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Donnerstag, 20. September 2007

Vom Alltag am Rande des Wahnsinns

(Via Simon's Blawg) Neu in meiner Blogroll (Linkliste rechts in der Navigationsleiste unter "Gegen die Schieflage"): Vom Alltag am Rande des Wahnsinns.

Hamburg - Bagdad in einem 16 Jahre alten VW Passat - so brach die freie Journalistin Susanne Fischer im Herbst 2003 von der Elbe an den Tigris auf. Eigentlich wollte sie drei Monate bleiben. Inzwischen berichtet sie seit mehr als drei Jahren aus dem Irak. Seit März 2005 lebt sie im kurdischen Suleimania im Nordirak und bildet im Auftrag des britischen Institute for War and Peace Reporting (www.iwpr.net) irakische Journalisten aus. (Quelle: Stern.de)


In einer TV-Reportage über Susanne Fischer, die ich vor einiger Zeit zufällig sah (also die Reportage, nicht Susanne Fischer), wurde erwähnt, dass sie aus Sicherheitsgründen nicht ständig im Irak ist, sondern bewusst nur in unregelmäßigen Abständen. Deshalb vermutlich auch die zeitlichen Lücken in ihrem Weblog bei Stern.de.

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Sonntag, 17. Dezember 2006

Irak vor dem Auseinanderbrechen?

Wie schon einmal erwähnt, finde ich die sonntägliche Sendung "Late Edition" auf CNN sehr informativ. In zwei Stunden erfährt man viel zu einem Thema. Derartig informative Sendungen sind im deutschen Fernsehen bekanntlich verboten. Vermute ich zumindest.

Landkarte eines in drei mögliche Teile aufgeteilten IraksThema natürlich auch dieses Mal wieder: Der Irak. Die Skepsis wächst weiter, ob die staatliche Einheit des irakischen Staates gewahrt werden kann oder ob eine Aufteilung des Iraks eine notwendige Lösung wäre, um die Kämpfe im Irak zu befrieden, oder ob der Irak eventuell gänzlich in der Anarchie versinkt.

Eingeladen waren wieder etliche Politiker und Experten mit logischerweise äußerst unterschiedlichen Ansichten.

Peter GalbraithDer Autor Peter Galbraith meint, dass die Dreiteilung des Iraks die einzige gangbare Lösung sei. Man müsse den Realitäten ins Auge sehen, realisierbare Lösungen suchen. Und warum solle man zum Beispiel die Kurden im Norden zwingen, in einem Staat zu leben, in dem sie nicht leben wollen?

Rep. Senator Gordon SmithDer republikanische Senator Gordon Smith bezeichnet das Vorgehen der US-Regierung im Irak gar als möglicherweise kriminell. Er vergleicht es mit den Militärführern des ersten Weltkrieges, die ihre Soldaten täglich zu Tausenden in den Stellungskriegen ins Maschinengewehrfeuer des Gegners laufen ließen ohne Aussicht auf militärischen Erfolg. Solch ein Verhalten würde er als kriminell bezeichnen. Realisierbare Konzepte müssten deshalb im Irak verfolgt werden, keine utopischen. Die Iraker müssten sich um ihre Sicherheit selbst kümmern. Der Irak sei schließlich nicht Teil der USA.

Shibley TelhamiShibley Telhami vom Brookings Institut erklärt, dass die Nachbarländer des Iraks Angst vor einem auseinandergefallenen Irak hätten, genauso wie sie ebenfalls Angst vor El Kaida haben. El Kaida würde das syrische Regime genauso gerne zerstört sehen wie den Irak. Die USA haben derzeit keine Kontrolle mehr über den Ausgang der Geschehnisse im Irak. Die kritische Frage sei, wo die Prioritäten der US-Außenpolitik im Nahen Osten nun liegen. Die USA müssten Prioritäten setzen. Ist der Iran Hauptpriorität oder der Irak oder der Konflikt zwischen den Palästinensern und Israelis? Sind die Prioritäten klar, sollten die USA das wichtigste Problem angehen und es notfalls unabhängig und ohne Rücksichtnahme auf die Interessen in und bei den anderen Problemfeldern zu lösen versuchen.

Vali NasrVali Nasr, Experte für Außenpolitik, plädiert dafür, den Iran als Problem an erste Stelle zu setzen, noch vor dem Problem Irak, El Kaida oder Nord-Korea. Der Iran gewinne in der Region immer mehr an Bedeutung und Einfluss. Der Iran sei Antagonist von Saudi-Arabien, aber auch der Iran will wie Saudi-Arabien keinen zusammengebrochenen Irak. Schon alleine wegen des dann erstarkten autonomen kurdischen Gebiets an seinen Grenzen, aber auch, weil ein zusammengebrochener Irak El Kaida nutzen würde. Aber natürlich möchte der Iran auch nicht die USA siegen sehen im Irak.

Irak. Vize-Präsident El HashimiSoweit die langfristigen, strategischen Überlegungen der Experten. Kurzfristig werden die USA wohl zunächst einmal die Truppenstärke im Irak etwas erhöhen. Präsident Bush hat dem Kongress einen Plan vorgelegt, 20.000 zusätzliche Soldaten in den Irak zu schicken. Der irakische Vize-Präsident El Hashimi fordert ebenfalls zusätzliche US-Truppen. Die irakischen Truppen seien inkompetent und korrupt und könnten die Aufgaben der US-Truppen noch nicht übernehmen, so El Hashimi.

Dem. Senator Jack ReedDer demokratische Senator Jack Reed zweifelt am Sinn von 20.000 zusätzlichen US-Soldaten und fragt, wie diese die Dynamik im Irak verändern sollen? Bagdad habe immerhin sechs Millionen Einwohner! Die Entsendung zusätzlicher Truppen sei nur symbolische Politik. Die Politik Bushs habe dazu geführt, dass der Iran mehr Einfluss bekommen hat. Aber da der Iran und Syrien ebenfalls keinen instabilen Irak wünschen, sollte man Gespräche mit ihnen aufnehmen.

Rep. Senator Jon KylAuch der republikanische Senator Jon Kyl zweifelt am Sinn von 20.000 zusätzlichen Soldaten. Er fordert, dass es gut ausgearbeitete Pläne geben muss, um diese zusätzlichen Truppen sinnvoll einsetzen zu können. Die kritische Frage bleibe, ob die USA es schaffen, die Dynamik im Irak zu verändern. Er sieht keine Möglichkeiten, mit dem Iran oder Syrien in Verhandlungen zu treten. Was solle man ihnen anbieten? Man könne den beiden Staaten Botschaften schicken und sie antworten mit Botschaften, das sei aber auch alles. Man könne letztlich weder dem Iran, noch Syrien vertrauen.

Reed und Kyl gehen anschließend auf die Warnungen mehrerer US-Generäle ein, dass die US-Armee insgesamt vor dem Zusammenbruch stehe, also nicht nur im Irak. Man schaffe es in der Heimat nicht, die Versorgung der Truppen vor allem mit personellem Nachschub in dem nötigen Maße zu realisieren. Sowohl Reed und Kyle fordern eine allgemeine Vergrößerung der US-Armee. Dies solle jedoch durch Anwerbung zusätzlicher Freiwilliger erfolgen und nicht durch eine allgemeine Mobilmachung. Kyl warnt außerdem, dass, wenn die größte Armee der Welt nicht in der Lage sei, an einem einzigen Ort einen Konflikt zu bewältigen, in der US-Armee einiges schief laufe.

Zum Schluss der Sendung wurden noch heutige Stimmen anderer wichtiger Persönlichkeiten zum Irak-Krieg eingeblendet: Der ehemalige US-Außenminister Colin Powell sagte in "Face the Nation" von CBS, dass die Situation im Irak tatsächlich als Bürgerkrieg zu bezeichnen sei, weil das reguläre Militär die Lage nicht mehr beherrschen würde. Der gewählte Führer der Mehrheit im Senat, der demokratische Senator Harry Reid, sagte in der Sendung "This Week" auf ABC, dass die Situation im Irak nicht militärisch lösbar sei. Der demokratische Senator Edward Kennedy prophezeite in der Sendung "Fox News Sunday", dass der Irak auseinander falle. Der Republikaner und ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich, stellte schließlich in der NBC-Sendung "Meet the Press" fest, dass die Politik von Präsident Bush im Irak schlicht und einfach nicht erfolgreich sei.

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Sonntag, 26. November 2006

USA im Irak: Go Big? Go Long? Go Home?

Wolf Blitzer, Moderator der Sendung 'Late Edition'Zu sehr guter deutscher Sendezeit (sonntags 17 Uhr) kann man auch als deutscher Zuschauer mal in den Genuss einer ausführlichen Berichterstattung über internationale Brennpunkte kommen. Zwei Stunden wechseln sich hochkarätige Gäste ab in der Sendung "Late Edition" von CNN. Kein Herumpolemisieren, keine Politik-Inszenierung mit festen Sprüchen und festen Rollen und zerfahrenen Fragen à la Christiansen. Stattdessen Wolf Blitzer, ein gewohnt neutraler und gut informierter Moderator, der seinen Gästen klare Fragen stellt. Der Kunde (sprich Zuschauer) will informiert werden und das wird er. Warum gibt es im deutschen Fernsehen eigentlich keine wöchentliche Sendung zu guter Sendezeit, wo Experten und Politiker in ähnlich akkurater, sachlicher und ausführlicher Weise zu aktuellen politischen Themen befragt werden? Ohne Studiopublikum!

Thema dieser Sendung mal wieder: Was soll die USA tun im Irak? Truppen verstärken (Go big)? Oder die Truppen noch länger im Irak belassen als bislang geplant (Go long)? Oder sie so schnell wie möglich aus dem Irak abziehen (Go home)?

Dr. Mowaffak al-Rubaie, Sicherheitsexperte der irakischen Regierung1. Gast: Dr. Mowaffak al-Rubaie, Sicherheitsexperte der irakischen Regierung. Er erläutert live zugeschaltet aus Bagdad, dass die Aufständischen im Irak enorme Gelder aus den arabischen Nachbarstaaten bekommen. Weniger aus dem persischen Iran, sondern vor allem arabische Privatleute und Firmen würden die Aufständischen unterstützen, weil die Nachbarländer keine Demokratie im Irak sehen wollen. Außerdem verneint er, dass Schiitenführer Muktada al-Sadr sich aus der irakischen Regierung zurückziehen werde, wenn Bush wie geplant sich mit dem irakischen Regierungschef treffen würde (Infos hierzu z.B. von der Basler Zeitung: Bush hält an Treffen mit Iraks Premier Maliki trotz Gewalt fest). Al-Sadr würde sich nur aufplustern. Die Regierung sei stabil.

Dr. Henry Kissinger, ehemaliger US-Außenminister2. Gast: Dr. Henry Kissinger, ehemaliger US-Außenminister. Er mahnt, die Außenpolitik der USA auf langfristige Strategien zu bauen und nicht auf kurzfristige Stimmungen, die bei den vergangenen Zwischenwahlen in den USA durch den Verlust der Mehrheit im Kongress für die Republikaner deutlich wurden. Würden die USA jetzt den Irak möglichst schnell verlassen, würde die Region im absoluten Chaos versinken.

Zbigniew Brzezinski, ehemaliger Sicherheitsberater3. Gast: Zbigniew Brzezinski, ehemaliger nationaler Sicherheitsberater. Er plädiert dafür, die Truppen so schnell wie möglich nach Hause zu holen, weil sie der eigentliche Grund für die desolate Lage im Irak seien. Wären keine Besatzertruppen mehr im Irak, hätten die Aufständischen auch keinen Grund mehr ihren Kampf fortzusetzen. Die irakische Regierung müsse und könne die Probleme wesentlich besser lösen als die US-Armee. Die Kosten seien für die USA zu hoch, der Nutzen zu gering. Je länger die USA im Irak bleibe, desto größer werde dort die Instabilität. Notfalls müsse man akzeptieren, dass die Schiiten im Irak eine Theokratie etablieren. Die Demokratie funktioniere anscheinend im Irak grundsätzlich nicht.

Senator John Cornyn, Republikaner, Texas4. Gast: Der republikanische Senator John Cornyn, Texas. Er sagt, dass man jetzt die Truppen massiv verstärken solle um 20.000 bis 50.000 Mann, damit man die Situation im Irak und vor allem in Bagdad schnell bereinigen könne, die Aufständischen also festnehmen oder töten könne. Laut Einschätzungen von Generälen hätten die USA noch vier bis sechs Monate Zeit, um die Situation im Irak zu bereinigen.

Senator Jack Reed, Demokrat, Rhode Island5. Gast: Der demokratische Senator Jack Reed, Rhode Island. 50.000 Mann seien seiner Einschätzung nach nicht genug, um das Chaos im Irak zu beenden und die Dynamik der Zersetzung zu stoppen. Zudem sei die Armee schon jetzt am Rande ihrer Leistungsfähigkeit. Es könne deshalb nur eine politische Lösung des Konfliktes geben. Bush solle deshalb energische politische Überzeugungsarbeit im Irak leisten in Form von Gesprächen mit den irakischen Politikern.

Soweit in aller Kürze die wichtigsten Punkte der unterschiedlichen Lösungsvorschläge, die derzeit in den USA zum Thema diskutiert werden.

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