Freitag, 25. April 2008

Prominente deutsche Künstler offenbaren: Geld ist wichtiger als Demokratie und Rechtsstaat!

Ob diese 200 deutschen Künstler ahnen, bei was für einer Kampagne sie derzeit mitmachen? Ob sie kapieren, was sie da eigentlich fordern? Ich hoffe nicht. Ich hoffe, dass sie einfach zu bescheuert sind, um zu verstehen, vor welchen dreckigen Karren sie sich haben spannen lassen. Denn wenn sie genau wissen und verstehen, was sie morgen in ganzseitigen Anzeigen in überregionalen deutschen Tageszeitungen fordern, haben sie sich als Demokratiegefährder entlarvt.

Entlarvend ist beispielsweise der folgende Satz in der Anzeige:

Denn als einziger Weg, sich zur Wehr zu setzen, bleibt Künstlern, Kreativen und den beteiligten Industrien bisher nur die Möglichkeit, gegen die Anbieter illegaler Produkte juristisch vorzugehen. (Quelle: Heise.de)


Ja, was denn bitte schön sonst noch? Sonderrechte jenseits rechtsstaatlicher Verfahren, das ist es, was die Musikindustrie fordert. Das Klagen reicht ihnen nicht mehr als Möglichkeit, ihre Interessen durchzusetzen. Stattdessen soll der gesamte Internetverkehr überwacht werden und die Internetprovider sollen von sich aus gegen ihre Kunden vorgehen. Diese Forderung versteckt sich in der Anzeige hinter den Worten, dass "Frankreich und England beispielhaft vorangehen", denn dort wird Derartiges zur Zeit umgesetzt. Die Forderungen der Künstler, dass Internetprovider von sich aus gegen Kunden vorgehen sollen, die im Internet urheberrechtlich geschütztes Material tauschen, bedeutet technisch gesehen nichts anderes als die Forderung nach der totalen Überwachung des Internetverkehrs durch die Provider.

Die Forderung der Künstler, dass Leuten, die Musikstücke im Internet tauschen, der komplette Internetzugang gesperrt werden soll, ist unfassbar hanebüchen und unverhältnismäßig. Auch diese Forderung versteckt sich in der Anzeige hinter den Worten, dass "Frankreich und England beispielhaft vorangehen", denn dort gibt es bereits solche gesetzlichen Regelungen.

Die Kreativen, die die Anzeige unterzeichnet haben, gehören sicherlich nicht gerade zu den Ärmsten. Nur weil sie wegen des illegalen Tauschens im Internet eventuell weniger verdienen (was, nebenbei bemerkt, von manchen bezweifelt wird), soll der Datenverkehr also von allen Internetnutzern komplett überwacht werden und den tauschenden Teenagern (und vermutlich wohl dann auch ihren Eltern?) der Internetzugang gesperrt werden. Das Internet ist die Informations- und Meinungsplattform schlechthin. Mit der Verfassung scheint mir eine derartige Zwangsmaßnahme deshalb kaum vereinbar zu sein. Den Aufruf mit seinem Hinweis auf die "Vorbilder" Frankreich und England könnte man also als verfassungsfeindlich bezeichnen.

Natürlich könnte man auch fragen: Wer sind diese Typen? Nur weil diese Künstler reich und berühmt sind, muss man sich doch nicht für deren demokratiefeindliches Geschwätz interessieren? Müsste man nicht, wenn nicht Politik und Medien häufig wie von Sinnen sind, wenn sie derartige öffentliche Aufrufe von reichen Leuten und Verbänden hören. Muss irgendwie was mit alten Rudeltierinstinkten zu tun haben: Wenn die Prominenten und Reichen einen Furz machen, dann sind die Schmeißfliegen ganz hin und weg. Und natürlich fühlt sich auch die ARD-Tagesschau verpflichtet in einem Satz, einem einzigen sinnlosen Satz, noch einmal kostenlos Werbung für dieses Geschwätz zu machen und von dem Aufruf der Musikindustrie zu berichten - ohne natürlich auf mögliche Gegenpositionen hinzuweisen. ARD-Tagesschau halt - der total unkritische und dadurch desinformierende Regierungs- und Wirtschaftsverbands-Verlautbarungskanal.

Die einzige Resonanz, die ein derartiger Aufruf nach Internetüberwachung und Internetsperre zur Folge haben sollte, müsste Ekel sein. Ich jedenfalls ekle mich ab heute noch mehr als zuvor eh schon vor Sönke Wortmann, Bernd Eichinger, Faith Akin, Til Schweiger, Renan Demirkan und Detlev Buck, Tokio Hotel, Monrose, Söhne Mannheims, Juli, Udo Lindenberg, Reinhard Mey, Peter Maffay, Roger Cicero, LaFee, Barbara Schöneberger, Ralph Siegel, Wolfgang Rihm und dem Rest der ihre Kunden kriminalisierenden und den Rest des Landes überwachen wollenden Bande.

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7 Kommentar(e):

Anonym hat gesagt…

Wie beim Mindestlohn (Frankreich über 8 Euro) kommt hierzu natürlich ein klares "Nein" von unserer Bundeskanzlerin. Sie lässt sich doch nicht vor jeden Karren spannen. Nicht das da mal einer auf die Idee kommt die Sache über den Preis zu regeln. Wie in allen Branchen wollen auch bei der Musik- Lobby viele Leute von der Arbeit anderer gut Leben.Den Künstlern sei gesagt: die Welt "hungert" weil die Preise für Nahrung ins Bodenlose steigen.

Solon hat gesagt…

Nach einem klaren "Nein" hört sich das aber nicht an.

Merkels Kulturstaatsminister hat sich sogar bereits ausdrücklich hinter die Forderungen der Musiker gestellt und fordert wortwörtlich eine Internetsperre für Urheberrechtsverletzer.

Das Bundesverfassungsgericht bekommt also vermutlich bald wieder Arbeit als Putzfrau, pardon, ich meine natürlich als Rechtspflegerin. Der Mist, den SPD und Union da wieder im lobbyverseuchten Gesetzgebungsgedärm ausbrüten, ist schon zu riechen.

ninjaturkey hat gesagt…

Immerhin ist die Liste mit den 200 - äh - "Künstlern" doch recht praktisch. Damit ich weiß, wen ich in Zukunft boykottieren werde. Danke liebe - äh - "Künstler"

- dante - hat gesagt…

Was bei der Unterschriftenliste hervorsticht, ich ja die exorbitante Dummheit bei einigen von mir bisher geschätzten Künstlern. Die lassen sich vor den Karren der Contentmafia und des Überwachungsstaates spannen und jammern nur rum. Anstatt sich mal zu fragen, wer die Kohle einstreicht, sind mal wieder die "Raub"kopierer die Bösen.

Gruß
- dante -

Anonym hat gesagt…

Ich kenne ca. 60% der "Künstler" nichtmal!

Solon hat gesagt…

Die namentlich in der Anzeige erwähnten Künstler scheinen von den Kampagnenmachern ganz gezielt mit Blick auf die Adressaten der Anzeige hin ausgewählt worden zu sein. Deshalb muss es einen nicht wundern, wenn man viele dieser Künstler selbst nicht kennt. Erreicht werden soll mit der Anzeige wohl eher ein älteres Publikum - um genau zu sein: genau eine etwas ältere Dame.

Surreal ist ja, dass ausgerechnet Wolfgang Rihm (der einzige von den oben erwähnten Künstlern, von dem ich bei mir auch tatsächlich was im Haus rumliegen habe - und zwar nicht in Form von MP3s, sondern in Form gekaufter CDs - ohne Kopierschutz, denn sowas gab es vor 15 Jahren noch nicht) solch einen Aufruf mit unterstützt. Jeder Musiklehrer im Land würde vermutlich vor Freude zwei Herzinfarkte kriegen, wenn tatsächlich viele Leute Rihms Musik via Tauschbörse ziehen würden. Der erste Herzinfarkt aus Freude darüber, dass moderne, ernste Musik plötzlich "in" ist. Der zweite Herzinfarkt aus Bestürzung darüber, dass jemand moderne E-Musik in MP3-Schrottqualität hört.

Der Grund, dass der gute Herr Rihm kaum CDs verkauft, liegt wohl eher darin, dass selbst die Bildungsbürger schon mal buhen, wenn in der Philharmonie ein Rihm zwischen einem Beethoven und einem Mozart gespielt wird. Vor 15 Jahren bedurfte der Herr Rihm noch risikofreudiger Dirigenten und Konzerthausdirektoren, damit seine Musik überhaupt Verbreitung fand. Heute also ist seine Musik nicht mehr von beschränkten, buhenden Bildungsbürgern bedroht, sondern von gewalttätigen Raubsaugern, die mit ihrem Internet seine Musik wegsaugen. Wie die Zeiten sich doch ändern...

Pater Lingen hat gesagt…

Ekel ist ohnehin die normale Reaktion auf vieles, was heute als "Künstler" ausgegeben wird. Jetzt mal ehrlich: Muss man groß grübeln, wes Geistes Kind Leute sind, die Unzucht verherrlichen, deren Rhythmen und Tanzen aus Teufelskult wie Voodoo entlehnt sind etc. pp.?
Was die Verhältnismäßigkeit betrifft, so sei der "Goldene Reiter" Joachim Witt zitiert, Interview von 2002 (Zweitausendzwei!) z.Th. Kopierschutz auf CDs: "Ich würde auf die CDs zudem Programme einbinden, die das Betriebssystem sofort zerstören, sobald die CD in den Computer geschoben wird. Gnadenlos."