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Freitag, 7. Dezember 2007

Licht-Aktionismus: Auf jeden Fall voll die Klimaretter überall

(Via Telepolis.de) Aktionismus hier, Aktionismus da. Aber weil ich am Samstag nicht in einer kalten Wohnung sitzen möchte (wenn das Stromnetz wegen der "Terror"-Aktion "Licht aus" möglicherweise "tschüss" sagt), finde ich schon deshalb die Aktion "Licht an" circa eintausendmal besser als die Aktion "Licht aus". "Licht an" schreibt:

Nutzen Sie die fünf Minuten, in denen das Licht ausgeschaltet ist, um alte Stromfress­birnen heraus- und klimaschonende Energiespar- lampen hineinzuschrauben. Das erspart der Atmosphäre bei zehn ersetzten 100-Watt-Birnen jedes Jahr 335 kg co2. Und senkt nebenbei Ihre Stromrechnung um 50 - 100 Euro. (Quelle: Wir-Klimaretter.de)


Man hätte vielleicht noch erwähnen können, dass es sinnvoll ist, neben Energiepaarschlampen Energiesparlampen sich auch um andere technische Geräte zu kümmern: Wäschetrockner, alte, energiefressende Fernseher, Röhrencomputermonitore, alte Kühlschränke und alte Waschmaschinen. Ich empfehle jedoch beim Austausch dieser Geräte das Licht angeschaltet zu lassen. Ein Aufenthalt auf der Intensivstation vermiest die persönliche CO2-Bilanz nämlich auch erheblich. Weiterhin sollte man natürlich das allgegenwärtige Standby mittels Mehrfachsteckleisten mit Ausschaltknopf bekämpfen und vor allemst für kleine Wege aufs Auto verzichten. Eine moderne Heizung und Wärmedämmung wären auch nicht schlecht. Aber wem sage ich das? Weiß doch inzwischen jeder.

Und natürlich sollte man - weil man als Privatverbraucher nicht für alles verantwortlich ist - politischen Druck ausüben. Wohin aber mit dem Druck genau? Zur Mitte Deutschlands natürlich, also beispielsweise nach Niederdorla in Thüringen. Denn dort residiert ja jetzt dauerhaft unsere Kanzlerin, wie sie auf dem CDU-Parteitag bekanntgegeben hat.

Und wenn dann am Samstag nüschte passiert mit dem Stromnetz, gibt es eine schöne Ausrede, warum nichts passiert ist: Weil bei "Licht an" mehr mitgemacht haben als bei "Licht aus". Klimaretter sind wir also in jedem Fall. Super.

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Donnerstag, 6. Dezember 2007

Aktion "Licht aus" bedroht Stromnetz - Totalstromausfall befürchtet

Macht nicht mit bei der bescheuerten "Licht-Aus"-Aktion von Greenpeace, BUND und World Wildlife Fund (WWF), unterstützt von der Bild-"Zeitung", dem Fernsehsender Pro7 und Google!

Bei dieser Aktion sollen alle Deutschen am kommenden Samstag zwischen 20 und 20.05 Uhr alle Lichter ausschalten. Auch bei vielen Sehenswürdigkeiten soll die Flutlichtbestrahlung in dieser Zeit ausgeschaltet werden. Als Symbol für... Weniger Licht? Mehr Infrarotnachtsichtgeräte? Mehr umweltschädliche Kerzenbeleuchtung (Kerzen haben eine schlechtere CO2-Bilanz als Stromsparlampen)? Längeres Schlafen? Keine Ahnung. Eine richtige Deppen-Aktion also. Sieht man schon daran, dass die Bild-"Zeitung" mitmacht. Ein untrügliches Zeichen. Eine Aktion "Verstand aus" also.

Die Aktion könnte - wenn mehr als 10 Millionen Haushalte mitmachen - zu einem Zusammenbruch des Stromnetzes in großen Teilen Europas führen, wie jetzt die Kraftwerksbetreiber und unabhängige Wissenschaftler warnen. Welt.de berichtet.

Als Gegenmaßnahme würde ich sogar empfehlen, zwischen 20 und 20.05 Uhr möglichst viele fiese Stromverbraucher anzuschalten. Mal sehen, irgendwo muss ich doch noch einen Radiator haben...

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Mittwoch, 15. August 2007

Manchmal ist die Einsamkeit der beste Gefährte

Der Mensch ist für mich gleichzeitig das interessanteste und das am meisten nervende Etwas, das es gibt auf der Welt. Mal eher das erste, mal eher das zweite, mal beides gleichzeitig. Insofern finde ich es (neben dem täglichen Schutz der eigenen Privatsphäre) für die seelische Gesundheit wichtig, dass es da draußen Plätze gibt, die der Mensch noch nicht besiedelt hat und hoffentlich nie besiedeln wird. Seien es bewusst ausgesparte Naturschutzgebiete oder für den Menschen unattraktive Wüsteneien wie große Teile der Sand- und Steinwüsten oder auch der Antarktis oder gar die Weiten der Ozeane. Ich glaube, der Mensch braucht fürs seelische Gleichgewicht den realen oder auch nur imaginären, vorm inneren Auge erzeugten Blick auf unbewohnte, menschenfreie Gegenden, das Bewusstsein, dass es da etwas gibt, was größer ist als er und nicht von ihm beherrscht wird. Wie eben zum Beispiel eine unberührte, oder zumindest menschenleere Natur. Einfach, um beruhigt festzustellen, dass die manchmal nervenden Mitmenschen oder die hektische, nervende Umwelt nicht alles ist, was es gibt. Eine religiöse oder pseudoreligiöse Überhöhung der "unberührten Natur" (wie beispielsweise in der Romantik) ist dabei gar nicht nötig, um sich in seinen Fantasien an einer unbeherrschten Wildnis zu "ergötzen". Ich fände es beispielsweise enorm irritierend, wenn es schon heute Städte auf dem Mond gäbe, deren Lichter man vielleicht sogar per Fernglas oder mit dem bloßen Auge am Nachthimmel sehen könnte. Dann würde auch der letzte Punkt mehr oder weniger unberührter "Natur", den man beispielsweise abends in einer Großstadt von überall her sehen kann, seine "Unschuld" verloren haben. Stattdessen blinzelten auch von dort auf dieser Scheibe am Himmel die gleichen Stadtlichter zurück, die einen auch rechts und links umgeben.

So finde ich das Gedankenexperiment in dem Buch "Die Welt ohne uns", über das Spiegel.de berichtet, faszinierend: Was geschähe mit der Erde, wenn die Menschheit von heute auf morgen einfach verschwunden wäre?

Gut, das Gedankenexperiment ist ein alter Hut und schon in diversen Science Fiction Filmen und Büchern durchgekaut worden. Aber Alan Weisman, Autor des oben erwähnten Buches, geht der Sache anscheinend wissenschaftlich fundierter auf den Grund.

Die modernen Städte würden schnell verfallen. Das Ruhrgebiet und angrenzende Gebiete beispielsweise würde sich innerhalb weniger Tage zu circa einem Drittel in eine Seeenlandschaft verwandeln, wenn mangels Treibstoff die Pumpen ausfallen, die derzeit die durch den Bergbau weiträumig abgesunkenen Gebiete vom Grundwasser frei halten. New York und anderen Großstädten erginge es ähnlich - nicht wegen Bergbauspätfolgen, sondern wegen des durch U-Bahn- und sonstige Tunnel maroden Untergrundes. Die Niederlande, einige Nordseeinseln und später auch viele Städte an Flussmündungen verschwänden relativ rasch. Viele Haustiere des Menschen würden bald aussterben wie beispielsweise Pferde und manche Rinderarten, weil sie der wilden Konkurrenz auf lange Sicht unterlegen wären oder mit den harscheren Lebensbedingungen auf Dauer nicht klar kämen. Das Pferd starb deshalb bereits einmal aus. In Amerika nämlich, als das Klima sich dort etwas änderte und das Gras nicht mehr so wuchs, wie es das empfindliche Tier brauchte. Am längsten sichtbar auf der Erdoberfläche und im Meer wäre wohl das ganze Plastikzeugs. Aber die unvergänglichsten Artefakte des Menschen dürften die Raumsonden Pioneer 10, Pioneer 11, Voyager 1 und Voyager 2 sein, die alle auf dem Weg raus aus unserem Sonnensystem und rein in die galaktische Unendlichkeit sind. Genau wie die Radiowellen, die Radio und Fernsehen in den letzten Jahrzehnten in den Äther und damit auch in den Weltraum abgestrahlt haben und die sich immer weiter mit Lichtgeschwindigkeit von der Erde entfernen.

Mit am schnellsten verschwunden aus dem Universum wäre nach dem lautlosen Abgang der Menschheit jedoch sicherlich das Internet und mit ihm auch dieses kleine Weblog. Schnüff.

Montag, 7. Mai 2007

Naisbitt: Wenn ein Zukunftsforscher mit der Gegenwart nicht klar kommt

Ein Herr, der sich John Naisbitt nennt und als "Futurologe" bezeichnet wird, redet Stuss: "Gemeinsam gehen wir unter" (FR-Online.de).

Nun könnte man fragen, warum einen dieser Naisbittsche Stuss irgendwie interessieren muss. Weil die Medien ein einwandfreies Talent darin haben, solchen Typen Raum zu geben für ihren Quark. Medien lieben Quark. Das Knäckebrot an Aussagen anerkannter Experten ist ihnen dagegen zu trocken.

Herr Naisbitt soll 1982 die Globalisierung und das Informationszeitalter vorhergesagt haben. Was für eine Leistung! Etwas vorherzusagen, was zu dem Zeitpunkt längst Teil der Gegenwart war. Meine Herren.

Dann wollen wir doch mal sehen, was Herr Naisbitt heute so sagt, dass es die Frankfurter Rundschau erwähnenswert findet. Vielleicht hat Naisbitt ja gelernt und sich bemüht nach seinen Fehlschlägen und Pseudo-Vorhersagen in der Vergangenheit ab sofort bessere Qualität abzuliefern:

[Naisbitt:] Boeing produziert Flugzeuge für Kunden, Airbus ist ein Beschäftigungsprogramm, kein Flugzeughersteller, das ist das Problem dieser Firma. [...]

Falls es [Europa; Anmerkg. von mir] nicht endlich die längst überfälligen Reformen herbeiführt, wird Europa den Pfad des gemeinsamen Untergangs beschreiten. Gemeinsam gehen wir unter, aber solidarisch.

[FR:] Es gab in den letzten Jahren viele Reformen - alle zugunsten der Wirtschaft.

[Naisbitt:] Viele! Hören Sie doch auf! Das war doch gar nichts. Meine Erfahrung ist, dass die Europäer die Wichtigkeit des Wettbewerbs nicht anerkennen, ihn ablehnen. Es geht um die Wahl Fairness oder Freiheit. [...]

Deutschland hat eine Geburtenrate von 1,3 Prozent, 2,1 Prozent sind notwendig, damit die Bevölkerungszahl stabil bleibt. Die Zahl der Immigranten, die diesen Verlust kompensieren könnten, wird stark begrenzt. Wenn es so weiter geht, wird die europäische Bevölkerung in zwei Generationen um die Hälfte geschrumpft sein. Die Wirtschaftsleistung wird entsprechend zurückgehen. [...]

Ich bin ziemlich skeptisch, was man daraus schließt, dass sich unser Planet in den letzten 100 Jahren um etwa einen halben Grad Celsius erwärmt hat. Es ist einfach lächerlich zu behaupten, dass diese Erwärmung immer schneller geschehe und so hochzurechnen, dass der steigende Meeresspiegel New York und Shanghai ausradieren werde. Das Ganze gleicht einer Religion. (Quelle)


Leider fragte die Frankfurter Rundschau nicht nach, wieso Airbus dann so erfolgreich ist, wieso Freiheit und Fairness sich ausschließen sollen (sehr interessantes Gegensatzpaar, wirklich... Freiheit wäre also unfair... also ungerecht... Gerechtigkeit und Freiheit als Gegensatz...?), oder warum die Anzahl von Menschen in einem Land einen Einfluss hat auf die Wirtschaftsleistung oder andersherum, warum die absolute Wirtschaftsleistung eines Landes im internationalen Vergleich eine Rolle spielen soll, wenn die Wirtschaftsleistung pro Einwohner gleich bliebe? Die Einwohnerzahl alleine sagt bekanntlich gar nichts aus, sonst wären die Schweizer oder gar die Luxemburger arme Schlucker. Na ja, und die Sache mit dem Klimawandel... von einem Herrn Naisbitt darf man nicht erwarten, dass er versteht, was Wissenschaft ist und was sie nicht ist und wie wissenschaftliche Bewertungen zustande kommen.

Von einem Affen, dem man Malfarben und ein Blatt Papier hinhält, darf man eben auch nicht erwarten, einen Picasso geliefert zu bekommen.

Die größte Frage, die dieses Interview also aufwirft, ist, warum jemand einen Mann namens Naisbitt interviewt. Halt, nein, das ist nur die zweitgrößte Frage. Die wirklich größte Frage ist, warum man so einen Schwachsinn dann auch noch seinen Lesern zumutet. Aus Hass den Lesern gegenüber? Aber warum? Was haben wir der Frankfurter Rundschau getan? Ich verwende sie nicht als Klopapier, denke jeden Abend mit zärlichen Gedanken an sie, könnte sie jedem Obdachlosen als warme, polsternde Unterlage und Zudecke empfehlen... Warum also wird man zugemüllt mit so einem Ochsenmist?

Dann doch lieber Interviews mit Knut, dem Eisbären. Der sagt zwar auch nichts Intelligenteres, sieht dabei aber besser aus.

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Freitag, 23. März 2007

Sigmar Gabriel im Freigehege

Ausgestopfter Eisbär mit gefletschten ZähnenBundesumweltminister Sigmar Gabriel verzichtete heute auf die Teilnahme an der Parlamentssitzung im Bundestag und stellte sich in Begleitung eines kleinen Eisbären namens Knut stattdessen in einem Zoo in ein Freigehege. 500 Journalisten und TV-Kameras aus aller Welt verfolgten den bedeutenden Auftritt von Knut und Gabriel. Ist ja auch wirklich süß anzuschauen, unser Sigmar. Nur der Sender "Phoenix" blieb weiter stur bei seiner Live-Berichterstattung aus dem Bundestag statt rüberzuschalten. Ignoranten halt.

Im Rahmen seines spektakulären Auftritts verkündete Sigmar Gabriel auch, dass Knut ein Symbol für die Probleme sei, die der Klimawandel mit sich bringe: Auch das Klima würde sich wie ein von seiner Mutter verlassener Eisbär fühlen, nämlich traurig. Bis dann Gabriel kam und die Patenschaft übernahm.

Ach, äh, so war Gabriels Vergleich von Knut und Klima nicht gemeint? Ah, jetzt hab ich es: Heute ist der Eisbär Knut noch klein und harmlos. So harmlos, dass er nicht einmal den Bundesumweltminister, der neben ihm im Gehege dumm rumsteht, anfällt oder auch nur anknurrt. Das will schon was heißen. Knut ist somit genauso harmlos wie es heute auch noch der Klimawandel ist.

Ganz anders wird dies jedoch in wenigen Jahren sein. Da wird der dann nicht mehr so kleine Knut alles andere als harmlos sein. Genau wie der Klimawandel.

Die Frage bleibt, ob unser umtriebiger Sigmar Gabriel dies dann auch wieder mit ähnlich persönlichem Einsatz wie heute, sprich einem Besuch im Gehege von Knut, anschaulich vorführen wird.

Copyright-Hinweis: Die Rechte an obigem Foto besitzt "ambergris". Das Foto unterliegt einer Creative-Commons-Lizenz.

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Freitag, 2. Februar 2007

Welt.de: Klimaforschung ist reine Glaubenssache

Die Tageszeitung "Die Welt" ist eine enorm kritische Zeitung. Und wenn auch die ganze Menschheit jenseits der Firma Exxon Mobil an einen menschengemachten Klimawandel glaubt, so bleibt "Die Welt" standhaft.

Der standhaft daherkommende Standpunkt dieses Welt.de-Artikels scheint nämlich zu sein: Man müsse doch bitte schön einmal fragen dürfen! Man müsse doch bitte schön auch einmal diese ganze Klimawandel-Hysterie skeptisch beäugen dürfen! Die Hetze gegen Kritiker des Klimawandels trage ja geradezu "religiöse" Züge! Und dass nur noch Exxon Mobil nicht an den Klimawandel glaubt, heiße ja bitte schön nicht, dass das Äußern von Zweifeln am Klimawandel verboten sein könne!

Doch. Das heißt es. Zumindest für eine Zeitung, die als seriös rüberkommen will. Welt.de hat also ausgeschissen. Das war es also mit der Seriösität. Dahin. Weg. Denn der oben verlinkte Artikel von Welt.de steht nicht etwa im schon immer sehr kruden und skurrilen Meinungsforum von und bei Welt.de, sondern in der Rubrik "Politik".

Warum Welt.de nicht mehr als seriöses Nachrichtenorgan gelten kann nur wegen eines Artikels, der den Klimawandel anzweifelt? Weil der Artikel unterstellt, dass Wissenschaft gleich Religion sei. Weil der Artikel indirekt darzustellen versucht, dass es in der Wissenschaft nicht um Empirie und die ständige Neu-Überprüfung von Theorien geht, sondern um das Anpreisen von unbeweisbaren Glaubenssätzen und das Zusammenrotten von Wissenschaftler, die anschließend nichts anderes im Sinn hätten als wie ein Mob gegen Kritiker loszugehen.

Denn im Artikel heißt es unter anderem:

Wenn nach Meinung der meisten Klimaforscher die Erderwärmung außer Kontrolle geraten ist, so ist aus Sicht der vielen Millionen Laien die Klimaforschung selbst erst recht außer Kontrolle - naturgemäß. Denn wer von ihnen kann sich schon ein Bild davon machen, ob die Computersimulationen der Experten korrekt laufen, geschweige denn ob sie mit den richtigen Daten gefüttert sind. Abhilfe könnte ein Korrektiv schaffen mit dem offiziell erteilten Arbeitsauftrag, die alarmistischen Szenarien infrage zu stellen. (Quelle)


Dieses Korrektiv, liebe Redakteure bei Welt.de, gibt es schon. Es nennt sich Wissenschaft. Nichts machen Wissenschaftler lieber als die Arbeit ihrer Kollegen kritisch zu bewerten. Denn weist man irgendwo Fehler nach oder korrigiert und erweitert man bestehende Theorien oder sammelt gegensätzliches Datenmaterial und ist dieses stichhaltig, wird man bekannt und berühmt in der Wissenschaft. Anders als im Feuilleton reicht allerdings der reine Widerspruchsgeist in der Wissenschaft nicht aus, um ernst genommen zu werden. Man muss harte Daten liefern und überzeugende Argumentationen und bessere Theorien. So arbeitet die Wissenschaft. In der Wissenschaft wird es glücklicherweise immer Querdenker geben, die an ihren Daten festhalten und von ihrer Theorie überzeugt sind. Aber sie müssen auch ihre Kollegen überzeugen und das geschieht meist erst, wenn Daten wirklich sehr überzeugend sind und in ein umfassendes Erklärungsmodell passen. Der einzelne Wissenschaftler soll ruhig weiter arbeiten an seiner Theorie, die herrschenden Theorien widerspricht, aber man darf von seinen Kollegen nicht erwarten, dass sie ihn nur wegen seiner Starrsinnigkeit ernst nehmen. Zweifel und Zweifler wird es also in der Wissenschaft immer geben. Scharlatane in den Medien und der Wirtschaft und der Politik nutzen dies meist aus, um zu sagen: "Seht ihr! Da gibt es doch noch Kritiker! Also kann die herrschende wissenschaftliche Meinung eventuell falsch sein!" Denen muss man antworten: Sicherheit gibt es in der Wissenschaft nie. Aber anders als Wahrsager können Wissenschaftler die mögliche Fehlergröße ihrer Theorien und Vorhersagen einigermaßen genau beziffern.

Wer also sollte nach Meinung von Welt.de dieses geforderte "Korrektiv" sein? Der Artikel spricht es nicht klar aus, aber man liest es zwischen den Zeilen: Womöglich soll es Exxon Mobil sein. Für Exxon Mobil lässt Welt.de nämlich nicht gelten, was es für die Wissenschaft fordert: Kritik. Kritik an Exxon Mobil sei nämlich nur ein "Vorwurf plumper Lobbypolitik":

Viel ist es nicht, was das American Enterprise Institute (AEI) als Preisgeld ausgelobt hat: 10 000 Dollar soll der Wissenschaftler erhalten, der die apokalyptischen Thesen des IPCC zur Klimaentwicklung widerlegt. Die Tatsache, dass hinter dem AEI der Ölmulti Exxon steht, sollte eigentlich etwas mehr erwarten lassen. Dieser Zusammenhang allerdings war es auch, der - wie zu erwarten - dem Anliegen sogleich den Vorwurf plumper Lobbypolitik einbrachte. (Quelle)


Der Artikel fährt danach fort: "Das mag so abwegig nicht sein, dennoch...". Doch, doch, liebe Welt.de. Das ist absolut abwegig. Es ist tatsächlich leider absolut abwegig, davon auszugehen, dass Exxon Mobil nicht Lobbypolitik betreibt. Das "mag" könnt ihr euch schenken. Und das "dennoch" erst recht... Und der am Ende des Artikels stehende Satz, dass man Exxon die korrektive Arbeit nicht überlassen sollte, klingt dann doch eher so, dass man Exxon nicht die ganze Arbeit machen lassen sollte, Exxon also unter die Arme greifen müsse.

Solch eine Zeitung, die die Wissenschaft derart verfälschend darstellt, ist gefährlich. Nicht, weil die Wissenschaft etwas Hochheiliges ist, was man nicht kritisieren darf, sondern weil eine Zeitung, die die Arbeitsweisen eines für die Gesellschaft nicht unbedeutenden Dinges wie das Ding namens Wissenschaft so verfälschend darstellt, gefährlich ist. Solch einer Zeitung ist schließlich alles zuzutrauen. Solch eine Zeitung schreckt nicht davor zurück, den Leser nach Strich und Faden bei allen sonstigen möglichen Themen zu bescheißen. Das ist es, was mich aufregt.

Denn der Artikel vermengt die Darstellung der Ergebnisse aus der Klimaforschung in den Medien mit der Arbeitsweise innerhalb der Wissenschaft. Ob da nun in den Medien eine Liste mit Forschern zirkuliert, die im Welt.de-Artikel als "Klimaleugner" bezeichnet werden, sollte den betroffenen Forschern relativ schnurz egal sein, wenn sie zu ihren Daten und Theorien stehen. Und ich vermute, dass sie das tun, weil sich ihre Aussagen meines Wissens nach auf andere Bereiche beziehen als die möglichst genaue Vorhersage der Klimaentwicklung der nächsten 100 Jahre. Solche Feinheiten gehen im reißerischen Welt.de-Artikel jedoch unter. Da wird gleich von Mobbing gemutmaßt und vom Abkanzeln von Ketzern innerhalb der Wissenschaft. Wer derart in der Wissenschaft vorgehen würde, der würde schnell an Renomee verlieren. In solch einem Fall würde es ausreichen, einfach die Gegenseite einmal ausführlich zu Wort kommen zu lassen und der Listen-Mobber stände dumm da. Außerdem legt der Welt.de-Artikel nahe, dass von der Politik nur gezielt Forscher gefördert würden, die die Apokalypse des Klimawandels möglichst in schillernden Farben beschreiben. Das Fördersystem der Wissenschaften funktioniert jedoch nicht ganz so plump.

Aber sicherlich wird diese meine Kritik von Welt.de-Autoren wie Ulli Kulke und Co. vermutlich nur verstanden werden als Angriff auf die Meinungsfreiheit. Dabei ist meine Kritik genau das Gegenteil. Denn das bewusste Lügen und Täuschen, das Welt.de mit diesem Artikel betreibt, das ist ein Angriff auf die Meinungsfreiheit. Denn so dämlich können doch selbst Redakteure bei Welt.de nicht sein, dass sie nicht zumindest die absolut grundlegende Arbeitsweise der Wissenschaft begriffen haben. Also kann es sich bei dem Artikel nur um eine bewusste Täuschung und Lüge handeln, die dem Leser einreden will, Wissenschaft sei im Grunde genommen reine Glaubenssache. Es sollte klar sein, dass diese Unterstellung in höchstem Maße anti-aufklärerisch und auch anti-religiös ist, weil die Äußerungen im Welt.de-Artikel auch der Religion und dem Glauben nicht gerecht werden. In der Wissenschaft geht es nämlich um den zivilisierten und mit realen Argumenten (ja, liebe Welt.de-Redakteure, so etwas gibt es - ganz ohne Rabulistik und sonstige Tricks...) ausgefochtenen Streit um die richtige Interpretation von Daten. In Religion und Glaube geht es jedoch um wichtige theologische Aussagen und Offenbarungen Gottes (nicht um Offenbarungen von Menschen oder Wissenschaftlern oder Welt.de-Redakteuren) und nicht darum, ob das Klima sich verändert und ob man daran glauben muss oder sollte oder kann.

Wer dermaßen - so wie dies dieser Welt.de-Artikel tut - Religion mit Wissenschaft gleichsetzt, ist also entweder äußerst ungebildet oder er verwirrt und täuscht seine Leser ganz bewusst, um Zweifel an nach wissenschaftlich bemessenen Maßstäben relativ sicheren Aussagen zum Klimawandel zu säen. Diese Zweifel dienen jedoch nicht mehr der Wahrheitsfindung, sondern der Verwirrung. Wer hier bei dem Thema Klimawandel Verwirrung stiften will und warum, das mag sich jeder selbst an seinen zehn Fingern ausrechnen.

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Montag, 29. Januar 2007

Deutsche Autolobby: Wir stinken und können nicht anders

Warum protestiert die deutsche Auto-Lobby gegen verschärfte EU-Abgasgrenzwerte? Siehe zum Beispiel: Jobverlust durch Klimaschutz? (Zeit.de)

Ich verstehe es nicht!

Was ich verstanden habe: Die deutschen Autos sind zur Zeit noch nicht in der Lage, diese vorgeschlagenen, verschärften Abgasgrenzwerte einzuhalten. Wollen die Autobauer mit ihrem Protest jetzt darstellen, dass sie sich technisch und wissenschaftlich überfordert sehen, Autos zu bauen, die verschärfte Abgaswerte einhalten können? Warum aber können die Franzosen das dann schon lange? Sieht es tatsächlich so schlecht aus mit der Forschung in der deutschen Automobilindustrie? Sind die tatsächlich technisch bereits schon so stark zurück gefallen?

Oder meinen die Autobauer, dass bei verschärften Abgaswerten die deutschen Konsumenten plötzlich keine Autos mehr kaufen möchten? Warum aber kaufen Franzosen weiterhin französische Autos, auch wenn diese bereits anscheinend teilweise die neuen Abgaswerte einhalten können? Warum sollte ein verbessertes Produkt (und ein Auto mit weniger Abgasen ist ja wohl unzweifelhaft ein verbessertes Produkt) nicht im Gegenteil eine größere Kundenzufriedenheit erzeugen?

Wo genau liegt also das Problem der Autolobby? Ich verstehe den Protest der Autolobby gegen die vorgeschlagenen, verschärften EU-Abgasgrenzwerte wirklich nicht! Kann mir jemand weiterhelfen?

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Sonntag, 21. Januar 2007

Exxon Mobil zog die Fäden hinter der Skepsis am menschengemachten Klimawandel

(Via NachDenkSeiten.de) Die Financial Times Deutschland berichtet detailliert über die groß angelegte und langfristig und strategisch geplante Desinformationskampagne von Exxon Mobil, um den menschengemachten Einfluss beim derzeitigen Klimawandel in Frage zu stellen: Wie Exxon die Welt verdunkelt.

"Die entsprechenden Erkenntnisse [über den menschengemachten Einfluss auf den Klimawandel; Anmerkg. von mir] basieren auf Jahrzehnten von Forschungsarbeit und Tausenden von Studien", so der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf, "es ist praktisch undenkbar, dass sie durch einige neue Resultate auf einmal umgestoßen werden könnten." Woher kommt also der Widerwillen, mit der US-Medien, die Öffentlichkeit und die Politik diesen Ergebnissen begegnen?
Die "Union of Concerned Scientists" (UCS), ein renommierter Wissenschaftsverband mit 200.000 Mitgliedern in den USA, hat darauf eine einfache Antwort: Exxon Mobil. (Quelle)


Teilweise mit den gleichen PR-Leuten, die zuvor auch schon versucht hatten, der Öffentlichkeit einzureden, dass Rauchen gesund sei, streute Exxon Mobil durch selbst gegründete pseudo-wissenschaftliche Institute den Zweifel an den Ergebnissen der seriösen Wissenschaftler.

Jede dieser Organisationen publizierte und bewarb massiv die "Studien" der immer gleichen - relativ kleinen - Gruppe von Klimawandelskeptikern: Sallie Balunias, Robert Balling, Patrick Michaelis, John Christy, Ross McKitrick, Frederick Seitz und Willie Soon. (Quelle)


Es ist richtig spaßig, diese Namen mal in Suchmaschinen zu werfen und mit den Namen reichweitenstarker Medien zu verknüpfen und schon sieht man, welchen Einfluss diese kleine Schar von zweifelhaften Wissenschaftlern hatte. Recherche ist eben nicht so das Ding von vielen Journalisten.

Schön wäre es ja, wenn man ab jetzt zumindest die Art und Weise des Vorgehens von Exxon Mobil in jeder Journalisten-Schulklitsche als warnendes Beispiel mit in den Lehrplan aufnehmen würde, denn das Vorgehen von Exxon Mobil zeigt exemplarisch, wie man mit viel Geld jede Wahrheit unters Volk bringen kann. Wer als Journalist nicht kleines Rädchen im Spiel der Großen sein möchte, sollte sich das genau ansehen und versuchen daraus zu lernen, um in seinen eigenen kleinen Artikeln nicht auch noch die Arbeit von PR-Leuten zu unterstützen, die sich für ihre Lügen von den Großen der Welt zuscheißen lassen mit Geld.

Update: Auch LobbyControl berichtete schon kurz über die neuen Erkenntnisse der "Union of Concerned Scientists" über das erst nach und nach deutlich werdende immense Ausmaß des Lobbyeinflusses von Exxon Mobil: Exxon Mobil auf den Spuren von Big Tobacco

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