Mittwoch, 14. März 2007

SPD und Union wollen "Deutschland 2.0"

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger listet in einem äußerst lesenswerten Artikel einmal auf, wie die deutschen Innen- und Rechtspolitiker in den letzten Jahren immer wieder vom Bundesverfassungsgericht zurechtgewiesen und zurückgepfiffen wurden:

Sorge um Grundrechte: Unbelehrbare Innenpolitiker (FR-Online.de).

  • Großer Lauschangriff
  • Außenwirtschaftsgesetz
  • Niedersächsische Polizeiaufgabengesetz
  • Rasterfahndung
  • Europäischer Haftbefehl
  • Luftsicherheitsgesetz
  • Urteil gegen Durchsuchung von Cicero-Redaktionsräumen
Nicht zu vergessen das Urteil des Bundesgerichtshofs gegen die Durchführung von Onlinedurchsuchungen.

All diese gescheiterten Gesetze oder vom Gericht verurteilte Handlungen haben eine Sache gemeinsam: Die Rechte der Bürger sollten beschnitten werden durch mehr Befugnisse für die Sicherheitsbehörden - unter Missachtung jeglicher Verhältnismäßigkeit.

Und Leutheusser-Schnarrenberger beklagt weiter zu Recht, dass all diese bundesverfassungsgerichtlichen Schläge auf den Hinterkopf unserer Innen- und Justizminister nicht gefruchtet haben. Stattdessen werden weiterhin offensichtlich verfassungswidrige Polizeigesetze (Brandenburg) verabschiedet und die Pläne zum Bundestrojaner nicht nur weiter, sondern verstärkt parteiübergreifend verfolgt, als ob Deutschland keine Verfassung besitzen würde.

Mehr noch als die Vorhaben unserer Innen- und Justziminister und "Innenexperten" - wie zum Beispiel Wiefelspütz von der SPD-Fraktion - beunruhigt mich, dass es immer noch zu wenig politische, gesellschaftliche Gegenwehr gegen den Abbau der Grundrechte gibt. Es darf nicht alles immer nur am Bundesverfassungsgericht hängen bleiben, sondern diese Gesetzesvorhaben müssen vorher schon auf der politischen Bühne zerrissen werden. Dass es diese politische, mediale Auseinandersetzung immer noch nicht in ausreichendem Maße gibt, ist mindestens genauso schlimm für unsere Demokratie wie die verfassungswidrigen Gesetze selber.

Wenn die von Leutheusser-Schnarrenberger aufgelisteten, verfassungsfeindlichen Gesetze ohne große gesellschaftliche Diskussion verabschiedet werden konnten, was ist dann noch alles möglich?

Wer Gesetze gegen die Verfassung beschließt, will im Grunde genommen einen neuen, anderen Staat als den heutigen. Große Teile der SPD und der Union arbeiten somit auch auf diesem Gebiet zur Zeit kräftig an "Deutschland 2.0", dessen herausragendes Kennzeichen ist, dass die Bürger weniger Rechte und Einflussmöglichkeiten haben sollen. Dazu gehört die Entwicklung des Präventionsstaates genauso wie der Rückzug des Staates als Nivellierer und Regulierer gesellschaftlicher Unterschiede. Neoliberale Politik also führt nämlich insgesamt ebenfalls zu weniger Einflussmöglichkeiten der Masse der Bürger auf politische Entscheidungsprozesse.

Und genau dies ist vermutlich das Hauptmotiv hinter einem Großteil der Politik von SPD und Union: Die Einflussmöglichkeiten des lästigen Bürgers sollen beschränkt werden. Anders kann man sich den Widerspruch zwischen der Forderung nach "Mehr Staat" in punkto "Überwachung und Prävention" und dem Jammern über die "Überforderung des Staates" bei dem Ausgleich gesellschaftlicher Unterschiede nicht erklären.

Umgekehrt wird nämlich ein Schuh draus: Der Staat ist überfordert mit der Aufgabe, ein Präventionsstaat gegen Kriminalität und Terrorismus zu sein, aber nicht überfordert damit, gesellschaftliche Unterschiede zu nivellieren und somit für Gerechtigkeit zu sorgen. Erstere Aufgabe wird ihm deshalb auch erst heute angedichtet, letztere Aufgabe war jedoch schon immer die Aufgabe eines Staatswesens.

Technorati-Tags: , , , ,

Dienstag, 13. März 2007

Klimaskeptiker sind reine ZEIT-Verschwendung

Symbolfoto: Auslässe für heiße LuftLiebes Tagebuch,

ich habe gut geschlafen, gut gefrühstückt, Hoch "Maggie" schien sonnig in die Wohnung und ich hatte sogar noch Zeit, kurz bei ZEIT.de vorbeizuschauen. Kurz: Es ging mir heute morgen richtig gut.

Dort bei ZEIT.de erregte dann die Überschrift eines Artikels von Andreas Sentker meine Aufmerksamkeit: Lasst uns zweifeln!

Gute Überschrift. Zweifel sind meiner Meinung nach immer angebracht. Ich bin ja auch Fan von dem Kulturprodukt namens "Wissenschaft". Und da wird das Zweifeln bekanntlich immer groß geschrieben.

Bekanntlich? Anscheinend nicht bekannt. Zumindest diesem Herrn Andreas Sentker nicht. Der meint, die Wissenschaftler würden Daten und Theorien, die gegen den Klimawandel sprechen, gelenkt und abgesprochen unterdrücken. Aus pädagogischen Gründen, damit man nicht den Elan der Politiker gefährde, die jetzt endlich etwas gegen den Klimawandeln tun wollten.

Dass der Wissenschaftsbetrieb davon lebt, sich gegenseitig zu widerlegen zu versuchen und dass Theorien niemals wissenschaftlich "bewiesen" sind, davon ahnt der ZEIT.de-Schreiberling anscheinend nichts (zur weiteren Erläuterung siehe diesen Kommentar unterhalb des ZEIT-Artikels).

Tja, wieder also so ein Jour-hatschi-nalist, der über ein Thema schreibt, von dem er offensichtlich null Ahnung hat. Und ich dachte, dieses Privileg sei Bloggern vorbehalten.

Und damit möchte ich für heute enden, liebes Tagebuch: Es war ein Scheiß-Tag. ZEIT.de hat ihn mir ordentlich vermiest. Danke dafür an die Redaktion bei ZEIT.de. Vielleicht sollte ich die Lektüre dieses Blättchens einstellen oder nur noch fortführen, wenn ich eh mies drauf bin.

Copyright-Hinweis: Die Rechte an obigem Foto besitzt "Danny McL". Das Foto unterliegt einer Creative-Commons-Lizenz.

Technorati-Tags: , ,

Montag, 12. März 2007

Datenschützer: "Bundestrojaner" fördert Kriminalität und Unsicherheit

Die offizielle Entschließung der 73. Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder vom 08. bis 09. März 2007 in Erfurt zum von Schäuble geplanten "Bundestrojaner" lässt aufhorchen.

Es ist eine Erklärung, die von solch prominenter Stelle aus meines Wissens nach zum ersten Mal ganz deutlich herausstreicht, dass das, was Schäuble da unter dem Vorwand des Schaffens von "mehr Sicherheit" (Terror-Bekämpfung) plant, zum genauen Gegenteil führt, nämlich zu mehr Unsicherheit und zu einer breiten Förderung von Kriminalität:

Die Konferenz befürchtet massive Sicherheitseinbußen, weil zu erwarten ist, dass sich Computernutzer vor staatlicher Ausforschung zu schützen versuchen, indem sie etwa Softwaredownloads unterlassen. Somit werden aber auch die sicherheitstechnisch wichtigen Software-Updates verhindert und Computer anfälliger gegen Angriffe Krimineller. Die Einführung von Befugnissen zur Online-Durchsuchung würde das Ansehen des Rechtsstaats und das Vertrauen in die Sicherheit von Informationstechnik, insbesondere von E-Government und E-Commerce, massiv beschädigen. Schließlich würden die hohen Aufwendungen für IT-Sicherheit in Staat und Wirtschaft konterkariert. (Quelle. Direktlink zum Textauszug.)


Zur Erinnerung: Schäuble ist Bundesinnenminister. Er sollte entweder die Pläne zum Bundestrojaner aufgeben oder seinen Posten als Innenminister räumen. Warnungen von Experten hat er nun genug gehört. Schäubles Sturheit mag ihn in der Parteipolitik nach oben gebracht und vor allem dort oben gelassen haben, aber Sturheit alleine reicht zum erfolgreichen Führen eines Ministeramtes nicht aus. Das wurde bereits deutlich bei seinem Beharren auf dem Einsatz der Bundeswehr im Inneren, dem Abschuss von vermeintlichen Terror-Passagierflugzeugen und nun erneut beim Bundestrojaner. Schäubles einziges Interesse scheint die Erfüllung von utopischen Maximalforderungen mancher Chefs einiger Sicherheitsbehörden zu sein, die damit vermutlich auch wieder nur im Sinn haben, bei möglichen Anschlägen nicht kritisiert zu werden, sie hätten nicht alles getan. Das mögliche Ertragenmüssen solcher Kritik gehört nun aber mal zum Chefsessel von BND, Verfassungsschutz, BKA und Bundesanwaltschaft dazu. Wer damit nicht umgehen kann, sollte seinen Stuhl räumen, statt ständig darum zu flehen, die Bürgerrechte müssten eingeschränkt werden, damit ihnen im Fall des Falles niemand auch nur irgendwas vorwerfen kann.

Wenn Schäuble nur auf die Forderungen dieser Sicherheitsbehörden-Chefs hört, handelt er folglich nicht im Interesse der Allgemeinheit. Deswegen und weil er unfähig zu sein scheint, diesen Fehler zu erkennen und zu korrigieren, ist er als Bundesinnenminister ungeeignet. Inkompetenz auf dem Stuhl des Bundesinnenministers in diesen Zeiten des internationalen Terrors ist jedoch selbst eine erhebliche Gefahr. Man kann somit im Interesse der Sicherheit nur die Ablösung von Schäuble fordern.

Über die technischen Realisierungsmöglichkeiten eines "Bundestrojaners" informiert übrigens unter anderem ein Artikel bei Heise Security ausführlicher: Bundestrojaner: Geht was – was geht. Kurzes Fazit auch aus diesem Artikel: Terroristen werden sich auch gegen einen Bundestrojaner zu schützen wissen, der Normalbürger jedoch nicht, obwohl die Existenz eines Bundestrojaners sein Verhalten massiv beeinflussen wird und seine Sicherheit im Internet massiv beeinträchtigen würde.

Ältere Weblog-Einträge zum Thema (angefangen mit den älteren Einträgen): Technorati-Tags: , , ,

Donnerstag, 8. März 2007

Türkei sperrt Youtube.com: Tricks, wie man Sperre umgeht

Die Türkei sperrt ja momentan den Zugang zur Videoplattform Youtube.com für alle ihre Bürger. Warum, darüber berichtet zum Beispiel Heise.de: Türkisches Gericht verfügt YouTube-Sperre.

Da ich weiß, dass viele Türken auch in der Türkei eher Deutsch als Englisch verstehen, möchte ich hier mal gerade Teile des Artikels "HowTo Evade Turkey's YouTube Block" vom englischsprachigen Weblog 27B Stroke 6 sinngemäß übersetzen. Es geht darum, wie man die Sperre von Youtube.com in der Türkei mit einfachen Mitteln umgehen kann:

Momentan wird der Zugriff auf Youtube.com in der Türkei blockiert. Das funktioniert, weil alle Verbindungen aller türkischen Internetprovider raus aus der Türkei über die Turk Telekom laufen. Es reicht also für eine effektive Zensur in der Türkei, wenn alleine die Turk Telekom den Zugang zu ausländischen Websites blockiert.

Der Zugriff auf Youtube.com ist jedoch für Türken auch weiterhin möglich, wenn sie statt Youtube.com aufzurufen, eine der folgenden Webseiten aufrufen und dann auf diesen Webseiten sich die Webseite von Youtube.com anzeigen lassen. Die hier gelisteten Webseiten funktionieren also als Proxy:

Besonders empfohlen wird http://youtubeproxy.org/.

Weitere Proxy-Webseiten:

http://www.proxymy.com
http://www.proxysmurf.com/
http://www.worksurfing.com/
http://unblockfacebook.com/
http://www.bypassfilter.net/
http://www.ibypass.org/
http://www.ipzap.com/
https://proxify.com/ https://proxify.us/ https://proxify.biz/
http://kproxy.com/index.jsp
http://www.attackcensorship.com/attack-censorship.html
http://mrnewguy.com/
http://www.unblockwebsites.com/
http://spysurfing.com/
https://www.the-cloak.com/anonymous-surfing-home.html
http://www.stupidcensorship.com/
http://www.evilsprouts.co.uk/defilter/
http://www.bypassbrowser.com/
http://www.proxymouse.com/
http://www.fsurf.com/
http://www.browseatwork.com/
http://www.surfonym.com/
http://www.iamnewguy.com/
http://www.ninjaproxy.com/

Weitere aktuelle Proxy-Webseiten lassen sich auch über diese Webseite finden: http://myspaceblockedproxies.com/

Wenn die Türkei nur den DNS-Eintrag von Youtube.com gesperrt hat, dann könnte es schon helfen, wenn man statt den DNS-Service seines Internetproviders zu nutzen, in den Verbindungseinstellungen seines Internetzugangs für DNS nicht "automatisch" auswählt, sondern dort die IP-Adressen 208.67.222.222 und 208.67.220.220 manuell einträgt. Dies sind die IP-Adressen des kostenlosen DNS-Services von "OpenDNS". Bei jeder Abfrage einer Webseiten-Adresse fragt der eigene Computer dann nicht mehr beim eigenen Internet-Provider nach der zugehörigen IP-Adresse der angeforderten Webseite, sondern er fragt bei den Servern von OpenDNS an. Ich nutze übrigens schon lange nur noch OpenDNS statt des DNS-Servers meines Internet-Providers, weil es auch hier in Deutschland teilweise per DNS gesperrte Webseiten gibt. Funktioniert tadellos.

Eine weitere Möglichkeit ist natürlich die Verwendung der Software namens TOR. Damit lassen sich nicht nur gesperrte Webseiten aufrufen, sondern man kann auch anonym im Internet surfen. TOR ist ebenfalls kostenlos und funktioniert auch als eine Art Proxy-Server, der jedoch direkt auf dem eigenen Rechner installiert wird. Ruft man bei eingeschaltetem TOR eine Webseite auf, so wird die Anfrage erst ins TOR-Netzwerk geschickt, dort innerhalb des Netzwerkes an andere TOR-Rechner weitergeleitet und irgendein Rechner im TOR-Netzwerk (zum Beispiel ein TOR-Rechner in den USA) holt dann die angeforderte Webseite und leitet sie über das TOR-Netzwerk an einen selbst weiter. Selbst der eigene Internetprovider hat so keine Ahnung, welche Webseiten man im Internet abruft.

P.S.: Jeder, der mag, kann und darf diesen Text ungefragt kopieren und weiter veröffentlichen, auch für kommerielle Zwecke. Und als Erweiterung im Bezug auf die sonst für meine Texte geltende Creative-Commons-Lizenz (siehe rechts in der Navigationsleiste), darf dieser kleine Text auch verändert und angepasst werden und auch ein Hinweis auf mich als Autor ist nicht nötig.

Technorati-Tags: , , , , , , , , ,

Mittwoch, 7. März 2007

Die Begrenzung der alten Medien ist zum Heulen

Symbolbild: Weinendes KleinkindIch muss mich mal gerade ausheulen. Über den Artikel "Druck auf die Tränendrüse" bei Zeit.de.

Zum Ausheulen sind diese neuen Medien namens Internetz und Web-Blocker doch da. Das behauptet jedenfalls dieser Zeit.de-Artikel. Und dass diese ganze damit einhergehende Demokratisierung der Medien zu einer durweg schrottigen Berichterstattung führt. Schrottig heißt in diesem Fall: Emotionen. Dank Internet und Co. heulen jetzt in den Medien nur noch alle. Nicht über sich selbst, sondern sie heulen statt zu berichten. Stehen angeblich unter dem Druck, mehr Emotionen in ihre Berichterstattung einzubauen. Statt emotionslos vorgetragene Fakten, bringt man heulende Reporter. Nur noch die Themen "Sex/Crime", "Prominenz", "Schicksal", "Katastrophe", "Kinder" und "Tiere" wären von den alten Medien erfolgreich zu bringen. Wegen diesem Zwang zur Emotionalisierung. Der Artikel erwähnt sowohl zu den heulenden Reportern als auch zum eingeschränkten Themenkreis der alten Medien einige Beispiele. Und schuld daran sei die "Feminisierung" und die "quasiplebiszitäre Entfesselung" in den Medien, die vor allem durchs böse Internet in die Welt gekommen sei, so der Artikel:

Zugleich stehen Emotionalisierung und Feminisierung in einem Zusammenhang mit dem Prozess der fortschreitenden Demokratisierung der westlichen Gesellschaften. Alle Trends, ob auf dem Internet oder in den alten Medien, belegen das: die "sozialen Netzwerke" mit ihren "user created content"; der unaufhaltsame Vormarsch des Reality TV; der wachsende Rückgriff auf "Bürgerjournalisten", wie sie in Medienkreisen etwas bemüht, politisch korrekt benannt werden, auf private "Camcorder-Reporter" oder digitale Fotografen. (Quelle. Direktlink zum Textauszug.)


Oh, Mann (*heul*)!

Alsooooo...

Eine Emotionalisierung ist sicherlich in den Medien zu beobachten. Da werden die in dem Zeit.de-Artikel erwähnten Forscher schon Recht haben. Und die im Artikel zitierten Beispiele stimmen natürlich auch. Aber das Zusammenbacken dieser Fakten zu einer Theorie, nach der ausgerechnet das Internet und seine Nutzung durch die Massen zu einer schlechteren Qualität der Medien führe, ist verrückt.

Keine Frage, viele bildungsferne Zuschauer und Leser möchten Emotionen statt Analysen. Und tatsächlich hat das Eingehen vieler Redaktionen auf die Wünsche dieser Kundengruppe wahrscheinlich auch etwas mit dem Internet zu tun: Die bildungshungrigen, vormaligen Zuschauer und Zeitungskäufer ziehen sich ins Internet zurück und stillen da ihren Hunger nach emotionsloser Tatsachenberichterstattung, während die emotionshungrigen Rezipienten wahrscheinlich zunehmend die einzigen sind, die das Fernsehen überhaupt noch anschalten - vielleicht, weil sie da passiv berieselt werden können und ihren "Kick" bekommen, ohne zuvor mühsam im Internet zu wühlen. Nutzen tut diese Gruppe das Internet vermutlich bislang tatsächlich nur dann, wenn sie voll Wut oder Anteilnahme sind und diese Emotionen dann auch als Kommentar irgendwo im Internet veröffentlichen wollen.

Das Internet ist übrigens groß genug, allen gerecht zu werden. Derjenige, der sich hauptsächlich emotionsgeladen über irgendwas auslassen will, findet dort seinen Platz genau wie derjenige, der sich intensiv sachlich informieren will. Dass es also tausende BILD-Pseudopromi-Knipser gibt und viele Leute knallige E-mails oder Forenbeiträge oder emotionsgeladene Kommentare abgeben, hat zwar mit dem Internet zu tun, aber das Internet und all die anderen Millionen Nutzer desselben stört das emotionale Geschreie an manchen Ecken des Netzes nicht - weil sie davon nichts mitbekommen.

Das Internet ist immer das, was man draus macht und was man in ihm liest, was man selbst aus ihm auswählt. Es gibt keine beschränkte Anzahl von Kanälen oder von Zeitungsseiten wie bei den alten, langsam gammelig werdenden Medien. Es ist unendlich. Somit ist es eine freie Entscheidung der Redaktionen in den verschiedenen Medien, wenn sie meinen, mehr Emotionen in ihren Beiträgen einbauen zu müssen. Mich haben sie dann jedoch als Kunden verloren - aber im Hinblick auf den Rest an Zuschauern, der auch jetzt im Internet-Zeitalter noch Fernsehen guckt, ist es vermutlich eine logische Entscheidung, noch mehr auf diese Rest-Kundengruppe einzugehen und also mehr Emotionen und mehr heulende Reporter zu bringen. Das Fernsehen und eine Tote-Holz-Zeitung muss sich halt entscheiden, welche Kundengruppe man ansprechen will, eben weil man nur einen begrenzten Platz hat. Da das Internet in seiner Art der Informationsvermittlung kaum zu schlagen ist, müssen die alten Medien sich eben mit den Heulsusen unter den potenziellen Kunden zufrieden geben.

Mit dem Internet ist das also ungefähr so ähnlich wie kurz nach der Erfindung des Buchdrucks: Die einfachen Leute waren damals auch weiterhin auf die Predigt und die hübschen Wandgemälde in den Kirchen angewiesen, während die Bildungshungrigen das Lesen erlernten und in neue Wissens-Welten vorstießen. Der Unterschied zu damals ist jedoch, dass die Menschen heute für die Nutzung des neuen Mediums Internet nicht erst noch eine solch komplizierte neue Kulturtechnik wie das Lesen erlernen müssen und somit der Konkurrenzdruck auf die alten Medien besonders hoch ist und diese deshalb noch marktschreierischer auftreten müssen, um zumindest noch bestimmte Kundengruppen ansprechen zu können.

Jemand anderer Meinung? Das ist das Internet hier, immer her damit, auf dass es in den Kommentaren richtig abgeht, wie sich das fürs Internet gehört. Genug Leser müsste dieser Artikel ja bekommen - immerhin ist oben ein heulendes, süßes Kleinkind zu sehen.

Copyright-Hinweis: Die Rechte an obigem Foto besitzt "Pittam". Das Foto unterliegt einer Creative-Commons-Lizenz.

Dienstag, 6. März 2007

Übler Geruch: Datenverwahrlosung bei deutscher Polizei

Symbolbild: Dreck aus Computertastatur in Handfläche(Via Netzpolitik.org) Spiegel.de berichtet über eine ungesetzliche Datensammelwut der deutschen Polizei: Die Polizei, Dein Freund und Datensammler.

Darin:

Auch sein schleswig-holsteinischer Kollege Thilo Weichert berichtet: "Es kommt immer häufiger vor, dass die Polizei unschuldige Bürger in ihren Akten als Verdächtige führt". Angesichts von aktuell rund 3,4 Millionen Personen-Kriminalakten, die in Deutschlands Polizeistuben lagern, eine beängstigende Aussage. Auch Freigesprochene oder Bürger, deren Verfahren eingestellt wird, müssen laut Weichert damit rechnen, möglicherweise noch Jahre später in den Computern der Sicherheitsbehörden gespeichert zu sein. [...] Eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE beim BKA ergab, dass in der Gen-Datei allein über 1400 Menschen registriert sind, die aufgrund eines Verdachtes auf Beleidigung eine DNA-Probe abgeben mussten. [...] Der bayerische Datenschutzbeauftragte kritisiert auch den Fall eines 14-Jährigen, der bei einer Anti-Kriegs-Demo in München ein Plakat mit der Aufschrift "Rumsfeld Massenmörder" trug. Die Polizei speichert den Jungen seither als Verdächtigen in ihrer Staatsschutzdatei. Dass das Verfahren eingestellt wurde, weil der US-Politiker nicht wegen "Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten" klagen wollte, ändert nach Auffassung der Sicherheitsbehörden nichts an der Gefährlichkeit des Jugendlichen. (Quelle)


Die deutsche Polizei lässt also Daten verlottern, pflegt sie nicht, geht rücksichtslos mit den Daten der Bürger um, leidet unter Sammelwut, kriegt das Aufräumen nicht gebacken. Zeichen von Inkompetenz - oder noch schlimmer: Krimineller Motivation?

Wer räumt also mal auf bei der datenschutztechnisch schmutzigen deutschen Polizei? Wer kehrt da mal ordentlich mit dem Besen? Wer sorgt für Ordnung im Land? Wer unternimmt etwas gegen die Verwahrlosung von Datenbeständen samt der Gefahr anschließenden Missbrauchs? Wo sind jetzt die Politiker, die immer so auf Recht und Ordnung pochen, aber wenn es richtig schmutzig wird, sich vor ihrer Verantwortung drücken? Sind die Innenminister Deutschlands vielleicht doch nur Weicheier, die vor dem ungesetzlichen Treiben den Kopf in den Sand stecken, statt es zu bekämpfen?

Copyright-Hinweis: Die Rechte an obigem Foto besitzt Tristessedeluxe. Das Foto unterliegt einer Creative-Commons-Lizenz.

Technorati-Tags: , ,

Montag, 5. März 2007

Internetlexikon erklärt die Welt

(Via Netzpolitik.org) Da die Wikipedia und überhaupt das ganze Internet bekanntlich total unzuverlässig sind, habe ich mir vorgenommen, ein eigenes erklärendes Wörterbuch herauszubringen und teilweise hier zu veröffentlichen, um dem ganzen Onlinestuss Einhalt zu gebieten.

Heute der Begriff "Süddeutsche Zeitung":

Süddeutsche Zeitung, die. Die Süddeutsche Zeitung ist keine Zeitung im sonst üblichen Sinn (vergleiche "Tageszeitung", "Wochenzeitung"), sondern speziell eine Zeitung fürs Süddeutsche. Typisch süddeutsch und somit herausragende Themen der Süddeutschen Zeitung sind unter anderem hohe Berge (siehe "Alpen"), eine unverständliche Mundart (siehe "Tschechisch"), gutes Essen (siehe "Saupreisselbeeren-Kuchen"), aber auch soziale Brennpunkte namens "Stoiber" und "Beckstein". Außerdem ist Süddeutschland und somit auch die Süddeutsche Zeitung technisch immer auf dem letzten Stand. Das beweisen die bekannten Laptops mit eingebauter Lederhose und besonders ausgestattete, extra-schneidige Weblogs.

Technorati-Tags: