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Samstag, 20. Juni 2009

Zur Beruhigung

Deutschland hat am Donnerstag gezeigt, wie weit das Land erneut regrediert ist. Es möchte wieder eine Zensur haben. Da erscheint es mir (auch angesichts der für diese regredierten Deutschen sicherlich äußerst verstörenden Vorkommnisse im Iran) unbedingt nötig, den deutschen Kindern jenseits des 40. Lebensjahres, besonders aber unseren Politikern mit ihrem ausgeprägten Beschützerinstinkt, ein beruhigendes Liedchen vorzutragen. Passenderweise ein Lied von einem Dichter, der die Beglückungen der Zensur in überschwänglichem Maße genießen durfte.

Zur Beruhigung

(von Harry/Heinrich Heine)

Wir schlafen ganz, wie Brutus schlief -
Doch jener erwachte und bohrte tief
In Cäsars Brust das kalte Messer!
Die Römer waren Tyrannenfresser.

Wir sind keine Römer, wir rauchen Tabak.
Ein jedes Volk hat seinen Geschmack,
Ein jedes Volk hat seine Größe;
In Schwaben kocht man die besten Klöße.

Wir sind Germanen, gemütlich und brav,
Wir schlafen gesunden Pflanzenschlaf,
Und wenn wir erwachen, pflegt uns zu dürsten,
Doch nicht nach dem Blute unserer Fürsten.

Wir sind so treu wie Eichenholz,
Auch Lindenholz, drauf sind wir stolz;
Im Land der Eichen und der Linden
wird niemals sich ein Brutus finden.

Und wenn auch ein Brutus unter uns wär,
Den Cäsar fänd er nimmermehr,
Vergeblich würd er den Cäsar suchen;
Wir haben gute Pfefferkuchen.

Wir haben sechsunddreißig Herrn
(Ist nicht zu viel!), und einen Stern
Trägt jeder schützend auf seinem Herzen,
Braucht nicht zu fürchten die Iden des Märzen.

Wir nennen sie Väter, und Vaterland
Benennen wir dasjenige Land,
Das erbeigentümlich gehört den Fürsten;
Wir lieben auch Sauerkraut mit Würsten.

Wenn unser Vater spazieren geht,
Ziehn wir den Hut mit Pietät;
Deutschland, die fromme Kinderstube,
Ist keine römische Mördergrube.

(Erschienen 1844 im "Vorwärts!" - nein, nicht jene Zeitung einer ehemaligen sozialdemokratischen Partei, bei der fehlte nämlich natürlich das Ausrufezeichen)

Es ist also nichts passiert am Donnerstag. Bitte gehen Sie weiter (Hut ziehen nicht vergessen). Hier gibt es nichts zu sehen. Ein Lächeln wäre auch schön. Danke. Jetzt wird das BKA sicherlich nichts auszusetzen haben.

Mittwoch, 15. August 2007

Manchmal ist die Einsamkeit der beste Gefährte

Der Mensch ist für mich gleichzeitig das interessanteste und das am meisten nervende Etwas, das es gibt auf der Welt. Mal eher das erste, mal eher das zweite, mal beides gleichzeitig. Insofern finde ich es (neben dem täglichen Schutz der eigenen Privatsphäre) für die seelische Gesundheit wichtig, dass es da draußen Plätze gibt, die der Mensch noch nicht besiedelt hat und hoffentlich nie besiedeln wird. Seien es bewusst ausgesparte Naturschutzgebiete oder für den Menschen unattraktive Wüsteneien wie große Teile der Sand- und Steinwüsten oder auch der Antarktis oder gar die Weiten der Ozeane. Ich glaube, der Mensch braucht fürs seelische Gleichgewicht den realen oder auch nur imaginären, vorm inneren Auge erzeugten Blick auf unbewohnte, menschenfreie Gegenden, das Bewusstsein, dass es da etwas gibt, was größer ist als er und nicht von ihm beherrscht wird. Wie eben zum Beispiel eine unberührte, oder zumindest menschenleere Natur. Einfach, um beruhigt festzustellen, dass die manchmal nervenden Mitmenschen oder die hektische, nervende Umwelt nicht alles ist, was es gibt. Eine religiöse oder pseudoreligiöse Überhöhung der "unberührten Natur" (wie beispielsweise in der Romantik) ist dabei gar nicht nötig, um sich in seinen Fantasien an einer unbeherrschten Wildnis zu "ergötzen". Ich fände es beispielsweise enorm irritierend, wenn es schon heute Städte auf dem Mond gäbe, deren Lichter man vielleicht sogar per Fernglas oder mit dem bloßen Auge am Nachthimmel sehen könnte. Dann würde auch der letzte Punkt mehr oder weniger unberührter "Natur", den man beispielsweise abends in einer Großstadt von überall her sehen kann, seine "Unschuld" verloren haben. Stattdessen blinzelten auch von dort auf dieser Scheibe am Himmel die gleichen Stadtlichter zurück, die einen auch rechts und links umgeben.

So finde ich das Gedankenexperiment in dem Buch "Die Welt ohne uns", über das Spiegel.de berichtet, faszinierend: Was geschähe mit der Erde, wenn die Menschheit von heute auf morgen einfach verschwunden wäre?

Gut, das Gedankenexperiment ist ein alter Hut und schon in diversen Science Fiction Filmen und Büchern durchgekaut worden. Aber Alan Weisman, Autor des oben erwähnten Buches, geht der Sache anscheinend wissenschaftlich fundierter auf den Grund.

Die modernen Städte würden schnell verfallen. Das Ruhrgebiet und angrenzende Gebiete beispielsweise würde sich innerhalb weniger Tage zu circa einem Drittel in eine Seeenlandschaft verwandeln, wenn mangels Treibstoff die Pumpen ausfallen, die derzeit die durch den Bergbau weiträumig abgesunkenen Gebiete vom Grundwasser frei halten. New York und anderen Großstädten erginge es ähnlich - nicht wegen Bergbauspätfolgen, sondern wegen des durch U-Bahn- und sonstige Tunnel maroden Untergrundes. Die Niederlande, einige Nordseeinseln und später auch viele Städte an Flussmündungen verschwänden relativ rasch. Viele Haustiere des Menschen würden bald aussterben wie beispielsweise Pferde und manche Rinderarten, weil sie der wilden Konkurrenz auf lange Sicht unterlegen wären oder mit den harscheren Lebensbedingungen auf Dauer nicht klar kämen. Das Pferd starb deshalb bereits einmal aus. In Amerika nämlich, als das Klima sich dort etwas änderte und das Gras nicht mehr so wuchs, wie es das empfindliche Tier brauchte. Am längsten sichtbar auf der Erdoberfläche und im Meer wäre wohl das ganze Plastikzeugs. Aber die unvergänglichsten Artefakte des Menschen dürften die Raumsonden Pioneer 10, Pioneer 11, Voyager 1 und Voyager 2 sein, die alle auf dem Weg raus aus unserem Sonnensystem und rein in die galaktische Unendlichkeit sind. Genau wie die Radiowellen, die Radio und Fernsehen in den letzten Jahrzehnten in den Äther und damit auch in den Weltraum abgestrahlt haben und die sich immer weiter mit Lichtgeschwindigkeit von der Erde entfernen.

Mit am schnellsten verschwunden aus dem Universum wäre nach dem lautlosen Abgang der Menschheit jedoch sicherlich das Internet und mit ihm auch dieses kleine Weblog. Schnüff.

Montag, 14. Mai 2007

Folter hat nur einen Zweck: Die Demonstration der eigenen Macht

Bislang kannte ich nur die Verfilmung des Romans "1984" von George Orwell. Gerade bin ich dabei, noch einmal das Buch zu lesen.

Es lohnt sich.

Winston, der Held des Romans, derjenige also, der das in "1984" beschriebene diktatorische Herrschaftssystem anzweifelt, wird am Ende gefoltert. Und sein Folterer sagt einen Satz, der den Sinn, oder besser den Unsinn von Folter so klar und deutlich vor Augen führt wie es nur möglich ist: "Der Zweck der Folter ist die Folter." Punkt.

Wer ein Geständnis von einem Menschen haben will, braucht dazu keine Folter. Viel wirkungsvoller ist es, ihm statt mit Schlimmem zu drohen, ihm Vergünstigungen in Aussicht zu stellen. Sagt jemand erst unter Folter aus, so ist das von ihm Gesagte eh unbrauchbar, wenn man keine Möglichkeiten hat, das Gesagte anschließend unabhängig vom Wissen des Geständigen noch einmal zu überprüfen. Da die Aussagen nicht freiwillig geschehen, werden die Informationen hierbei nur in kleinen Häppchen mitgeteilt werden vom Folteropfer. Und jedes Mal muss dann die Information erst auf ihre Richtigkeit überprüft werden. Ein enorm ineffizientes Verfahren. Hat man zudem gar keine effektiven Möglichkeiten, "Geständnisse" aus Folterverhören zu verifizieren, taugt Folter zur Wahrheitsfindung überhaupt nicht. Wenn also Menschen über Jahre hinweg gefangen gehalten werden und dann angeblich nach Jahren endlich ein Geständnis ablegen, so ist dies schlicht eine verlogene Darstellung. Vermutlich existierte das Geständnis bereits seit Beginn der Verhöre oder die Informationen wurden anderweitig beschafft. Wenn man es nicht schafft, jemanden ohne Folter innerhalb weniger Tage zu überzeugen und zu locken, Informationen preis zu geben, dann wird er dies auch nach Jahren nicht tun oder einem halt irgendetwas und soviel erzählen, dass man nicht mehr weiß, was davon nun wahr ist und was nicht.

Bei langer Folter erzählen Folteropfer alles Mögliche. Sie erzählen das, von dem sie glauben, dass der Folterer es hören möchte - unabhängig vom Wahrheitsgehalt. Folter geschieht letztendlich nicht, um Informationen zu bekommen - denn diese Informationen sind unzuverlässig. Nein, gefoltert wird nur um des Folterns willen. Natürlich nicht offiziell. Der wahre Grund des Folterns ist, dass das Foltern für den Folterer ein derartiges Erlebnis grenzenloser Macht ist, dass die sadistische Freude am Foltern wie eine Droge für den Folterer wirkt. Der Grund für die Folter ist dieser Rauschzustand des Folterers. Vielleicht lassen sich seine Vorgesetzten täuschen mit der Ausrede des Folterers, er werde schon noch an brauchbare Informationen kommen. Das sind jedoch schlicht Ausflüchte, die ihm das Weiterfoltern ermöglichen sollen.

Der Roman "1984" ist keine Räuberpistole, kein lächerlicher, nicht ernst zu nehmender Fantasie-Roman. Nein, er ist schlicht eine sehr anschauliche, spannende Beschreibung der Funktionsweise grenzenloser Macht.

Der Roman macht zum Beispiel nebenbei deutlich, dass es bei der Folter in Diktaturen auch nicht um eine Abschreckung der politischen Opposition geht. Wer als Regime (noch) foltern kann, braucht die Opposition nicht zu fürchten. Folter ist somit eher Ausdruck von Macht als ein Mittel, die Macht abzusichern. Denn es wird immer Oppositionelle geben, die auch auf die Gefahr hin, gefoltert zu werden, kämpfen werden. Solange jedoch in großem Umfang gefoltert wird, kann man davon ausgehen, dass die Oppositionellen wenig Erfolg haben werden, weil ein umfangreiches Foltersystem bezeugt, dass die Macht der Diktatoren ungebrochen ist.

Der Zweck der Folter ist also die Folter selbst. Folter erfüllt keinen Außenzweck. Genausowenig wie das Machtstreben von Diktatoren einem Zweck jenseits der Macht selbst folgt. Der Zweck desjenigen, der nach Macht strebt, ist es schlicht, diese Macht zu besitzen und zu behalten. Deshalb ist die Begrenzung der Macht in einer Demokratie, die Kontrolle der Macht, das Funktionieren der Gewaltenteilung also, so enorm wichtig. Deshalb ist es so wichtig, genau darauf zu achten, dass diese Kontrolle und Einschränkung staatlicher Gewalt im Lot ist und funktioniert. Immer wieder. Ob bei neuen Gesetzesinitiativen, Parteiprogrammen, Interviewäußerungen von Politikern, Fehlurteilen von Richtern oder bei zweifelhaftem Vorgehen von Geheimdiensten oder Polizei. Das, was in Deutschland häufig viele nervt, nämlich das Äußern von Bedenken und das skeptische Hinterfragen dessen, was politisch passiert (sei es aus "linker" oder "rechter" Perspektive), ist und bleibt eben der Sauerstoff der Demokratie.

Wer sich also an fehlender "Harmonie" in einem demokratischen System stört, dem empfehle ich die Lektüre von "1984".

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Sonntag, 6. Mai 2007

Großes Geläut und leise Anspielungen

In welchem berühmten Roman spielt folgender Kinderreim eine kleine, aber für die Aussage des Buches nicht unwichtige Rolle?

Oranges and lemons,
say the bells of St. Clement's

"You owe me five farthings",
say the bells of St. Martin's

"When will you pay me?"
say the bells of Old Bailey

"When I grow rich",
say the bells of Shoreditch

"When will that be?"
say the bells of Stepney

"I do not know",
says the great bell of Bow

Here comes a candle
to light you to bed

And here comes a chopper
to chop off your head!

Chip chop chip chop -
The last man's dead.

Der Kinderreim ist ein Abzählreim, bei dem üblicherweise während des Singens zwei Kinder mit ihren Armen einen Bogen formen während die anderen darunter hindurchlaufen. Bei der letzten Strophe senken die beiden Kinder die Arme und das gerade unter dem Bogen durchlaufende Kind scheidet aus.

Dass der Autor des gesuchten Romans solch einen simplen Kinderreim verwendete, um einen möglichst großen Kontrast auf vielen inhaltlichen Ebenen darzustellen zu den sonst in seinem Buch geschilderten Dingen, hatte mir sehr gut gefallen. Das Kindliche, das Einfache, das Fröhliche, das Unbesorgte und das laut Tönende (sowohl des Kinderschreiens als auch des Glockengeläutes) sind beispielsweise jeweils das Gegenteil dessen, wovon der gesuchte Roman ansonsten handelt.

Die obige Version des Reims ist die später populär gewordene Version eines sehr alten Reims, der ursprünglich viel länger war:

Gay go up and gay go down
To Ring the Bells of London Town

"Oranges and Lemons" say the Bells of St Clement’s
"Bullseyes and Targets" say the Bells of St Margaret’s
"Brickbats and Tiles" say the Bells of St Giles
"Halfpence and Farthings" say the Bells of St Martins
"Pancakes and Fritters" say the Bells of St Peters
"Two Sticks and an Apple" say the Bells of Whitechapel
"Maids in white aprons" say the Bells at St Katherine’s
"Pokers and Tongs" say the Bells of St John’s
"Kettles and Pans" say the Bells of St Anne’s
"Old Father Baldpate" say the Slow Bells of Aldgate
"You owe me Ten Shillings" say the Bells of St Helen’s
"When will you Pay me?" say the Bells of Old Bailey
"When I grow Rich" say the Bells of Shoreditch
"Pray when will that be?" say the Bells of Stepney
"I do not know" says the Great Bell of Bow.

Gay go up and gay go down
To Ring the Bells of London Town

Der Reim stellt mit dem Stilmittel des "pars pro toto" typische Londoner Berufe oder Tätigkeiten und Kirchen in London vor - das säkulare und sakrale London sozusagen fröhlich nebeneinander.

Ob die Verse auch teilweise den Klang oder den Rhythmus der jeweiligen Glocken nachahmten?

Mehr Informationen über den Reim und über die involvierten Kirchen samt Bildern von den Kirchen liefert ein schöner Artikel bei New English Review. Weitere Glockenklänge von Kirchen in England neben den oben verlinkten Sound-Beispielen gibt es bei Emusic.com

Die Art des Läutens, die man in den verlinkten Sound-Beispielen hört, ist übrigens das vor allem in England praktizierte, sogenannte "Wechselläuten. Vielleicht verbergen sich ja sogar entweder in dem Abzählreim oder in der älteren Version irgendwelche Anspielungen auf bestimmte Arten des Wechselläutens? Naja, das wäre dann wohl doch zuviel Inhalt für solch einen kleinen Reim.

Wer errät, welchen Roman-Titel ich suche? Vorschläge einfach als Kommentar posten, oder wenn die Kommentarfunktion mal wieder spinnt, einfach eine E-mail schreiben (solon at gmx Punkt org).

Noch ein Tipp: Der Inhalt des gesuchten Romans ist in letzter Zeit teilweise wieder sehr aktuell. Der Gewinner erhält ein anerkennendes, virtuelles Augenzwinkern. Mehr ist nicht drin. Denn wie würden die Hauptpersonen im gesuchten Roman vermutlich sagen: Weitere Äußerungen der gegenseitigen Wertschätzung sind zu gefährlich und könnten uns verraten! ;-)

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Mittwoch, 3. Januar 2007

"Die Fackel" von Karl Kraus jetzt im Internet

(Via Netzjournalist) Karl Kraus (Wikipedia-Eintrag zu Karl Kraus) schrieb schon vor einigen Jahrzehnten offline ein Weblog und nannte es Zeitung, genauer "Die Fackel". Da Karl Kraus nun siebzig Jahre tot ist und er so etwas Geniales wie die "Creative Commons" noch nicht kennen konnte, darf jetzt zumindest nach siebzig Jahren jeder seine Texte weiter publizieren, weil die Beschränkungen des Urheberrechts nun endlich abgelaufen sind und die Erben oder Rechteinhaber von Kraus' Texten ab sofort leer ausgehen. Das Austrian Academy Corpus hat diese Gelegenheit sogleich genutzt und stellt alle Texte aus der Fackel online: Die Fackel.

Auch der Standard berichtet über den Online-Auftritt: Ab sofort online: "Die Fackel".

Damit der Zugang nicht allzu leicht wird (die vorherige Qual erhöht den anschließenden Genuss - ein österreichisches Prinzip?), hat dieser akademische Körper dem Lesegenuss eine Zwangsregistrierung voran gestellt.

Wer seine E-mail-Adresse nicht bekannt geben möchte oder nicht eventuell längere Zeit auf die Freischaltung warten möchte, dem empfehle ich wie immer in solchen Fällen die Benutzung von Bugmenot.com. Einen freien Login für den österreichischen Akademie-Körper gibt es da bei Bugmenot schon. Einfach die URI der oben verlinkten Webseite zu der Fackel in's Suchfeld von Bugmenot kopieren (oder alternativ auf diesen Link klicken) und man erhält eine Liste mit funktionierenden Accounts von Leuten, die ihre Zugangsdaten Bugmenot freiwillig mitgeteilt haben.

Auf dass das Licht der Fackel jetzt nach Wegfall der Beschränkungen durch das Urheberrecht nicht wieder behindert werde durch einen unsinnigen Registrierungszwang. Es lebe also der freie Informationsfluss! ;-)

P.S.: Ist man so dämlich und gibt dem österreichischen akademischen Körper seinen realen Namen samt Wohnort und gar Berufsbezeichnung an bei der Registrierung auf deren Webseite, darf man zusätzlich noch juristisch anzweifelbare Dinge lesen wie zum Beispiel, dass nun der Austrian Academy Corpus die Rechte an den Texten von Karl Kraus besitzen würde. Gemeint sein kann jedoch nur das Recht an der Online-Aufbereitung der Texte von Kraus. Deshalb sprechen die Nutzungsbedingungen auch immer von der "AAC-Fackel".

Da diese Nutzungsbedingungen nur lesbar sind, nachdem man bereits dem AAC seine persönlichen Daten für die Anmeldung übermittelt hat, hier die Nutzungsbedingungen zur Nutzung der "AAC-Fackel". Damit jeder weiß, worauf er sich einlässt, wenn er der AAC persönliche Daten übermittelt, bevor er sich anmeldet (und nein, ich bekomme für diesen Service kein Geld von dem AAC):

NUTZUNGSBEDINGUNGEN
1. Registrierung

1.1 Die Österreichische Akademie der Wissenschaften ('ÖAW') hat eine elektronische Fassung der Zeitschrift "Die Fackel" erstellt, die unter der Website online unentgeltlich zur Verfügung gestellt wird ('AAC-Fackel'). Um die AAC-Fackel nutzen zu können, müssen sich User zuvor registrieren. Der User verpflichtet sich durch die Registrierung, diese Nutzungsbedingungen einzuhalten.

1.2 Die ÖAW ist jederzeit berechtigt, ohne vorherige Ankündigung und ohne Angabe von Gründen die AAC-Fackel einzustellen und Registrierungen von Usern zu löschen. Durch Einstellung der AAC-Fackel oder Löschung der Registrierung eines Users erlischt das Vertragsverhältnis zwischen der ÖAW und dem User.

1.3 Benutzt ein User die Datenbank sechs Monate lang nicht, so werden seine bei der Registrierung eingegebenen und generierten Daten vollständig gelöscht und das Vertragsverhältnis erlischt.
2. Datenschutz

2.1 Bei der Registrierung hat der User Name, Adresse, Beruf, Institution und E-Mail Adresse anzugeben. Der User erklärt sich ausdrücklich damit einverstanden, dass die ÖAW die bekannt gegebenen Daten speichert und zur statistischen Auswertung der Nutzerstruktur verwendet. Die ÖAW verpflichtet sich, die Daten nicht an Dritte weiterzugeben. Zur Wiedererkennung nutzerspezifischer Einstellungen werden vom System automatisch Cookies gesetzt. Sofern der User mit dieser Funktion nicht einverstanden ist, kann er sie durch Änderung der Einstellung in seinem Browser ändern.

2.2 Nach Abschluss der Registrierung wird dem User ein automatisch generiertes Passwort an die von ihm angegebene E-Mail Adresse zugesandt. Der User verpflichtet sich, dieses Passwort geheim zu halten und nicht an Dritte weiterzugeben.

2.3 Der User erklärt sich damit einverstanden, dass die ÖAW an die von ihm bei der Registrierung angegebene E-Mail-Adresse E-Mails mit Informationen über Änderungen oder neue Funktionen der Datenbank zusendet.
3. Rechte an der AAC-Fackel

3.1 Die AAC-Fackel ist als Computerprogramm und Datenbank urheberrechtlich geschützt. Alle Verwertungsrechte, insbesondere das Recht zur Vervielfältigung, Verbreitung oder Zurverfügungstellung stehen ausschließlich der ÖAW zu.

3.2 Die ÖAW gewährleistet nicht, dass der Inhalt der AAC-Fackel frei von Rechten Dritter ist. Werden User von Dritten in Anspruch genommen, so stehen ihnen keine Ansprüche gegen die ÖAW zu.

3.3 User, welche die erlaubte Nutzung der AAC-Fackel überschreiten, verpflichten sich, der ÖAW jeden daraus entstandenen Schaden zu ersetzen.
4. Erlaubte Nutzung der AAC-Fackel

4.1 Der User ist nur berechtigt, die AAC-Fackel zu privaten oder wissenschaftlichen, nicht aber zu kommerziellen Zwecken und auch nur im Rahmen der gesetzlichen freien Werknutzungen zu verwenden.

4.2 Der User verpflichtet sich, bei jedem Zitat die Quelle in folgender Form anzugeben:
Herausgeber: AAC - Austrian Academy Corpus
Titel: AAC-FACKEL
Untertitel: Online Version: "Die Fackel. Herausgeber: Karl Kraus, Wien 1899-1936"
Reihentitel: AAC Digital Edition Nr. 1
URL: http://www.aac.ac.at/fackel
Abrufdatum:

Bei der Quellenangabe von Texten, die nicht von Karl Kraus verfasst sind, sind zusätzlich der Name des Verfasser/der Verfasserin und der Titel des einzelnen Beitrages anzugeben.

Zitat einer Seite (Kurzform bei Mehrfachnennung): AAC-FACKEL, Nr.x, (S.)x ( [=Abrufdatum])

4.3 Keinesfalls ist es dem User gestattet, die AAC-Fackel zur Gänze zu vervielfältigen oder deren Inhalt der Öffentlichkeit – in welcher Form auch immer – zugänglich zu machen.
5. Funktionalität der AAC-Fackel

Die ÖAW gewährleistet weder die Vollständigkeit und Richtigkeit der AAC-Fackel noch deren störungsfreies Funktionieren oder dauerhafte Abrufbarkeit. Für Störungen und Ausfälle insbesondere aufgrund höherer Gewalt, Streik oder Manipulation durch Dritte übernimmt die ÖAW keine Haftung. Die ÖAW übernimmt weiters keine Haftung für die Verwendbarkeit der Daten zu den von den Usern vorgesehenen Zwecken.
6. Schlussbestimmungen

6.1 Die Unwirksamkeit einzelner Vertragsbestimmungen berührt die Wirksamkeit der übrigen Bestimmungen dieser Nutzungsbedingungen nicht. An die Stelle der unwirksamen Bestimmung tritt eine wirksame, die dem von der unwirksamen Bestimmung beabsichtigten Zweck wirtschaftlich am nächsten kommt.

6.2 Diese Nutzungsbedingungen und alle vertraglichen Beziehungen zwischen dem User und der ÖAW unterliegen dem Recht der Republik Österreich. Ausschließlicher Gerichtsstand ist die Innere Stadt Wien. (Quelle: http://corpus1.aac.ac.at/fackel/)


Der zitierte Text selbst ist nicht per direktem Link erreichbar, sondern wird erst während des individuellen Registrierungsvorganges und nach der Übermittlung seiner persönlichen Daten an den AAC eingeblendet.

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Freitag, 22. Dezember 2006

Deutschland heute wie vor 78 Jahren

Ich hab den Link zwar schon in mein Archiv bei Del.icio.us gestellt, aber das Gedicht von Erich Kästner, dass die NachDenkSeiten.de bringen, ist hier auch noch einen eigenen Weblog-Eintrag wert: Erich Kästner: Knigge für Unbemittelte.

Erstaunlich, wie sich Deutschland im Jahre 1928 und 2006 wieder gleichen.

Als prosaische Ergänzung sei auch noch ein Artikel bei Telepolis.de empfohlen: Der Punk und der Politiker.

Das Gedicht von Erich Kästner beschreibt allgemein eine gesellschaftliche Stimmungslage. In dem Telepolis-Artikel geht es - sozusagen als konkretes Beispiel passend zum Kästner-Gedicht - um den Arbeitslosen Henrico Frank, den der Noch-SPD-Vorsitzende Kurt Beck angepöbelt hatte und um die Medienreaktionen.

Ein paar Zitate aus diesem Artikel:

Die öffentliche Aufmerksamkeit richtet sich erneut auf ein Einzelschicksal, Vorurteile werden geschürt und bestätigt - und der Grundstein für eine Akzeptanz neuer Einschränkungen gelegt. [...] So gesehen konnte Henrico Frank nur verlieren: nimmt er die Jobs an, so zeigt sich "Kurt Beck hat recht", nimmt er sie nicht an, sind eben alle Arbeitslosen faul und wollen nicht arbeiten, wie man ja sowieso "schon immer wusste". Während die Medien sich noch mit dem "frechsten Arbeitslosen Deutschlands" beschäftigen, wird es ab dem 1.1.2007 möglich, einem arbeitsunwilligen Arbeitssuchenden (arbeitsunwillig = Absage dreier Arbeitsangebote ohne triftigen Grund innerhalb eines Jahres) nicht nur seinen Regelsatz bis auf Null zu kürzen, sondern auch die Krankenversicherung und die Miete ersatzlos zu streichen. Das bedeutet, dass der Arbeitssuchende völlig ohne finanzielle Mittel leben muss und zudem nur noch über eine Notversorgungsmöglichkeit bei Krankheit verfügt. [...] Zur gleichen Zeit bescheinigt eine 2.500 Seiten umfassende Untersuchung, dass die Arbeitsmarktreformen HartzI-HartzIII weitgehend wirkungslos waren, wenn es darum ging, Arbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Vielfach hätten sie sich sogar als kontraproduktiv erwiesen, da Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und auch durch Personal Service Agenturen vermittelte Arbeitsplätze langfristig die Eingliederung in den Arbeitsmarkt erschwerten. (Quelle)


Fazit: Nicht die Arbeitslosen sind unsolidarisch mit der Gemeinschaft, es ist genau andersherum. Da Arbeitslosigkeit heute jedoch fast jeden sehr schnell betreffen kann, ist die Gesellschaft quasi unsolidarisch mit sich selbst. Die deutsche Gesellschaft hat dank jahrelanger neoliberaler Think-Tank-Indoktrination in Zusammenarbeit mit einigen machtbesessenen Medien, dank des großen Einflusses der Großindustrie durch Lobbyisten auf die Gesetzgebung und dank des Verschwindens von christlichen und/oder humanistischen Werten in der Gesellschaft wieder einen Zustand erreicht, der dem vor 70 Jahren erschreckend ähnlich ist.

Da die neoliberalen Thesen im Grunde genommen menschenfeindlich sind, weil sie nicht die Bedürfnisse, die Beschränkungen und die wahren Stärken von Menschen berücksichtigen, eine Gesellschaft aber aus Menschen besteht, wird es spannend sein zu beobachten, wie die deutsche Gesellschaft langsam auf den verschiedensten Gebieten (Mitmenschlichkeit, politische Teilnahme, bürgerliche Freiheitsrechte, Sicherheit, Kunst, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft) zerfällt.

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