Sonntag, 7. Oktober 2007

Installiert Polizei trotz BGH-Verbot illegal Schadsoftware auf Rechnern?

Das jetzt offenbar gewordene, vermutlich rechtswidrige Handeln von Sicherheitsbehörden in Deutschland, sich Zugang zu Privatrechnern zu verschaffen, um dort heimlich Software zu installieren, die insbesondere Telefonate mit dem Internet-Telefonierprogramm von Skype belauschen soll, nährt leider noch einmal meinen Verdacht, ebenfalls tatsächlich auch Opfer eines derartigen Vorgangs gewesen zu sein.

Wie ein Verdacht gegen mich entstanden sein könnte und wie bei mir wiederum der Verdacht entstand, eventuell abgehört zu werden:

  • Am 23. Juli diesen Jahres schrieb ich hier im Weblog, wie seltsam es sei, dass man lange nichts von den vor Monaten als Gefahr benannten, angeblichen Terror-Organisationen "GIMF" und "Militante Gruppe" gehört habe. Der Weblog-Eintrag war ein Versuch, darzustellen, dass diese Terror-Gruppen in der Bevölkerung kein Thema sind.
  • Kurze Zeit später ist jedoch die "Militante Gruppe" durch das Vorgehen der Sicherheitsbehörden gegen mögliche Mitglieder der Militanten Gruppe tatsächlich wieder Tagesgespräch. Habe ich das geahnt? Wusste ich vielleicht mehr als andere? Nein. Es war purer Zufall, dass ich kurze Zeit vorher einen Blog-Eintrag über diese Gruppe gemacht hatte.
  • Im gleichen Zeitraum mache ich mich hier im Weblog lustig über das Vorgehen des Berliner Staatsschutzes gegen angeblich politisch gesinntes Luftablassen durch Unbekannte bei parkenden Autos. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Sicherheitsbehörden, die anscheinend ziemlich hilflos schon lange Zeit versuchen, Vandalismus gegen parkende Autos in Berlin aufzuklären, nach jedem Strohhalm greifen könnten und selbst solch einen Weblog-Eintrag mit sehr prüfenden Augen lesen.
  • Das anonyme Schreiben bei Blogspot.com, das häufige Verwenden des Internet-Anschlusses meines Vaters, die kritische Einstellung dieses Weblogs gegenüber dem Gebahren der Sicherheitsbehörden und seltenes Telefonieren von mir über das normale Telefonnetz könnten Verdachtsmomente gegen mich erhärtet haben. Der Grund für dieses vermeintliche seltsame Verhalten ist jedoch einfach: Hier im Haus ist wegen der schlechten technischen Qualität der Kupferleitungen kein DSL verfügbar. Also nutze ich UMTS. Einen normalen Festnetzanschluss habe ich gekündigt und nutze stattdessen Skype via UMTS. Skype funktioniert, alle anderen Voice-Over-IP-Lösungen, die über SIP laufen, werden jedoch von meinem UMTS-Mobilfunkanbieter unterbunden, gefiltert, geblockt - denn der Mobilfunkanbieter will sich wohl sein Mobilfunkgeschäft nicht durch die kostengünstige Internettelefonie kaputt machen lassen. Skype jedoch ist technisch (bislang) nicht zu blockieren, weil Skype nicht über SIP Telefonate abwickelt und durch seine besondere Verschlüsselungstechnik quasi durch alle Firewalls hindurch und an allen Routern vorbei kommt (Technikfreaks mögen mir diese etwas vereinfachte Darstellung jetzt einmal nachsehen). Der Grund, warum also mein Mobilfunkanbieter Skype nicht blockiert, liegt meiner Meinung nach also nur daran, dass er es schlicht technisch nicht kann.
  • Nach zwei Wochen Urlaub komme ich nach Hause und merke, dass Licht im Bad brennt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich vor der Abreise darauf geachtet hatte, dass das Licht aus ist. Aber gut, man kann sich natürlich täuschen. Allerdings weiß ich, dass Sicherheitsbehörden auch ohne jegliche Spuren zu hinterlassen, Wohnungstüren öffnen können.
  • Der Computer war zwei Wochen lang aus. Sollte er zumindest gewesen sein. Nach dem ersten Anschalten nach Rückkehr aus dem Urlaub meldet jedoch das fabelhafte Programm "Spybot Search & Destroy", das ich regelmäßig nutze, dass Spuren einer unbekannten Schadsoftware in der Registry zu finden seien. Außerdem finden sich auf der Festplatte weitere verdächtige Dateien, über deren Herkunft ich nichts weiß und auch über Google nichts Näheres zu erfahren ist. Ich ordne dies als mögliche Reste irgendeines Progammes ein, dass vielleicht nicht wieder richtig deinstalliert wurde und die Spybot-Meldung eventuell als Fehlalarm. Ich surfe mit Bedacht im Internet, installiere nicht wahllos Software, bilde mir ein, einigermaßen zu wissen, was ich tue. Aber das schließt logischerweise nicht aus, dass nicht auch mir es passieren kann, dass ich ungewollt Schadsoftware installiere.
  • Bislang hatte ich auch folgende Begebenheit als die übliche Spinnerei von Windows abgetan: Als ich nach meinem Urlaub Skype starte, startet nicht Skype, sondern ein Installationsprogramm, das - so scheint es - Skype "reparierte". Erstaunt stellte ich jedoch einen Tag später fest, dass ich nun nicht mehr die neueste Version von Skype auf dem Rechner hatte (Version 3), sondern wieder die Vorgängerversion (Version 2). Ich bin kein Software-Spezialist oder gar Hacker. Ich erklärte mir dieses Ereignis mit irgendeiner Fehlfunktion des Windows-Installers.
  • Ein paar Tage später merke ich, dass der Akku meines Handys über Nacht plötzlich völlig leer geworden ist. Am Abend war der Akku voll, ich hatte das Handy nicht benutzt, am Morgen war das Handy regelrecht heiß gelaufen und der Akku leer. Wiederum kann dies ein technischer Fehler des Handys sein. Moderne Handys spinnen halt manchmal, stürzen ab, versagen den Dienst und so weiter. Oder hat da jemand über ein heimliches Firmware-Update oder mit Hilfe meines Mobilfunkproviders eine Softwarewanze auf mein Handy aufgespielt?
Fazit: Alle hier geschilderten Vorgänge, die auf der einen Seite den Verdacht von Sicherheitsbehörden auf meine Person gelenkt haben könnten - und alle Vorgänge, die wiederum meinen Verdacht auf die Sicherheitsbehörden gelenkt haben könnten - sind auch ganz "normal" zu erklären.

Die Meldung des Spiegels jedoch, dass das LKA-Bayern trotz eigentlich angebrachter Zweifel, ob ein derartiges Vorgehen nicht illegal sein könnte, Schadsoftware auf Rechnern installiert, um Skype-Telefonate abhören zu können, und auch das jüngst offenbar gewordene, absolut unverfrorene Verhalten des BKA, Menschen nur deshalb auszuforschen, weil sie die Website des BKA aufrufen, bestärken mich leider in meinem Verdacht, tatsächlich auch Opfer solch eines höchstwahrscheinlich kriminellen und wilden Verhaltens unserer Sicherheitsbehörden geworden zu sein.

Ach ja, noch etwas: Ich wohne nicht in Bayern und habe auch keinerlei persönliche Verbindungen nach Bayern. Wenn mein Verdacht also stimmt, dann setzen auch noch andere Sicherheitsbehörden als das Bayerische Landeskriminalamt derartige, rechtlich zweifelhaften Verfahren ein.

Und wenn sich mein Verdacht als falsch herausstellt, dann zeigt das alles trotzdem, wohin ein derartiges, ausuferndes und wildes Schnüffelverhalten unserer Sicherheitsbehörden führt: Bekommen die Sicherheitsbehörden die Möglichkeit, auf unsere Rechner mit derartig geheimen Verfahrensweisen und schon bei geringen Verdachtsmomenten zuzugreifen, werden viele Bürger bei Problemen mit ihrem Rechner anfangen zu überlegen, ob da nicht jemand im Hintergrund mitlauscht. Verdachtsmomente gegen noch so unbescholtene Bürger lassen sich wohl fast immer irgendwie finden und zurechtzimmern. Das unkontrollierte, zügellose Schnüffeln von Sicherheitsbehörden schafft so - ob im Einzelfall berechtigt oder nicht spielt dann gar keine Rolle mehr - bei zahlreichen Bürgern Misstrauen, Angst und Unsicherheit.

Und genau das, also Angst und Unisicherheit, wollen doch angeblich unsere "Sicherheits"-Politiker bekämpfen bei ihrem "Kampf gegen Terror", oder?

Sollte es sich bestätigen, dass unsere Sicherheitsbehörden trotz der zweifelhaften Rechtsgrundlage bei bereits geringen Verdachtsmomenten in eventuell großer Zahl heimlich Zugriff auf die Computer der Bürger genommen haben, ist der Schaden, den die Sicherheitsbehörden damit anrichten, meiner Meinung nach wesentlich höher als der vage Nutzen, dadurch eventuell Terroranschläge verhindern zu können. Denn solch ein Vorgehen der Sicherheitsbehörden zerstört das Vertrauen der Bürger in den Staat nachhaltig, dauerhaft und immer wieder bei "Störungen" im eigenen Computer. Andererseits wird solch ein Vorgehen trotzdem vermutlich leider kaum wesentlich dazu beitragen, Terroristen-Attacken zu stoppen. Die Terroristen werden einfach wieder auf andere Methoden ausweichen, beispielsweise ihre Rechner gegen Zugriffe durch heimliche Wohnungsbesuche von Sicherheitsbehörden schützen. Oder sie nutzen am Ende vielleicht schlicht gar keine modernen Telekommunikationsmittel mehr. Auch in den Zeiten vor der Erfindung von Computern und Internet gab es bekanntlich Terroranschläge.

Muss man wirklich weiter erläutern, welch ein Schaden für die Demokratie ungezügelte Sicherheitsbehörden darstellen? Sind Schäuble, Beckstein, Bosbach und der Rest der Unionsparteien schlicht dumm oder gibt es da weitverbreitete Vorbehalte gegen den freiheitlichen, demokratischen Rechtsstaat? Wenn ja, sollte der Verfassungsschutz mal tätig werden. Ach, stimmt, der hat ja anderweitig zu tun.

P.S.: Mögliche Anfragen der Presse an mich möchte ich gleich negativ beantworten. Ich stelle hier nur dar, was sein könnte. Ich habe keinerlei Beweise, die meinen Verdacht belegen. Das schmälert jedoch nicht die eigentliche Aussage dieses Weblogs-Eintrags: Dass viele Computernutzer bei merkwürdigen Vorgängen in ihrem Rechner (und merkwürdige Vorgänge gibt es bei Windows-Rechnern für ungeschulte Anwender wohl jeden Tag) plötzlich das Muffensauen bekommen könnten, ob sich nicht jemand Zugang zum Rechner verschafft haben könnte. Kommen dann noch wie bei mir andere Merkwürdigkeiten hinzu, fängt man an wirklich misstrauisch zu werden. Eine Aufklärung durch Sicherheitsbehörden findet ja nach einem Lauschangriff kaum statt. Und eine richterliche Kontrolle des Tuns der Sicherheitsbehörden findet anscheinend auch kaum effektiv statt. Und wer wird jetzt beispielsweise Beckstein daran hindern, solch eine Computersabotage weiter zu betreiben? Und wer kann mit Sicherheit sagen, dass andere LKAs anderer Länder nicht ebenso verfahren? Das Misstrauen ist gesät und es wächst jeden Tag. Welche Maßnahmen werden ergriffen, um sicherzustellen, dass sich unsere Sicherheitsbehörden rechtlich einwandfrei verhalten?

Es gibt aktuell ein massives Problem in Deutschland. Und dieses Problem heißt nicht "Terrorismus", sondern "Sicherheitsbehörden". Weitere aktuelle Presse-Artikel, die dies bestätigen:
  • Wie die Polizei Personen umfassend beobachtete, obwohl sie eigentlich nur ein Telefon abhören durfte: Es hat sich ausgespitzelt (TAZ.de)
  • Eine Rezension von Rolf Gössners Buch "Menschenrechte in Zeiten des Terrors. Kollateralschäden an der 'Heimatfront'", in dem der Autor detailliert darstellt, wie unsere Sicherheitspolitiker den Rechtsstaat beschädigen: Ausnahmezustand (Junge Welt)
  • Eine ernste Mahnung an die Politik, den Rechtsstaat durch die Ausweitung der Befugnisse der Sicherheitsbehörden nicht an die Wand zu fahren und konkrete Vorschläge, wie dies verhindert werden kann, liefert Arthur Kreuzer, Direktor des Instituts für Kriminologie an der Universität Gießen, in einem Artikel bei Zeit.de: Der Rechtsstaat bröckelt
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10 Kommentar(e):

ninjaturkey hat gesagt…

Auch ich gehöre nicht zu den übertrieben mißtrauischen Menschen, wobei der Status "übertrieben" heute nicht mehr so schnell erreicht wird wie noch vor wenigen Jahren.
Zudem halte ich meinen Mac (speziell meinen) immer noch für aufwändiger korrumpierbar als einen PC. Und wenn wir mal in Urlaub sind, wird hier aufm Dorf jedes fremde Auto argwöhnisch beäugt, während sich die Nachbarn ums Haus kümmern (klingt ein wenig nach Bullerbü, ist aber so).

Dennoch klingeln auch bei mir seit einiger Zeit die Alarmglocken, wenn mein Computer scheinbar einige seiner Preferences vergisst, oder Verbindungen zu regierungskritischen oder sonstwie "suspekten" Seiten subjektiv besonders lange dauern.

Natüüüürlich steckt hinter all dem nichts konkretes. Aber dass ich mich (wie auch Sie, werter Herr Solon) plötzlich in der Situation zu finden meine wie weiland ein DDR-Bürger wenn´s mal im Hörer knackte, sagt viel über die Stimmung im Lande aus.

Ganz ohne Mißtrauen: vielleicht ist es mal wieder an der Zeit ein "sauberes" System aufzuspielen (das ist jetzt kein Euphemismus für "Volksaufstand", sondern bezieht sich tatsächlich nur auf meinen Computer) ;-)

Wortbestätigung und geheime Botschaft des Tages: jltcjss

(Da sollen die Jungs vm BKA mal ne Weile dran knabbern ;-))

Anonym hat gesagt…

Du könntest Dich an den Bundesdatenschutzbeauftragten wenden und ihn anfragen lassen, ob eine Überwachung bei Dir stattgefunden hat. Entweder bekommst Du eine Auskunfte "Behörde X" hat nichts unternommen oder "Behörde Y" gibt keine Auskunft, um laufende Ermittlungen nicht zu gefährden, was ja auch eine Auskunft ist.

Solon hat gesagt…

@anonym: Wenn man tatsächlich zumindest die Auskunft bekommt, dass es Ermittlungen gibt oder nicht gibt oder gab, wäre das ja tatsächlich überlegenswert. Danke für den Hinweis!

@ninjaturkey: "dass ich mich (wie auch Sie, werter Herr Solon) plötzlich in der Situation zu finden meine wie weiland ein DDR-Bürger wenn´s mal im Hörer knackte, sagt viel über die Stimmung im Lande aus."

Ja, genau das wollte ich zeigen. Ich habe noch in Erinnerung, wie Freunde, die sich noch weniger auskennen als ich mit Computern und denen ich deswegen früher immer helfen musste, bei jeder kleinsten Störung im Computer besorgt ausriefen: "Virus!". Insofern fühle ich mich auch etwas wie solch ein "Virus!"-Rufer, wo eventuell gar nichts Schlimmes geschehen ist. Andererseits hat man auch den Wunsch, an sowas wie eine mögliche Überwachung gar nicht zu denken. Man schwankt also zwischen: "Quatsch, das alles hat nichts zu bedeuten", "Ach, mit den Sorgen machst du dich nur lächerlich" und "Hm, aber jetzt ist mir noch xyz aufgefallen und das verstärkt wieder meinen Verdacht..."

Solche Unsicherheiten wären wohl nur zu vermeiden (allgemein, nicht nur bei mir), wenn es eine effektive Kontrolle des Tuns der Sicherheitsbehörden gibt. Aber die im Weblog-Eintrag verlinkten Artikel veranschaulichen eher die langsame Auflösung der bisher schon nicht gerade umfangreichen Kontrolle dessen, was unsere Sicherheitsbehörden machen, ob sie sich also an gesetzliche Auflagen und Handlungsschranken halten. Ganz zu schweigen davon, dass sie inzwischen schon zu viele gesetzlich legitimierte Möglichkeiten haben.

Anonym hat gesagt…

Hallo Solon, ich kenne diese Situation aus eigenem Erleben. Das Wichtigste ist: nicht durchdrehen und in Paranoia verfallen. Wenn du mehr erfahren möchtest, kannst Du Dich direkt an das "Zentrale Staatsanwaltliche Verfahrensregister" wenden. Alle richterlich genehmigten Überwachungsmaßnahmen sind dort erfaßt. Der Bundesdatenschutzbeauftragte macht auch nichts anderes, es dauert aber länger, da der Datenschutzbeauftragte auch eine Behörde ist, die für die Bearbeitung etwas Zeit braucht. Eine Auskunft erteilt das Register erst 6 Monate nach Abschluß der Überwachung, in besonders schwerden Fäller erst nach 12 Monaten. Du hast also noch Zeit, Dein Auskunfts-Ersuchen zu formulieren ;-).

Vielleicht nutzt Du die Zeit, Deine Kommunikation einem Review zu unterziehen (ohne Paranoia!). Sind beispielsweise die E-Mails verschlüsselt? Welche neuen Wege sind Dir und Deinen Partnern zumutbar? Daten auf dem Rechner verschlüsselt? Wie sieht es mit einem Backup Deines guten Blogs aus?

Ein Vorschlag zu Blog: Wie wäre es, wenn Du ein Backup Deines Deines Blogs zum Download bereitstellst. Vielleicht findet sich jemand, der diese Kopie sichert. Du schreibst unter Creativ Commons, man könnte eine Kopie im Falle eines Falles auf einem neuen Server hochziehen, ich habe mal von einem ähnlichen Fall gelesen, weiß aber nicht mehr wo.

Keep on blogging! Du bist nicht allein.

Solon hat gesagt…

@anonym: Danke für den Zuspruch und die weiteren Erläuterungen. Panik oder sonstigen psychischen Druck verspüre ich nicht. Mehr noch als eine möglicherweise direkte, konkrete, persönliche Betroffenheit, beschäftigt mich tatsächlich die abstrakte Situation, dass der Schutz der Privatsphäre in diesem Land zur Zeit nur noch so wenig gilt. Ob nun tatsächlich Skype-Gespräche von mir abgehört wurden, beunruhigt mich weniger, als die Tatsache, dass es keine effektive Kontrolle unserer Sicherheitsbehörden mehr zu geben scheint und es keinen absoluten Schutzbereich mehr gibt. Das kann gesellschaftlich mächtige und gefährliche Auswirkungen haben (und hat es meiner Meinung nach schon!) von denen wir alle heftigst berührt sein könnten. Mit "wir alle" meine ich jeden Bürger. Davor gruselt mir - so abstrakt manchem diese gesellschaftliche Situation auch erscheinen mag.

Außer in diesem Weblog hier bin ich nicht politisch aktiv. In keiner Partei, in keiner NGO, Gewerkschaft oder irgendwelchen politischen Kreisen. Meine Telefongespräche sind harmlos. Ich habe keinen Kontakt zu irgendwelchen "Informanten". Ich lebe zur Zeit sogar alleine. Es wären also kaum weitere Personen betroffen worden in ihrer Privatsphäre. Ich vermute, dass dieser Soziologe Andrej H. und seine ebenfalls wohl umfassend observierten Freunde und Bekannte darunter am meisten leiden, dass andere Menschen, die sie lieben, Frau, Freundin, Kinder "wegen ihnen" solch eine Verletzung erfahren mussten.

Mich würde vor allem stören, dass jemand unbefugt und heimlich meine Wohnung betreten haben könnte, das wöge in meinen Augen und in meiner persönlichen Situation schwerer als abgehörte Telefonate.

Und dass diese Tatsache, dass beim Versuch Internettelefonate abzuhören also Wohnungen aufgebrochen werden (heimlich) und auf Privat-Computer zugegriffen wird (heimlich) und diese manipuliert werden, einfach so von Politikern und Sicherheitsbehörden beiseite geschoben wird und behauptet wird, dass das Anzapfen und Manipulieren des Computers unter heimlichem Einbrechen in die Wohnung doch nichts anderes sei als das Abhören von Telefongesprächen über die Telefonleitung, das ist für mich ein extremes Alarmzeichen, dass Politik und Sicherheitsbehörden absolut jegliches Urteilsvermögen abhanden gekommen ist und dass hier gestunken und gelogen wird oder bewusst unter Verfolgung einer geheimen politischen Agenda das freiheitlich-rechtliche System dieses Staates weiter unterhöhlt werden soll.

Dass wir es mit solchen Politikern wie Schäuble und Beckstein zu tun haben, und Beckstein nicht festgenommen wird, weil er offensichtlich gegen geltendes Recht verstoßen hat, das lässt mich gruseln. Dass wichtige Teile unserer Medien nicht verstehen, was gespielt wird, erzeugt bei mir echte Gefühle der Hilflosigkeit. Möglicherweise selbst Opfer von abgehörten Skype-Gespräche geworden zu sein, ist dagegen zumindest für mich persönlich (das wird bei anderen Menschen natürlich völlig anders sein!) Pippikram.

Noch ein Wort zu Weblog-Backups: Das Weblog hier läuft ja nicht auf einem eigenen Server von mir, sondern auf Servern von Google/Blogspot.com. Backups wären eigentlich nicht nötig, so lange man der Aussage von Blogspot.com vertraut, dass sie kein Weblog löschen werden. Dennoch ziehe ich mir von Zeit zu Zeit eine Kopie. Wer selbst eine Kopie machen möchte, kann dies am besten mit dem kostenlosen Firefox-Add-On "Scrapbook" tun. Dazu lässt man sich hier im Weblog nach Installation von Scrapbook einfach beispielsweise alle Weblog-Einträge eines Monats anzeigen (rechts in der Navigationsleiste unter "Archiv" einen Monat auswählen) und sichert dann mit Scrapbook die angezeigte Weblog-Seite, auf der dann alle Einträge eines Monats zu finden sind.

fellow passenger hat gesagt…

Möglicherweise ist es jetzt zu spät, aber der CCC hat gebeten, wer einen Bundestrojaner entdeckt, möge ihn an dem CCC schicken.

Solon hat gesagt…

Tja, ja, das ist jetzt zu spät. Ich hatte ja, als ich diese im Artikel geschilderten Merkwürdigkeiten beobachtete, erst nicht wirklich ernsthaft daran gedacht, dass hier vielleicht, möglicherweise irgendwelche Sicherheitsbehörden ihre Finge im Spiel haben könnten. Ich dachte erst an normale Trojaner, wie sie sich jeder einfangen kann oder an Fehlfunktionen der Software.

Erst mit Blick auf die jüngsten Erkenntnisse über das tatsächlich stattfindende, unverschämte Verhalten unserer Sicherheitsbehörden - auf der einen Seite BKA mit dem Abschnüffeln von Website-Besuchern und auf der anderen Seite LKA(s) mit dem Willen zum offenen Gesetzesbruch - erst das ließ mich erneut den Gedanken ernsthafter ins Auge fassen, dass die Merkwürdigkeiten eventuell zusammenhängen. Ich ging ja davon aus, dass sich unsere Sicherheitsbehörden an Gesetze halten würden und also doch keinen Trojaner einsetzen würden. Ich Naivling. Hätte ich es geahnt, hätte ich die Schadsoftware nicht bekämpft, sondern alles so gelassen wie es war und mir 'ne neue Festplatte gekauft.

Aber man wird ja klüger.

Anonym hat gesagt…

Tja, alles bis auf das Skype-Ding kann Zufall oder Mißverständnis sein. Das Skype-Ding ist kein Mißverständnis. Eine vorher funktionierende Software startet nicht von sich aus eine Reperaturfunktion und keinesfalls installiert eine Reperaturfunktion eine ältere Version. Die Reperaturfunktion hat nämlich nicht irgendwo noch ein Backup einer alten Version rumliegen, sondern benutzt *immer* entweder die sowieso schon auf dem Computer vorhandene Version oder aber die jeweils aktuelle aus dem Internet.

Sprich: Wenn plötzlich ältere Versionen auf Deinem PC installiert sind, ist irgendwas oberfaul. Keine Reperaturfunktion der Welt installiert alte Versionen, nicht angesichts dem Neu-Neu-Neu-Wahn der Software-Entwickler und ihrer Jünger. Der Installer kann hier auch keine "Fehlfunktion" haben, denn egal der Fehlfunktion liegen einfach nirgendwo auf Deiner Festplatte eine alte Skype-Version zu Reperaturzwecken herum. Wenn, dann liegt immer die aktuelle Version zu Reperaturzwecken herum, unmöglich eine alte.

Tobias Clareb hat gesagt…

Ich empfehle den Leuten die so etwas real erleben könnten, das versteckte Einbauen einer Videokamera mit SD-Karte und Bewegungsmelder.
Bei EBay gibt es die Technik in 2-Kanal (2 Kameras!) + Kameras für um die 150 Euro.

Unterputz kann man viel verstecken, und zugleich unsichtbar mit Strom versorgen.
Idee für die Chinesichen Spy-Hardware-Hersteller:
Ein Lichtschalter mit unsichtbar eingebauter Kamera und Bewegungsmelder.
Oder als Deckenlampe getarnt. Usw..

Das hat tatsächlich jemand gemacht, bei dem wohl eine Wanze (eine echte) deponiert wurde. Der konnte das hinterner auf Video sehen.
DAS wäre 1A-Material um diese Behörden bei YouTube lächerlich zu machen.



Gibt es eigentlich Aktuell eine Seite des BKA die man "nicht zu oft aufrufen sollte" (ernst gemeint)?

Wurde eine Auskunft beantragt?
Ist ja jetzt lange genug her.

Wenn ich so etwas wüsste, würde ich die ja mit viel Müll füttern.
Sprengstoffrezepten, Termine zu Treffen mit "anderen Terroristen" (und evtl. versteckt beaobachten welche Schlapphüte da erscheinen) usw..



Die Medien werden spätestens dann kritisch berichten wenn ihre Reporter bespitzelt wurden :] .

Solon hat gesagt…

"Ich empfehle den Leuten die so etwas real erleben könnten, das versteckte Einbauen einer Videokamera mit SD-Karte und Bewegungsmelder."

Diese Lösung versagt jedoch, wenn die staatlichen Einbrecher zunächst die Stromversorgung unterbrechen, was vermutlich ein Standardvorgehen ist, schon um mögliche Alarmanlagen außer Kraft zu setzen.

Eine Möglichkeit, ganz ohne Technik zunächst einmal nur festzustellen, ob jemand unbefugt in der Wohnung war: Das versteckte Anbringen von Dingen, die unweigerlich beim Betreten eines Zimmers bewegt werden und die so klein sind und so unauffällig, dass ein Einbrecher nicht auf die Idee kommt, nach ihnen zu suchen. Beispielsweise ein Haar oder besonders ausgelegter Staub usw.

Aber letztlich wird jede noch so ausgeklügelte Technik oder jeder noch so ausgeklügelte Trick nichts helfen. Um überbordenes Überwachungstreiben von Polizei und Geheimdienst zu verhindern, hilft am Ende nur eine kritische Öffentlichkeit und das Dringen auf hohe Datenschutzstandards in Gesetzen und in der Überwachung dieser Gesetze sowie eine Stärkung und ein Ausbau demokratischer Strukturen, Verfahren und Prinzipien.

Ich bin meinem Verdacht übrigens nicht weiter nachgegangen, habe keine Behördenanfragen gestellt, schon allein, weil ich zur Zeit kein Vertrauen habe, dass ich hier eine ehrliche Antwort bekommen würde.

"Gibt es eigentlich Aktuell eine Seite des BKA die man "nicht zu oft aufrufen sollte" (ernst gemeint)?"

Das weiß ich nicht. Aber BKA-Seiten würde ich nur über Anonymisierungsdienste aufrufen, beispielsweise mittels "Tor", um zu verhindern, aus Versehen in falschen Verdacht zu geraten.

"Wenn ich so etwas wüsste, würde ich die ja mit viel Müll füttern.
Sprengstoffrezepten, Termine zu Treffen mit "anderen Terroristen" (und evtl. versteckt beaobachten welche Schlapphüte da erscheinen) usw."

Das würde ich tunlichst unterlassen. Eine Untersuchungshaft ist schnell verhängt und kann sehr lange dauern - ohne am Ende übrigens dafür irgendeine Entschädigung zu bekommen. Außerdem muss man davon ausgehen, dass die Polizei einen auch anschließend weiterhin äußerst lange observieren wird. Geheimdienste und Polizei scheinen sehr kreativ zu sein, wenn es darum geht, alltägliches Verhalten als "konspiratives" Verhalten einzuordnen.

"Die Medien werden spätestens dann kritisch berichten wenn ihre Reporter bespitzelt wurden."

Es wurden längst Reporter bespitzelt, vor allem, wenn sie über Geheimdienste berichteten und recherchierten. Die Begründung für die Bespitzelungen war meist, dass die Behörden durch das Bespitzeln des Reporters Lecks in den eigenen Behörden ausfindig machen wollten.