Mittwoch, 16. Mai 2007

Linksextremisten - Leute wie Du und Ich?

(Via Fefe's Blog:) Der Verfassungsschutzbericht 2006 enthüllt einerseits Altbekanntes. So würden Linksextremisten bestimmte Kampagnen fahren wie zum Beispiel einen alljährlichen "Kampftag für die Freilassung aller politischen Gefangenen" veranstalten oder das Gewaltmonopol des Staates in Frage stellen und so weiter. Übliches, linksextremistisches, nicht richtig durchdachtes, politisches Geschwurbel halt.

Andererseits enthüllt der Verfassungsschutzbericht aber auch ganz Erstaunliches, Unerwartetes:

Linksextremisten essen, trinken, schlafen und haben sogar gelegentlich Sex.


Mann! Das sind schon seltsame, schräge Typen, diese Linksextremisten...

Ok. Erwischt. Obiges Zitat steht natürlich nicht im Verfassungsschutzbericht. Stattdessen steht auf Seite 192:

Das Aktionsfeld "Antirepression" hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung für Linksextremisten gewonnen. Linksextremisten werten die Verschärfung der Sicherheitsgesetze nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 als eine neue Qualität "staatlicher Repression". Sie nehmen auch die Sicherheitsmaßnahmen zur Fußballweltmeisterschaft 2006 und zum bevorstehenden G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm (vgl. Nr. 2) zum Anlass, den aus ihrer Sicht permanenten Ausbau des Überwachungsstaates und die repressive Wirkung der dabei eingesetzten neuen Technologien anzuprangern, wie z. B. RFID-Chips, Gen- oder Biometrische Datenbanken, Kamera­überwachung öffentlicher Plätze. (Quelle)


Jetzt aber wirklich: Mann! Das sind schon seltsame, schräge Typen, diese Linksextremisten...

Nachwort: Ist der Verfassungsschutz eventuell von Linksextremisten unterwandert und will Linksextremisten zumindest teilweise darstellen als ganz normale, kritische Bürger? Ich fürchte nicht. Ich fürchte stattdessen, dass die Sicht der Verfassungsschützer mittlerweile derart aus der Spur geraten ist, dass sie es nun schon tatsächlich berichtenswert finden, dass jemand die ausufernde, allgemeine Überwachung der Bürger anklagt. Mal schauen also, wie lange es dauert, bis in einem der nächsten Berichte warnend erklärt wird, dass in linksextremistischen Kreisen kontrovers über Politik diskutiert werde und dies ein verdächtiges Element ihres Treibens sei...

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2 Kommentar(e):

N. hat gesagt…

Kann es sein, dass vieles, das jetzt als außerordentlich links dargestellt wird, vor ein paar Jahrzehnten noch völlig normal und selbstverständlich war/gewesen wäre? Und hingegen ein Großteil der aktuellen Politik beinahe unbemerkt immer weiter nach rechts driftet?

Solon hat gesagt…

Tja. Ich weiß nicht, ob "links" und "recht" überhaupt adäquate Begriffe sind beim Thema "Datenschutz" und "Überwachung". Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

Ich meine: Mitdenkende Konservative müssten eigentlich einen Überwachungsstaat auch fürchten. Denn wer garantiert ihnen, dass irgendeine Regierung in der Zukunft nicht plötzlich extrem links ist. Eine Diktatur ist vielleicht von beiden Seiten aus möglich. Beide extremen Enden des politischen Spektrums zeichnen sich ja durch die Abschaffung von Meinungsfreiheit etc. aus.

Nur wer es mag, nicht selbst mitzureden auf der politischen Bühne, der hat nichts gegen den Überwachungsstaat. Gefährlich sind also nicht die Rechten oder Linken, sondern die Unpolitischen.