracking-Studies" oder gar nur der Einsatz von Online-Befragungen reichen für Usability-Untersuchungen nicht aus. Um einen wirklichen Eindruck von der Bedienbarkeit eines Produktes zu bekommen, ist es am effektivsten, man lädt einen Nutzer ein, gibt ihm eine genau beschriebene Aufgabe, die er mit einem Prototypen des Produktes durchführen soll und beobachtet ihn während seiner Tätigkeit hinsichtlich vorher festgelegter Kriterien und Fragestellungen (Führt der Nutzer einen Test erfolgreich durch? Welchen Weg von xx möglichen Wegen wählt er? Wieviele "Fehler" macht er? Findet er den schnellsten Bedienweg? Und so weiter). Am besten zeichnet man alles auf Video auf und führt anschließend direkt nach dem Test auch noch ein Videokonfrontationsinterview durch. In dem darf der Tester dann, während er sich das soeben aufgezeichnete Video anschaut, genau beschreiben, warum er was zum Lösen der gestellten Aufgabe am Prototypen gemacht hat und wie er sich dabei gefühlt hat. Natürlich gibt es diverse Varianten dieses Vorgehens (zum Beispiel ohne Video, dafür aber mit der Aufforderung an die Testperson doch bitte während der Durchführung der Aufgabe "laut zu denken", um so den Beobachter zu informieren, warum er was mit dem Prototypen macht).

Die eigentliche Arbeit bei solchen Usability-Tests besteht jedoch nicht in der Durchführung, sondern in der Begleitung der Designer bei der Entwicklung des Produktes, in der Planung der Tests und anschließend in der Auswertung und dem Herunterbrechen der Ergebnisse auf konkrete Designvorschläge. Wenn man also auch nicht unbedingt Massen an Testpersonen braucht, so doch genügend Leute, die diese Tests beobachtend begleiten. Befragt man Testpersonen in Form eines Interviews, muss man festlegen, ob man die Antworten anschließend qualitativ auswerten möchte, also in Form einer Inhaltsanalyse dessen, was die Testpersonen zum Prototypen äußern, oder ob man die Antworten anschließend mittels statistischer Verfahren aggregieren und auswerten möchte und vielleicht sogar einen Indexwert für bestimmte Usability-Probleme berechnen will. Bei einer großen Firma wie Google, die ein weltweites Publikum bedient, wären Auswerter bei einer qualitativen Auswertung sicherlich schnell zeitlich überfordert. Denn ich vermute, dass Google viele Testpersonen einlädt, um wirklich sicherzustellen, dass ihre Produkte für die unterschiedlichsten Menschen weltweit bedienbar sind. Um derartige Tests zu planen und auszuwerten, braucht es dann meist beispielsweise ausgebildete Psychologen, die solche Testkonstruktionen im Studium lernen.

Schön finde ich folgende Antwort in der zugehörigen FAQ:

Frage: Does it involve having electrodes attached to my body?
Antwort: No. Sorry.

Oder diese hier:

Frage: A member of my family works at Google. Can I still sign up?
Antwort: Yes. If you ask them nicely, maybe they'll even invite you to lunch.

:-)

Ich spekuliere mal und vermute, dass Google aktuell Prototypen testet, bei dem die unterschiedlichen Google-Dienste noch stärker als bisher unter einer einheitlichen Oberfläche integriert werden. Klar, dass das intensive Usability-Tests erfordert. Oder es sind wieder mal noch ganz neue Google-Produkte im Anmarsch... Wer weiß?

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Sonntag, 11. Februar 2007

Kleine Tipps zum schnelleren Suchen und Finden

1) Schnellerer Wikipedia-Zugriff

Statt erst auf die Wikipedia-Homepage zu gehen, also www.wikipedia.org, und dort dann einen Suchbegriff einzugeben (Erforderliche Schritte: eine Adresseingabe oder Bookmarksuche nach Wikipedia.org, einmal Enter-Taste drücken, Sucheingabefeld auf Wikipedia.org suchen, mit dem Cursor in das Sucheingabefeld reinklicken, Suchbegriff eingeben, auf den Suchbutton klicken) oder statt gar erst zu Google zu gehen, dort einen Suchbegriff und den Begriff Wikipedia einzugeben, um möglichst Treffer aus der Wikipedia angezeigt zu bekommen, gebe ich einfach immer direkt manuell die URI von Wikipedia im Browser ein plus den Suchbegriff. Will ich also Informationen über "Solon", gebe ich einfach ein:

de.wikipedia.org/wiki/Solon

Natürlich ergibt das nur einen Sinn, wenn man davon ausgehen kann, dass es zu dem Suchbegriff auch höchstwahrscheinlich einen extra Eintrag, ein extra "Kapitel" in der Wikipedia gibt.

2) Definitionen und Begriffserklärungen via Google

Nicht mehr missen möchte ich auch den "define:"-Suchoperator von Google. Sucht man nach einer Begriffsdefinition oder zum Beispiel der Erklärung für eine Abkürzung, zum Beispiel der Erklärung, was URI heißt, einfach bei Google (oder noch komfortabler direkt im Suchmaschinen-Feld innerhalb von Firefox) "define: uri" eingeben.

3) Googles Onebox-Suchergebnisse

a) Nur auf der englischsprachigen Webseite von Google funktioniert wohl derzeit die Anzeige der Ortszeit in gewünschten Orten, zum Beispiel von New York, mit Hilfe des Suchbegriffs "time in new york". Das erste Suchergebnis sagt einem dann die aktuelle Uhrzeit in New York.

b) Die direkte Anzeige des aktuellen Wetters samt Kurzvorhersage (Google-Suchbegriff zum Beispiel: "weather in new york") funktioniert leider bislang anscheinend nur für US-amerikanische Städte und ist somit für Deutsche eher uninteressant.

c) Weitere solche "Onebox"-Suchbegriffe beim englischsprachigen Google.com listet Google Blogoscoped auf.

Ich werde diesen Weblog-Eintrag vielleicht später mit weiteren ähnlichen Tipps, die das Suchen im Internet etwas verkürzen, ergänzen.

Es gibt natürlich ca. 394.583 verschiedene Suchoperatoren, Abkürzungen, Spezialsuchen und so weiter. Aber welche nutzt man wirklich? Täglich? Jeder hat ja so seine Tricks, mit denen er sich das Online-Leben erleichtert. Kommentare also? Bitte keine Scheu und einfach einen Kommentar hinterlassen. :-) Wenn die Kommentarfunktion von Blogspot.com weiterhin spinnt: Einfach mehrfach auf den Absende-Button klicken, bis der Kommentar online erscheint.

Google Bildersuche ist kaputt

Die Bildersuche von Google ist kaputt: Keine Katzenbilder bitte.

(Idee geklaut von Google Blogoscoped.)

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Mittwoch, 20. Dezember 2006

Alternative zu Furl: ScrapBook

Furl, der Online-Bookmarking-Dienst, funktioniert weiterhin nicht richtig. Neben der schlechten Erreichbarkeit in den letzten Tagen funktioniert vor allem weiterhin die Suchfunktion innerhalb von Furl nicht korrekt. So listet Furl bei einer Suche in großen Furl-Archiven längst nicht alle gefurlten Webseiten auf, die den Suchbegriff behinhalten. Das ist nun schon seit einigen Wochen so. Ich denke, dass die Suchfunktion von Furl dauerhaft funktionsuntüchtig bleibt. Damit ist Furl natürlich mehr oder weniger unbrauchbar geworden. Denn wenn man seine Online-Bookmarks nicht durchsuchen kann, nutzt das ganze Kategorisieren und Taggen gar nichts.

Was tun? Zunächst nutzte ich Furl weiter mit dem Hintergedanken, ab und zu die gefurlten Webseiten zu exportieren, um sie so auf andere Weise mit anderen Programmen direkt auf dem eigenen Computer zu durchsuchen. Auf Dauer ist das zu aufwändig.

Die Lösung könnte ScrapBook sein. ScrapBook ist eine kostenlose Firefox-Extension, also ein kleines Stück Software, was sich nahtlos in den Firefox-Browser einfügt. Mit ScrapBook kann man mit ein, zwei Mausklicks die Seite, die im Browser gerade angezeigt wird, mit URL und Inhalt auf der eigenen Festplatte archivieren und mit Hilfe von ScrapBook auch in Kategorien ordnen und mit den umfangreichen Suchfunktionen von ScrapBook auch wieder finden. Es sieht zumindest für mich so aus. Auch ein Backup und der Import/Export von ScrapBook-Archiven zum Sichern oder Übertragen auf andere Computer scheint relativ problemlos zu sein. Außerdem - sehr wichtig - scheint ScrapBook aktiv weiter entwickelt und gepflegt zu werden.

Ich habe mir natürlich auch Spurl.net als mögliche Alternative zu Furl angesehen. Spurl scheint weiterhin der einzige Online-Bookmarking-Dienst zu sein, der ebenfalls wie Furl eine Kopie der gebookmarkten Webseite anlegt. Diese Funktion ist mir sehr wichtig. Doch Spurl ist anscheinend teilweise noch langsamer als Furl, bietet weniger Möglichkeiten die Einträge zu organisieren und vor allem weniger Export-Funktionen als Furl. Die mit Spurl gesicherten und kopierten Webseiten können zum Beispiel anscheind gar nicht exportiert werden. Als meine Testseite zudem gar nicht von Spurl kopiert wurde, war klar, dass Spurl für mich keine Alternative ist.

Andere Social-Bookmarking-Dienste wie das berühmte Del.icio.us hätten gegenüber ScrapBook nur den Vorteil, dass die Bookmarks von überall her zugänglich wären. Doch auf diese Funktion kann ich zumindest noch am ehesten verzichten. Notfalls muss man halt sein ScrapBook-Archiv auf einem USB-Stick mit sich herumtragen. Wichtiger ist es mir, Zugang zu einer Kopie der gebookmarkten Seite zu haben.

Also werde ich ScrapBook für das persönliche Archivieren von Webseiten nutzen und Del.icio.us, um die gleichen Seiten zusätzlich online zugänglich zu machen und außerdem mit Tags versehen zu können. Das Del.icio.us-Archiv werde ich dann wohl hier in das Blog integrieren. Mal sehen. :-) (Update: Schon geschehen. Ab sofort tauchen die jeweils zehn neuesten Links/Bookmarks aus meinem Del.icio.us-Archiv rechts in der Navigationsleiste auf.)

Seltsam, dass es in den letzten Jahren niemand geschafft hat, einen Social-Bookmarking-Dienst auf die Beine zu stellen, der alle interessanten Funktionen der verschiedenen Dienste in sich vereint. Jedem der mir bekannten Dienste (also nicht nur den oben genannten) fehlen aus meiner Sicht wichtige Funktionen. Wahrscheinlich muss man mal wieder auf Google warten.

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Dienstag, 12. Dezember 2006

Furl hat ausgefurlt

Das war es dann wohl mit Furl.net. Zumindest für mich, befürchte ich. Die Suchfunktion innerhalb von Furl, dem Social Bookmarking Dienst, funktioniert nun schon seit einigen Wochen nicht mehr richtig. Zumindest in dem von mir angelegten und genutzten Furl-Archiv. Hat jemand ähnliche Beobachtungen mit Furl gemacht?

Es werden zwar irgendwelche Suchergebnisse angezeigt, wenn ich in meinem großen Furl-Archiv nach Begriffen suche, aber es werden längst nicht alle Furl-Einträge aus dem gewählten Archiv angezeigt, in denen der Suchbegriff entweder in der Überschrift zum Furl-Eintrag oder in der Beschreibung zum gefurlten Link oder in den Kategorien oder in den Stichwörtern oder in der gefurlten Webseite selbst vorkommt. Ich habe das nun ausführlich getestet. Furl findet einfach viele Einträge nicht mehr wieder. Sie sind zwar im Archiv abgelegt und vorhanden, aber sie sind per Suche nicht erreichbar.

Damit ist Furl nutzlos geworden.

Glücklicherweise bietet Furl eine umfangreiche Export-Funktion an. Ich werde also meine über 1600 Furl-Einträge exportieren und nach Möglichkeiten suchen, diese wieder auch per Suche zugänglich zu machen. Notfalls muss ich die gefurlten Webseiten, um auch sie durchsuchbar zu machen (und nicht nur die eigenen Furl-Notizen zu den Furl-Archiveinträgen) auf einen eigenen Server hochladen und sie dort entweder über die Suchfunktion einer auf dem Webserver installierten Weblog- oder Forumssoftware oder eben über das Google-API wieder für mich per Suche zugänglich machen.

Die Besonderheit von Furl ist ja, dass Furl von gebookmarkten Webseiten eine Kopie anlegt, auf die man zugreifen kann, wenn die originale Webseite schon wieder verschwunden ist. Manche hinterwäldlerischen Webauftritte haben ja noch nie etwas von permanenten Links, also permanent unter einem URI abrufbaren Inhalten, gehört. Ganz schlimm ist hier zum Beispiel der Webauftritt der Frankfurter Rundschau, bei der viele Webseiten immer nach zwei Wochen (glaube ich) wieder aus dem Internet verschwinden. Für solche Webseiten war Furl zum Beispiel sehr wertvoll, wenn man die Webseiten nicht selbst mühsam als Kopie auf die eigene Festplatte kopieren wollte.

Da das Hochladen der per Furl gespeicherten Webseiten jedoch eine Urheberrechtsverletzung ist, sofern ich die hochgeladenen HTML-Seiten für jeden zugänglich mache, muss ich den Bereich wohl per Passwort schützen. Keine Ahnung, ob man das Google-API auch für per Passwort (.htaccess) geschützte Webseiten verwenden kann, ohne dass Google die geschützten Seiten nach außen hin sichtbar werden lässt. Vermutlich werde ich also dann doch eher die Suchfunktion einer zu installierenden Weblog- oder Forumssoftware nutzen, um die über 1600 HTML-Seiten für mich wieder zugänglich zu machen.

Ich habe Furl vor einer Woche eine E-mail geschrieben und beschrieben, dass deren Suche in meinem Furl-Archiv nicht mehr richtig funktioniert. Ich habe bis heute keine Antwort erhalten. Ich kann vor der weiteren Nutzung von Furl also nur warnen. Ein Social Bookmarking Dienst, bei dem die Suchfunktion nicht mehr funktioniert, erscheint mir eben ziemlich sinnlos.

Update: Die einfachste Lösung, um zumindest die eigenen Kommentare, mit denen man eventuell seine Bookmarks bei Furl versehen hat, wieder durchsuchbar zu machen - so lange die Suchfunktion von Furl nicht richtig funktioniert - ist es, sein Archiv im Mozilla/Netscape-Bookmark-Format aus Furl zu exportieren. Die so entstandene einzelne Datei kann man dann in einem Browser lokal öffnen und sie mit der im Browser eingebauten Volltextsuchfunktion nach zumindest einem Stichwort oder Wortgruppe durchsuchen.

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Dienstag, 5. Dezember 2006

Beileid für chinesische Studenten: Yahoo könnte Facebook kaufen

Süddeutsche.de berichtet in einem Artikel mit der vielsagenden Überschrift Das Grauen vor der Bloßstellung, dass Yahoo anscheinend plant Facebook zu kaufen.

Facebook ist die internationale Variante, das Original, der Vorgänger also vom zur Zeit vieldiskutierten, umstrittenen, deutschen Studentenportal StudiVZ. Bei beiden Plattformen können Studenten Profile anlegen mit umfangreichen Informationen über sich und gegenseitig Kontakt aufnehmen.

Mein Mitleid schon einmal mit den chinesischen Studenten, die vielleicht in letzter Zeit Nutzer bei Facebook geworden sind. Yahoo ist bekanntlich ein besonderer Freund der chinesischen Regierung. Yahoo rückt bekanntlich auch schon einmal freiwillig ohne Zwang Nutzerdaten an die chinesischen Behörden raus, damit Dissidenten anschließend für viele Jahre in chinesischen Gefängnissen verschwinden (Heise.de: Reporter ohne Grenzen: Yahoo beugt sich in China kompromisslos).

Vermutlicher Preis für Facebook: Eine Milliarde Dollar.

Soviel sind also die Daten wert, die die Nutzer frei zugänglich bei Facebook über sich hinterlegen. Der Wert der Daten, die deutsche Studenten über sich bei StudiVZ hinterlegen, dürfte in ähnlicher Größenordnung liegen. Aber viele Nutzer von StudiVZ scheinen zu glauben, StudiVZ würde selbstlos von Studenten in ihrer Freizeit betrieben werden. Aber es soll ja auch heute noch Menschen geben, die behaupten, die Welt sei eine Scheibe. Insofern wundert einen gar nichts.

Im Zusammenspiel mit Yahoos weiteren Service-Angeboten (Flickr, Del.icio.us, Yahoo-Suchdienste und so weiter) könnte Yahoo damit Google als Datenkrakengigant überholen.

Der oben verlinkte Artikel bei Süddeutsche.de schildert außerdem, dass unter anderem auch Personalchefs die Daten aus diesen Online-Kontaktbörsen nutzen. Weniger, um die positiven Seiten von Bewerbern herauszufinden, sondern wohl eher, um dem geschönten Lebenslauf reale Daten aus dem Lebensumfeld der Bewerber entgegenzustellen. Denn wer solche Plattformen wie Facebook und StudiVZ intensiv nutzt, verrät dort viel über seine reale Person. Dass das meist im Vergleich zu den Bewerbungsunterlagen ein weniger gutes Bild vom Bewerber zeichnet, stellt Don Alphonso in einem hervorragenden Weblog-Eintrag bei Blogbar.de klar: Deine absolut vollkommen harmlosen Daten bei StudiVZ.

Man muss aber gar nicht Nutzer von Facebook oder StudiVZ sein (obwohl das die Sache für interessierte Personalchefs erheblich erleichtert), um für Datensammler ein umfangreiches Online-Profil ungewollt zur Verfügung zu stellen. Oft reicht Google schon aus, um so einiges über eine Person in Erfahrung zu bringen. Ganz zu schweigen von weiteren Datenbanken von Behörden, auf die zumindest in den USA bereits heute gerne und oft via Einkauf bei sogenannten Data Brokern zugegriffen wird. Mehr dazu zum Beispiel in meinem älteren Weblog-Eintrag Gefangen im Netz: Keine Karriere bei schiefer Googlability.

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Montag, 20. November 2006

Gefangen im Netz: Keine Karriere bei schiefer Googlability

Genau passend zu meinen ersten Weblog-Einträgen und deren Themen: Die Wirtschaftswoche schildert in einem Artikel (leider nur in einem kleinen Auszug auch online verfügbar), wie sehr heute bereits professionelle Agenturen das Leben von z.B. Bewerbern anhand von öffentlich zugänglichen Daten durchleuchten. Glücklicherweise berichtet das CIO-Weblog ausführlicher über den Artikel: Googlability: Auf der Spur von Reiner Fakeman. Auch 27B Stroke 6 berichtete (wie schon in einem älteren Eintrag von mir erwähnt) ausführlich über die Arbeitsweise solch einer Agentur namens "ChoicePoint", die sogar vor der kriminellen Beschaffung von Daten nicht zurückschreckte und nun versucht, in den USA ihr Image wieder aufzupolieren: ChoicePoint's Comeback Tour.

Es geht also darum, dass vor allem Firmen, die offene Stellen besetzen wollen, Spezial-Agenturen beauftragen, die dann dank Internet und Google, aber auch wahrscheinlich unter Einbeziehung weiterer Datenquellen, häufig erschreckend detaillierte Portraits der "Zielpersonen" anfertigen können. In den USA gibt es z.B. zig Datenbanken, deren Inhalte bereits auch in den Händen von sogenannten Data Brokern gelandet sind. Selbst die Ermittlungsbehörden wenden sich da schon einmal gerne an solche Data Broker, statt den etwas komplizierteren Weg über die Einholung z.B. eines Durchsuchungsbefehls vor Gericht zu gehen (ZDNet: Law enforcement using data brokers). Das Problem dieser Datenbanken, aber auch der Informationen im Internet, ist, dass die Menschen, deren Daten dort erfasst sind, kaum mehr die Möglichkeit haben, auf ihre Daten Einfluss zu nehmen. Auch falsche Daten (ob nun aus dem Internet oder anderen Datenbanken) werden dann häufig von diesen Data Brokern weitergegeben. So berichtet 27B Stroke 6 z.B. von einem Fall, wo jemandem ein neuer Job verwehrt wurde, nur weil er zehn Jahre zuvor mit 22 Jahren eine Anzeige wegen ungebührlichen Benehmens (von der Schwere verlgeichbar mit einer Anzeige wegen Falschparkens) bekommen hatte: Databases That Never Forgive Even When Required To. Der Datensatz der Polizei geriet in die Hände der Privatwirtschaft. Die Behörden hatten die Eintragung über die Anzeige in ihren Datenbanken längst wieder gelöscht, als der junge Mann sich bei einer Firma um eine offene Stelle bewarb. Die Agentur jedoch, die die Firma mit der Durchleuchtung des Bewerbers beauftragt hatte, hatte noch den alten Datensatz und nahm die Eintragung mit in ihr Dossier über den Bewerber auf. Die Folge: Der Mann bekam den Job nicht.

Wer allerdings seine Daten über sein Leben selbst via nicht-pseudonymisiertem Weblog, via Flickr, YouTube, Kommentaren in anderen Weblogs und Foren und mit Hilfe von diversen Online-Business-Clubs à la OpenBC usw. im Internet ausbreitet, darf sich nicht wundern, wenn dies alles auch vom zukünftigen Personalchef begutachtet wird. Der dürfte interessiert lesen, ob man sich beispielsweise vorwiegend in nerdigen Computerspiel-Foren oder in Alkohol-affinen Weinkenner-Foren und ähnlichem herumgetrieben hat. Auch freundschaftlich gemeinte Kommentare von Bekannten oder Freunden über einen selbst könnten einmal zum Problem werden. Und schließlich: Auch die Verwendung von Pseudonymen stellt keine Garantie dar. Es reicht ja schon aus, wenn irgendwo das Pseudonym mit seinem realen Namen in Verbindung gebracht werden kann. Das Internet mit all seinen Diensten zu nutzen, ohne irgendwann einen hohen Preis zahlen zu müssen, erfordert also Geschick und Vorsicht und einen schweigsamen Bekanntenkreis.

Es ist eine typische Tatsache des digitalen Zeitalters, dass diese ganzen Daten uns Menschen normalerweise quasi als unsichtbar erscheinen. Wir vergessen schnell, wo wir was im Internet einmal geschrieben haben. Das Internet vergisst jedoch nichts. Und nichts ist für kundige Experten einfacher, als all die verstreuten digitalen Daten mit wenigen Mausklicks zu einem aussagekräftigen Profil zusammen zu stellen. Und dann schlagen die zuvor unsichtbar scheinenden Daten geballt zurück.

Wie dieser unsichtbare digitale Datengeist arbeitet, wollen die Redakteure der Wirtschaftswoche auch noch auf andere Weise als durch ihren Artikel deutlich machen. So schufen sie Reiner Fakeman: Grow Or Go: Reiner Fakeman Blog. Eine ausgedachte Person. Aber das hindert ihn nicht daran, nun im Internet als normaler Nutzer aufzutreten. Die Redakteure wollen so verfolgen, wie Reiner Fakemann vom Internet "aufgesaugt" wird und was bei Datenrecherchen über seine Person anschließend wieder ausgespuckt wird. Schön übrigens, das Motto "Grow Or Go" der Beraterfirma McKinsey persiflierend in dem Fakeman-Blog als Motto zu benutzen. Mehr über das eindimensionale Menschenbild von McKinsey beispielsweise in diesem lesenswerten ZEIT-Artikel: Steige auf oder aus.

Bleibt zu hoffen, dass zumindest die geplanten neuen Datenberge, die bald den Behörden zur Verfügung stehen, nicht in falsche Hände geraten. Zu nennen wären da die geplante Personenkennziffer (Heise.de: Grünes Licht für Personenkennziffer im Bundesrat), die geplanten Schüler-Identifikationsnummern (Spiegel.de: Kultusminister wollen gläserne Schüler) und natürlich die Vorratsdatenspeicherung (Übersichtsartikel von Heise.de zum Thema), die besonders brisant ist, weil deren Daten ja nicht in Behördenhand verwahrt werden, sondern auf den Computern der Telekommunikationsanbieter. Hier mögliche Datenschutzverletzungen im Nachhinein nachzuweisen, dürfte zudem schon rein technisch besehen nicht leicht sein.

Tipps gegen Datenschieflage im Internet

Google ist inzwischen mit seinen vielen schönen Tools und Diensten (dieses Weblog läuft schließlich auch auf Servern von Google; Blogspot ist ein Google-Service) leider auch eine ziemliche Datenkrake geworden.

Vor allem durch die Google-Suche und die Google-Adsense-Werbebanner auf vielen Internetseiten kann Google beispielsweise mit Hilfe von Cookies ziemlich genau verfolgen, welche Webseiten man im Internet ansurft. Wer dazu noch weitere Google-Dienste in Anspruch nimmt, wie z.B. diesen Blogdienst, auf dem auch dieses Weblog hier läuft oder Gmail oder gar die personalisierte Suchstartseite, der versorgt Google mit weiteren wertvollen Informationen darüber, was man im Internet macht und wer man also ist. Noch scheint es so zu sein, dass Google sorgsam mit diesen hochinteressanten Daten umgeht, aber das ist nur Spekulation und keiner weiß, ob das immer so bleiben wird.

Deshalb ein paar Tipps, wie man Datenlecks verringern kann. Wie man das, was man so nebenbei Google und anderen Webseiten über sich selbst mitteilt, aufs Nötigste einschränken kann. Denn wie weiter unten schon einmal gesagt: Wissen ist Macht. Dementsprechend gibt es bereits Firmen, die sich die Finger lecken nach solchen Daten.

  • Nach jeder Surfsession sollte man im Browser die Cookies löschen. Manche Browser erledigen dies, so es eingestellt ist, automatisch, wenn man die Browser schließt. Ich persönlich aber lasse Computer und Browser oft tagelang laufen. Da ist es sinnvoll, öfter am Tag einmal die Cookie-Löschung manuell zu starten.
  • Zur Verwendung von Google-Diensten (Google-Suche, Google-Bloggingdienste, Gmail etc.) kann man einen zweiten Browser verwenden (z.B. Opera statt Firefox oder umgekehrt), damit die Cookies aus diesen Nutzeroperationen nicht so leicht von Google abgeglichen werden können mit den sonstigen Webseiten, die man im Internet abruft.
  • Man kann/sollte im Browser das Übertragen des Referrers deaktivieren. So erfährt die angesurfte Webseite nicht, von wo aus man kommt.
  • Um sich vor bösartigem (und dazu zählt auch spionierendem) Code auf unseriösen Webseiten zu schützen, sollte man Java, ActiveX und Plugins möglichst immer standardmäßig deaktiviert lassen und nur bei Bedarf anschalten. Opera bietet hier die Möglichkeit, z.B. Plugins wie Flash nur auf bestimmten Webseiten (z.B. YouTube) zuzulassen. Es könnte sein, dass es ähnliche Funktionalität auch bei Firefox mittels externer Add-Ons gibt. Auch seriösen Webseiten kann es übrigens passieren, dass sie Schadsoftware enthalten. Z.B. über gehackte Werbebanner. Das ist schon vorgekommen. Gerade die Bereitsteller von Werbebannern sind hervorragende Datensammler, weil sie Surfer über die verschiedensten Webseiten hinweg verfolgen können. Auch Javascript und somit AJAX ist anfällig dafür, Daten zu verraten über den Nutzer. Webseiten, die AJAX verwenden, sollte man keine empfindlichen Daten überlassen.
  • Ganz wichtig: Wenn man das Internet nicht selbst als Profilierungs- und Werbemittel für die eigene Person oder die eigene Firma gebrauchen möchte, sollte man versuchen in Foren und Weblogs nur mit Pseudonym aufzutreten.
  • Benötigt man zur Nutzung eines Dienstes eine E-mail-Adresse (z.B. zur Anmeldung oder Aktivierung eines Dienstes) kann eventuell die Verwendung von sogenannten Einmal-E-mail-Adressen sinnvoll sein. Wasteland bietet z.B. solche Einmal-E-mail-Adressen an. Das geht so: Man kann sich frei eine E-mail-Adresse in der Form "irgendwas@wasteland.rfc822.org" ausdenken. Trudelt an diese E-mail-Adresse bei Wasteland irgend eine Mail ein (z.B. mit einem Aktivierungscode für irgendeinen Internet-Service), kann man den Account "irgendwas" ohne Passworteingabe bei Wasteland abrufen. Es ist also klar, dass man über Wasteland keine wichtigen Informationen empfangen sollte. Aber zum Schutz vor Spam (und auch als weiteres Mittel zur eigenen Pseudonomisierung) ist sowas gut geeignet.
  • Der Königsweg, um im Internet anonym zu bleiben, ist natürlich die Verwendung von TOR. Mehr dazu findet man auf den Seiten der Electronic Frontier Foundation: tor.eff.org. Allerdings steht zu befürchten, das die Nutzung von TOR ab dem Frühjahr 2007 in Deutschland praktisch unmöglich wird, da die freiwilligen Betreiber von TOR dann auch gesetzlich dazu verpflichtet werden sollen, alle Verbindungen, die über sie laufen, für die Strafverfolgungsbehörden aufzuzeichen und über sechs Monate zu speichern. Ein technisches Unterfangen, das für die meist privaten TOR-Server-Betreiber unmöglich sein wird. Da deutsche TOR-Server zur Zeit ca. ein Viertel des weltweiten TOR-Netzes ausmachen und auch in anderen europäischen Staaten ähnliche bürgerfeindliche Gesetze wie in Deutschland geplant sind, könnte dies das Aus des gesamten TOR-Netzes bedeuten und damit das Aus für die einzige Möglichkeit, sich als Bürger wirklich sicher im Internet bewegen zu können.
Wer weitere Tipps hat, darf selbstverständlich in den Kommentaren mitmischen. :-)