Montag, 29. Oktober 2007

Kleiner Verbrauchertipp: Eplus-Netz in Berlin seit Wochen störanfällig

Zumindest was die Datenübertragung (GPRS, UMTS) betrifft, funktioniert das Netz von E-plus nach meinen eigenen Beobachtungen in der Innenstadt Berlins (Wilmersdorf, Charlottenburg) schon seit einigen Wochen nur noch unzuverlässig. In den letzten Tagen geht teilweise gar nichts mehr. Hat man in seinem Handy als Standardverbindungsart "GPRS" auch für die Sprachtelefonie eingestellt, kommen auch keine Anrufe mehr an und man kann selbst keine Anrufe mehr durchführen. Die Eplus-Hotline sagt, man wüsste von keinen Problemen. Anfragen per E-mail werden nicht beantwortet.

Nur Sprachtelefonie und langsame Datenübertragung über das normale GSM-Netz funktionieren. Das Handy zeigt zwar an, dass ein UMTS-Netz verfügbar ist, aber die Einbuchung scheitert - vor allem am Wochenende und abends, manchmal aber auch den ganzen Tag lang - und in verschiedenen Funkzellen. E-plus ist also hinsichtlich seines Netzes in der Hauptstadt auf das Niveau eines Dorfes in der ländlichen Provinz zurückgefallen.

Ich kann deshalb nur jedem raten, der in der Innenstadt Berlins schnellere Datendienste über das Eplus-Netz nutzen möchte und überlegt, bei E-plus oder bei anderen Anbietern, die das Eplus-Netz nutzen (Simyo, Blau.de und so weiter), einen Vertrag abzuschließen, die Hände davon zu lassen. Es gibt bessere Weihnachtsgeschenke.

Falls E-plus die Schwierigkeiten irgendwann wieder in den Griff bekommen haben sollte und ich noch weiterhin Kunde bei denen sein sollte, werde ich an dieser Stelle mittels eines "Nachtrages" berichten.

Nachtrag, 08.11.2007: Inzwischen scheint das UMTS-Netz von E-plus wieder zu laufen. Zumindest gab es in den letzten Tagen keine Probleme mehr. Zuvor lief es mal einen Tag, dann wieder einen Tag lang nicht, dann lief es wieder einen Tag... Die Erreichbarkeit des UMTS-Netzes nun über mehrere Tage lässt also hoffen, dass die Probleme nun endlich beseitigt sind.

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Terror in Deutschland

Was dabei herauskommt, wenn die Medien munter und kritiklos weiterschwafeln, was ihnen von der Politik und den Behörden aufgetischt wird... was dabei herauskommt, wenn die Medien also beispielsweise munter weiterschwafeln, dass die im Sauerland gefassten mutmaßlichen Terroristen "kurz vor" einem Anschlag gestanden hätten... was dabei herauskommt, wenn unser Bundesinnenminister von terroristischen Atombombenanschlägen fantasiert... was dabei herauskommt, wenn bei absolut jeder Gelegenheit jeder Innenminister in diesem Land und jeder Vertreter jeder Sicherheitsbehörde immer noch mehr polizeiliche, ja geheimdienstliche Befugnisse haben will... was dabei herauskommt, wenn irgendwelche Provinzpolitiker nun aber auch mal die Online-Durchsuchung haben wollen, ob als Mittel gegen Besitzer von Kinderpornobilder oder gegen Fußball-Hooligans... was dabei herauskommt, wenn Provinzpolitiker die Sicherheitsbehörden als politische Hilfstruppen einspannen wollen... was dabei herauskommt, wenn Soziologen und ihr Umfeld wegen der Verwendung von einzelnen Begriffen in ihren Arbeiten monatelang intensiv als vermeintliche Terroristen überwacht werden und anschließend sogar in eine Art Isolationshaft gesteckt werden und erst nach langwierigen Anrufungen von Gerichten wieder freigelassen werden.... oder was dabei herauskommt, wenn die Polizei einfach einmal umfangreiche Durchsuchungsaktionen im Umfeld von G8-Gegnern durchführt, ohne konkreten Anfangsverdacht und ohne konkrete Ergebnisse...

Was dabei herauskommt? Terror. Zumindest von Seiten der Polizei und der Politiker. Glücklicherweise noch nicht von Seiten der deutschen Gerichte in Form menschenrechtsverletzender Urteile.

Dieses Terror-Geschwafel, diese Panikmache, dieses Beschwören einer umfangreichen Überwachung und polizeilichen Prävention als Mittel der Wahl gegen eine nebulöse Terrorgefahr, das alles hat Folgen. Es verändert unsere Gesellschaft. Dazu braucht es noch nicht einmal neue Gesetze. Das funktioniert auch so.

So führt es zu geistiger Verwirrung auf den ärmlichen Polizeistuben in der deutschen Provinz. Anders kann man das nicht benennen, wenn Polizeibeamten in der Lüneburger Heide eigenmächtig, ohne dass es irgendeinen Anfangsverdacht gab, ohne dass irgendwo irgendwie irgendeine Ermittlung vorauslief von irgendeiner Stelle, einfach Urlauber ohne richterlichen Beschluss in ihrem Ferienhaus überfallen. Von deutschen Polizisten, nicht von Terroristen! Überfallen, weil die Urlauber "fremdländisch" aussahen, ohne Auto angereist waren und ein Ferienhaus (!) gemietet hatten:

Um kurz vor 22:00 am Donnerstag klopften Kriminalpolizisten an die Haustür und hätten diese fast eingetreten, wäre ich nicht schnell genug aus dem Badezimmer zur Tür geeilt. Sie wiesen sich erst aus, als sie im Haus waren. Ein Durchsuchungsbefehl wurde an keiner Stelle vorgelegt, mein Einwand, dass meine Ehefrau sich noch bekleiden wollte wurde ebenso wie mein ausgestreckter Arm beiseite geschoben. Drei Polizisten rannten die Treppe im Ferienhaus zu den Schlafzimmern hoch, während der Einsatzleiter sich mit uns aufs Sofa setzte und zu erklären versuchte, warum sie so hereingeplatzt kamen:

Offensichtlich wurde zuvor die Polizei in Walsrode über die schwerwiegende Tatsache informiert, dass ein "orientalisch aussehendes" Pärchen "nachts" und "ohne Auto" nach Hamwiede kam und sich dort bereits seit Samstag aufhielt. Diese drei "Indizien" waren Grund genug für die Polizeiinspektion Soltau-Fallingbostel, acht Kriminalpolizisten zu mobilisieren und sie taktisch ausgerüstet (inklusive schußsicheren Westen) zu unserem Hauptquartier zu schicken. Vier davon haben das Haus umzingelt, während die anderen vier das Haus durchsucht haben. (Quelle: Too Much Cookies Network)


Der aufgeweckte, offenherzige deutsche Bürger wird jetzt natürlich einwenden, dass man sich doch gefälligst als Urlauber in der Lüneburger Heide vor Ankunft telefonisch bei den örtlichen Polizeibehörden anzumelden habe. Denn wer macht schon Urlaub in der Lüneburger Heide?! Spätestens seit dem Sommer sollte jedem klar sein, dass in der deutschen Provinz nur Bomben gebastelt werden. Überall. Wer da hin will, macht sich ganz klar verdächtig. Auch die Anreise per Taxi und nicht in eigenem Auto ist unstatthaft. Fremdländisch aussehen geht bekanntlich schon gar nicht. Hier helfen bekannte Schönheitschirurgen gerne aus. Das Tragen von Kopftüchern ist geradezu fahrlässig. Und wer, bitte schön, mietet heutzutage noch Ferienhäuser? Heute reist man mit dem eigenen Wohnmobil oder übernachtet in ordentlichen Hotels und nicht in irgendwelchen miefigen Unterkünften mit Styroporwänden.

Merke: Jeder kann bei der von unseren Politikern bewusst geschürten Terror-Paranoia Opfer von haltlosen Verdächtigungen werden. Den Sicherheitsbehörden wird nicht auf die Finger geklopft, im Gegenteil, sie werden bestärkt, noch "wachsamer" zu sein.

Ich rate also zur größten Vorsicht vor Polizeibeamten! Es könnten verdeckte Staatsterroristen sein, die aus nichtigem Anlass, ja bei eigentlich überhaupt gar keinem Anlass, auf die Idee kommen könnten, mal eben eure Wohnung zu stürmen. Es gibt keinen geschützten Bereich der privaten Lebensführung mehr in Deutschland. Zumindest in der Praxis. Die eigene Wohnung kann in Deutschland nahezu jederzeit von der Polizei unter den fadenscheinigsten Begründungen aufgebrochen und durchsucht werden. Im Gesetz steht zwar etwas anderes, aber was bedeutet schon das Gesetz?

Es wäre schon seltsam, wenn in deutschen Weblogs die früher üblichen Solidaritätsbekundungen bei irgendwelchen Abmahnungen (wenn also ein Blogger mal wieder von einem Abmahnanwalt wegen irgendeiner Nichtigkeit kostenpflichtig abgemahnt wurde) nun immer häufiger ersetzt werden sollten durch eine andere Art der Solidaritätsbekundung - nämlich bei und wegen erlittener Polizeiobservierungen oder Hausdurchsuchungen.

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Freitag, 26. Oktober 2007

Kurzes Lebenszeichen

Google hat die "Google-Wichtigkeit" vieler bekannter deutscher Webseiten heruntergestuft. Solche Seiten wie Zeit.de und so weiter tauchen nun unter Umständen nicht mehr ganz weit oben in den Suchergebnissen bei Google auf. "Page Rank" nennt sich das, was Google da gesenkt hat für die betroffenen Webseiten. Heruntergestuft in dieser Google-Aufmerksamkeitshierarchie wurden Zeit.de, Telepolis.de, Golem.de und viele andere, weil sie sich bezahlen ließen für das Verlinken von weniger bekannten Webseiten und so aus Sicht von Google das Page-Rank-Konzept Googles unterlaufen haben.

Und ja, ich bin auch betroffen. Zuvor hatte ich bekanntlich einen Page Rank von 1024 und lag damit total einsam an der Spitze. Weltweit. Und nun habe ich nur noch einen Page Rank von 3. Und das nur, weil ich einmal, ein einziges Mal auf das BKA verlinkt habe. Das mochte Google gar nicht. Vor allem, weil die BKA-Seite in Wirklichkeit gar keine Informationen enthält, sondern nur ein getarntes Ermittlungsinstrument ist. Jeder Besucher der BKA-Homepage wird nämlich erst einmal vom BKA genauestens durchleuchtet. Und das Durchleuchten ist ja schon Googles Geschäft. Und Konkurrenz mag Google gar nicht. ;-)

Kommt also nicht wieder vor, Google. Versprochen. So, und nun gebt mir meinen Page Rank von 1024 wieder!

Ach, Moment, ich bekomme gerade eine Meldung von meinem "Senior Chief of Technology and Engineering" (SCoTE, Rufname "Scotty"), dass die 1024 die Zugriffszahlen seien von den 8 Besuchern, die hier täglich einmal in den letzten 128 Tagen vorbeigeschaut haben. Also hatte ich gar keinen 1024er Page Rank. Mist. Morgen bringe ich mich um.

Ja, ne, was ich eigentlich sagen wollte: Zur Zeit mache ich etwas Pause beim Bloggen. "Blog-Chillen" könnte man das nennen. Kein richtiger Urlaub. Sondern nur mal drei Blog-Schreib-Gänge niedriger geschaltet. Ist vielleicht morgen schon wieder vorbei. Oder auch nicht. Ich muss ja keine Links verkaufen.

Samstag, 20. Oktober 2007

Datenschutz auf EU-Ebene: Wie es den Geheimdiensten gefällt

Heise.de berichtet in einem recht schwierig zu lesendem Artikel (typische Heise.de-Sprache halt) von Planungen auf EU-Ebene darüber, wie die EU-Mitgliedsstaaten in Zukunft mit den Daten ihrer Bürger verfahren dürfen: Nationale Sicherheit vs. Datenschutz für Sicherheitsbehörden.

Ich fasse den Schmu mal kurz zusammen. Der EU-Entwurf besagt also ungefähr Folgendes:

Der Staat darf den Bürger nicht auffordern, ihm alle seine Daten zu geben, sich also vor dem Staat quasi nackig auszuziehen. Es sei denn, der Staat findet, dass das doch notwendig ist. Dann muss sich der Bürger datentechnisch doch nackig ausziehen vor dem Staat. Der Staat darf dann jedoch diese Daten nicht langfristig speichern oder mit anderen Daten zusammenführen und sie beliebig auswerten. Der Staat darf also sozusagen kein Foto von der Blöße des Bürgers machen. Es sei denn, der Staat findet, dass das doch notwendig ist. Der Staat darf dann jedoch das "Foto" nicht einfach im Kollegenkreis herumzeigen, sprich die Daten seiner Bürger nicht einfach so den anderen EU-Staaten übermitteln. Es sei denn, die EU-Staaten finden, dass das doch nötig ist.

Also ich finde diese "Datenschutzvorschriften" völlig ausreichend. Es sei denn, sie beträfen mich selber.

Jugendgefährder Al Gore

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DIE ZEIT fällt auf US-Komiker Stephen Colbert rein

Kann es sein, kann es wirklich, wirklich sein, dass die ZEIT-Redakteurin Eva Schweitzer nicht erkannt hat, dass der US-Fernsehstar Stephen Colbert (bekannt durch seinen "The Colbert Report" und seine Auftritte in der "Daily Show" von Jon Stewart, beides TV-Sendungen auf "Comedy Central") ein Komiker und Satiriker ist?

Oder erkenne ich nicht, dass der ZEIT-Artikel "'Truthiness' for President" Satire ist? Oder wie? Oder was?

Meint Eva Schweitzer es also ernst, wenn sie schreibt:

Der einflussreichste konservative Fernsehtalker der USA, Stephen Colbert, amtiert für die Präsidentschaft - auf Seiten der Demokraten und der Republikaner. [...] "I Am America (And So Can You)!" Wer sonst hätte das Selbstbewusstsein, dies auszusprechen, als der einflussreichste konservative Fernsehtalker der Nation, Stephen Colbert, dessen politisches TV-Magazin "Colbert Report" auf die "No-Spin-Zone" von Fox News noch eins draufsetzt [...]. (Quelle: Zeit.de)


Anschließend beschreibt Eva Schweitzer auch den legendären Auftritt von Colbert im Weißen Haus:

Übrigens hat Colbert durchaus Erfahrungen im Weißen Haus: 2006 hielt er die Festrede beim alljährlichen Dinner der Weißen-Haus-Korrespondenten. Dort bemerkte er, dass die Realität liberale Vorurteile habe und den Präsidenten fürsorglich umarmte ("Wir sind beide keine Supergehirne auf Patrouille, oder Mitglieder der 'Faktinista', wir entscheiden aus dem Bauch, wo die Wahrheit liegt"). Und: Auch er bringe dem Volk die Wahrheit - ungefiltert von Argumenten. Wer ihn eingeladen hatte, weiß keiner, aber diese Person repariert nun wahrscheinlich Toilettenhäuschen im Irak für Blackwater-Angestellte. (Quelle: Zeit.de)


Wenn Eva Schweitzer diese Schilderungen des Treibens von Stephen Colbert nicht ernst, sondern satirisch meint: Die satirischen Ausdrucksfähigkeiten üben wir aber noch ein bisschen, okay, liebe Eva Schweitzer? Ich bin zwar selbst kein Künstler auf diesem Gebiet, aber falls Eva Schweitzer ihren Artikel tatsächlich satirisch gemeint haben sollte, kenne ich jetzt mindestens eine Person, die auf diesem sprachlichen Gebiet noch schlechter ist als ich.

Colbert war ganz bewusst ins Weiße Haus eingeladen worden. Es ist mittlerweile schon Tradition, dass bei dem jährlichen Dinner der Weißen-Haus-Korrespondenten in Anwesenheit des Präsidenten über diesen satirisch hergezogen wird. Bush soll herzhaft mitgelacht haben.

Auch weitere, kleinere Unrichtigkeiten finden sich in dem ZEIT-Artikel. So war nicht etwa Colbert selbst bei seinem Auftritt in der Daily Show als "Uncle Sam" verkleidet und er gab in der Daily Show mitnichten seine Kandidatur für die US-Präsidentschaft bekannt, sondern er gab "offiziell" bekannt, sich "offiziell" darüber Gedanken zu machen, sich eventuell als Kandidat aufstellen zu lassen. Dementsprechend wurde auch unten am Bildschirm in der Daily Show eingeblendet: "Stephen Colbert - The Presidential Candidate Considerer". Erst etwas später in seiner eigenen Show "The Colbert Report" gab Colbert seine Kandidatur bekannt. Das ganze ist natürlich eine typische Satire, die genau zu dem Stil von "Daily Show" und "The Colbert Report" passt, nämlich sich als seriöse Nachrichten- oder Reportagemagazine auszugeben, in Wahrheit aber eine satirische Überhöhung des abgedrehten US-Nachrichtengeschäfts zu sein. Die Nachrichtenagentur "AP" berichtet im Gegensatz zur ZEIT korrekt und stellt sofort klar, dass die Kandidatur Colberts, der alles andere als erzkonservativ ist, nur eine satirische Aktion ist.

"The Colbert Report" und die "Daily Show" als Satiresendungen gehören mittlerweile zur amerikanischen Alltagskultur ähnlich wie bekannte US-Popstars, Filmstars oder TV-Fernsehserien wie "CSI" und dergleichen. Dass eine ZEIT-Redakteurin über ein Thema schreibt, von dem sie anscheinend nicht die geringste Ahnung hat, macht nachdenklich.

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Freitag, 19. Oktober 2007

Studenten als risikolose, renditestarke Anlage für Bildungsfonds

Die Wissenschaftssendung "Nano" von 3Sat brachte gestern einen interessanten Beitrag über die Leute, die kräftig an den neu eingeführten Studiengebühren in vielen Bundesländern verdienen. Link zum Video in der 3Sat-Mediathek (anders als früher, scheint jetzt die direkte Verlinkung von Video-Beiträgen zu funktionieren!). Artikel zum Video: Studenten als Kapitalanlage.

Darin:

Dr. Frank Steinmetz hat einen Fonds gegründet, in den Kapitalanleger einzahlen und der Studenten fördert: die deutsche Bildung als Anlagegesellschaft. Die Studenten zahlen von ihrem späteren Einkommen eine definierte Zeit lang definierte Prozentsätze zurück. Die Anleger gehen von einer guten Rendite aus, weil sich ihre Investionen auf unterschiedliche Fächer verteilen. Da die Gehälter der dann einstigen Studenten mit der Inflation steigen, sind auch die Investoren vor Inflation geschützt.

Die Deutsche Bildung will aber nur jenen Geld leihen, von denen sie glaubt, dass sie auch studieren sollten. [...] Entscheidend ist auch die Aussicht auf einen überdurchschnittlichen Verdienst nach der Hochschulausbildung. (Quelle: 3Sat.de, Nano)


Solch ein Fonds ergibt natürlich nur einen Sinn, wenn Studenten auch Kredite aufnehmen müssen, um studieren zu können. Dank der neuen Studiengebühren und des weiterhin mauen Bafögs entstand hier also ein extrem lukrativer Anlagemarkt mit gleichzeitig kaum vorhandenem Risiko für die Anleger. Den Studenten wird aufgedonnert, bestimmte Prozentsätze ihres späteren Einkommens anschließend zurückzuzahlen. Dies kann in der Summe weit mehr sein als bei üblichen Bankkrediten. Weil der Student sich jedoch in einer unsicheren Lage befindet (er kann ja am Anfang seines Studiums nicht sagen, was er später verdienen wird - der Fonds jedoch kann diese Unsicherheit über viele Studenten hinweg ausgleichen), kann der Fonds genau aus dieser Unsicherheit Kapital schlagen und derartige Prozentwerte bei der Rückzahlung des Kredites einfordern.

Die Bundesländer haben wegen der Studiengebühren den Universitäten teilweise die Zuwendungen weiter gekürzt. Die Unis haben also nicht mehr oder nicht wesentlich mehr Geld zur Verfügung als vor Einführung der Studiengebühren. Immer noch gibt es eklatant zu wenige Studienplätze. Es werden sogar weiter Professorenstellen nicht wieder neu besetzt, weil schlicht das Geld fehlt. Dass die Studierendenquote in Deutschland zur Zeit sinkt, ist also kein gottgegebenes Ereignis, sondern hat handfeste Gründe. Der volkswirtschaftliche Schaden für die deutsche Wirtschaft, die vor allem wegen ihrer Innovationskraft an der Weltspitze liegt, dürfte bereits mittelfristig gesehen enorm sein.

Aber Bertelsmann und Co. und einige wenige Fonds machen gute Geschäfte mit dem System der Studiengebühren. Und das ist ja das Wichtigste. Oder?

Übrigens: Typisch für die öffentlich-rechtlichen Sender: Nach dem Zeigen des kritischen Berichtes musste der Moderator im Studio in seiner Abmoderation des Beitrages (warum müssen Beiträge überhaupt abmoderiert werden?!), schnell alles wieder "gerade" rücken und das Studiengebührmodell als das Non-Plus-Ultra und der Weisheit letzter Schluss loben. Warum macht man dann überhaupt einen kritischen Beitrag, wenn die Abmoderation am Ende behauptet, dass doch alles prima ist? Ist das ein billiger, "von oben" angeordneter Versuch, die Kritik am System nicht ganz so deutlich rüberkommen zu lassen? Oder sind das eingefleischte Reflexe der Studio-Mitarbeiter, denen Kritik am System nicht ganz geheuer ist?

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