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Freitag, 24. August 2007

Die Angst des Fernsehens vor den Computerspielen

(Via Das Alte Europa; sorry, ich muss doch drauf eingehen...) Huch, da issa wieder, der halbjährliche Panikruf des Fernsehens im Angesicht seines größten Konkurrenten beim Kampf um die Aufmerksamkeit des Publikums. Die Computerspielmesse in Leipzig boomt und das Fernsehen kriegt das Zittern. Da muss gegengesteuert werden. Und wie immer dabei, Kriminologe Christian Pfeiffer. Platz der Aufführung des hysterischen Theaterstücks darf auch dieses Mal wieder die berühmt, berüchtigte ZDF-Sendung "Frontal 21" sein, in der Pfeiffer letzten Dienstag wie folgt zitiert wurde:

In Verbindung mit anderen Belastungsfaktoren - prügelndes Elternhaus, mobbende Mitschüler, dass man Außenseiter wird, dass man nicht selbstbewusst mitten im Leben steht - bedeuten Computerspiele das Aufzeigen einer Handlungsalternative, die einem sonst gar nicht in den Sinn käme. Man wird durch das aktive Spielen ein Stück näher gerückt an selber Gewalt aktiv Einsetzen. (Quelle: ZDF.de)


Verstehe ich das richtig, dass ein prügelndes Elternhaus und mobbende Mitschüler nicht ausreichen, um das Opfer zu motivieren, eventuell zurückzuschlagen? Bedarf es für diesen Schritt erst noch eines Computerspiels? Käme ein solcherart gequältes Kind tatsächlich erst durch ein Computerspiel darauf, eventuell selbst aggressiv zu werden? Na, wie gut, dass man die Computerspiele einfach verbieten kann. Dann richten prügelnde Elternhäuser und mobbende Mitschüler ja keinen Schaden mehr an. Denn der größte Schaden wäre wohl, wenn das Opfer anfangen würde, sich zu wehren. Oder wie?

Auch auf den Gedanken, dass es zwar Menschen gibt, die Computerspiele dazu nutzen, um vor Problemen zu fliehen, dass aber im Umkehrschluss damit nicht gesagt ist, dass jeder Computerspieler Probleme hat, - auch auf diesen Gedanken kommt Frontal 21 nicht. Wäre wohl auch etwas zu viel verlangt.

Aber Frontal 21 hat noch einen Pfeil im Köcher, und zwar die kritischen Anmerkungen von Schulpsychologe und Medienforscher Dr. Werner Hopf:

Der Schulpsychologe und Medienforscher Dr. Werner Hopf, der an der Studie mitarbeitete, erläutert: "Die Jugendlichen vor allem im Kindesalter, im Grundschulalter, geben an, dass sie beim Anschauen von Horrorfilmen, dass sie später beim Spielen von Computergewaltspielen wie 'Doom' oder 'Half-life' starke Hassgefühle erleben. Und diese starken Hassgefühle werden über die Jahre hinweg konditioniert, festgefügt als eine Charaktereigenschaft, eine Haltung, die die Jugendlichen weiter in ihrem Verhalten prägt". (Quelle: ZDF.de)


Gegen diese Aussagen von Hopf ist nichts einzuwenden. Die Politiker und manche Medienfuzzis jedoch übersehen dabei, dass Hopf hier von jungen Kindern spricht. Und die sollten und dürfen auch heute schon nicht diese Computerspiele spielen, die Hopf da nennt. Aber würde man diese Tatsache herausstellen, bliebe den Politikern ja nur noch übrig, sich um die wirklichen Ursachen von Problemen von Kindern und Jugendlichen zu kümmern, statt die gesetzlichen Regelungen rund um Computerspiele zu verschärfen und das als Lösung aller Probleme zu verkaufen.

Und wie nennt man diese Art der Berichterstattung über Computerspiele? Richtig. Propaganda.

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Montag, 23. Juli 2007

NDR propagiert Morden und Foltern als Freizeitspaß

(Via Besitzstandswahrer.de) Den öffentlich-rechtlichen Norddeutschen Rundfunk (NDR), bekannt durch sein grauenhaftes Programm, angefüllt mit etlichen Leichen, die dem unbedarften Zuschauer fast täglich über den Fernsehschirm oder übers Radio ins Wohnzimmer geliefert werden, sollten meiner Meinung nach unsere Kultusminister einmal genauer unter die Lupe nehmen. Dieser Sender verdient sein Geld unter anderem mit dem virtuellen Killen und Foltern. In etlichen Produktionen, angefangen bei der Tagesschau bis hin zu Killersendungen namens "Tatort" oder etlichen Hörspiel-Krimis werden Morde, Gewalt und Verbrechen dem Publikum präsentiert und mit diesen Inhalten schlussendlich Geld gemacht. Dieses Verhalten muss als unethisch eingestuft werden und sollte verboten werden. Der NDR sollte ständig von einer neu zu schaffenden Zensur-Behörde beobachtet werden, um Schaden vor allem von unseren Kindern fernzuhalten.

Wie ich zu diesen Forderungen komme? Durch den NDR selbst. Denn der NDR fordert ein ähnliches Vorgehen. Zwar nicht gegen sich selbst, aber gegen Computerspiele und das Internet. War es bislang nur eine Sendung namens "Panorama" vom NDR, die in einem Beitrag warnte vor ominösen "Killerspielen" im Internet als einem "Morden und Foltern als Freizeitspaß", so übernimmt nun der gesamte Rundfunkrat des NDR die Position der Panorama-Redaktion, weil der Rundfunkrat Beschwerden von unzähligen Zuschauern gegen die Machart eines Panorama-Beitrages, der sich mit Computerspielen im Internet und dem Freizeitspaß von Millionen von Deutschen beschäftigte, als unbegründet abwies. Daraus lässt sich nur schließen, dass der gesamte NDR Computerspiele und Internet als gefährliche Freizeitbeschäftigung sieht, eben als "Morden und Foltern", so wie es im Panorama-Beitrag wortwörtlich hieß. Der NDR sieht also Millionen Deutsche als Mörder und Folterer an. Eine äußerst harte Sichtweise, finde ich. Aber gut. Soll der NDR das ganze sehen, wie er will. Nur sollte man von nun an logischerweise die gleichen Maßstäbe an den NDR anlegen.

Ich fordere deshalb: Schluss mit Mord, Totschlag und Gewalt als Freizeitspaß im NDR! Schluss mit Krimi-Hörspielen im NDR! Schluss mit dem unsäglichen "Tatort"! Schluss damit, dass der NDR sein Geld mit der Darstellung von Mord und Folter als Freizeitspaß verdient! Politiker! Handelt endlich! Schützt unsere Kinder! Zensur muss her! Sofort!

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Sonntag, 6. Mai 2007

Großes Geläut und leise Anspielungen

In welchem berühmten Roman spielt folgender Kinderreim eine kleine, aber für die Aussage des Buches nicht unwichtige Rolle?

Oranges and lemons,
say the bells of St. Clement's

"You owe me five farthings",
say the bells of St. Martin's

"When will you pay me?"
say the bells of Old Bailey

"When I grow rich",
say the bells of Shoreditch

"When will that be?"
say the bells of Stepney

"I do not know",
says the great bell of Bow

Here comes a candle
to light you to bed

And here comes a chopper
to chop off your head!

Chip chop chip chop -
The last man's dead.

Der Kinderreim ist ein Abzählreim, bei dem üblicherweise während des Singens zwei Kinder mit ihren Armen einen Bogen formen während die anderen darunter hindurchlaufen. Bei der letzten Strophe senken die beiden Kinder die Arme und das gerade unter dem Bogen durchlaufende Kind scheidet aus.

Dass der Autor des gesuchten Romans solch einen simplen Kinderreim verwendete, um einen möglichst großen Kontrast auf vielen inhaltlichen Ebenen darzustellen zu den sonst in seinem Buch geschilderten Dingen, hatte mir sehr gut gefallen. Das Kindliche, das Einfache, das Fröhliche, das Unbesorgte und das laut Tönende (sowohl des Kinderschreiens als auch des Glockengeläutes) sind beispielsweise jeweils das Gegenteil dessen, wovon der gesuchte Roman ansonsten handelt.

Die obige Version des Reims ist die später populär gewordene Version eines sehr alten Reims, der ursprünglich viel länger war:

Gay go up and gay go down
To Ring the Bells of London Town

"Oranges and Lemons" say the Bells of St Clement’s
"Bullseyes and Targets" say the Bells of St Margaret’s
"Brickbats and Tiles" say the Bells of St Giles
"Halfpence and Farthings" say the Bells of St Martins
"Pancakes and Fritters" say the Bells of St Peters
"Two Sticks and an Apple" say the Bells of Whitechapel
"Maids in white aprons" say the Bells at St Katherine’s
"Pokers and Tongs" say the Bells of St John’s
"Kettles and Pans" say the Bells of St Anne’s
"Old Father Baldpate" say the Slow Bells of Aldgate
"You owe me Ten Shillings" say the Bells of St Helen’s
"When will you Pay me?" say the Bells of Old Bailey
"When I grow Rich" say the Bells of Shoreditch
"Pray when will that be?" say the Bells of Stepney
"I do not know" says the Great Bell of Bow.

Gay go up and gay go down
To Ring the Bells of London Town

Der Reim stellt mit dem Stilmittel des "pars pro toto" typische Londoner Berufe oder Tätigkeiten und Kirchen in London vor - das säkulare und sakrale London sozusagen fröhlich nebeneinander.

Ob die Verse auch teilweise den Klang oder den Rhythmus der jeweiligen Glocken nachahmten?

Mehr Informationen über den Reim und über die involvierten Kirchen samt Bildern von den Kirchen liefert ein schöner Artikel bei New English Review. Weitere Glockenklänge von Kirchen in England neben den oben verlinkten Sound-Beispielen gibt es bei Emusic.com

Die Art des Läutens, die man in den verlinkten Sound-Beispielen hört, ist übrigens das vor allem in England praktizierte, sogenannte "Wechselläuten. Vielleicht verbergen sich ja sogar entweder in dem Abzählreim oder in der älteren Version irgendwelche Anspielungen auf bestimmte Arten des Wechselläutens? Naja, das wäre dann wohl doch zuviel Inhalt für solch einen kleinen Reim.

Wer errät, welchen Roman-Titel ich suche? Vorschläge einfach als Kommentar posten, oder wenn die Kommentarfunktion mal wieder spinnt, einfach eine E-mail schreiben (solon at gmx Punkt org).

Noch ein Tipp: Der Inhalt des gesuchten Romans ist in letzter Zeit teilweise wieder sehr aktuell. Der Gewinner erhält ein anerkennendes, virtuelles Augenzwinkern. Mehr ist nicht drin. Denn wie würden die Hauptpersonen im gesuchten Roman vermutlich sagen: Weitere Äußerungen der gegenseitigen Wertschätzung sind zu gefährlich und könnten uns verraten! ;-)

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Freitag, 30. März 2007

Morgen kostenlose Killerspielvorführung in 3D

Hey, ihr Medien da draußen! Ich bin enttäuscht. Schon seit circa zwei Wochen kein Beitrag mehr über die mörderische Gefährlichkeit von Killerspielen.

Wenn das so weiter geht, nimmt die Gewalt und Kriminalität in der Gesellschaft immer mehr zu. Ich will sofort einen mahnenden Artikel oder TV-Beitrag! Süddeutsche, Spiegel, Panorama, Aspekte, Frontal 21... wo seid ihr?! Befriedigt meine Sucht nach populistischer Sondermüll-Berichterstattung!

Gelegenheit für einen neuen Propaganda-Artikel bietet zum Beispiel die morgige Demo gegen ein Killerspiel-Verbot in Berlin. Bei wunderbarem Sonnenschein kann man dort Fotos machen von spritzendem Blut und echten, potenziellen Amokläufern. Darauf steht ihr doch. Sowas gibt es sonst nur in Killerspielen zu sehen. Morgen live und in Farbe und in 3D und kostenlos. Dagegen kann selbst Knut® nicht anstinken.

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Freitag, 16. März 2007

Second Life im Bundestag

Nun beschäftigt sich sogar schon der wissenschaftliche Dienst des Bundestages mit Second Life: Gutachten des Bundestages zu Second Life (PDF-Datei)!

Lustig finde ich vor allem folgende Stelle:

Mit der wachsenden Bedeutung von Second Life nimmt auch die geäußerte Kritik zu. Als größtes Problem erscheint vielen Teilnehmern die virtuelle Gesetzlosigkeit, die dazu führt, dass es vermehrt "Verbrechen" wie unerlaubten Waffengebrauch, sexuelle Belästigung oder massives Mobbing innerhalb des Second Life gibt. [...] Allgemein stellt sich die Frage nach der Gefährdung der Nutzer aufgrund einer möglichen Suchtgefahr. Einer Studie zufolge stellt Internetabhängigkeit ein häufig unterschätztes Risiko dar. Diese Gefährdung könnte durch die Realitätsnähe von Second Life eine ganz neue Dimension erreichen. Betroffene tauchen dabei in eine virtuelle Welt ein, in der sie das sein und verwirklichen können, was sie sich im realen Leben wünschen. Grenzen werden überschritten, die Scheinexistenz nimmt an Bedeutung zu, während der Bezug zu Realität verloren geht.

Trotz dieser Kritikpunkte wird Second Life immer wichtiger. Teilweise wird es sogar als die neue, dreidimensionale Version des Internets bezeichnet. Inwieweit sich der Trend fortführen lässt, bleibt abzuwarten. (Quelle)


Suchtgefahr bei Second Life? Hehe. Zum Zerstreuen dieser Sorge empfehle ich den Erfahrungsbericht von Missi, die auch diese hochgefährlichen, extrem aufwühlenden "sexuellen Belästigungen" in aller Ausführlichkeit beschreibt: Ausflug ins Secondlife.
Also falls Langeweile neuerdings nicht als suchtgefährdend angesehen wird und der Second-Life-Besucher nicht unbedingt jünger als 16 Jahre ist, ist ein Besuch bei Second Life vermutlich ein geringeres Risiko für die Krankenkassen als jede andere Betätigung.

Realitätsnähe in Second Life? Computerexperten halten Second Life und seine Grafik für veraltet.

Ach ja: Die virtuellen Waffen in Second Life sind übrigens nur virtuelle. Genauso wie das Herumfliegen und die Porsches und Yachten und Bungalows. Ob die Berichterstatter des Bundestages Mühe hatten, Realität von Virtualität auseinanderzuhalten? Wenn ja, empfehle ich den Besuch beim Psychiater oder Augenarzt - oder möchte die Hardwareaustattung wissen, die Second Life für sie so lebensecht auf den Bildschirm zaubert. Die Grafikkarte hätte ich dann nämlich auch gerne.

Eine Gefahr (und Gefahren braucht es immer - da könnte man dann bekanntlich vielleicht was drehen dran mit neuen Gesetzen, neuen Regulierungen des Internets und so...) sehe ich jedoch in Second Life: Die der Vereinsamung. Nein, nicht die Vereinsamung im realen Leben, weil man sich nur noch in Second Life aufhält, sondern die Vereinsamung in Second Life. Über diese Gefahr klärt wunderbar der Artikel "Geisterstadt für Space-Cowboys" von Thomas Knüwer im Handelsblatt auf:

Es gibt Menschen, die würden Britney Masons Job lieben. Angelfreunde, zum Beispiel. Oder Nachtwächter. Menschen also, die es lieben, allein zu sein, zu sinnieren, ungestört von anderen. Britney Mason sitzt in einem hoch modernen Büro hinter einem glatt polierten und aufgeräumten Schreibtisch. Ihr Kopf ist leicht vornüber gesenkt, als sei sie eingenickt. "Ist es hier immer so leer?" fragt der Besucher. Es braucht ein Weilchen, dann ruckt ihr Kopf hoch. "Yep", sagt sie. Am Donnerstagmorgen sei vielleicht mehr los, "dann gibt es ein Frühstück, und es kommen immer ein paar Leute".

Mason ist Angestellte der Unternehmensberatung Crayon. Digitale Angestellte, besser gesagt. Denn sie hütet die elegante Crayon-Repräsentanz in der virtuellen Welt Second Life. Und wie bei so vielen anderen Unternehmen, die sich in das zweite Leben wagen, zeichnet sich Crayons Heimstatt vor allem durch eines aus: gähnende Leere. (Quelle. Direktlink zum Textauszug.)


Als jedoch jetzt die vielen Medien über Second Life berichteten, war da plötzlich tatsächlich jede Menge los. Überall muskelbepackte und sonnengebräunte Reporter. Aber darüber hatte ich ja schon berichtet: Journalisten auf Recherche in "Second Life".

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Freitag, 16. Februar 2007

Warnung: Politik gegen "Killerspiele" erzeugt Aggressionen

Bayern will die Verbreitung von Schund gesetzlich einschränken. Mit Schund sind bestimmte Computerspiele und Videofilme gemeint: Weiter Krach um Killerspiele (TAZ.de).

Außerdem behaupten die bayerischen Regierungspolitiker, die Amokläufe von Jugendlichen seien in signifikanter Weise von "Killerspielen" verursacht worden.

Erstaunliche Zensurbestrebungen. Erstaunliche Lügen.

Der Vorstoß von Bayern ist natürlich nur Theater. Eine Theater-Aufführung quasi. Es wird übertrieben und gelogen. Die Realität wird verzerrt. Die Darsteller sonnen sich in der Aufmerksamkeit ihrer populistischen Vorschläge. Politiker sind halt auch nur geil auf die Medien. Die Vorschläge haben (noch) keine Chance auf Verwirklichung, schon alleine, weil sie verfassungswidrig sind. So ist das in der deutschen Politik heutzutage. Ein Schuss Verfassungswidrigkeit gehört heute in fast jedes Gesetz. Vermutlich, um dem neuen Gesetz mehr Würze und mehr Aufmerksamkeit zu bescheren.

Man könnte auch von einer Verwahrlosung der Politik in Deutschland sprechen. Das Grundgesetz gilt nicht mehr viel. Meinungsfreiheit und die Unabhängigkeit der Kunst gelten nicht mehr viel. Ehrlichkeit gilt nicht mehr viel. Wissenschaftliche Expertisen gelten nicht mehr viel.

Stattdessen zählt Theaterdonner, Effekthascherei, gewaltiges Auftreten, das Schwingen mit der Verbotskeule statt wirklich helfender Maßnahmen, um den Jugendlichen das Leben zu erleichtern.

Moment... Donner, Effekte, gewaltiges Auftreten, Keulen... das erinnert mich doch an etwas... Ich habe so etwas schon mal irgendwo gesehen... Ich glaube, es war ein "Killerspiel".

Könnte es sein, dass dieses unmäßige Gebahren unserer Politiker mehr Zorn und Groll und Gewalt in jugendlichen Gehirnen (und nicht nur dort) erzeugt, als jedes Computerspiel à la "Quake" oder "Doom" das je könnte? Will die Politik mit ihrem ignoranten Auftreten eventuell sogar die Gewalt unter Jugendlichen bewusst schüren? Man frage doch einfach mal einen Jugendlichen, was er von dieser Politik und dieser Gesetzgebung hält. Man wird erstaunt sein, wie abschätzig, frustriert und wütend die jugendlichen Reaktionen sein werden.

Hoffen wir, dass unsere Kultusminister mit ihrer Ignoranz keine Amokläufe unter den Frustrierten verursachen. Ich fordere hiermit die Medien auf, ihre Berichterstattung über die Politik dieser Leute freiwillig einzustellen oder auf nach 23 Uhr zu verlegen. Vielleicht kommen die Politiker dann auch wieder zur Vernunft. Denn wenn niemand ihren Theaterdonner wahrnimmt, fangen sie vielleicht wieder an, vernünftige Gesetze zu verabschieden - ohne den wohligen Schauer des Populismus, nach dem anscheinend einige Politiker, besonders Kultusminister und Innenminister, inzwischen süchtig geworden zu sein scheinen.

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Sonntag, 31. Dezember 2006

"Killerspiele" sind von gestern - jetzt kommt das Terror-Brettspiel!

War on Terror: The Board Game(Via Boing Boing, via 27B Stroke 6) Wer einmal einen Spieleabend in der Familie miterlebt hat, weiß, dass Spiel gleich Krieg ist. Das neue Brett-Spiel "War on Terror" ("Krieg gegen den Terror") sollte folglich jedem Familien-Spieleabend so richtig einheizen.

Als Zubehör gibt es eine schwarze Terror-Wollmütze mit dem Aufdruck "Evil" ("Böse"). Das Spielbrett ist eine Weltkarte, samt "Achse des Bösen" in Form eines Drehkreuzes. Es geht darum, die Welt zu beherrschen, äh, zu befreien - und natürlich die Familienangehörigen oder Freunde zu terrorisieren.

Disclaimer: Ich habe mit der Herstellerfirma des Spiels nichts am Hut.

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Freitag, 15. Dezember 2006

Schünemann will Bill Gates, Steve Jobs und Robert Gates ins Gefängnis sperren

Wenn Schünemann, Beckstein & Co. mit ihren Gesetzesinitiativen zum Verbot der Verbreitung von "Killerspielen" Erfolg haben, hätte dies zumindest ein "Gutes": Microsoft-Gründer Bill Gates könnte nicht mehr in persona im Studio bei Sabine Christiansen auftreten oder mit deutschen Politikern sprechen. Keine Lobbyarbeit mehr für Microsoft! Er dürfte überhaupt nicht mehr deutschen Boden betreten. Genauso wie allerdings auch zum Beispiel Apple-Chef Steve Jobs oder gar der US-amerikanische Verteidigungsminister. Sie alle wären dann nämlich nach deutschem Recht wohl illegale Verbreiter von "Killerspielen". Also sowas ähnliches wie Drogendealer oder Waffenschmuggler. Der US-amerikanische Verteidigungsminister könnte sich vielleicht auf seine diplomatische Immunität berufen. Aber auch nur während seiner Amtszeit...

Über diese interessanten Konsequenzen eines Killerspiel-Verbots berichtet Telepolis.de: Verbieten! Verbieten! Alles Verbieten!

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Mittwoch, 13. Dezember 2006

Will Schünemann alle Computerspiele verbieten?

(Via Netzpolitik.org) Uwe Schünemann, Innenminister von Niedersachsen, macht sich weiter zum Deppen. Jetzt fordert er auch für Aufbau- und Strategiespiele Haftstrafen: Niedersachsens Innenminister will bis zu zwei Jahre Haft für Verbreitung von "Killerspielen" (Heise.de).

Dort liest man:

Danach müssten künftig sämtliche Shooter und selbst Aufbau- und Strategiespiele, die Kampfhandlungen etwa zur Eroberung oder Verteidigung von Territorien enthalten, unter Strafe gestellt werden. (Quelle)


Nach Schünemann würden dann wohl auch Schach, Go und so weiter verboten werden. Wie bitte? Da würde doch nur auf symbolische Art und Weise um Territorien gekämpft werden? Ach, und wie ist das bei "Siedler" oder "Age of Empires"? Wird da etwa real um Territorien gekämpft...?

Interessanterweise ist Schünemann anscheinend selbst Sportschütze (und nicht nur Mitglied in einem Schützenverein) und schießt selbst gerne mal. Sogar mit echten Waffen, wenn auch nur auf virtuelle Ziele, wie man im Hamburger Abendblatt im Artikel "Garlstorf: Minister Schünemann schoß auf den Keiler" lesen darf:

Es war nicht nur eine Einweihungsfeier. Eher Volksfeststimmung herrschte in Garlstorf, als die Jägerschaft Landkreis Harburg am vergangenen Freitag ihre neue, eine Million Euro teure Kugelschießanlage vorstellte. Hunderte von Mitgliedern und viele Ehrengäste wie Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) und Polizeichef Friedrich Niehörster waren dabei. Und natürlich fielen Schüsse. Innenminister Schünemann war einer der ersten, der das Gewehr im sogenannten Schießkino anlegte und mit dem Lazerstrahl den Keiler auf der Großweinland "erlegte". Die Treffer wurden mit Hilfe der Elektronik sofort registriert. (Quelle)


Zurück zu Schünemanns Forderungen: Entweder ist Schünemann dumm und ignorant, für einen Innenminister meiner Meinung nach gefährlich dumm und ignorant, oder aber es geht bei den irrwitzigen Forderungen von Schünemann nur darum, die allgemeine Akzeptanz für Eingriffe in die Freiheitsrechte der Bürger zu erhöhen. Wenn ein Minister ungestraft fordern kann, dass Bürger in Zukunft Hausurchsuchungen zu befürchten haben, wenn sie Computerspiele spielen, dann wird der Boden dafür bereitet, dass in Zukunft noch ganz andere Dinge gefordert werden können.

Entweder Schünemann erklärt in den nächsten Tagen seinen Rücktritt oder die deutsche Gesellschaft (zumindest aber die niedersächsische) ist bereits vollkommen verblödet, weil sie so jemanden als Innenminister duldet.

Mehr Kommentare aus der Blogosphäre, dem Medium, bei dem sie richtig informiert werden, hat Jens Scholz verlinkt: Deconstructing Uwe Schünemann.

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Montag, 11. Dezember 2006

Gutachter verteidigt Mord mit angeblich tödlicher Wirkung von Computerspiel

Spiegel.de berichtet, dass die Verteidiger eines Jugendlichen, der im Juli in Cottbus einen Obdachlosen misshandelt und getötet hatte, den Hirnforscher Manfred Spitzer als Gutachter geladen haben: Gutachter macht Videospiel für Tötung verantwortlich. Der Spiegel.de-Artikel schlussfolgert:

Der Prozess dürfte der Diskussion um die Wirkung gewalttätiger Computer- und Videospiele neue Nahrung geben. (Quelle)


Nö, das glaube ich nicht. Es mag zwar der Wunsch von Spiegel.de und manchen Politikern sein, aber was im Artikel nur am Rande zum Ausdruck kommt:

Spitzer vertritt eine äußerst radikale Sichtweise in Bezug auf die Wirkung von Medien. Radikal in dem Sinne, dass er mit seiner These ziemlich alleine dasteht und radikal in dem Sinne, wie Computerspiele angeblich wirken sollen. Er geht nämlich von einer direkten, ungefilterten, nicht beeinflussbaren, automatischen Wirkungsweise aus: Das Gehirn würde durch Computerspiele in einer Art deterministisch geformt, dass der Computerspieler anschließend willenlos das gelernte Computerspielverhalten wie ein Roboter auch in der Realität ausüben muss.

Wenigstens erwähnt Spiegel.de noch am Rande, dass anscheinend auch Alkohol im Spiel war. Der angeklagte Jugendliche konnte es anscheinend nur schwer ertragen, zu verlieren. Ein meines Wissens nach bekanntes Anzeichen für ein psychisches Problem. Vor allem bei einem 19-Jährigen.

Manfred Spitzer profiliert sich mit seinen Thesen vom direkten, ungefilterten Medieneinfluss auf die Gehirnstrukturen gerne in den Medien. Seine wissenschaftlichen Kollegen können dieser spektakulären These nur nüchterne und langweilige Fakten entgegensetzen, die besagen, dass der Einfluss von Computerspielen auf das reale Verhalten, wenn überhaupt nur kurzfristig (z.B. in Form von leicht erhöhter Aufgeregtheit nach dem Spielen am Computer) wirksam ist und langfristig nur bei eh bereits gewalttätig eingestellten Menschen einen diffusen negativen Einfluss haben.

Mehr zu Manfred Spitzer und seine Thesen und zum Thema "Killerspiele" überhaupt in meinen älteren Weblog-Einträgen "Expertenstreit um Killerspiele?" und "Medien kontern Killerspiel-Verbotsrufe".

Es ist meines Wissens nach das erste Mal, dass ein Vertreter der Gruppe von Hirnforschern, die die gewagte wissenschaftliche These vertreten, dass der Mensch eigentlich keinen eigenständigen, freien Willen besitze, vor Gericht auftritt und diese These anscheinend teilweise als Entlastung für den Angeklagten anwendet. Mal sehen, wie das Gericht damit umgeht.

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Gefahr für Freiheit: Niedersachsens Innenminister will Razzien bei "Killerspiel"-Spielern

(Via Netzpolitik.org) Uwe Schünemann, Innenminister von Niedersachsen, äußerte in einem Interview bei Stern.de:

[Stern.de:] "Demnächst müssen also alle Spieler mit Razzien zu Hause rechnen?" [Schünemann:] "Natürlich. Diejenigen, die die brutalen, verbotenen Spiele spielen, müssen damit rechnen, dass sie dingfest gemacht werden. Das halte ich auch für richtig." (Quelle)


Ich könnte jetzt kurz auf diese dummdreiste Forderung von Schünemann eingehen und das war's dazu. Und eigentlich hasse ich längere Blog-Artikel. Liest eh kein Mensch. Anders ausgedrückt könnte man sagen: "Ach, der Schünemann..." und das ganze über sich ergehen lassen. Schließlich ist man ja raus aus dem Alter, in dem man noch Computerspiele spielte. Keine Gefahr also für einen persönlich und so weiter.

Doch es wäre einmal ein Artikel fällig, der deutlich macht, was in Deutschland gerade los ist. Hier zumindest ein paar einleitende Gedanken. Ich versuche trotz der Länge keine überflüssigen Worte zu machen.

Schünemanns Äußerungen sind meiner Beobachtung nach leider Teil eines größeren Dingsbums.

Es gibt in Deutschland nämlich einen Kreis an Politikern, Lobbyisten und Medien, der hart und äußerst geschickt daran arbeitet, Freiheitsrechte einzuschränken. Das ist weniger eine Verschwörung als vielmehr ein loser Verbund von Akteuren, die auf verschiedene Art und Weise Profit daraus schlagen wollen, Freiheitsrechte der Bürger auf unterschiedlichen Gebieten einzuschränken.

Wir hätten da zum Beispiel die Lobbyisten der Urheberrechte-Verwerter, die ihr im digitalen Zeitalter veraltetes Konzept, sich über den Verkauf von Kopien von urheberrechtlich geschützten Werken zu finanzieren, durch die Einschränkung von Freiheitsrechten der Bürger retten wollen, statt ihr Geschäftsmodell zu überarbeiten.

Wir hätten da die Sicherheitsbehörden und Geheimdienste, die im Kampf gegen den Terrorismus nach Ende des kalten Krieges genau das Mittel gefunden haben, um sich vor Sparmaßnahmen der Politik zu schützen.

Wir hätten da Politiker, die die Sorgen und Ängste der Bevölkerung aufgreifen und dem Volk einfache, populistische Konzepte anpreisen, die zwar aus Sicht von Experten die Probleme nicht lösen, aber wegen mangelnder Aufklärungsarbeit auf Seiten der Medien dennoch ankommen im Volk, um im Volk als "Macher" und "Problemlöser" auftreten zu können.

Es wird vergessen, dass die Probleme der Urheberrechte-Verwerter andere Urachen haben als "Raubkopierer", dass es andere Lösungen gibt als Massenklagen gegen Verbraucher, dass der kalte Krieg weit gefährlicher und von einer viel größeren Dimension war als der heutige lächerliche Terrorismus von schwachsinnigen Islamisten und dass Maßnahmen zur einfacheren, vollständigen Überwachung der Bevölkerung (Vorratsdatenspeicherung und so weiter) den Terrorismus nicht stoppen und dass das Verbot von "Killerspielen" den Gewalt-Wunsch mancher psychisch kranker Jugendlicher nicht beseitigt.

Es wird vergessen, dass der Kollateralschaden all dieser populistischen Konzepte erheblich ist: Die Freiheitsrechte der Bürger werden - jedes Mal nur ein winziges, aber entscheidendes Stückchen - weiter eingeschränkt.

Die deutsche Gesellschaft wandelt sich gerade. Der paternalistische Staat ist erneut auf dem Vormasch.

Die moderne Technik macht es dabei dem Staat sehr einfach, Überwachungsstrukturen aufzubauen, die:

a) relativ preiswert sind (im Vergleich z.B. zum Anheuern von Massen an informellen Mitarbeitern),
b) sehr effektiv sind, also wirklich sehr gut funktionieren und vollständig überwachen,
c) deren Existenz und Wirken dem normalen Bürger verborgen bleiben.

Sind diese Überwachungsstrukturen erst einmal etabliert, wird es für den Bürger immer schwieriger, sich dem Staat zu widersetzen. Heute fragen sich viele: Warum sollte sich der Bürger dem Staat widersetzen? Ist solch ein Widersacher nicht automatisch ein Krimineller, der etwas zu verbergen hat, der also zu Recht vom Staat überwacht und kontrolliert wird?

Es wird dabei übersehen, dass Überwachung Macht bedeutet. Die Demokratie lebt jedoch von der Aufteilung der Macht auf verschiedene Akteure, um die Macht zu begrenzen. Um also den Bürger zu schützen vor einem Macht-Ungleichgewicht im Staat und damit vor einer Staats-Übermacht, die der Bürger (der eigentliche Staats-Souverän!) selbst nicht mehr kontrollieren kann.

Die moderne Technik mit ihrer sanften, unbemerkten, aber dennoch so einmalig effektiven Überwachung lässt den Bürger nicht bemerken, welche Macht sich da ansammelt bei einigen Akteuren im Staat.

Die moderne Staatsphilosophie lehrt, dass ein Machtungleichgewicht im Staat immer zu einem Missbrauch der Macht führt. Wird also die Ausweitung der Überwachung und die Einschränkung der bürgerlichen Freiheitsrechte nicht beendet oder die Überwacher selbst nicht besser überwacht, schlittert Deutschland irgendwann unweigerlich in eine Situation, in der der Staat den Bürgern entgleitet. Man könnte die Situation in Russland hier durchaus als warnendes Beispiel vor Augen führen, auch wenn die Geschichte Russlands natürlich völlig anders aussieht als die jüngste Geschichte Deutschlands.

Noch sind die von den Politikern beschlossenen Überwachungsgesetze befristet. Noch sind nicht alle Dämme gebrochen. Noch darf nicht jede Firma, die irgendwo im Internet einen Anspruch gegen Privatpersonen durchsetzen will sofort an die Adressdaten der Privatpersonen gelangen, noch werden "nur" die Internetspuren aller Bürger aufgezeichnet und noch nicht die realen Bewegungsprofile auf dem Bürgersteig (sofern zumindest das Handy ausgeschaltet ist) oder die Bewegungsprofile auf den Autobahnen.

Aber die Entwicklung geht genau weiter in diese Richtung: Die Maut auch für PKWs wird disktutiert. Dann fallen vielleicht auch bald via Mautsystem automatisch erzeugte Bewegungsprofile der PKWs an und der Wunsch nach Auswertung dieser Daten, um Terroristen, Kinderschänder, Produktpiraten ("organisierte Kriminalität") und so weiter zu fassen, wächst. Die allgemeine Impressumspflicht für jede deutsche Internetwebsite wird kommen. So wird für den Privatmann die Meinungsfreiheit im Internet risikoreicher (siehe hierzu auch meine Weblog-Einträge: Meinungsfreiheit ist kein deutsches Thema und Schäuble & Co. sind eine Gefahr für die Gesellschaft). Und so weiter. Ein Steinchen wird auf das andere gesetzt.

Und die Medien kriegen diese Entwicklung bislang entweder tatsächlich noch nicht mit oder sie sind aus irgendwelchen Gründen nicht daran interessiert, zumindest überhaupt einmal warnende Stimmen gegen diesen Trend in ausreichendem Maße zu Wort kommen zu lassen. Warum wird über die Vorratsdatenspeicherung kaum diskutiert in den Medien? Warum wurde das Gebahren der Bundesanwaltschaft nicht intensiver diskutiert, die auch nach dem Bekanntwerden, dass die angeblichen Terroristen, die in Frankfurt ein Flugzeug in die Luft sprengen wollten, keine Terroristen waren, weiter daran festhielt, es hätte sich doch um gefährliche Terroristen gehandelt?

Nun will also Uwe Schünemann ein weiteres Steinchen beim Abbau von Freiheitsrechten platzieren. Denn wer Jugendschutz dadurch durchsetzen will, dass er die zu schützenden Kinder und Jugendlichen vor allem mit Wohnungsdurchsuchungen und Razzien bedroht, der will nur einschüchtern, aber nicht helfen. Der hasst die Freiheit. Der hasst es, wenn Menschen Kulturgüter konsumieren, die ihm persönlich nicht genehm sind. Experten schlagen andere Wege vor, um Kinder und Jugendliche zu schützen. Außerdem gibt es bereits Gesetze, die das, was Schünemann da regulieren will, bereits regulieren. Computerspiele, die Gewalt derart verherrlichen, wie Schünemann das im Interview schildert, können bereits heute strafrechtlich verfolgt werden. Schünemann will davon anscheinend nichts wissen. Warum nicht? Warum gibt er sich dermaßen ignorant? Warum hat er es auch hier wieder abgesehen vor allem auf die Freiheitsrechte? Warum dieser erneute Angriff in Form von Hausdurchsuchungs-Drohungen auf einen der letzten Schutzräume des Bürgers vor dem Staat, nämlich seine Wohnung? Bei solch einem im Vergleich zu Themen wie organisierte Kriminalität oder Terrorismus lächerlichen Thema wie "Killerspiele"? Mit welchem Ziel macht Schünemann solche Forderungen? Wozu soll das gut sein? Ist das wirklich nur pure Dummheit auf Seiten von Schünemann?

Eine mögliche Antwort wäre: Schünemanns Forderungen dienen indirekt dazu, das Einschränken der Freiheitsrechte allgemein wiederum ein Stückchen plausibler und akzeptabler zu machen in der Gesellschaft. Der Ruf nach einem Killerspiel-Verbot mit der Androhung von Razzien wäre dann vor allem eines: Den Angriff auf die Freiheitsrechte wiederum ein Stückchen mehr hoffähig zu machen.

Insofern ist die Debatte um ein Killerspiel-Verbot ein weiterer Gradmesser dafür, wie stark in der deutschen Gesellschaft bereits der Glaube verbreitet ist, dass:

1.) Man mit Verboten alles regeln kann.
2.) "Sicherheit" der höchste Wert ist, dem sich alle anderen Werte wie z.B. die Freiheit unterzuordnen haben.
3.) Die Bevormundung der Bürger ein adäquates Mittel ist, um den angeblich höchsten Wert, nämlich die "Sicherheit", zu schützen.


Wenn Schünemann in dem Stern-Interview solche Klöpse wie den oben zitierten äußern kann, ohne dass seine Äußerungen auf massiven Widerstand in der Gesellschaft stoßen, dann hat die Idee der Freiheit in Deutschland bereits mächtigen Schaden erlitten.

Update: Neben obigem "Via"-Link von Netzpolitik.org empfehle ich als zusätzliche Lektüre zum hier Besprochenen auch noch einen Weblog-Eintrag bei "Too Much Cookies": Auf ein Wort: Killerspieldebatte.

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Donnerstag, 30. November 2006

Expertenstreit um Killerspiele?

Wer hat denn nun Recht? Sind Computerspiele schädlich? Gibt es einen Streit zwischen Experten zu dem Thema oder nicht?

Ich habe mir einmal die Diskussion zum Thema angesehen und komme zu folgendem Schluss:

Computerspiele können schädlich sein. Einen Streit zwischen Experten gibt es eigentlich nicht. Was nicht ausschließt, dass es immer einige Forscher gibt, die frech in der Öffentlichkeit auftreten und einige Forschungsergebnisse in ihrer Bedeutung überschätzen. Wenn also zum Beispiel manche Hirnforscher mutig behaupten, dass eine kurzfristige Veränderung des Blutflusses in manchen Hirnregionen während des Computerspielens ein klarer Hinweis dafür sei, dass der betroffene Mensch Moral- und Wertvorstellungen dauerhaft ändern würde und nach genug Zeit am Computer bereitwilliger auch längerfristig aggressiv gegen Mitmenschen auftreten würde. Für solch eine Behauptung gibt es kaum wissenschaftlich fundierte Hinweise. Die in Computertomographen gemessenen Veränderungen der Arbeitsweise des Gehirns beim Computerspielen belegen nur, dass das Gehirn arbeitet. Würde sich da im Gehirn nichts verändern während des Spielens am Computer, wäre es tot. Insofern erstaunen mich solche Forschungsergebnisse überhaupt nicht, obwohl dieser Welt.de-Artikel natürlich brutal suggerieren will, dass die zitierten Forschungsergebnisse langfristige Folgen von Computerspielen aufzeigen würden. Der Artikel ist in seiner Machart also ein Angriff auf die Wahrheit. Aber lassen wir das. Es gibt ja tatsächlich Hirnforscher, die behaupten, dass das Gehirn längerfristig durch Computerspiele verändert wird. Meist beschränkt sich diese Vermutung darauf, dass motorische und sensorische Fähigkeiten trainiert würden. Einige wenige Hirnforscher gehen weiter und behaupten, dass Computerspiele Gehirne so umformen könnten, dass die Spieler eine Gefahr für die Gesellschaft werden könnten (dazu unten mehr). Da Hirnforscher schöne bunte Bilder von Magnetresonanztomographen vorlegen können und diese Maschinen auf Laien sehr beeindruckend aussehen, erlangen solche gewagten Thesen über längerfristige Auswirkungen von Computerspielen auf die Gehirnstruktur häufig große Aufmerksamkeit in den Medien. Magnetresonanztomographen sind jedoch keine Allwissenheits-Maschinen. Die bunten Bilder bedürfen extrem der Interpretation und zeigen für sich genommen erst einmal gar nichts. Bei der Auswertung hängt es also stark davon ab, von welchen Theorien man ausgeht.

Frage 1: Sind Computerspiele also nun schädlich?
Ja, sie können schädlich sein. Besonders, wenn jüngere Kinder ihre Freizeit vor allem nur mit Computerspielen füllen. Dabei kommt es weniger auf die Art der Computerspiele an als auf die Einseitigkeit der Beschäftigung. In diesem Sinne wäre jedoch wahrscheinlich ein übermäßiger Fernsehkonsum ähnlich schädlich, wenn nicht sogar schädlicher. Das, was hier also Schaden verursachen kann, ist die Einseitigkeit. Die Ursache für einseitige Freizeitbeschäftigung liegt weniger bei den Computerspielen an sich, sondern vielleicht an mangelnden Alternativen. Hat das Kind Freunde? Gibt es alternative Spiel- und Sportangebote? Kümmern sich die Eltern um das Kind oder ist den Eltern die Selbstbeschäftigung des Kindes mit Computerspielen willkommen, da sie sich so um das Kind nicht zu kümmern brauchen? Computerspiele können also schädlich sein. So wie jede einseitige Beschäftigung schädlich sein kann. Wer als Kind jeden Tag sieben Stunden lang Fußball spielt, tut sich auch nichts Gutes an. Genauso wie Fußball können Computerspiele jedoch auch förderlich sein. Schon alleine deswegen, weil Computerspiele wahnsinnig unterschiedlich sind. Wer also sagt, dass Computerspiele schädlich sind, muss auch sagen, dass Fußballspielen schädlich ist.

Frage 2: Sind Killerspiele schädlich?
Bleiben wir ruhig mal bei dem umstrittenen Ausdruck "Killerspiele" und verstehen darunter einmal alle Spiele, die virtuelle Gewalt zeigen und zudem Reaktionsschnelligkeit des Spielers erfordern. Die Antwort kann dann lauten: Ja, Killerspiele können schädlich sein. Grund Nummer eins: Siehe Antwort zu Frage 1. Zweiter Grund: Es gibt kurzfristige Auswirkungen. Der Adrenalin- und Testosteronspiegel steigt. Direkt nach dem Killerspiel ist der Spieler aufgeregter und weniger einfühlsam. Außerdem behindern solche aufregenden Tätigkeiten das Setzenlassen von zuvor Gelerntem. Wer also vor dem Killerspiel Vokabeln gelernt hat, wird sie weniger leicht behalten, als wenn er sich nach dem Lernen einer ruhigeren Tätigkeit hingibt. Dritter Grund: Die Moralentwicklung junger Kinder ist noch nicht abgeschlossen. Es könnte sein, dass Computerspiele, in denen exzessives, virtuelles Töten gezeigt wird, Auswirkungen haben auf die Moralvorstellungen solcher Kinder. Deshalb sind solche Spiele ja auch für Kinder bereits heute verboten. Vierter Grund: Manche Hirnforscher meinen, dass das Rumgeklicke am Computer auch bei älteren Menschen im Gehirn langfristig Strukturen verändert und auf diese Weise Verhaltensweisen, die der Spieler am Bildschirm ausübt, trainiert und zweitens diese Verhaltensweisen dann im realen Leben zur Gefahr werden könnten. Wer demnach gut darin ist, mit seiner Computermaus Menschenabbilder auf dem Bildschirm zu treffen, der sei auch gut darin, mit einer realen Waffe in der realen 3D-Umwelt Menschen skrupellos abzuschießen. Hier verbergen sich zwei Behauptungen: Einerseits finde ein Lernen motorischer Fähigkeiten statt, die auf die reale Welt übertragbar sei. Das Mausgeklicke helfe beim Umgang mit einem realen Gewehr. Fragwürdig, wie ich finde. Andererseits könne unser Gehirn nicht wirklich unterscheiden zwischen virtueller und realer Welt. Das virtuelle Töten sei somit auch ein Lerneffekt, der sich beim Verhalten in der realen Welt bemerkbar mache. Auch in realen Situationen würde die Verhaltensweise des Tötens durch diesen Lerneffekt begünstigt. Folge: Leute, die Killerspiele spielen, seien angeblich allgemein bereiter dazu, zu töten. Aus diesem Grund würde die US-Armee auch Computerspiele im Training einsetzen.

Problem: Wissenschaftlich gibt es für diese Aussage kaum Belege. Zumindest keine solchen Belege, die ein solches Durchgreifen des Staates rechtfertigen könnte, wie es zum Beispiel ein Herstellungsverbot bestimmter Computerspiele und das Unterwerfen einer Kultur- und Wirtschaftsbranche unter das Diktat staatlicher Zensur sein würde. Auch wenn zum Beispiel Hirnforscher Manfred Spitzer behauptet, dass Menschen den Wirkungen von Killerspielen hilflos ausgeliefert seien und deshalb eigentlich verboten gehören (Dradio.de: Hirnforscher fordert Extra-Steuer auf "Killerspiele", MP3-Datei des Interviews). Spitzer vermengt in seiner Argumentation jedoch die zweifelsfrei nachgewiesene Wirkung von Medien allgemein (zum Beispiel die Wirkung von Werbung etc.) mit der spezifischen, angenommenen Wirkung, dass Menschen, die Killerspiele spielen, allgemein und langfristig gefährlicher und aggressiver seien. Spitzer zieht aus der Tatsache, dass Menschen in der Lage sind zu lernen, den Schluss, dass Menschen im Grunde genommen total fremdbestimmt seien, dass sie abhängig seien von dem, was auf ihr Gehirn einwirkt. Der Medienpädagogik spricht er dabei jeglichen Sinn ab. Die Interpretation der Welt spielt für Spitzer keine Rolle. Was zähle seien die Reize, die im Gehirn ankommen. Spitzer hat somit ein extrem positivistisches Weltbild: Der Reiz von außen ist alles. Auswahleffekte, dass Menschen also sich gezielt bestimmten Reizen aussetzen oder Reize meiden, sieht er anscheinend nicht. Außerdem ist Spitzer der Meinung, dass man Amokläufe nicht vorhersagen könne. Sie würden einfach so passieren. Er bezeichnet somit zum Beispiel Psychologen, die mit Hilfe des Phänomens des "Leaking" Amokläufer im Vorhinein zu erkennen versuchen (Welt.de: Wie Amokäufer psychologisch erkannt werden können") indirekt eigentlich als Scharlatane. Spitzer gehört also jener kleinen Fraktion von extremen Hirnforschern an, die dem Menschen jeglichen freien Willen absprechen - auf Grundlage eines zweifelhaften Experimentes übrigens, dessen Aussagen inzwischen auch ganz anders interpretiert werden. Warum allerdings bei den Massen an Menschen, die sich täglich diesen "Killerspielen" aussetzen, bislang so wenig passiert ist, kann Spitzer nicht erklären.

Weiter also zum Thema "Killerspiele". Dass die US-Armee Computerspiele einsetzt, hat auch ganz andere Gründe. Zum Beispiel als Werbung oder zum taktischen Training. Und selbst wenn die Vermutung stimmt, dass ein Killerspieler bereitwilliger den Abzug ziehen würde: Er müsste ja erst einmal einen realen Abzug in der Hand halten. Da wäre die Frage interessanter, wie dieser Abzug in seine Hand gelangt ist? Warum hat er eine Waffe in der Hand? Was hat ihn dazu veranlasst, eine Waffe in die Hand zu nehmen? Bleibt man streng bei der Argumentationskette mancher Hirnforscher, können sie diese Frage nicht beantworten, denn in Computerspielen wird nicht die Beschaffung von Waffen trainiert, sondern korrektes und schnelles Zielen und Treffen. Im Computerspiel hat man die Waffe immer schon in der Hand. Wenn also Killerspiele das Töten tatsächlich trainieren, dann nur den letzten Schritt vor dem Ziehen des Abzugs. Alles, was davor passiert ist, bleibt ausgeblendet. Vielleicht wäre unter diesem Gesichtspunkt also ein Verbot des Spielens von Killerspielen sinnvoll - und zwar für Polizisten, damit die nicht zu schnell den Abzug ziehen.

Die Argumentation mancher Hirnforscher greift also zu kurz, wenn sie versuchen jenseits von motorischen Lerneffekten mit den bunten Bildern aus dem Magnetresonanztomographen gesellschaftliche Phänomene erklären zu wollen. Mehr zu diesem Aspekt erfährt man zum Beispiel auch in diesem absolut lesenswerten Interview mit dem amerikanischen Schriftsteller Richard Powers bei Welt.de: Bücher sind genauso gefährlich wie Videospiele. Weitere Stimmen von Experten findet man in den von mir unter "Medien kontern Killerspiel-Verbotsrufe" verlinkten Artikeln.

Psychiater Prof. Lothar AdlerFrage 3: Verursachen Killerspiele Amokläufe?
Wohl kaum. Erhellendes dazu weiß der Psychiater Professor Lothar Adler zu berichten, der sich lange Zeit mit dem Phänomen "Amoklauf" beschäftigt hat. Die TV-Sendung "Kulturzeit" von 3Sat interviewte ihn und erläutert seine Forschungsergebnisse: Ausgetickt und durchgeknall - Gibt es eine psychologische Erklärung für das Phänomen "Amoklauf"? Kurze Antwort auf diese Frage: Ja, die gibt es. Und Computerspiele spielen da keine Rolle.

Jeder möge sich nun selbst ausrechnen, ob es sinnvoll ist, eine ganze Kultursparte wie Computerspiele staatlicher Zensur zu unterwerfen und den Zugang zu manchen dieser Kulturgüter sogar staatlicherseits mündigen, erwachsenen Bürgern zu verbieten. Für Menschen, die täglich mit Waffen zu tun haben, könnte jedoch - so sich die Vermutungen mancher Hirnforscher über mögliche langfristige, motorische Lerneffekte durch Computerspielen bestätigen - ein Verbot des Umgangs mit Killerspielen sinnvoll sein. Für Kinder sind sie längst verboten. Und würde in Computerspielen eine allgemeine Verherrlichung von Gewalt stattfinden, so gibt es dazu auch heute bereits ein Verbot.

Update: Ein Artikel der ZEIT versucht jetzt auch mal wieder etwas Verwirrung zu stiften und stellt weitere Studien von Psychologen vor, die angeblich beweisen, dass Killerspiele allgemein für jeden gefährlich seien: Killerspiele schaden doch.

Leider ist es wie so häufig bei diesen Artikeln, dass die Aussagen der Psychologen vom Journalisten falsch verstanden werden und überschätzt werden in ihrer Tragweite. So kann zum Beispiel die Aussage, dass "sowohl aggressives Verhalten, aggressive Gedanken und Gefühle bei Nutzern gewalttätiger Spiele begünstigt werden" vieles bedeuten. Etwas Ähnliches passiert auch nach dem Anschauen eines Action-Kinofilms. Zielt man wieder auf die langfristigen Folgen ab, muss man wieder genauer fragen, wie alt denn die untersuchten Probanden waren. Waren es Kinder und Jugendliche ist eh davon abzuraten, dass sie stundenlang Killerspiele spielen.
"Außerdem ließ man Menschen im Labor spielen. Eine Gruppe spielte gewalttätige, die andere gewaltfreie Spiele. Nachher verglichen die Psychologen, wie schnell aggressive Gedanken abgerufen wurden und wie stark gewalttätige Gefühle vorhanden waren" berichtet der Artikel weiter. Wieder geht es hier um kurzfristige Verhaltensänderungen. Kein Widerspruch zu dem bisher hier Gesagten.
"Die Ergebnisse der Befragung der Jugendlichen legte nahe, dass je mehr Gewaltspiele ein Jugendlicher über Monate und Jahre hinweg spielte, desto eher in bestimmten Situationen auch aggressiv handelte. Das ließ sich noch Jahre später nachweisen" geht der Artikel weiter. Auch keine neue Erkenntnis. Zu erklären ist dies damit, dass gewaltbereite Personen auch eher aggressiver anmutende Spiele spielen. Sie suchen sich diese Spiele gezielt aus. Was nicht heißt, dass alle, die aggressiv anmutende Spiele spielen, von diesem Aspekt der Spiele - nur von diesem Aspekt - angezogen wurden. Aber wenn eine Gruppe von Menschen gezielt von diesem Aspekt angezogen wird, "verfälscht" das die Statistik. Ein Beispiel: Man nehme einmal an, viele Menschen würden Erdbeeren lieben. Wegen ihres Geschmacks. Nun gibt es aber auch noch eine kleinere Gruppe von Menschen, die Erdbeeren vor allem wegen ihrer roten Farbe lieben. Wenn man anschließend der Frage nachgehen würde, ob Erdbeer-Essen eventuell dazu führt, dass man die Farbe "Rot" liebt, würde man beim Blick auf die Statistik erstaunt feststellen, dass dem wohl so sein müsse. Die Frage von Ursache und Wirkung kann so nicht beantwortet werden, dass die Computerspiele Schuld an aggressivem Verhalten sind. Das gleiche gilt auch für die weiteren Ergebnisdetails, die der Artikel darstellt. Auswahleffekte spielen hier eine große Rolle. Computerspiele haben (besonders für junge Kinder) negative Effekte, sicherlich (siehe oben). Hinzu kommt, dass sie für bestimmte Menschen, die eh schon Probleme haben (Kontaktschwierigkeiten, aggressive Fantasien, verwahrloste Kinder mit einem Mangel an alternativen Freizeitbeschäftigungen etc.) besonders attraktiv sind. Auch die von ZEIT.de vorgestellte Studie sagt also trotz des missverständlichen Artikel-Titels nichts anderes als andere Studien zu dem Thema.

Was ich damit sagen will: Nein, es gibt keinen Expertenstreit über die Wirkungsweise von "Killerspielen". Es gibt nur Journalisten, die die Ergebnisse teilweise einseitig darstellen. Der unbedarfte Leser meint dann, dass die Experten sich überhaupt nicht einig wären über die Wirkungsweise von Computerspielen. Die Folge ist, dass Psychologen und Pädagogen mit ihren Aussagen als beliebig und nicht ernst zu nehmen wahrgenommen werden. Die unsaubere Arbeit mancher Journalisten schadet dem Ansehen dieser beiden Wissenschaften.

Update 2: Anja Habermehl hat bei Medienrauschen.de einige konkurrierende psychologische Theorien zur möglichen Wirkungsweise von Medien auf Erleben und Verhalten aufgezählt: Medien und Gewalt. Dankenswerter Weise unterfüttert sie die Ausführungen auch mit einigen Links zu wissenschaftlichen Texten. Anders als der von mir schon früher verlinkte Artikel in der Süddeutschen Zeitung (Mörderische Medien - Was sagt die Wissenschaft?), der bereits vor einiger Zeit verschiedene psychologische Theorien zum Thema auflistete, enthält sich Anja Habermehl einer abschließenden Bewertung der Theorien. Die Süddeutsche Zeitung kommt zum Schluss, dass heute allgemein die verallgemeinerte, erweiterte sozial-kognitive Lerntheorie nach Bandura als anerkannt gilt. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Forschungsergebnisse, auf die sich andere Theorien stützen, zu integrieren vermag. Die Wirkungen von Medien auf das menschliche Verhalten sind im Detail noch unklar, das stimmt. Was aber auch stimmt, ist, dass die Psychologie - gerade wegen der Theorienvielfalt zum Thema - klar nachweisen kann, dass es keinen eindeutigen Wirkungszusammenhang zwischen Gewalt in Medien und real gezeigter Gewalt gegenüber anderen Menschen gibt. Auch hier wieder möchte ich also den Schluss ziehen, dass es keinen Expertenstreit gibt hinsichtlich der Frage, ob "Killerspiele" automatisch zu Gewalt führen. Und das war das, was ich in diesem Weblog-Eintrag darstellen wollte.

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Dienstag, 21. November 2006

Medien kontern Killerspiel-Verbotsrufe

Es scheint so, dass die Politiker-Clique, die die tragischen Ereignisse in Emsdetten zur eigenen Profilierung verwenden möchte, zumindest in einigen Medien auf aufklärerischen Gegenwind stößt. Die populistische Forderung nach einem Verbot sogenannter "Killerspiele" (Welt.de: Amoklauf: Innenminister will Killerspiele per Gesetz verbieten) zieht jenseits von Bild-"Zeitung" und Co. anscheinend nicht mehr so stark.

Hier einige Artikel, die heute erschienen und sich entweder explizit kritisch mit der Verbotsforderung auseinandersetzen oder die Meinung von Experten denen der Politiker entgegenstellen:

  • Tagesschau.de: "Schule kann die Hölle sein". Ein Interview mit einem Kriminalpsychologen.
  • Ein kritischer Kommentar bei Welt.de: Die unnützen Reflexe überforderter Politiker.
  • Zeit.de mit einem lesenswerten Interview mit einem Pädagogen: "Wir haben die falschen Lehrer". Trotz des Titels wird im Interview längst nicht einseitig die Schuld den Lehrern zugeschoben.
  • Selbst Süddeutsche.de, wo in der Vergangenheit oft haarsträubende Artikel zur Gefahr von Computerspielen oder Computern im Allgemeinen (Computersucht!)erschienen, widmet sich dem Thema dieses Mal streng wissenschaftlich. Vorgestellt werden kurz sämtliche Theorien der Psychologie bezüglich des Einflusses von Medien auf das menschliche Verhalten und Erleben. Keine Bange, der Artikel versucht sich so kurz und verständlich wie möglich zu fassen. Mein Kompliment!: Mörderische Medien - Was sagt die Wissenschaft?
  • Und noch ein Artikel von Süddeutsche.de, in dem Thomas von Treichel von den World Cyber Games kurz etwas über das Computerspiel "Counter-Strike" erzählt (Counter-Strike steht bei den Killerspiel-Verbots-Politikern ganz oben auf der Liste): "Counter-Strike ist nicht realitätsnah"
Soweit heutige Artikel zum Thema. Das hervorragende Weblog "d-frag.de" hatte jedoch schon vor Kurzem einen klasse Artikel geschrieben zum Thema "Killerspiele" und den Verbotsforderungen. Anlass war ein extrem schlecht recherchierter, sehr tendenziöser Beitrag im ZDF-TV-Magazin "Aspekte": Wie Kinder Spaß am Morden finden.

Hier noch einige aussagekräftige Zitate aus den oben verlinkten Artikeln:

Uwe Schünemann (CDU) will mit einer Bundesratsinitiative ein Verbot von Killerspielen erreichen. Ziel sei ein Herstellungs- sowie ein Verbreitungsverbot, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Ein Herstellungsverbot sei zwar schwer umsetzbar, da der Großteil der Baller-Spiele im Ausland programmiert werde.
(Welt.de: Amoklauf: Innenminister will Killerspiele per Gesetz verbieten)

Herstellungsverbot heißt also, dass auch den erwachsenen, mündigen Bürgern der Zugang zu derartigen Computerspielen verwehrt werden soll. Ungeachtet der bestehenden Gesetze, die bereits jetzt z.B. die Verherrlichung von Gewalt unter Strafe stellen, soll laut Schünemann eine staatlich kontrollierte Institution die Zensur von Kulturprodukten ausüben.

Schule kann die Hölle sein. Sie ist ein wichtiger Lebensabschnitt, für den man sein ganzes Leben verantwortlich machen kann. Für Versagen und natürlich auch für Glück. Es ist ein Ort in einer wichtigen Zeit, in der man sich täglich auseinandersetzen muss mit Aggression, Kränkung, Lob, Tadel und auch Mobbing. Man steckt in dieser Zeit unheimlich viel ein, das man auch als Menschenrechtsverletzung bezeichnen könnte.
(Tagesschau.de: "Schule kann die Hölle sein")

Der Ruf nach dem Jugendschutzgesetz bedeutet auch, dass schnell eine schnelle Lösung herbeigesehnt wird, statt sich Gedanken über den Umgang mit den Kindern zu machen.
(Welt.de: Die unnützen Reflexe überforderter Politiker)

Wir machen in zweifacher Hinsicht Druck auf die Kinder und Jugendlichen, und insbesondere die deutsche Schulkultur sondert Kinder mit bürokratischer Kälte aus. Das darf man nicht. Meine jüngste Tochter ist in der vierten Klasse, und da sagen die Kinder schon untereinander: Mit dir spiel ich nicht mehr, du kommst nur auf die Hauptschule. Wir nehmen vielen Jugendlichen den Rest von Zukunftsglauben und damit auch die Grundlage jeder Motivation
(Zeit.de: "Wir haben die falschen Lehrer")

Die Erfahrung und Beobachtung von Gewalt hat, insbesondere nach der weithin akzeptierten Lerntheorie von Bandura, vermutlich eine Wirkung, besonders auf junge Menschen. Und diese Wirkung kann negativ sein. Doch niemand, so sind sich die meisten Wissenschaftler einig, wird allein durch den Konsum von Mediengewalt zum Kriminellen oder gar zum Mörder. Hier spielen andere Faktoren eine wichtigere Rolle, die sich auf die Entwicklung eines Kindes auswirken - beispielsweise reale Gewalt im familiären Umfeld.
(Süddeutsche.de: Mörderische Medien - Was sagt die Wissenschaft?)

Computerspiele sind Werkzeuge zur Kommunikation, nicht zur Feindschaft. Analogien für Counter-Strike liegen eher bei den klassischen Brettspielen als in der Realität.
(Süddeutsche.de: "Counter-Strike ist nicht realitätsnah")

Egal, ob das Gespielte Kinder oder Jugendliche wirklich in ihrer charakterlichen Entwicklung beeinträchtigen könnte. Vom Markt gehört, was Verbrechen zeigt. Um sich der Wirkung auf das Publikum ganz sicher zu sein, flechte man das Wort "vergewaltigt" irgendwo ein. Denn im Gegensatz zu den anderen Beispielen, bei denen der Zweck im Rahmen einer Roman-, Film- oder Spielehandlung schon mal die Mittel heiligt, schließlich hat selbst Robin Hood die Reichen beraubt, um den Armen zu geben, schließlich hat James Bond die Welt mehr als einmal gerettet, indem er den Erzbösewicht tötete, sind Vergewaltigungen durch und durch verabscheuungswürdig. Niemand will einen Vergewaltiger spielen. Und deshalb gibt es, soweit mir bekannt ist, auch keine Spiele, in denen man das könnte [...].
(D-frag.de: Wie Kinder Spaß am Morden finden)

Die Forderung eines Verbotes von Killerspielen hat für mich also folgende Schieflagen:
  • Der noch harmloseste Aspekt ist, dass Computerspiele häufig auf "Killerspiele" reduziert werden. Eine ganze Kulturgattung wird hier schnell geächtet.
  • "Killerspiele" sind häufig gar keine Killerspiele, sondern strategisch, taktische Spiele in etwas martialischerem Gewand.
  • Computerspiele oder Medien verursachen keine Gewalt, können aber die Gewaltbereitschaft erhöhen, sofern der Jugendliche bereits Opfer realer Gewaltstrukturen wurde.
  • Das Schreien nach einem Verbot von Killerspielen lenkt ab von der Beschäftigung mit den wahren Ursachen, nämlich den realen Gewaltstrukturen in Schule und Gesellschaft. Die Schule in ihrer Art so zu ändern, dass sie unterstützend für Schüler und Eltern auftritt und nicht aussortierend und vernichtend, erfordert jedoch vorsichtige und komplizierte Lösungen, die außerdem teuer sind. Das scheint den Killerspiel-Politikern zu aufwändig zu sein.
Gut, dass die Medien anfangen, die Pseudolösungen von Wiefelspütz, Bosbach, Schünemann und Schönbohm zu hinterfragen. Die genannten Politiker fangen an, sich bei dem Thema zu blamieren statt zu profilieren. So soll es sein.

Update: (Via Netzpolitik.org) Auch Spiegel.de bringt jetzt einen ausführlichen Artikel, der den Thesen der Killerspiel-Politiker widerspricht: Egoshooter-Debatte: Rohrkrepierer gegen Ballerspiele

Update 2: Wann schafft die TAZ sich endlich mal 'nen RSS-Feed an? Aber Netzpolitik.org hat aufgepasst. Hier drei weitere Artikel zum Thema. Von der TAZ:Update 3: ZDF.de mit einem ganz brauchbaren Artikel, der zu beschreiben versucht, wie diese angeblich so hoch gefährlichen "Killerspiele" eigentlich im Detail auf dem Bildschirm aussehen und was sie dem Spieler bieten. Beschrieben werden Doom und Counterstrike: Killerspiele - Die üblichen Verdächtigen.

Montag, 20. November 2006

Amoklauf: Wunderbare Gelegenheit für Wiefelspütz, sich in Szene zu setzen

Es ist geradezu eine Verhöhnung der Opfer, wenn nun der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Dieter Wiefelspütz, als Reaktion auf den heutigen Amoklauf in Emsdetten (WDR.de: Schießerei in einer Realschule in Emsdetten) die Ursache des Problems in lächerlichen Computerspielen sieht: Wiefelspütz fordert Verbot von Killerspielen (Netzeitung.de).

Er gibt dabei jedoch selbst zu, dass nicht jeder, der Computerspiele spielt, "automatisch zum Massenmörder wird". Die logische Schlussfolgerung aus dieser Einsicht zieht er jedoch nicht: Nämlich nach den eigentlichen Ursachen von jugendlichen Amokläufen zu suchen, beziehungsweise suchen zu lassen. Seine anschließenden, relativierenden Aussagen (er verwahre sich "gegen blitzschnelle Erklärungsmuster" etc.) wären gar nicht nötig gewesen, wenn er dieses billige Erklärungsmuster nicht selbst erst wieder ins Gespräch gebracht hätte. Für wie dumm hält er eigentlich die Bürger?

Seriöse Politik sieht für mich anders aus. Verantwortungsbewusste Politiker spielen sich nicht auf Kosten eines tragischen Medienereignisses in den Vordergrund mit unausgegorenen Vorschlägen. Seriöse Politik sieht für mich so aus, dass man in solchen Fällen zunächst Experten fragt, in diesem Fall also wohl Pädagogen und Psychologen. Dass man sich erst schlau macht, statt sein eigenes Unwissen in Form von vulgärer Küchenpsychologie den Journalisten als Agenda aufzutischen.

Kurz gesagt: Millionen Menschen spielen Counterstrike. Wieviele Amokläufe gibt es? Die Grünen kritisieren dementsprechend, dass Computerspiele immer so schnell als wohlfeile Erklärung solcher Tragödien herangezogen werden:

Bettin und Gehring kritisierten, Computerspiele würden immer dann als Sündenbock herangezogen, wenn die Bildungs- und Jugendhilfepolitik der Länder ihr eigenes Versagen kaschieren wolle. Die Wissenschaft habe bisher keine einfache Verbindung zwischen dem Konsum von Killerspielen und kriminellen Handlungen bestätigen können.
(Abacho.de: Grüne lehnen Verbot von Killerspielen ab)

Dass manche Computerspiele sicherlich nicht in die Hände von Kindern gehören, ist keine Frage. Daraus jedoch die Schlussfolgerung zu ziehen, dass sie Ursache solcher Gewalttaten sind, drückt letzendlich trotz aller abwiegelnden, nachgeschobenen Äußerungen von Wiefelspütz aus, dass Wiefelspütz die wahren Ursachen solcher Gewalttaten eben doch nicht wirklich interessieren. Das heißt, dass ihn auch nicht wirklich interessieren kann, ob so etwas wieder passiert. Wenn das also keine Verhöhnung der traumatisierten Opfer ist...