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Freitag, 27. Juni 2008

Das Urheberrecht sichert viele Arbeitsplätze... in der Justiz

Dieser lesenswerte Telepolis.de-Artikel schildert, welch total einfach Angelegenheit das Urheberrecht ist: Urheberrecht schlägt den Raab.

Ein Auszug:

In jährlich Tausenden von Zivilverfahren, in denen sich Künstler und Medienkonzerne gegenseitig verklagen, wird gerichtlich in teils jahrelanger Abwägung und mittels aufwändiger Expertengutachten im Einzelfall entschieden, was in solchen Fällen erlaubt ist und was nicht. Vorwürfe wegen angeblicher Verstöße gegen das Urheberrecht bei der Schöpfung eigener Werke gab es in den letzten Jahren unter anderem gegen Peter Scholl-Latour, die Tannöd-Autorin Andrea Maria Schenkel, Dieter Bohlen, Dan Brown, die CSU und einen Münchner Mathematikprofessor. (Quelle: Telepolis.de)

Wirklich also ganz einfach das alles mit dem Urheberrecht.

Ich führe das mal vor.

Hier ein Kreis.

Ein simpler Kreis

Urheberrecht spielt hier natürlich keine Rolle. Erkennt man intuitiv einfach so sofort. Ja, so einfach ist das mit dem Urheberrecht.

Hier habe ich noch einige andere Kreise und Striche hinzugefügt.

Ein einfaches Gesicht

Kein Problem urheberrechtlich, oder?

Hier noch ein paar schwarze Farbkleckse.

Einfaches Gesicht mit schwarzen Flächen

Na und?

Ja und hier noch ein paar weitere schwarze Flächen und noch zwei Kreise hinzugefügt.

Eine Zeichnung, die Mickey Mouse ähnlich sehen könnte

Diese hässlichen Dinger habe ich alle selbst gezeichnet in circa 30 Minuten mit einem billigen Zeichenprogramm. Kein Problem also? Und was wäre, wenn ich die letzte Zeichnung "Michael Maus" nennen würde? Oder, weil es schicker klingt in Englisch, "Micki Mouse"? Immer noch kein Problem? Und was wäre, wenn ich die Zeichnung unter dem Namen Michael Maus verkaufen würde? Was wäre, wenn ich an die Zeichnung noch ein paar weitere Strich anfügen würde, sie animieren würde, das ganze etwas professioneller gestalten würde mit einem Vektorzeichenprogramm, so dass die Linien alle stufenlos und glatt sind und das dann verkaufen würde...?

Ja, ja. Alles ganz einfach mit dem Urheberrecht und für jedes Elternteil, dessen Kinder kreativ werden, sofort auf einen Blick zu erkennen, ob das, was das Kind so macht, noch legal ist oder schon illegal ist...

Diese Einfachheit des Erkennens kommt vermutlich daher, weil das Urheberrecht laut unserer (immer noch!) Bundesjustizministerin Zypries ein "Naturrecht" sei. Soll heißen: Das gab es laut Zypries angeblich schon immer.

Von wegen.

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Mittwoch, 31. Oktober 2007

Bitte melden Sie verdächtiges Verhalten...

(Via Schneier.com) Allgemeine Aufforderungen an die Bürger, "verdächtiges Verhalten" zu melden, sind nicht nur gefährlich, weil sie die Grundlagen menschlichen Zusammenlebens erodieren, sondern auch, weil sie ineffektiv für die Strafverfolgung oder Prävention sind. Denn jeder hält etwas anderes für "verdächtig" und so würden die Sicherheitsbehörden mit untauglichen Hinweisen überschwemmt werden.

Man könnte 'nen langen Vortrag drüber halten, um das den Leuten (und vor allem den Politikern) klar zu machen. Vielleicht reicht es aber auch schon, den Leuten einfach diesen kleinen Dilbert-Comic zu zeigen.

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Donnerstag, 4. Oktober 2007

Warum man manchmal alte Filme anschauen sollte

Ich sehe gerade den Stummfilm "Intolerance" aus den USA von 1916 beim TV-Sender "Arte". Aus den begleitenden Programminformationen:

Das Unrecht, das Arbeiter in den amerikanischen Slums des 20. Jahrhunderts erleiden, der Untergang Babels, die Kreuzigung Jesu und das Massaker der Bartholomäusnacht - vier Säulen der Geschichte, denen eines gemein ist: Die Inhumanität des Menschen gegenüber sich selbst. (Quelle: Arte.tv)


Screenshot aus Film 'Intolerance': Fabrikarbeiter im GefängnisEin alter Schinken also. Alte Technik und alte Themen... - Langweilig also? Überholt, irrelevant, auf voller Linie von gestern? Und dann noch der vermeintlich billige Trick des Films, einmal Querbeet durch die Geschichte zu laufen und Dinge miteinander zu vermengen, die nichts miteinander zu tun haben (Babel, Kreuzigung Jesu, Arbeiterbewegung des 20. Jahrhunderts...)! Und als Krönung des Ganzen auch noch die unvermeidliche, schnulzige Liebesgeschichte oben drauf gesetzt!? Wen interessiert sowas denn?

Oder deckt der Film tatsächlich Gemeinsamkeiten auf bei den genannten vier historischen Szenarien und ist die Liebesgeschichte nur vordergründige Tarnung, um dem amerikanischen Kinopublikum trickreich eine Gesellschaftskritik unterzujubeln?

Screenshot aus Film 'Intolerance': König von Babylon blickt auf seine Stadt, die einer Fabrikanlage nicht unähnlich siehtEin Motiv des Filmes ist beispielsweise, darzustellen, dass es immer eine herrschende Klasse gab, die die Menschenrechte der anderen verletzte. Der Fabrikant also quasi als Nachfolger des Königs von Babel. Übertrieben? Vielleicht. Eine konsequente Kritik an der Klassengesellschaft stellt der Film aber nicht dar. Griffith scheint die Ursache menschlicher Intoleranz und Ungerechtigkeit eher in der Natur des Menschen selbst begründet zu sehen und dementsprechend endet der Film auch mit dem Hinweis auf eine nötige, göttliche Erlösung des Menschen von seiner schlechten Natur.

Screenshot aus Film 'Intolerance': Fabrikanten feiern eine PartyAls der fast 100 Jahre alte Film aber die Drangsalierung der Arbeiter durch die Fabrikanten Anfang des 20. Jahrhunderts beschreibt, erschrickt man nichtsdestotrotz beim Lesen der eingeschobenen Texttafeln wegen mancher erstaunlicher Parallelen zu heute:


Screenshot aus Film 'Intolerance': Texttafel

Die Aussage auf der Texttafel ist die eines empörten Arbeiters, nachdem der Fabrikant von einem Tag auf den anderen die Löhne um 10% gesenkt hat, und lautet: "They squeeze the money out of us and use it to advertise themselves by reforming us." Übersetzt also in etwa: "Sie quetschen das Geld erst aus uns raus und nutzen es dann, um sich selbst als Reformer darzustellen, wenn sie es uns in Form von Wohltätigkeiten wieder zurückgeben." Oder auch: "Sie quetschen das Geld aus uns raus und nutzen es anschließend, um uns zu bessern und zu erziehen, aber eigentlich wollen sie so nur ihre eigene Position legitimieren." Tja, Englisch ist halt schön kurz und knapp und es ist schwer, all die Konnotationen eines englischen Satzes im Deutschen anklingen zu lassen, ohne dass aus einem Satz ein Roman wird.

Anmerken muss man noch, dass der Filmemacher Griffith vor "Intolerance" bereits einen heftig umstrittenen Film namens "Geburt einer Nation" gedreht hatte, der eine völlig andere Botschaft als "Intolerance" zu vermitteln scheint und als Verteidigung von Sklaverei und Rassismus verstanden wurde und von Griffith wohl als Verteidigung der Südstaaten-Position im amerikanischen Bürgerkrieg gedacht war. Filmgeschichtlich bedeutend sind beide Filme wegen zahlreicher Innovationen, mit denen Griffith die Filmkunst spektakulär weiterentwickelt hatte.

Warum sollte man sich also alte Filme anschauen? Ganz klar..., weil man so zu einem Thema für einen neuen Blog-Eintrag kommt. ;-)

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Freitag, 28. September 2007

Unicode-Font für burmesische/birmanische Schrift

Wer auf burmesischen/birmanischen Internetseiten auch die originalen burmesischen/birmanischen Schriftzeichen sehen will statt irgendwelcher Ersatzzeichen (beispielsweise eine unendliche Reihe von Fragezeichen), muss vermutlich erst einmal den richtigen UTF-8-Character Font (Schriftart) auf seinem Computer installieren.

Das geht ganz schnell und schmerzlos. Dazu einfach diese Font-Datei herunterladen (auf den Link rechts klicken und "speichern unter..." auswählen) (Datei von mir gefunden via Radio Free Asia) und unter Windows anschließend die heruntergeladene Font-Datei namens "bit.ttf" ins Fonts-Verzeichnis (meist c:\winnt\fonts oder c:\winxp\fonts) kopieren. Wer die allgemeine, offizielle Anleitung von Microsoft zum Installieren von Fonts dazu benötigt: Bitte schön. Anschließend einfach die Webseite im Browser neu laden und fertig. Wird die Schrift trotzdem immer noch nicht angezeigt, muss man eventuell beispielsweise im Firefox-Browser unter "Ansicht" zunächst noch "Unicode (UTF-8)" als Schriftart auswählen.

Die burmesischen/birmanischen Schriftzeichen sehen sehr schön aus. Vielleicht ist es auch ein Stück Respekt vor der Kultur, sich die Schriftzeichen im Original anzeigen zu lassen, statt sich eine Reihe von schnöden, immer gleichen Ersatzzeichen ansehen zu müssen. Ein ästhetisches Erlebnis ist die burmesische/birmanische Schrift allemal. Und vielleicht kennt der ein oder andere ja sogar jemanden, der die birmanische Schrift und Sprache beherrscht, aber bislang nicht wusste, wie man die Schrift auf westlichen Computersystemen installiert.

Hier noch ein paar Links, um die neu installierte Schrift gleich auszuprobieren:

Zunächst ein anscheinend sehr informatives Weblog zur aktuellen Lage in Birma, das es sich offensichtlich zur Aufgabe gemacht hat, vor allem Informationen in birmanischen Weblogs ins Englische zu übersetzen: Burma-Myanmar Genocide 2007. Dort findet man dann auch Links zu den birmanischen Weblogs, aus denen "Burma-Myanmar Genocide 2007" übersetzt. Zu diesen Weblogs in birmanischer Sprache gehören beispielsweise NIknayman, MMEDWatch und Ko Htike's Prosaic Collection.

Listen zu birmanischen Weblogs gibt es ansonsten beispielsweise auch beim Startupblogger und bei Robert Basic.

Der Spiegelfechter verfolgt die aktuellen Entwicklungen in Birma anscheinend auch anhand von englischsprachigen Weblogs und hat dazu einen sehr ausführlichen, ständig aktualisierten Weblog-Eintrag verfasst: Myanmar an der Schwelle zum Bürgerkrieg.

Den Hinweis, dass man bei Weblogs nicht weiß, ob denn das alles so stimmt, was da steht und dass man nicht weiß, welche möglichen Interessen die Autoren verfolgen, den erspare ich mir. Denn diesen Hinweis könnte man auch bei jedem Link auf Tagesschau.de, Spiegel.de oder auf sonstige Medien bringen. Es gilt wie immer kein blindes Vertrauen zu haben. Schieflagen gibt es überall.

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Montag, 20. August 2007

Chinesisch-deutsche Unterschiede in Piktogrammform

Stereotypen, also falsche, verkürzte, oberflächliche Vorstellungen von anderen Menschen und Kulturen, haben die Eigenart, dass jeder von uns welche hat, aber jeder glaubt, frei von Stereotypen zu sein. Wer dazu noch explizit fremdenfeindlich ist, wird vermutlich nie erfahren, dass seine Stereotypen nicht der Kern der Wahrheit sind, wie er denkt, sondern der Kern seiner eigenen Probleme.

Das Zusammentreffen mit Menschen, die anders sind als wir, kann wie der Blick in einen Spiegel sein. Denn plötzlich erkennt man, dass es Dinge im eigenen Erleben und Verhalten gibt, die man bislang gar nicht wahrgenommen hat, weil sie so selbstverständlich waren. Nie hat man sie hinterfragt, weil man sie eben gar nicht wahrgenommen hatte. Man machte sich so wenig Gedanken über sie wie über Atmen, Trinken und Geschirrwaschen. Und plötzlich trifft man Menschen, die das alles ganz anders machen (gut, das Atmen vielleicht nicht).

Manche Historiker meinen, dass Renaissance und Reformation bis hin zur Epoche der Aufklärung in Europa wesentlich angestoßen wurden durch die Entdeckungsreisen der Portugiesen rumd um Afrika in Richtung Asien. Plötzlich offenbarte sich den Europäern, dass all ihre alltäglichen Gewohnheiten und Überzeugungen nichts Selbstverständliches waren - einfach weil ganz woanders auf der Welt völlig anders gelebt und geglaubt wurde.

Vielleicht sollte man all diese dummen Rechtsradikalen mal zwangsweise in Urlaub schicken (gut gemischt unter normale Reisegruppen) - nach Asien oder in die USA. Denn Reisen bildet tatsächlich, sofern man den Strand meidet und nicht mit seinen üblichen Kumpels unterwegs ist.

Einen kleinen interkulturellen Aha-Effekt ganz ohne Um-die-Welt-Reisen bietet die chinesischstämmige Künstlerin Yang Liu. Ihre Piktogramme, auf den ersten Blick verständlich, zeigen gekonnt und wunderschön minimalistisch einige Unterschiede im Denken und Handeln zwischen Chinesen und Deutschen. Natürlich in überspitzter Form. Aber genau durch diese überspitzte, extrem einfache Form wird gleichzeitig sehr gut deutlich gemacht, dass diese kulturellen Unterschiede nie völlig greifbar sind und jede Beschreibung sehr verkürzt und unzulässig verallgemeinernd daherkommt.

Piktogramme von Yang Liu zu chinesisch-deutschen Unterschieden
Das Weblog "Xinhua" stellt die vielen Diagramme vor.

(Via Whistleblog.net)

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Donnerstag, 16. August 2007

Lakonisch, das ist das richtige Wort

(Via Joe per E-mail) Es war Liebe auf den ersten Blick, als ich diese Homepage des Künstlers David Shrigley anklickte. Besonders seine Fotos oder auch diese kleine Zubettgeh-Geschichte haben es mir angetan. Ganz entzückend.

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Donnerstag, 14. Juni 2007

Alternative zu Flickr: 23hq.com

Ja, es gibt viele Gründe, Flickr zu nutzen. Die Benutzerfreundlichkeit, die Anzahl an Funktionen und vor allem die große Community mit unzähligen hervorragenden Fotografen.

Aber es gibt auch zahlreiche Gründe, Flickr nicht zu nutzen. Zuvorderst, dass Flickrs Mutterfirma Yahoo mehrmals ohne wirklich dazu gezwungen gewesen zu sein, den chinesischen Strafverfolgungsbehörden persönliche Daten von chinesischen Dissidenten, die Dienste von Yahoo genutzt hatten, übermittelt hatte und Yahoo so geholfen hat, Menschen hinter Gitter zu bringen, die nur ihr Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung in Anspruch genommen hatten. Anteilseigner von Yahoo hatten jüngst gefordert, dass Yahoo in Zukunft die Menschenrechte achten solle und schlugen dafür ein extra Komitee vor. Yahoo war dagegen. Wieder ein Grund mehr, einen Bogen um die Dienste von Yahoo zu machen.

Der letzte Ausschlag für viele - vor allem Deutsche - zumindest Flickr zu verlassen, dürften die neuen Filter von Flickr sein, die deutschen Besuchern von Flickr das volle Programm von Flickr verwehren. Ist man nicht als Nutzer angemeldet bei Flickr, bekommt man nur die nach extrem weichen Kriterien als "sicher" eingestuften Fotos der Flickr-Nutzer zu sehen. Wer also beispielsweise Akt-Fotos (künstlerischer Natur) bei Flickr gehostet hat, der muss auf deutsche Bewunderer seiner Fotos verzichten, sofern die Besucher nicht selbst einen Account bei Flickr/Yahoo haben - allerdings einen nicht-deutschen Flickr/Yahoo-Account.

Das Zensur-Vorgehen von Flickr bezüglich deutscher Flickr-Nutzer könnte mit der unklaren Rechtssituation in Deutschland in Bezug auf das Internet zusammenhängen. Internet-Forenbetreiber stehen in Deutschland zwangsläufig mit einem Bein im Kittchen. Deutsche Politiker halten den Schutz der Meinungsfreiheit im Internet nicht für wichtig und belassen es somit bei zweideutigen Gesetzen, die je nach Gericht anders ausgelegt werden: Mal ist ein Forenbetreiber nur dann verantwortlich für Inhalte im Forum, wenn er ausdrücklich Kenntnis davon hat, mal nicht. Ich kann gut verstehen, dass Flickr bei der Lokalisierung seines Dienstes in Deutschland kalte Füße bekommen hat und nach einer für sie sicheren Lösung gesucht hat.

Dass die freie Meinungsäußerung im Internet in Deutschland nur unzureichend geschützt ist, zeigt beispielsweise auch die aktuelle Bedrohung des kritischen, privat betriebenen Verbraucherschutzforums Call-In-TV durch die Endemol-Tochter "Callactive". Call-In-TV sammelt kritische Meinungen zu den diversen Call-In-Sendungen im deutschen Fernsehen. Dass diese Kritik den Sendungsmachern nicht gefällt, ist klar. Und in Deutschland können Firmen ganz einfach und bei - nach Maßstäben der Firmen - geringem Risiko jede Kritik von Privatleuten an ihren Produkten mundtot machen. Einfach, indem man Abmahnungen verfasst und mit Prozessen droht. Wegen der unklaren Rechtslage in Deutschland können Privatpersonen sich das Risiko eines Prozesses meist nicht leisten. Also löscht man die Kritik an den Firmen und zahlt brav die Abmahngebühren.

Dieses Abwürgen der Meinungsfreiheit im Internet ist vermutlich politisch gewollt. Die Politiker von SPD und Union hätten bei der Verabschiedung des Telemediengesetzes ohne großen Aufwand eine klare Regelung der Forenhaftung festlegen können. Man hat bewusst darauf verzichtet. Übrigens: Sollte mir jemand offenbaren, dass er bei den nächsten Wahlen Union oder SPD wählt, der muss sich darauf einstellen, dass ich ihm unvermittelt auf die Füße kotze. Ist nicht persönlich gemeint. Nur ein schwer kontrollierbarer Reflex meinerseits.

Wie auch immer. Die erneute Weigerung von Yahoo, ernsthafter, transparenter, nachvollziehbarer und intensiver bei ihren Geschäften die Menschenrechte zu achten und auch die seltsame Zwangsfilterung für deutsche Flickr-Besucher und schlussendlich die Hoffnung, dass es nun endlich irgendwo im Netz eine gleichwertige Alternative zu Flickr geben könnte, hat mich veranlasst, mir die Zeit zu nehmen und nach einer Alternative zu Flickr zu suchen. Ich habe mir also zahlreiche Bilder-Hoster angeschaut. Aber nur ein einziger Dienst, von den von mir begutachteten, kommt meiner Meinung nach dem nahe, was Flickr anbietet.

Wer nur einen Hoster für seine Fotos sucht, um seine Fotos dann auf einer anderen Internetseite, beispielsweise seinem Weblog, einzubinden, für den gibt es natürlich unzählige Bilder-Hoster. Aber Flickr ist ja weit mehr.

Für mich muss eine Flickr-Alternative mindestens folgende Funktionen aufweisen:

  • Eine ausgereifte Suchfunktion, um beim Anbieter gehostete Bilder anderer Nutzer zu finden.
  • Eine Bedienerführung, die es auf leichte Art erlaubt, auf Entdeckungsreise zu gehen, also tolle Fotos und talentierte Fotografen zu finden.
  • Die Anzeige der Fotos in verschiedenen Größen.
  • Das Sammeln interessanter Fotos anderer Fotografen in einer eigenen Favoriten-Sammlung (eine Art "Bookmark-Funktion" also für tolle Fotos).
  • Die Möglichkeit, Kommentare zu einzelnen Fotos zu hinterlassen.
  • Die Einbindung von "Creative-Commons-Lizenzen", also die Möglichkeit, die Nutzungsrechte an eigenen Fotos in Stufen freizugeben oder einzubehalten.
All diese Dinge werden außer bei Flickr meines Wissens nach nur noch von 23hq realisiert. Wer einen anderen Anbieter kennt, der ebenfalls diese genannten Kriterien erfüllt, kann darauf gerne in den Kommentaren hinweisen.

Neben dem erwähnten 23hq habe ich außerdem angeschaut und für mich nicht als ausreichend befunden, weil bei ihnen mindestens eines der oben aufgelisteten Kriterien fehlte: Ich hätte gerne einen deutschen Anbieter als Flickr-Alternative empfohlen, aber leider bieten die deutschen Anbieter keine Möglichkeit, die Nutzungsrechte der Bilder variabel zu vergeben. Alle deutschen Anbieter - so verstehe ich zumindest die AGBs - verlangen zudem von den Nutzern die völlige Überlassung der Nutzungsrechte an ihren Bildern. Für mich eine nicht akzeptable Bedingung. Und ich vermute, dass diese unklare Regelung in Bezug auf das Copyright viele gute Fotografen davon abhält, deutsche Bilder-Hoster zu nutzen. Schaue ich mir die bei den deutschen Anbietern gehosteten Bilder an, fühle ich mich in dieser Annahme bestätigt.

Ich teste nun 23hq.com ausführlicher. Der erste Eindruck: Manche Dinge erscheinen mir sogar besser gelöst als bei Flickr. Nur die Community ist offensichtlich bei 23hq noch nicht so groß wie bei Flickr. Man kann 23hq auch kostenlos nutzen. Einzige Einschränkung dabei: Man kann nur maximal 20 MB pro Monat hochladen (ausgenommen die ersten zwei Wochen, in denen man mehr Fotos hochladen kann).

Ich werde eventuell später noch mehr zu 23hq.com schreiben und eventuelle Unterschiede zu Flickr detaillierter darstellen.

P.S.: Auch Del.icio.us gehört zu Yahoo. Demnächst werde ich mir auch noch einmal Alternativen zu Del.icio.us ansehen.

Nachtrag: Nach langer Wartezeit hat sich eine Mitarbeiterin von Flickr in den Foren von Flickr geäußert und erklärt, dass das seltsame Filtersystem von Flickr darin begründet sei, dass die ungeschützte Verbreitung von Pornographie in Deutschland strafbar ist. Das ist so. Auch die fahrlässige Verbreitung von Pornographie außerhalb einer geschlossenen Nutzergruppe, die durch ein real funktionierendes Altersverifikationssystem geschützt ist, ist in Deutschland strafbar. Anwendbar ist diese Vorschrift auf das Internet jedoch kaum. Aber das kümmert den deutschen Gesetzgeber natürlich nicht. Die Realität hat sich nach den Gesetzen zu richten und nicht umgekehrt. Ich habe keine Ahnung, ob Flickr eine Möglichkeit hat, einen Bilder-Hosting-Dienst auch von Deutschland aus anzubieten, ohne nicht ein juristisches Risiko einzugehen. Auch das jetzt bei Flickr implementierte Filtersystem würde vor einem deutschen Gericht - vermute ich - nicht als adäquate Zugangsbeschränkung angesehen werden. Beim jetzigen System müssen die einzelnen Flickr-Nutzer ja ihre Fotos selbst in eine von drei Kategorien einordnen (sicher, moderat, unsicher). So kommt es, dass eher prüde US-Nutzer viele ihrer Fotos als "unsicher" einstufen, obwohl sie nach deutschen Gesichtspunkten niemals als pornographisch eingestuft würden. So kommt es, dass Deutsche bei Flickr trotz eigentlich eines meist liberaleren Umgangs mit Sexualität innerhalb der Gesellschaft bei Flickr einer strikteren Regulierung unterliegen als andere Nutzer. Wer es als deutscher Teenie aber drauf anlegt, braucht sich nur einen neuen Yahoo-Account zuzulegen, als Wohnort USA oder Kanada angeben und kommt so ohne Aufwand dennoch in den "Genuss" aller Flickr-Fotos. Fazit: Das deutsche Gesetz - vor allem im Bereich des Jungendschutzes - führt auch hier wieder zu verrückten Verrenkungen, die Leuten, die sich mit dem Technik-Krams nicht auskennen, suggerieren, es gäbe einen Schutz. Die gleiche Schose also wie bei der Diskussion rund um ein Verbot von Killerspielen.

Es wird Zeit, dass diese mental vergreiste Politiker-Kaste, die derzeit in Deutschland das Sagen hat, abtritt. Da aber die deutsche Gesellschaft insgesamt mental immer mehr vergreist (vor allem, was ihr Spiegelbild in den Medien betrifft - Wo ist die junge, aufregende Kunst in den Medien? Wo spiegelt sich die gewachsene Internationalität und Vielschichtigkeit der deutschen Gesellschaft in den Medien wieder? Was für ein Publikum sitzt stattdessen in den TV-Shows von ARD und ZDF? Wieviele Falten finden sich in den Gesichtern der Chefredakteure? Na?...), wird das nicht passieren.

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Dienstag, 10. April 2007

Die mystische Macht von Bildern, Tönen und Texten

Früher, als das Leben noch einfach war und die Gefahren klar zu benennen (Hunger, Kälte, ein auf einen zulaufender wütender Löwe bei gleichzeitigem Fehlen spitzer Pfeile im Köcher, Missgeschicke wie Beinbrüche oder das Essen von verdorbener Nahrung - vor allem wenn der Medizinmann des eigenen Stammes mal wieder betrunken in der Hängematte ruhte, statt sich um einen zu kümmern...), hatten solche TV-Magazine wie "Panikorama" oder "Brutal 21", ganz zu schweigen von "Aaahhh-spekte", keine Chance mit ihren Storys über hochgefährliche "Killerspiele" oder die noch viel schlimmere "Computersucht". Stattdessen lungerte man abends am Lagerfeuer und war froh, etwas im Bauch zu haben, sich kein Bein gebrochen zu haben und nicht vom Löwen erwischt worden zu sein. Da reichten der Anblick des Sternhimmels und das knisternde Feuer und die ARD und das ZDF hatten einen schweren Stand mit ihren Programmen.

Als die Löwen es leid waren, Menschen anzugreifen und der Medizinmann keine Lust mehr auf alkoholische Getränke hatte (der Grund hierfür muss von der Forschung noch geklärt werden), suchten die Menschen Ersatz für die immer weniger werdenden Gefahren und erfanden schließlich etwas viel Gefährlicheres als Hunger, Kälte und wütende Löwen: Die Kultur. Mit der Folge, dass es plötzlich überall Gefahren gab.

Kultur heißt: Tonfiguren, Bilder, Musik und natürlich Geschichten, später Texte und noch viel Später bewegte Bilder und (jetzt bitte ganz mutig sein) Computerspiele.

Jetzt war nicht mehr nur der real vor einem stehende Löwe angstauslösend, sondern desgleichen Bilder und Geschichten von ihm. Die Gefahr gelangte als Bild, Ton oder Text quasi in den Menschen hinein. Der Löwe fraß nicht mehr den Menschen auf, sondern er fraß sich mittels der Kultur in die weiche Gehirnmasse hinein. Das aber fortdauernd. Die Kultur führte somit zu fordauernden Löwenangriffen bei allen Menschen, während zuvor nur wenige Menschen Löwenangriffen ausgesetzt waren.

Da der Mensch jedoch nicht dumm ist, versuchte er sich auch gegen die Folgen der von ihm erfundenen Kultur zu wehren. Statt sich nur um ausreichend spitze Pfeile im Köcher zu kümmern, reglementierte er jetzt auch den Genuss von Löwengeschichten. So durften Neanderthaler-Kinder pro Tag nur drei Löwengeschichten hören. Das führte bekanntlich zu derben Streitereien in den Neanderthaler-Familien, da die Kinder inzwischen süchtig nach Löwengeschichten geworden waren. Die Folgen sind bekannt: Die Neanderthaler starben aus.

Noch klügere Menschen versuchten, sich die Macht der Kultur zu Nutze zu machen und sie ins Positive zu verkehren. So schufen angeblich die alten Griechen ihre wunderschönen Statuen, um Schönheit und Edelmut hervorzurufen bei den Betrachtern. Später entstand daraus bis ins 18. Jahrhundert vor allem beim Adel die Sitte, beim Zeugen von Nachwuchs schöne Bilder oder Statuen anzuglotzen, damit sich das schöne Antlitz der auf den Bildern dargestellten Menschen auf die Kinder übertrug. Der Deutschlandfunk berichtete vor ein paar Tagen in einer ausführlichen Sendung über diese "Callipaedia", der Erziehung zur Schönheit, die später jedoch vor allem zur Kunst, schöne Kinder zu zeugen, wurde:

Als Leser von Claude Quillets "Callipaedia" muss man sich also junge Adelige vorstellen, die alles über die richtige Partnerwahl oder die Bestimmung des passenden Zeitpunkts für die Zeugung wissen wollten. [...] Dabei betont er [Claude Quillet; Anmerkg. von mir] besonders eindringlich, wie wichtig es sei, dass die Frau - wohlgemerkt nur die Frau! - im Moment der körperlichen Vereinigung sowie während der Schwangerschaft schöne Dinge anschaut. Am schönsten aber seien nicht die Werke der Natur, sondern die der Kunst. Daher müssten im Schlafzimmer Gemälde oder Skulpturen aufgestellt werden. Nur so ließen sich Missbildungen und unliebsame Überraschungen beim Nachwuchs verhindern. (Quelle)


In den letzten beiden Jahrhunderten vergaß man leider die Macht der Bilder zunächst wieder und Maler verarmten bekanntlich zunehmend. Bis das Wissen um die Macht der Bilder bei der Diskussion um den schädlichen Einfluss von Horrorfilmen und nun Computerspielen wieder größere Verbreitung fand.

Ein Hirnforscher namens Manfred Spitzer behauptet heute sogar, dass alles, was durch unsere Sinnesorgane in unser Gehirn kommt, sich dort quasi einbrennen würde und unser Verhalten unbewusst und kaum durch uns beeinflussbar formen würde.

Man könnte nun denken: Können Bilder, Texte, Töne, Computerspiele, sprich Medien wirklich so mächtig wirken? Haben "Panikorama", "Brutal 21" und all die anderen aufrüttelnden Fernsehsendungen und Zeitungsartikel also Recht mit ihrer Warnung vor dem Killerpotenzial der auf unsere Netzhaut und in unsere Ohren eindringenden Signale?

Und ich sage: Natürlich! Man vergleiche doch nur einmal die Anzahl der in Deutschland im letzten Jahr durch reale Löwen angegriffenen Personen mit der Anzahl der Leute, die Killerspiele spielten und anschließend durch irgendwas zu Tode kamen. Die Statistik beweist: Reale Löwenangriffe sind keine Gefahr mehr. Also müssen an den verbleibenden Todesfällen logischerweise die Killerspiele schuld sein.

Die Medien formen uns und unser Gehirn. Könnte sonst zum Beispiel eine neue Therapie-Form gegen das Dicksein so erfolgreich sein, dass die Anzahl der Dicken in der Gesellschaft seit Erfindung der sogenannten "Hör-Therapie" (www.hoer-dich-gesund.com) aber sowas von rapide abgenommen hat?

So erklärt Hoer-dich-gesund.com die Wirkung der Doppel-CD "Übergewicht":

Man hört eine speziell kombinierte Musik, die körpereigene Glücks- und damit Sättigungshormone aktivieren kann. Man macht eine Tiefenentspannung, die die Muskeln löst und so auf natürliche Art dafür sorgt, das man entkrampft und daher den Stoffwechsel sowie den Fettabbau erleichtert. Man macht eine speziell entwickelte Visualisierung, die zu einem dauerhaften neuen Ess- und Körpergefühl führt und Diäten und Wundermittel überflüssig macht. Durch jede Übung wird man fachmännisch geführt und geleitet. Man selbst schließt nur die Augen, hört zu und konzentriert sich dank der Hör-Therapie ausschließlich auf die Überwindung des Problems – ganz ohne Chemie, ganz ohne Nebenwirkungen.


Panikorama, Brutal 21 und Hoer-dich-gesund.com beweisen: Hütet euch vor der Macht der Sinneseindrücke! Hütet euch vor Löwengeschichten und Killerspielen! Hört auf die Warner! Schaut beim Sex auf schöne Statuen oder Gemälde und hört schlank machende Audio-CDs, aber macht ansonsten eure Augen und Ohren zu!

Und wie soll ich dann hören, ob das Telefon klingelt, wird jetzt mancher Oberschlauer einwenden. Pah! Auch darauf gibt es längst eine Antwort: Die gesundmachenden Klingeltöne von Hoer-dich-gesund für nur schlanke 5 Euro nochwas pro Stück.

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Sonntag, 25. März 2007

Filme machen ohne (eigene) Kameras

Ich bin gerade durch die Berichterstattung des ORF über den Film "Faceless" auf der Grazer "Diagonale" aufmerksam gemacht worden auf das geniale Manifesto for CCTV filmmakers.

Dieses Manifest besagt, dass Filmemacher, die sich bei der Herstellung ihrer Filme nach diesem Manifest richten wollen, keinerlei Kameras und keinerlei Beleuchtungseinrichtungen mit zum Set bringen dürfen.

Filme ohne Kameras produzieren? Hört sich verrückt an, oder?

ÜberwachungskameraDas funktioniert jedoch, wenn man schlicht den richtigen Ort zum Drehen auswählt. Denn vor allem in Großbritannien aber bekanntlich auch immer mehr in Deutschland und anderen Ländern befinden sich bereits an vielen Plätzen Kameras. Überwachungskameras nämlich. Filmemacher können so darauf verzichten, eigene Kameras mitzubringen und müssen anschließend schlicht die gesetzlich vorgeschriebene Herausgabe von Kopien des von den Überwachungskameras aufgezeichneten Filmmaterials verlangen.

Geniales Konzept.

Passende Orte zum Filmen ohne eigene Kamera finden sich zum Beispiel mittels geogetagter Fotos folgender Flickr-Pools:



Copyright-Hinweis: Die Rechte an obigem Foto besitzt "g@ss". Das Foto unterliegt einer Creative-Commons-Lizenz.

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Sonntag, 26. November 2006

Blick aus hundert Fenstern, weltweit

The View from Your Window ist ein Weblog mit Fotos der Leser. Fotos des Blicks, den man hat, wenn man aus dem Fenster gucken würde, aus dem Leser des Weblogs täglich, manchmal, immer gucken, genauer gesagt.

Also gut, nochmal. Jeder hat irgendwo ein Fenster rumstehen. Da guckt man manchmal raus. Nun kann man genau das fotografieren. Also nicht, wie man da raus guckt, sondern wie das so aussieht da draußen vor dem Fenster. Und dieses Foto kann man dann an oben verlinktes Weblog schicken. Ich finde, das ist eine schöne Idee. Und funktioniert auch ganz ohne Mitteilung von irgendwelchen genauen Adressdaten.