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Montag, 27. August 2007

Hartz IV und Ernährung: Hasst die große Koalition Kinder?

Was für ein Ziel verfolgt die Politik eigentlich, Kinder aus Hartz-IV-Familien hungern zu lassen, beziehungsweise ungesund ernähren zu lassen? Das geschieht ja nicht aus Versehen. Das Problem ist ja bekannt. Mehr dazu beispielsweise in diesem Artikel des Tagesspiegels (via NachDenkSeiten.de) über die Ergebnisse einer Studie zur Kinderernährung:

Der Gesetzgeber veranschlagt für Nahrung und Getränke bei 14- bis 18-Jährigen 3,42 Euro pro Tag. Selbst wer nur beim Discounter kauft, muss jedoch im Schnitt 4,68 Euro täglich bezahlen, um den Appetit eines Teenagers mit ausgewogener Kost zu stillen, schreiben die Autorinnen der Studie, Mathilde Kersting und Kerstin Clausen. (Quelle: Tagesspiegel.de)


Lösungen wären möglich. Wenn man nicht den Eltern mehr Geld geben will, könnte man ja die betroffenen Kinder auch direkt mit Lebensmitteln versorgen, beispielsweise durch kostenlose Schulspeisungen. Kosten sparen kann auch nicht der Grund sein, warum man Kinder in Deutschland hungern lässt. Die Schäden durch Mangelernährung können bekanntlich ein Leben lang nachwirken mit gesundheitlichen Folgen oder auch dem Abfall schulischer Leistungsfähigkeit. Diese Folgen kämen dem Staat sicherlich um ein Vielfaches teurer als das Geld, was man mehr ausgeben müsste, um eine gesunde Ernährung der Kinder zu gewährleisten.

Was also steckt dahinter? Der einzige Grund, der mir einfällt: Hass. Hat jemand 'ne andere Erklärung?

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Freitag, 6. Juli 2007

Polizei in Angst verbreitet Angst

Polizisten im Einsatz gegen HooligansDie Sendung Kulturzeit von 3Sat berichtet über eine wissenschaftliche Studie über die deutsche Polizei, die Sprengkraft hat: Über die Traumatisierung von Polizisten im Einsatz.

74 Prozent [der Polizisten] werden irgendwann mit einer traumatisierenden Situation konfrontiert. Für fast 30 Prozent von ihnen endet das in einer chronischen Angststörung, einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Das hat die erste, statistisch relevante Studie der Kriminologin Ursula Gasch ergeben. [...] Der Verlauf, der ihm [dem traumatisierten Polizisten] bevorsteht, im Hinblick auf die Verarbeitung einer Posttraumatischen Belastungsstörung, ist der gleiche, wie der Verlauf bei einer vergewaltigten Frau, dem Opfer eines Raubüberfalls, oder dem Soldaten, dessen Kamerad neben ihm selbst zerfetzt wurde. Dann trifft es mich genauso wie den Kameraden in psychischer Hinsicht. Auch das kann mich zerfetzten. (Quelle)


30 Prozent ist eine unglaublich hohe Zahl. Es ist schlicht eine Katastrophe. Angststörungen oder Posttraumatische Belastungsstörungen sind schwere Krankheitsbilder, die das Leben der Betroffenen völlig zerstören können.

Vor Traumatisierung rettet weder die Uniform noch das Wissen auf der richtigen Seite zu stehen. Oft verwechseln Polizisten Traumatisierungen mit Stress und tun das ganze laut den Erkenntnissen von Ursula Gasch als Problem von "Weicheiern" ab. Darüber gesprochen wird innerhalb der Polizei anscheinend nicht. Es soll sogar der Karriere schaden, wenn man solche Probleme offen anspricht. Die Folge: Neben der Beschädigung des eigenen Lebens können gerade auch traumatisierte Polizisten schnell vom Opfer zum Täter werden, weil die Traumatisierungen auch eine sehr erhöhte Aggressionsbereitschaft mit sich bringen können. So können diese Traumatisierungen zur Ursache von Gesetzesverstößen von Polizisten im Einsatz werden.

Die Polizei braucht also vermutlich umfangreiche Hilfe in Form einer besseren Betreuung und Ausbildung und in Form einer besseren Polizeiführung. Aber diese "weichen" Faktoren werden weiterhin vermutlich bei den Verantwortlichen unterschätzt in ihrer Bedeutung.

Copyright-Hinweis: Die Rechte an obigem Foto besitzt "lichtundschatten". Das Foto unterliegt einer Creative-Commons-Lizenz.

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Donnerstag, 21. Juni 2007

Medizinthemen in deutschen Medien: Die reine Prostitution

Zapp vom NDR ist leider das einzige kritische Magazin in Deutschland, dass sich ausführlich mit dem Versagen der deutschen Medien beschäftigt. In der Vergangenheit war das Magazin meiner Meinung nach gegenüber dem eigenen öffentlich-rechtlichen Haus eher zurückhaltend in der Kritik. Vielleicht hat man dies mittlerweile bei Zapp erkannt. Die letzte Ausgabe des Magazins war jedenfalls äußerst sehenswert. Verpasst? Kein Wunder. Die Sendung wird im dritten Programm in der Nacht versteckt. Doch glücklicherweise gibt es die ganze Sendung Wort für Wort nachzulesen im Internet.

Besonders lesenswert: Großer Einfluss - Die Pharma-Industrie in den Medien. Überall, ob bei Sabine Christiansen oder bei Beckmann oder in vielen Zeitungen und Magazinen, platziert die Pharmaindustrie versteckt Lobby-Beiträge. Da werden von den Medien Prominente eingeladen, die öffentlichkeitswirksam an ihrer Krankheit leiden, aber im Hintergrund von der Pharmaindustrie dafür bezahlt werden. Oder Mitglieder vermeintlich unabhängiger Selbsthilfegruppen werden interviewt - dass die Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen wurde von einer Pharmafirma, die darüber Werbung für ein Medikament machen will, wird nicht erwähnt. Der Beispiele sind viele. Und sie machen klar, wie sehr die deutschen Medien von ARD bis FAZ bereits auf dem Strich gelandet sind.

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Samstag, 26. Mai 2007

Für Chancengleichheit im Radsport! Doping für alle!

Es dopen doch eh schon alle? Nein! Eine Gruppe hat man bisher sträflich vernachlässigt und ihnen den Segen von EPO und Co. vorenthalten.

EPO macht leidensfähig, erhöht die Motivation und die Durchhaltekraft. Warum sollen davon nur die Sportler profitieren und diejenigen, die die Sportler indirekt bezahlen, müssen weiter leiden, sich abmühen, sich quälen und die Zähne zusammenbeißen? Ich fordere EPO jetzt auch für alle Zuschauer! Denn wie sollen die Zuschauer dieses Jahr ohne EPO auskommen? Solche Herkules-Kräfte besitzt kein Zuschauer. Nein, das geht nicht. Ohne EPO wird es vermutlich kein Zuschauer schaffen, die Schummel- und Drogenparty "Tour de France" bei den öffentlich-rechtlichen Dealern anzuschauen, ohne nicht nach fünf Minuten angeödet und angeekelt wegzuzappen.

Deswegen: EPO für alle! Alles andere wäre unfair. Und geschäftsschädigend. Also kriminell.

Dass auch die medialen Anpreiser dieses Sports anscheinend nicht ohne Drogeneinnahme Medikamentenunterstützung auskommen und dass es eine mögliche negative Nebenwirkung gibt in Form gesteigerten Für-dumm-Verkaufens anderer, zeigt übrigens dieses Zitat aus oben verlinktem Artikel bei Süddeutsche.de:

Wann der Punkt erreicht sei für das ZDF, aus der Übertragung des Radsports auszusteigen? „Wenn die nächsten Fälle uns auf den Tisch kommen, und zwar nicht nur Einzelfälle, sondern als System.“ Es reicht also immer noch nicht. Dopingexperten wie der Heidelberger Werner Franke warnen da bereits vor neuen Stoffen, die derzeit nicht nachgewiesen werden können. (Quelle)


Aber wie sagt der erwähnte Professor Werner Franke so gerne: Dreck zu Dreck. Insofern passt das schon mit der weiteren Übertragung der Drogenparty durch unsere ach so edlen, öffentlich-rechtlichen Sender.

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Donnerstag, 24. Mai 2007

Erik Zabel warnt vor heutigem Profi-Radsport

Warum gestehen (Ex-)Radprofis ihr Doping? Welche Motivation steckt dahinter? Sicherlich bringt es den Rest in Zugzwang, wenn einer anfängt und auspackt. Denn man kann sich ausmalen, dass dann alle diejenigen, die nicht auspacken, bei jeder Gelegenheit gefragt werden danach, ob sie nicht doch auch gedopt haben. Die Hoffnung ist wohl: Einmal alles auspacken, um danach Ruhe zu haben.

Zumindest aber beim heutigen Geständnis von Erik Zabel wird auch noch ein weiterer möglicher Grund offenbar. Erik Zabel ist weiterhin aktiver Radsportler. Er hat also auch tatsächliche Konsequenzen durch sein Geständnis zu befürchten. Bei ihm wäre ein Schweigen wohl noch am ehesten nachvollziehbar gewesen. Zabel weist jedoch während seines Geständnisses auf seinen Sohn hin, der auch begeisterter Radfahrer ist. Seine Sorge ist wohl, dass sein Sohn auch in dieses ausbeuterische, menschenverachtende Radsport-System hineingeraten könnte. Und Erik Zabel spricht es dann auch in aller Klarheit aus, dass nämlich im heutigen Radsport die Doping-Kontrollen noch genauso lückenhaft seien wie in den 90iger Jahren:

"Ich habe gedopt, weil es ging", sagt Zabel unter Tränen. Im Grunde sei das Kontrollsystem "heute ähnlich lückenhaft". Sein Sohn fahre auch Rad, "und wenn ich ihn sehe, will ich nicht, dass er eine ähnliche Situation vorfindet wie wir." (Quelle)


Gerade diese Lücken jedoch und (was er nicht sagt) die fehlende Aufsicht in den Radsport-Teams (oder die schweigsame Duldung, ja sogar die bewusste Förderung durch den gesetzten Leistungsdruck innerhalb des Teams?) führen zum breiten Doping im Radsport.

Erik Zabels Geständnis ist also gleichzeitig eine Warnung vor dem Radsport, vor dem heutigen Profi-Radsport. Denn dieser habe sich immer noch nicht so verändert und verbessert, dass Doping nicht mehr möglich sei.

Wenn Zabels Einschätzung stimmt - und gerade die Verquickung mit seiner Selbstbezichtigung macht diese Einschätzung meiner Meinung nach glaubhaft - dann sollte die Folgerung daraus klar sein: Jeder, der heute diesen Profi-Radsport in seiner jetzigen Ausprägung und Gestaltung unterstützt, jeder der den heutigen Profi-Radsport hinnimmt und akzeptiert, der macht sich mitschuldig am Doping und somit am Gefährden von Menschenleben.

Wenn ARD und/oder ZDF große Radsportrennen übertragen, dann fließen Gelder aus den Rundfunkgebühren in diesen Sport, dann werden Sponsoren dieses Sportes durch Werbung unterstützt und dann akzeptiert man diesen Sport als etwas Berichtenswertes. Gleichzeitig verdienen natürlich die Sender selbst an diesem Sport. Die ARD sagt jedoch scheinheilig, dass sie leider keinen Einfluss auf den Umgang mit Doping im Radsport habe. Aber sie hat jedoch die Freiheit, schlicht "Nein" zu dieser Art des Radsportes zu sagen, also nicht zu berichten und so diesem gefährlichen Zirkus Geld und Aufmerksamkeit zu entziehen. Das sollte dann langfristig nicht ohne Folgen bleiben für den Radsport. Und sei es nur, dass weniger junge Leute verführt werden, Profi-Radsportler zu werden.

Mal sehen, wieviel unseren TV-Sendern es wert ist, Menschenleben zu schützen, oder ob man ARD und ZDF demnächst schlicht nur noch als die "Drogen-Sender" bezeichnen muss, die von anscheinend total zugedröhnten Vorsitzenden geleitet werden.

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Mittwoch, 23. Mai 2007

Wie abhängig ist die ARD von Beckmann?

(Via Medienrauschen) Etwas Seltsames geht vor. Allesaussersport.de berichtet:

  • In einem Interview in der ARD-Talkshow von Reinhold Beckmann überblendet eine angebliche Tonstörung Sätze des als Interviewgast eingeladenen Ex-Profiradsportlers Bert Dietz.
  • Online ist die Folge dieser Ausgabe der Talk-Show dann auch nicht zu sehen. Angeblich, weil die ARD keine Online-Rechte hätte an der Show. Was seltsam ist, da es für andere Ausgaben der Beckmann-Show ansonsten schon Online-Rechte für die ARD gibt, wie Allesaussersport.de belegt.
  • Wiederholungen der Sendung (beispielsweise auf 3Sat) werden gestrichen.
Ein Leser von Allesaussersport.de hat nun die Tonstörung analysiert und konnte den Störton, der dummerweise nur auf einer einzigen Frequenz rumstörte, herausfiltern. Heraus kam eine gewichtige Anschuldigung des Radsportlers Dietz gegenüber seinem früheren Team-Leiter Godefroot in Bezug aufs Doping. Das Doping interessiert mich hierbei jedoch wenig. Ich persönlich gehe davon aus, dass jede professionelle Sportart durchsetzt ist von Doping. Beim professionellen Sport zählt meiner Meinung nach nur eines: Geld. Die einzigen Werte, die in diesem Wirtschaftszweig zählen, sind die, die auch in jedem anderen Wirtschaftszweig zählen: Nämlich die Werte auf den Banknoten. Olympische Spiele und so weiter? Alles ein einziges Wirtschaftsunternehmen. Mehr nicht. Meine Meinung.

Mich interessiert vielmehr das seltsame Verhalten der ARD in dieser Geschichte. Welche Interessenverflechtungen gibt es zwischen der ARD und dem Wirtschaftszweig "Sport"? Warum lässt man sich solch seltsames Verhalten von Beckmann gefallen? Wie abhängig ist die ARD von den Bedingungen, die ihnen ihre Zulieferer wie Beckmann aufdrücken? Gibt es da etwa die Freiheit für Beckmann und Co., dass sie, statt die ARD, individuell über Wiederholungen jeder einzelnen Sendung entscheiden können? Werden Online-Lizenzen für jede einzelne Sendung auch individuell ausgehandelt? Oder schiebt die ARD dies nur als Grund vor, um das Sendematerial, das Godefroot und die Deutsche Telekom belastet, nicht noch einmal zeigen zu müssen? Warum jedoch sollten sie es nicht noch einmal zeigen wollen? Wie steht es also mit der journalistischen Unabhängigkeit der ARD? Werden so die Rundfunkgebühren gut eingesetzt von der ARD? Anders ausgedrückt: Was heißt es noch, wenn auf einer Sendung "ARD" draufsteht? Wieviel "ARD" ist dann da drin? Hat es überhaupt noch einen Zweck, einen eigenen Sender wie die ARD zu haben, wenn ihr Material alles zu restriktiven Verwertungsbedingungen von Zweit- und Drittproduzenten eingekauft ist? Welche Macht besitzt die ARD über ihr Sendematerial? Wozu braucht es überhaupt noch eine ARD? Warum sollten die Zuschauer ihre Rundfunkgebühren dann nicht direkt an die Shows geben, die sie sehen wollen statt an einen Apparat wie die ARD? Diese Fragen sind meiner Meinung nach wesentlich wichtiger als die - zugegeben tragische - Ausbeutung einzelner Sportler, die dumm genug sind, ihre Gesundheit kaputtmachen zu lassen und sich zu Hampelmännern dieses ausbeuterischen Wirtschaftszweiges namens "Sport" machen zu lassen.

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Dienstag, 8. Mai 2007

Ich warte nur auf den nächsten verhungerten Arbeitslosen

Der vor einigen Wochen in Speyer verhungerte Arbeitslose Sascha K. war also anscheinend psychisch krank, wie aus diesem Bericht der Jungen Welt deutlich wird: Systemfehler mit Todesfolge.

Dem Arbeitslosen waren vom Jobcenter alle Unterstützungleistungen gekürzt worden, weil er seinen Pflichten zur Arbeitssuche nicht nachkam. Bis zum Einsetzen der Hartz-IV-"Reform" unterstand der Mann der Fürsorge durch das Sozialamt und es wurde sich von Seiten der Behörden aktiv um ihn gekümmert. Hartz IV verbot dieses proaktive Kümmern dann.

Ich befürchte, dass Sascha K. nur der erste von vielen noch folgenden Toten sein wird. Jeder Psychiater kennt die Zahlen: Man schätzt beispielsweise, dass circa die Hälfte der depressiv Erkrankten ihre Depressionen nicht ärztlich behandeln lassen. Zum Beispiel, weil sie gar nicht ahnen, dass sie an Depressionen leiden. Depression ist eine Krankheit, die man sich kurz gesagt wie eine Lähmung vorstellen kann. An Depressionen erkrankte Menschen können sich nicht aufraffen, sie schaffen es nicht, den inneren Willensimpuls in Handlungen umzusetzen. Da hilft kein gutes Zureden, kein Auffordern, kein Zwang. Es ist dem Erkrankten genauso unmöglich, aktiv zu werden, wie es einem Querschnittsgelähmten unmöglich ist, auf seinen Beinen im Raum herumzuspazieren.

Ich weiß zwar nicht, ob Sascha K. an Depressionen erkrankt war - andere psychische Krankheiten könnten genauso Ursache seiner Hilfsbedürftigkeit gewesen sein - aber wegen der weiten Verbreitung von depressiven Erkrankungen innerhalb der Bevölkerung (es gibt Schätzungen, dass bis zu 10% der Bevölkerung mit depressiven Störungen zu kämpfen haben) ist es nahezu zwingend, dass in den nächsten Monaten und Jahren weitere Todesfälle auftreten werden, weil derart psychisch Erkrankte häufig nicht in der Lage sein werden, offensiv Hilfe bei den Behörden für sich einzufordern.

Depression kann übrigens jeden erwischen. Eine Krankheit eben. So wie Tuberkulose, Aids, Grippe und so weiter. Die genauen Ursachen von Depressionen sind noch umstritten (mehr Informationen zur Depression zum Beispiel hier). Die Krankheit trifft also nicht etwa vor allem Arme. Sie führt aber häufig zur Verarmung und damit in die Fänge von Hartz-IV. Über die Zeit werden sich also immer mehr an Depression Erkrankte in der gleichen Situation befinden wie Sascha K. Es kann den Top-Manager treffen, die Putzfrau, den Angestellten, den Azubi und Studenten. Hartz-IV kann für diese Menschen zur Todesfalle werden. Besonders gefährdet werden solche Menschen sein, deren soziale Kontakte schon vor der Erkrankung gering und schwach ausgeprägt waren. Und dieses Phänomen der sozialen Vereinsamung betrifft bekanntlich in unserer modernen Gesellschaft ebenfalls alle Schichten. Kennzeichen der Depression ist zudem, dass der Betroffene sich zusätzlich zurückzieht. Es müssen also meist schon Familienangehörige sein oder Leute, mit denen der Depressive schon lange zusammen lebt, damit diese den Erkrankten geradezu gewaltsam dazu drängen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Der Depressive selbst klagt zwar intensiv über sich und seine Situation, ist aber aus eigener Kraft nicht in der Lage, sich aus ihr herauszuarbeiten. Ihm fehlt nicht Einsicht, sondern Kraft.

Psychische Erkrankungen sind in der Öffentlichkeit noch weniger ein Thema als der Tod oder das Sterben oder solche Krankheiten wie Aids. Psychische Erkrankungen sind quasi das Tabu schlechthin. Kein Wunder also, dass man auch bei der Ausgestaltung der Hartz-IV-Reformen dieses Thema anscheinend viel zu wenig berücksichtigt hat.

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Donnerstag, 3. Mai 2007

Tagesschau verfälscht Bericht der Drogenbeauftragten

Die Tagesschau berichtete heute in ihrer 20-Uhr-Ausgabe über den Bericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung. Allerdings grob falsch. Die Tagesschau behauptete nämlich, dass der Alkoholkonsum von deutschen Jugendlichen insgesamt zugenommen habe. Wörtlich: "Immer mehr Jugendliche würden zur Flasche greifen". Das hatte die Drogenbeauftragte jedoch gar nicht behauptet und auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sieht das nicht so:

Der Alkoholkonsum Jugendlicher ist in den letzten Jahren zwar insgesamt zurückgegangen, trotzdem liegt er mit 35,7 Gramm reinem Alkohol pro Woche in der Altersgruppe der 12 bis 17-jährigen im Durchschnitt auf einem hohen Niveau. (Quelle)


Vielmehr hat der Alkoholkonsum von bestimmten Teilen der deutschen Jugend dramatisch zugenommen. Manche Jugendliche trinken plötzlich so viel mehr - gegen den allgemeinen Trend - dass die Zahl von Krankenhauseinlieferungen wegen Alkoholmissbrauchs insgesamt zunahm.

Es ist keine Korinthenkackerei hier genau hinzugucken. Wenn der Alkoholkonsum bestimmter Teile der Jugend gegen den Trend rasant zugenommen hat, dann ist es interessant zu fragen, warum dies geschieht. Aber diese Frage birgt die Gefahr, dass die möglichen Antworten der Regierung nicht gefallen könnten. Ist dies eine Folge der präkeren Situation mancher gesellschaftlicher Schichten? Eine Folge von Hartz-IV zum Beispiel? Ist dies Ausdruck einer zunehmenden Hilflosigkeit und Verzweiflung von bestimmten gesellschaftlichen Kreisen? Ist dies Ausdruck der Chancenungleichheit für bestimmte Teile der deutschen Jugend? Liegen diese Fragen nicht nahe? Anders zum Beispiel als wenn allgemein die Jugend mehr trinken würde?

Der Tagesschau-Bericht mit seiner Falschmeldung, dass "immer mehr Jugendliche zur Flasche greifen" sowie der fehlende Hinweis, dass schon heute der Ausschank von Alkohol an Betrunkene verboten ist, stützt die Forderung der Union nach härteren Gesetzen. Wie sollen diese jedoch schon heute illegales Verhalten verhindern helfen?

Es ist der alte Trick mancher Politiker: Gesellschaftliche Missstände sollen durch einfach zu zimmernde, aber wirkungslose Placebo-Gesetze aus der Welt geschafft werden statt durch eine genaue Prüfung ihrer Ursachen und eine wirkungsvolle und breite Bekämpfung dieser Ursachen oder zumindest durch intensivere Kontrolle (Achtung: personalintensiv und damit teuer!) der Befolgung bestehender Gesetze. Schade, dass die Tagesschau sich einspannen lässt in dieses Spiel mancher Politiker.

Oder wenn schon neue Gesetze, dann bitte wirklich wirkungsvolle. Wie wäre es also mit einem generellen Verbot des Verkaufs von Akohol (auch an Erwachsene) an Orten, an denen auch Jugendliche Zutritt haben? Also ein Alkoholverkaufsverbot beispielsweise für Supermärkte oder Kiosk-Läden? Alkohol dürfte dann allgemein nur noch in Geschäften oder Gastwirtschaften verkauft werden, zu denen nur Erwachsene Zutritt haben. Das könnte vielleicht den Zugang Jugendlicher zu Alkohol erschweren. Aber ich vermute, dass kein deutscher Politiker in der Lage ist, sich dem dann zu erwartenden Protest der Wirtschaft entgegen zu stellen.

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Samstag, 21. April 2007

Desinformation zur Pflegeversicherung: "Info-Radio" fällt auf INSM rein

Kennt Ihr das auch, wenn Freunde oder Verwandte einem nach dem Einkauf vor allem erzählen, wie toll doch der Verkäufer gewesen ist? Wie freundlich, wie zuvorkommend, wie informiert, wie ehrlich und wie bemüht und wie er einem geholfen hat, genau das Richtige zu finden?

Die Enttäuschung ist dann meist groß, wenn ich kurz angebunden nach einer kurzen Internet-Recherche darauf hinweise, dass man das gleiche Teil da und dort 40% billiger bekommen hätte, dass das Teil leider nicht all die Funktionen hat, von denen der Verkäufer sprach oder dass es sich bei dem Produkt leider um ein Auslaufmodell handelt. Ich bin halt ein Spielverderber.

"Aber der Verkäufer war doch wirklich soooo freundlich und ist wirklich genau auf unsere Wünsche eingegangen!" Tja, hätte man sich erst einmal unabhängig informiert, dann wäre das nicht passiert.

Genau solch einem Verkäufer bin ich heute morgen begegnet. Einem Verkäufer, der solch ein weiches, einschmeichelndes, warmes Timbre hatte, das es einem die Schuhe auszog. Allerdings nicht in einem Geschäft, sondern im Radio. Nein, auch nicht in einer privaten Billig-Radio-Klitsche, die gerade eine Dauerwerbesendung brachte. Es war auch nicht eines dieser unerträglichen Gewinnspiele, das da gerade von einem gehirnbefreiten Moderator angepriesen wurde. Nein, ich hatte das Info-Radio vom RBB angeschaltet und bei dem Verkaufsgespräch ging es auch nicht um die üblichen 50-Cent-Beträge für ein SMS-Gewinnspiel, sondern es ging um Milliarden von Euro. Der Mann, der da dem Radiohörer ein Produkt verkaufen wollte, das mehrere Milliarden Euro kostet, dieses bewundernswerte Verkaufsgenie also, war natürlich so schlau, diesen teuren Preis mit keinem Wort zu erwähnen. Stattdessen wickelte er die Moderatorin des RBB so um den Finger, dass sie sprachlos und atemlos war wegen der Aufopferungsbereitschaft dieses Mannes, der da ein Produkt zu verkaufen versuchte, dass dem deutschen Volke das Heil bringen würde. Es gab somit auch keine kritischen Nachfragen von Seiten der Moderatorin. Im Gegenteil. Am Ende des Verkaufsgespräches durfte der Verkäufer sogar noch etwas aus seinem Leben erzählen und - gaaaaanz bescheiden - darstellen, wie er dazu kam, als Heilsbringer unters Volk zu gehen, um derat gute Taten zu vollbringen und das Volk mit seinen Produkten und Ideen zu versorgen.

Bei diesem Heilsbringer handelte es sich um Herrn Professor Rürup. Auch bekannt aus der vormaligen "Rürup-Kommission". Große Teile seines Gehaltes bezieht der Herr Professor von der deutschen Versicherungswirtschaft (dies wurde jedoch nicht von der Moderatöse erwähnt). Und so warb Herr Rürup nun für ein neues Versicherungsprodukt. Genauer gesagt: Die bisherige, staatlich gesteuerte Pflegeversicherung wäre bald am Ende. Man hätte bei ihr nicht die Kosten berücksichtigt, die die angeblich zunehmende Menge von Demenzkranken bald verursachen würde. Deshalb müsse die staatliche Pflegeversicherung nun in die Hände der privaten Versicherungswirtschaft gelegt werden. Denn dann müsste jeder Beitragszahler schon in jungen Jahren enorme Summen einzahlen - nicht mehr an den Staat, sondern an die private Versicherungswirtschaft - damit auf jeden Fall dann im Fall der Demenz später genug Geld zurückgelegt worden sei. So gäbe es nicht die Gefahr wie angeblich beim jetzigen staatlichen System, dass heute eventuell zu wenig Geld zurückgelegt wird für später ansteigende Pflegekosten. Und in der Zwischenzeit könne die private Versicherungswirtschaft mit dem Geld, das vormals der Staat bekam, sich einen runterholen, äh, nein, es in gewinnbringenden Projekten anlegen. Auf dass die private Versicherungswirtschaft sich doof und dösig am deutschen Steuerzahler verdiene.

Gut, die letzten Sätze hatte Rürup so nicht gesagt, aber genau darauf läuft das ganze hinaus.

Die Moderatöse, die anscheinend schon ein bedauernswertes Opfer dieser angeblich zunehmenden Demenz geworden ist, fragte leider nicht nach, wie sicher denn die Prognosen seien, dass die staatlich gesteuerte Pflegeversicherung bald am Ende sei und warum für das Abfedern von steigenden Pflegekosten unbedingt die private Versicherungswirtschaft eingebunden werden müsse. Dafür durfte Rürup dann aber am Ende des Interviews noch darstellen, dass er all seine gemachten Äußerungen nur als selbstloses Werk am deutschen Volke ansieht.

Lieber Leser, wenn Sie also das nächste Mal aus Versehen beim Zappen beim Shopping-Kanal "Info-Radio" vom RBB landen, seien Sie auf der Hut und lassen Sie sich keinen Scheiß andrehen.

Der Auftritt von Rürup ist übrigens anscheinend Teil eines von langer Hand geplanten Raubzuges der privaten Versicherungswirtschaft, die nun nach der "Rentenreform" (Stichwort "Riester-Rente") auch das Geld für die Pflegeversicherung in die Hand bekommen möchte. Mehr dazu darf man bei den NachDenkSeiten.de nachlesen: INSM: Nach der Rente nun auch die kapitalgedeckte Pflegeversicherung.

P.S.: Vielleicht taucht das Rürup-Interview ja noch im RBB-Podcast "Interviews zu aktuellen Themen" oder im RBB-Podcast "Das Wirtschaftsgespräch" auf. Dann kann jeder sich selbst einen Eindruck verschaffen vom bewundernswerten Timbre Rürups und der strunzdummen Dämlichkeit der Moderatorin. Bislang erschien das Interview in diesen Podcasts jedenfalls noch nicht.

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Mittwoch, 11. April 2007

Leidet Schäuble an PTBS?

Nachdem ein gewisser Peter Mühlbauer von Telepolis.de zuerst ein lesenswertes Interview mit Dr. Markos Maragkos über die psychische Störung namens "Posttraumatische Belastungsstörung" (PTBS) geführt hat, versucht Mühlbauer in einem weiteren Artikel zu ergründen, ob unser Bundesinnenminister Schäuble eventuell an PTBS leiden könnte. Als Ausgangsverdacht für seine Vermutung zieht Mühlbauer das Attentat auf Schäuble im Jahr 1990 und Schäubles jüngste Gesetzesvorschläge zur inneren Sicherheit heran.

Mühlbauers Verdacht hört sich für den Laien zunächst bestechend an: Schäuble wird Opfer einer Tat, die tatsächlich bei vielen PTBS zur Folge hat und anschließend scheint Schäuble "hypervigilant" gegenüber Gefahren zu sein:

Schäuble verhält sich auffällig und dieses auffällige Verhalten passt auffallend gut in die Symptomatik der Posttraumatischen Belastungsstörung. Vor allem die Hypervigilanz, die übersteigerte Schreckhaftigkeit, das Wahrnehmen abstrakter Gefahren als konkret und die dementsprechend falsche Interpretation dessen, was geeignet, erforderlich und angemessen ist. (Quelle)


Diese Deutung geht jedoch fehl. Die bei der PTBS gemeinten Verhaltensänderungen betreffen konkrete, situationsbedingte, reale körperliche Reaktionen und Verhaltensweisen. Abstrakte kognitive Arbeit, somit auch Gesetzesvorschläge, sind kaum als Folge einer PTBS in irgendeiner Weise sinnvoll zuzuordnen und werden höchstwahrscheinlich nicht in derartiger Weise durch eine PTBS verursacht. Das Verhalten (sei es emotional, kognitiv oder körperlich), das duch eine PTBS verursacht wird, zeichnet sich gerade dadurch aus, dass es unmittelbar und unkontrollierbar für den Betroffenen auftaucht. Mit der "Hypervigilanz", die Mühlbauer anführt, ist beispielsweise eher eine körperlich-psychische Reaktion auf konkrete Reize hin gemeint als eine allgemeine, abstrakte Werte-Einstellung. Hypervigilanz meint also nicht etwa den Wunsch nach mehr Überwachung, sondern eine erhöhte Schreckhaftigkeit oder eine allgemein erhöhte körperlich-emotionale Angespanntheit - im Gegensatz zum Beispiel zu einer Mattheit oder Schläfrigkeit. Soweit ich weiß braucht das Erarbeiten einer Gesetzesvorlage jedoch einige Zeit und erfordert viele Gespräche und Abstimmungsarbeit mit Kollegen. Gesetzesvorlagen sind also das Ergebnis langer, harter, konzentrierter, abstrakter und vor allem kontrollierter kognitiver Tätigkeit. Die Symptome einer PTBS dagegen sind durch den Betroffenen nicht kontrollierbar, an konkreten Verhaltensweisen und konkreten Auslösern festzumachen und eher emotional-körperlicher Natur.

Es mag sein, dass Mühlbauer einfach nach (zu) kurzem Studium der Symptome einer PTBS einen dummen Schnellschuss in Form seines zweiten Artikels abgegeben hat ohne nachzudenken (es hat halt seinen Grund, warum die Diagnose psychischer Störungen normalerweise von Fachleuten durchgeführt wird). Es könnte aber auch sein, dass sein Artikel gewollt Schäuble ans Bein pinkeln wollte mit seiner "Diagnose" einer PTBS.

Wie in diesem Weblog hier sicherlich deutlich wird, halte ich von den Plänen Schäubles nicht nur nichts, sondern halte sie sogar für gefährlich für unseren freiheitlichen Rechtsstaat. Allerdings tut man niemandem einen Gefallen damit, Schäuble abseits einer politischen Auseinandersetzung mit seinen Plänen, auf einer sehr persönlichen Ebene angreifen zu wollen. Es schadet der politischen Diskussion, weil es von ihr ablenkt und Nebenkriegsschauplätze eröffnet, auf denen der Gegner nur gewinnen kann. Und außerdem diskriminiert Mühlbauer mit seinem Vorgehen psychisch Kranke. Ich zumindest sehe die Gefahr, dass die ungerechtfertigten Vermutungen in Richtung Schäuble allgemein psychisch kranke Menschen als "gefährlich" stigmatisieren könnten.

Update: Hier noch ein lesenswerter offener Brief von Christiane Link an den Telepolis-Chefredakteur Florian Rötzer. Christiane Link stellt dar, dass der Text von Mühlbauer auch Querschnittsgelähmte diskriminiert:

Da schafft es Ihr Redakteur nicht, die Politik Schäubles zu kritisieren ohne auf seine Behinderung abzuheben. Er konstruiert 17 Jahre nach dem Attentat eine psychische Erkrankung, für die er keine Belege hat. Er schließt sogar von einem der dümmsten Vorurteile über Querschnittgelähmte (hat keine Sexualität) auf Schäubles Geisteszustand. Er schreibt über die Lebensqualität Schäubles, wie einschneidend die Veränderung von einem Leben ohne und mit Behinderung ist etc. ohne wirkliche Kompetenz. Und der ganze Artikel wird noch getoppt mit einem Bild von einem Rollstuhl, wie ihn sich nicht behinderte Menschen vorstellen, der aber nichts mit den Rollstühlen zu tun hat, die in zivilisierten Ländern von aktiven behinderten Menschen wie Wolfgang Schäuble genutzt werden. [...] Egal was ein Mensch mit Behinderung macht, es wird immer auf seine Behinderung zurück geführt. (Quelle)


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Freitag, 30. März 2007

Menschenrechtler: China tötet gezielt Häftlinge für Organhandel

Die "Initiative Nachrichtenaufklärung" hatte (wie hier schon einmal erwähnt) das Thema auf ihrer jährlichen Top-10-Liste der in den deutschen Medien am meisten vernachlässigten Themen auf Platz 2 gestellt: Chinas unmenschliche Haftbedingungen und Organhandel mit Organen von Häftlingen.

Jetzt berichtet zumindest Welt.de über den Besuch von David Matas und David Kilgour, zweier Menschenrechtler, in Deutschland, die den Skandal akribisch recherchiert haben: Zwei Kanadier bezichtigen China des Mordes.

Darin:

Die Vielzahl der Faktoren und ihre Kombination untereinander ergeben ein Gesamtbild, das die Anschuldigungen nur als wahr erscheinen lassen kann, schlussfolgern sie [David Matas und David Kilgour; Anmerkg. von mir]. Anhänger der Bewegung Falun Gong, die in China 1999 als "bösartige Sekte" verboten wurde, werden "im Verlauf einer Operation oder unmittelbar danach getötet". Im Klartext: Mord in Form von Organentnahme. "Oft genug sind wir selbst ungläubig und entsetzt vor den Ergebnissen unserer Untersuchungen zurückgewichen", sagt Kilgour. (Quelle)


Es geht hier nicht um einige wenige Fälle, exotische Ausnahmen. Nein, das passiert im großen Stil und bislang trotz offiziellem Verbot unbehelligt von den chinesischen Behörden. Man kann sogar als Ausländer einfach bei einem chinesischen Krankenhaus vorstellig werden und bekommt die Lieferung frischer Organe gegen Bargeld jederzeit zugesichert. Es scheint so zu sein, dass China so auf Bestellung gezielt Hunderte wenn nicht Tausende von Häftlingen während der und durch die Organentnahme tötet. Die Häftlinge scheinen zudem nicht etwa Schwerverbrecher zu sein, die eine Todesstrafe "verdient" hätten, sondern schlicht meist Anhänger der Falun Gong Sekte.

Natürlich werden die Menschenrechtler in Deutschland auf keinerlei Reaktionen bei unseren hochgestellten Politikern stoßen. Und natürlich werden die deutschen Medien nicht weiter darüber berichten. Genauso wenig wie sie dieses Jahr die Initiative Nachrichtenaufklärung erwähnt haben.

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Sonntag, 11. Februar 2007

Rätsel Autismus

Seit kurzem zirkuliert ein wirklich sehr interessantes YouTube-Video einer Autistin in der internationalen und nun auch deutschen Blogosphäre: In My Language.

"Silentmiaow", wie die Autistin sich nennt, führt in dem Video vor, wie sie mit ihrer Umwelt in ihrer "natürlichen Sprache", wie sie es nennt, kommuniziert. Sie interagiert mit diversen Gegenständen, bewegt sie, betastet sie, riecht an ihnen, entlockt ihnen Geräusche und lässt sich faszinieren von den verschiedenen Sinneseindrücken, die die Umwelt für sie bereithält. Dazu summt sie leise vor sich hin. Für Außenstehende ein äußerst befremdliches Verhalten.

Autisten verhalten sich häufig so und erscheinen nicht fähig, mit einem zu kommunizieren. Sie scheinen nicht auf Ansprache zu reagieren. Sie scheinen in einer abgekapselten Welt zu leben. Vor allem Eltern autistischer Kinder leiden enorm darunter. Medizin und Psychologie versuchten und versuchen weiterhin, die "Mauer", die den Autisten zu umgeben scheint, zu durchbrechen. Mit den unterschiedlichsten Therapieansätzen und auch mit Medikamenten. Mit manchmal mehr, manchmal weniger Erfolg und manchmal anscheinend verheerender Wirkung für die Psyche der Autisten.

Im zweiten Teil des Videos erklärt Silentmiaow dann mit Hilfe eines Sprachcomputers, was ihre Bewegungen und ihr Gesumme im Video soll. Sie schildert eloquent, dass das ihre Art ist, mit ihrer Umwelt umzugehen, mit ihr zu interagieren, dass die Dinge und Sinneseindrücke sie einfach faszinieren würden und dies ihre Art sei mit diesen Sinneseindrücken zu befassen und die Sinneseindrücke zu lenken und auszukosten oder zu verstehen. Dank des Sprachcomputers ist sie also in der Lage, sich auch "ganz normal" zu unterhalten. Man versteht, dass Silentmiaow kein "Freak" ist. Dass sie intelligent ist.

Bei vielen scheint dieses Video deshalb "wie eine Bombe" eingeschlagen zu haben. Man sieht das an den unfassbar vielen Kommentaren auf Youtube zu ihrem Video. Viele schreiben, dass es ihnen die Augen geöffnet habe, dass Autisten ja gar nicht "dumm" seien oder unfähig zu kommunizieren.

Silentmiaow ist Teil einer neuen Bewegung von Autisten, die gesellschaftlich aktiv ist um darzustellen, dass ihre Art des Fühlens, Denkens und der Interaktion mit ihrer Umwelt nicht krankhaft ist und geheilt werden müsse, sondern einfach nur andersartig sei.

In einem langen Kommentar bei Metafilter.com erläutert Silentmiaow auch eine aktuelle wissenschaftliche Theorie zum Autismus (Enhanced Perceptual Functioning in Autism von
Professor Laurent Mottron, et al.). Die Theorie von Mottron und anderen geht davon aus, dass Autisten in der Lage sind, die Umwelt direkter wahrzunehmen als wir "normalen" Menschen. Normalerweise filtert unser Gehirn automatisch all die vielen Sinneseindrücke heraus, die von den Sinnesorganen ans Gehirn geschickt werden. So können wir uns zum Beispiel auf einer Party trotz des Hintergrundlärms auf ein Gespräch mit unserem Gegenüber konzentrieren. Wird jedoch irgendwo unser Name gerufen, schrecken wir plötzlich auf. Was beweist, dass die Sinneseindrücke, hier also der ganze Krach im Raum, eben nicht einfach weg sind, sondern im Gehirn ankommen und auch verarbeitet werden, aber vom Gehirn vor unserem Bewusstsein verborgen werden, bis ein relevanter Reiz auftaucht. Man vermutet nun, dass bei Autisten dieser Filter nicht oder anders funktioniert oder Autisten den Filter direkter beeinflussen können als wir Nicht-Autisten.

Weitere Informationen über den Kampf der Autisten gegen den gesellschaftlichen Zwang, sich ändern und mit Hilfe von Therapien oder Medikamenten an die Mehrheit anpassen zu müssen, erhält man auch in einer absolut exzellenten Folge der Radiosendung "Quirks & Quarks" vom kanadischen Sender CBC, in der die Arbeit von Mottron und der Autistin Michelle Dawson dargestellt wird: Rethinking Autism. "Quirks & Quarks" ist eine Wissenschaftssendung. Jede Woche werden entweder Zuschauerfragen beantwortet oder Forscher direkt zu neuen, interessanten Forschungsergebnissen interviewt. Wie sich das für einen ordentlichen Sender gehört, gibt es die Folgen zum Autismus auch Wochen nach der Ausstrahlung noch herunterzuladen als MP3-Datei und als OGG-Datei. Und natürlich gibt es die ganze Sendung "Quirks & Quarks" auch als wöchentlichen Podcast. Es ist einer der vier, fünf Podcasts, die ich regelmäßig anhöre, auf die ich sogar jede Woche hinfiebere. Absolut empfehlenswert und um vieles besser (informativer und unterhaltender) gemacht, als das, was man zu wissenschaftlichen Themen so in deutschen Medien findet.

Die oben verlinkte Folge von Quirks & Quarks wurde übrigens anschließend heftig kritisiert und angegriffen. Ein paar der Hörer-Reaktionen las Quirks & Quarks dann in der nachfolgenden Sendung vor (MP3, Ogg).

Ich bin auf dem Gebiet des Autismus kein Fachmann und kann nicht sagen, ob die Theorien, die Mottron et al. verfolgen, inzwischen breite Anerkennung in Fachkreisen gefunden haben. Auf jeden Fall ist "Autismus" ein großes Thema in den USA - bislang eher hinsichtlich der Frage, welches denn nun die richtigen Therapieansätze seien. Dass die Stimme von Betroffenen selber, die sich gegen die Therapie-"Wut" wehren, in der gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskussion über Autismus wahrgenommen wird, scheint jedoch relativ neu zu sein.

Kritische Stimmen (vor allem von Eltern von autistischen Kindern) gegenüber diesen Ansichten von Betroffenen merken jedoch an, dass "Autismus" ein so breitgefächertes "Störungs"-Bild sei, dass die Aussagen von Mottron und anderen nur für bestimmte "milde" Autismus-Formen zutreffend sein könnten, dass es jedoch weitere Formen des Autismus geben würde, die unbedingt der Behandlung bedürften.

Weitere Informationen zu und von den Betroffenen selber:

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Freitag, 12. Januar 2007

Schlechte Usability als Risikofaktor

(Via Wortfeld.de) Schönes kleines Stück in der ZEIT zum Thema Benutzerfreundlichkeit, beziehungsweise deren Fehlen: Nix funktioniert:

"Sie haben neue Nachrichten erhalten. Möchten Sie diese jetzt lesen?" Urplötzlich legt sich das kleine Hinweisfenster über das Schriftbild. Noch tippen die Finger weiter in die Tasten, doch längst erscheinen keine Buchstaben mehr auf dem Bildschirm. Der Gedanke reißt ab. Also "ja" anklicken. Die E-Mail öffnet sich, enthält einen Anhang. Ein weiterer Klick öffnet ein zusätzliches Programm. Während der Blick noch einen Anfang sucht, klingelt das Telefon. "Wo bleibt der Bericht?" – "Moment, ich hab ihn gleich..." Schließen, schließen, schließen - einmal zu viel. Weg ist der Text, verloren die Arbeit einer Stunde. (Quelle)


Womöglich war der Anhang der E-mail dann auch noch virenverseucht... Der weitere Text lässt dies erahnen.

Die menschliche Aufnahme- und Verarbeitungsfähigkeit ist halt begrenzt. Vor allem in Stresssituationen. Und die sind im Arbeitsalltag bekanntlich nicht selten. So kann schlechte Usability von Programmen neben ihrer alltäglich nervtötenden Wirkung auch einmal richtig böse zuschlagen in solchen Stresssituationen.

Stress entsteht aus Überforderung. Überforderung ist das Fehlen von Handlungsalternativen, während das derzeitige Handeln nicht zum gewünschten Ergebnis führt. Somit kann fehlende Usability auch dauerhaft Stress erzeugen. Darüber berichtet der ZEIT-Artikel eigentlich. Über die "neue" Stressform namens "Technikstress".

Aber: Technikstress sollte nicht als Schicksal aufgefasst werden. Alles verbesserungsfähig. Neben möglicher Korrekturen im Arbeitsablauf (auch auf Organisationsebene), um Stresssituationen möglichst zu vermeiden, muss der Konsument einfordern von den Softwareherstellern, dass die Software und die Geräte, mit denen er sich täglich rumschlägt, besser bedienbar werden. Bei Monopol-Anbietern wie Microsoft ist das schwierig. Und in der Open-Source-Community muss das Thema noch größere Aufmerksamkeit bekommen. Aber wenn erst einmal das Bewusstsein da ist, dass nicht ich, der Nutzer, schuld bin an den Schwierigkeiten, die mir das Gerät macht, wäre schon viel gewonnen.

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Mittwoch, 22. November 2006

China gibt erstmals Handel mit Organen Hingerichteter zu

Zum ersten Mal gibt China offiziell zu, Organe von Hingerichteten gegen Geld zu Transplantationszwecken vor allem an solvente Ausländer zu verkaufen.

Das investigative Weblog "The Blotter" vom US-amerikanischem TV-Sender ABC berichtet:

For the first time, the Chinese government has admitted selling the organs of executed prisoners for profit, a gruesome business it had denied for years. (Quelle)
Hinzu kommt, dass es in China weiterhin viele arme Chinesen gibt, die ihre Organe auf dem Schwarzmarkt verkaufen. Auch dies ist (noch) nicht illegal in China.

Berichte, dass die in China leicht gegen Geld zu erhaltenden Organe von Hingerichteten stammen könnten, kursierten schon lange: BBC enthüllt Handel mit Organen hingerichteter Häftlinge (Welt.de).

International angesehene Menschenrechtler verdächtigten China außerdem schon vor einiger Zeit, gezielt Menschen (vor allem Falun-Gong-Anhänger) hinzurichten, um so je nach Bedarf am Markt ihre Organe zu ernten:Von Reaktionen deutscher Politiker diesbezüglich (z.B. bei Staatsbesuchen in China oder bei Besuchen chinesischer Politiker in Deutschland) habe ich noch nichts mitbekommen. Sollte nicht gerade Deutschland hier heftigen Protest äußern? Jetzt, wo China offiziell den Organhandel mit Organen Hingerichteter zugibt, wäre eine passende Gelegenheit.